OnLive für Tablets: Konsolen-Games ohne Emulator auf iPad & Co.

Cloud Gaming erreicht die Tablets! Bei OnLive laufen anspruchsvolle Spiele auf den Servern des Anbieters, Steuereingaben und Bildausgabe erfolgt über das Internet. Bislang klappte das nur mit speziellen, besonders günstigen Konsolen fürs Wohnzimmer – aber jetzt soll man auch auf iPad & Co. “richtig” zocken können. Unsere Kollegen aus den USA haben bereits ausprobiert, ob das funktioniert.

Das Prinzip ist einfach, aber genial. Anstatt teure Spielekonsolen in die Wohnzimmer der Kunden zu stellen, benötigt man einfach nur eine flotte Internet-Verbindung und ein simples Endgerät. Außerdem laufen auch aktuelle PC-Games auf alten Kisten, denn die komplexe und aufwändige Berechnung der Grafiken erfolgt auf leistungsfähigen Servern im Internet, die dann gleich dutzende Spieler auf einmal mit dem gewünschten Shooter oder Autorennen versorgen.

Das Angebot

Bislang funktioniert der Dienst offiziell noch nicht in Deutschland. In England wird er aber schon seit gut zwei Monaten angeboten. Spiele kosten dort zwischen 2 und 40 Pfund, alternativ gibt es ein Abo für 7 Pfund im Monat, das den Zugriff auf beliebig viele Spiele aus dem circa 200 Titel fassenden Angebot erlaubt. Wann der Dienst hierzulande startet, steht noch nicht fest.

Zusätzlich zum Abo ist entweder eine Client-Software für Windows-PCs und Macs nötig – oder eben eine günstige Konsole, die den Fernseher mit dem Internet verbindet. Neu sind Apps für iOS und Android, die das Zocken auch auf aktuellen Smartphones und Tablets ermöglichen. Zur Eingabe kommt dabei ein kabelloser Controller zum Einsatz, der sich via Bluetooth mit den Mobilgerät verbindet. Ausgewählte Spiele arbeiten auch mit virtuellen Joysticks, die auf dem Touchscreen eingeblendet werden. Wer über ein Endgerät ohne Bluetooth verfügt, muss mit dem eingeschränkten Angebot leben.

In den USA funktioniert der Dienst sogar über das Mobilfunknetz – Voraussetzung ist allerdings der UMTS-Nachfolger LTE inklusive einem dafür geeigneten Endgerät. Besonders wichtig für ein flüssiges Spielerlebnis sind kurze Verbindungswege zwischen Konsole und Server. Idealerweise erfolgt die Verbindung deshalb über Netzwerkkabel. Da Tablets und Handys üblicherweise aber “nur” über WLAN verfügen, bedarf es hier einer möglichst guten Verbindung.

Mit Controller und App kann es losgehen. Die eigentlichen Spiele laufen auf dem Server des Anbieters, übertragen werden nur Steuersignale und Bilder.
Mit Controller und App kann es losgehen. Die eigentlichen Spiele laufen auf dem Server des Anbieters, übertragen werden nur Steuersignale und Bilder.

Zocken auf dem iPad

Unsere Kollegen von CNET.com haben versucht, OnLive-Spiele auf einem iPad im Büro in Betrieb zu nehmen – ohne Erfolg, mit drei unterschiedlichen WLAN-Netzen. Mit einem normalen Internet-Zugang samt WLAN-Router zu Hause hat das aber problemlos geklappt. Einen Unterschied zu “normalen” iPad-Games konnten sie nicht feststellen – abgesehen davon, dass es deutlich mehr grafische Details zu sehen gibt, die das iPad selbst nicht darstellen könnte.

Insgesamt ist OnLive auf dem iPad ein etwas zweischneidiges Schwert. Zum Einen ist es natürlich wahnsinn, Top-Spiele wie Batman: Arkham City ohne Einschränkungen und wie auf einem leistungsfähigen PC mit einem Gamepad auf dem iPad zu zocken. Auf der anderen Seite ist dafür aber eben auch eine besonders gute Internet-Verbindung nötig, denn ansonsten ist das Erlebnis einfach nur frustrierend. Und genau das nimmt der ganzen Sache einfach das Highlight – nämlich die Portabilität. Immerhin, wenn es nicht klappt mit der Verbindung, kann man ja immer noch auf Spiele aus dem App Store zurückgreifen.

Das neue kabellose Controller arbeitet nicht nur mit dem iPad zusammen, sondern auch mit der Micro Console des Herstellers – sowie mit allen anderen Handys und Tablets, mit PCs und Macs. Einzige Voraussetzung: Bluetooth. Optisch, technisch und haptisch erinnert uns das Gamepad an einen Nachbau für die Xbox 360.

Nach einigen Runden auf dem iPad wirkt der Dienst, als wäre er ab Werk in das Apple-Tablet integriert. Na klar, auch im App Store gibt es Tausende von Spielen, die von Tag zu Tag besser werden. Aber an die echten Highlights, die einen über Stunden und Tage fesseln, wie Assasin’s Creed: Revelations, Deus Ex: Human Revolution oder Arkham City kommt eben keines von ihnen heran.

Allerdings greifen auch hier wieder die Beschränkungen von Apple. Zukäufe von Inhalten sind hier ja nur über den offiziellen App Store möglich und nicht über andere Wege – und damit müssen Interessenten neue OnLive-Spiele am PC oder Mac kaufen. Sie stehen dann sofort auch auf dem iPad zur Verfügung. Auch Speicherstände werden synchronisiert, sodass man auf dem iPad im Hotel dort weiterspielen kann, wo man auf dem PC im Keller aufgehört hat.

Der Controller erweist sich in der Praxis übrigens als gigantisch. Schon kurze Zeit später wünschten wir uns ihn auch bei iOS-Spielen aus dem App-Store – wie FIFA 12 – her. Technisch würde das wohl sogar klappen, bislang ist es aber nicht integriert.

Der kabellose Controller erinnert an das Xbox-360-Gamepad. Ihn würden wir auch gerne bei anderen iPad-Spielen einsetzen.
Der kabellose Controller erinnert an das Xbox-360-Gamepad. Ihn würden wir auch gerne bei anderen iPad-Spielen einsetzen.

Vorläufiges Fazit

OnLive selbst ist für echte Gamer eine tolle Sache – vorausgesetzt, die Internet-Verbindung stimmt. Grafik und Spiele sind Top und eine tolle Ergänzung zu dem, was der App Store zu bieten hat. Und während die Amerikaner jetzt darauf warten, dass die Apps in den nächsten Tagen im App Store und im Android Market auftauchen und das kabellose Gamepad demnächst in den Läden stehen wird, können wir nur darauf hoffen, dass das Angebot endlich auch in Deutschland startet.

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