Bridgekamera-Kaufberatung: Superzoom-Digicams mit bis zu 36-fachem Zoom im Vergleich

Viel Zoom für faires Geld: Die sogenannten Bridgekameras verfügen über Objektive, die vor zehn Jahren noch völlig undenkbar gewesen wären. Zwar gab es auch damals Optiken mit mehr als 30-fachem optischen Zoom, doch diese waren für professionelle Broadcasting-Camcorder konzipiert und jenseits der Portabilität. Jetzt finden die Rekord-Linsen ihren Weg in die Jackentasche, und das auch noch für faires Geld. Wir haben uns alle derzeit erhältlichen Bridgekameras angesehen, die über einen mindestens 20-fachen optischen Zoom verfügen. Worauf man achten muss, wenn man sich für eines der 17 Modelle entscheiden möchte, verrät diese Kaufberatung.

Um mit einem weit verbreiteten Vorurteil bereits ganz von Anfang an aufzuräumen: Auch wenn Bridgekameras wie kleine DSLRs aussehen, sind sie in puncto Bildqualität ein Stockwerk weiter unten angesiedelt. Denn die enorm flexiblen Objektive lassen sich nur mit kleinen Bildsensoren realisieren, wie sie auch bei Kompaktkameras Verwendung finden. Das ist per se nichts Schlechtes, aber man darf eben von einer 500 Euro teuren Bridgekamera nicht die Bildqualität einer 500 Euro teuren Spiegelreflexkamera erwarten. Das Tauschgeschäft lautet hier: flexibles Objektiv gegen Fotoqualität.

Die exakten technischen Daten aller derzeit erhältlichen und angekündigten Superzoom-Bridgekameras finden sich in einer ausführlichen Tabelle am Ende dieses Artikels. Im folgenden möchten wir nun die Parameter erklären, die bei Superzoom-Bridgekameras eine besonders wichtige Rolle spielen.

Objektiv

Die Optik ist DER Grund, sich eine Bridgekamera zu kaufen. Wir konzentrieren uns in diesem Artikel auf alle Digicams, die mindestens einen 20-fachen optischen Zoom mitbringen. Den Superzoom-Thron hat derzeit die Nikon Coolpix P500 inne: Ihr Objektiv bietet einen gewaltigen 36-fachen Zoom. Neben dem absoluten Faktor ist allerdings auch die Lage des Brennweitenbereichs zu beachten. Bei den meisten Modellen beginnt dieser im Weitwinkel bei 24 Millimetern, was eine gute Panoramatauglichkeit gewährleistet. Die Kodak EasyShare MAX Z990 bringt beispielsweise mit 28 Millimetern nicht ganz so viel Motiv aufs Bild, die Nikon Coolpix P500 hat mit 22,5 Millimetern von allen Modellen am meisten Weitwinkel zu bieten.

Dieses Bild zeigt, wie sich verschiedene Brennweiten auf den Bildausschnitt auswirken. Wenn die Kamera zu wenig Weitwinkel bietet, passt unter Umständen nicht das ganze Motiv aufs Foto und ist unweigerlich verloren.
Dieses Bild zeigt, wie sich verschiedene Brennweiten auf den Bildausschnitt auswirken. Wenn die Kamera zu wenig Weitwinkel bietet, passt unter Umständen nicht das ganze Motiv aufs Foto und ist unweigerlich verloren.

Die maximale Brennweite ist für die Praxis weniger relevant. Zwar bedeutet eine hohe Brennweite, dass man auf der Safari noch einen Tick näher an die Löwen herankommt. Doch in der Praxis ist es bei vollem Zoom schon sehr schwer, ein unverwackeltes Foto zu erzielen. Einmal wirken sich Verwackler bei hoher Vergrößerung viel stärker aus. Auf der anderen Seite sinkt außerdem die Lichtempfindlichkeit der Objektive im Telebereich, und es sind längere Verschlusszeiten erforderlich. Bei der Olympus SZ-30MR beispielsweise sinkt die Lichtstärke auf bis zu F6,9 ab, bei der Panasonic Lumix DMC-FZ150 ist es immerhin noch F5,2. Ein niedrigerer Wert ist besser, und bei der Panasonic-Kameras kommt grob 70 Prozent mehr Licht auf dem Bildsensor an. Das bedeutet, dass kürzere Verschlusszeiten ausreichen, und die Fotos eher noch scharf gelingen. Die Lichtstärke wird in Form der Blendenzahl angegeben und findet sich im Datenblatt der Kameras üblicherweise in einer der folgenden Nomenklaturen: F2,8 – F5,2 oder 1:2,8 – 1:5,2 oder f/2,8 – 5,2. Die erste Zahl steht für den lichtstärkeren Weitwinkel, die zweite für den lichtschwächeren Telebereich.

Nur der Vollständigkeit halber: Ein digitaler Zoom ist völlig wertlos und sollte beim Kauf einer Kamera absolut keine Rolle spielen.

Bildsensor

Die allermeisten Bridgekameras setzen auf Bildsensoren im 1/2,3-Zoll-Format. Es kommen jedoch zwei verschiedene Technologien zum Einsatz: CCD und CMOS. Kameras mit CCD-Sensoren kosten zwar weniger, doch dafür sind ihre CMOS-Kollegen deutlich schneller. Bei den Highend-Modellen sind Serienbildraten von mehr als zehn Fotos pro Sekunde keine Seltenheit. Außerdem erlauben flotte Bildsensoren eine Reihe von technischen Spielereien und Tricks. So kombinieren viele CMOS-Kameras beispielsweise mehrere in schneller Folge geschossene Fotos miteinander, um beispielsweise die Bildqualität bei wenig Licht zu verbessern oder bei sehr kontrastreichen Motiven wie Gegenlichtaufnahmen Unter- und Überbelichtungen zu verhindern. Auch eine Schwenkpanorama-Funktion, bei der der Fotograf die Kamera einfach über das Motiv schwenkt, um ein Ultrabreitbild einzufangen, gibt es nur bei CMOS-Digicams. Das gleiche gilt für eine bei manchen Modellen vorhandene 3D-Fotofunktion.

Ein immer noch erstaunlich stark beworbenes Ausstattungsmerkmal von aktuellen Digicams ist die Auflösung. Das mag bei großsensorigen Spiegelreflexkameras zwar durchaus eine Rolle spielen, doch bei den kleinen Bildsensoren von Kompakt- und Bridgekameras sind mehr Bildpunkte eher von Nach- denn von Vorteil. Denn wenn sich viele Pixel die selbe kleine Fläche teilen, so muss jeder einzelne Pixel mit höherer Empfindlichkeit ausgelesen werden. Und eine höhere Empfindlichkeit resultiert in mehr Auslesefehlern. Diese äußern sich am prominentesten in Form von Bildrauschen. Das gilt insbesondere bei schlechteren Lichtverhältnissen, wo ohnehin wenig Licht auf den Sensor trifft und generell schon einmal höhere Empfindlichkeiten vonnöten sind. Unterm Strich gilt: Mehr als 10 Megapixel braucht man nicht. Alles darüber ist Firlefanz für die Marketing-Abteilung – und nicht für den Käufer.

Wie diese drei mit Kompaktkameras geschossenen vergrößerten Bildausschnitte zeigen, nimmt die Bildqualität mit steigender Auflösung nicht unbedingt zu - jedenfalls nicht, wenn die Sensorgröße gleich bleibt.
Wie diese drei mit Kompaktkameras geschossenen vergrößerten Bildausschnitte zeigen, nimmt die Bildqualität mit steigender Auflösung nicht unbedingt zu – jedenfalls nicht, wenn die Sensorgröße gleich bleibt.

Nicht nur auf die Fotos, sondern auch auf die Videos hat der Sensortyp eine direkte Auswirkung. Die allermeisten Kameras mit CCD-Chips beschränken sich auf HD-Videos mit 1280 mal 720 Pixeln, während die CMOS-Digicams ausnahmslos Full-HD-Filmchen mit vollen 1920 mal 1080 Bildpunkten einfangen. Bei reduzierter Auflösung steht außerdem bei den mit CMOS-Sensoren ausgestatteten Modellen noch eine Zeitlupen-Videofunktion zur Verfügung.

Eine Ausnahme gibt es beim Bildsensor: Die kürzlich angekündigte und Anfang nächsten Jahres erscheinende Fujifilm X-S1 verfügt über einen 2/3-Zoll-Sensor, der mehr als doppelt so groß ist wie die ansonsten verwendeten 1/2,3-Zoll-Chips. Damit ist von der Kamera eine signifikant bessere Bildqualität zu erwarten. Auf der anderen Seite sind die Anschaffungskosten mit einer unverbindlichen Preisempfehlung von 699 Euro nicht ganz ohne, und die enorm sperrige Kamera wiegt knapp ein Kilogramm anstelle der bei der Konkurrenz üblichen 400 bis 600 Gramm. Aufgrund des größeren Bildsensors ist das 26-fach-Zoomobjektiv eben auch viel aufwändiger.

Neueste Kommentare 

3 Kommentare zu Bridgekamera-Kaufberatung: Superzoom-Digicams mit bis zu 36-fachem Zoom im Vergleich

  • Am 14. Dezember 2011 um 16:33 von Richard

    Die Optik ist der Grund?
    In meinen Augen ist die Optik nicht der Grund zum Kauf einer Bridge. Eigentlich ist die Bridge doch das Gegenstück zur Systemkamera. Sie verbindet die Nachteile Größe einer DSLR mit dem kleinen, meist schlechterem Sensor einer Kompaktkamera. Da gibt’s bessere Lösungen.
    Ich zB lobe mir meine Sigma DP2x, die größe einer Kompaktkamera, den Sensor einer DSLR und ein Wahnsinns allerdings festes Objektiv.

    • Am 21. Dezember 2011 um 17:33 von MeisterEder

      AW: Die Optik ist der Grund?
      EVIL-Kameras verbinden die Größer einer Kompakten mit der Bildqualität einer DSLR, außerdem besitzen sie auch auswechselbare Optiken.
      Bridgekameras vereinen, sofern man das überhaupt sagen kann, die Maße einer kompakten und logischerweise auch deren BQ mit viel Zoom und kreativen Modi sowie meist einem Sucher (DSLR-Feeling).
      Der einzige Grund eine Bridge zu kaufen läge somit wahrscheinlich im hohen Brennweitenbereich, kreative Modi gibt es mitlerweile in jeder Kameraklasse, in der BQ sind aktuelle Bridge immer noch ganz unten anzusiedeln, auf den Rotzsucher kann man verzichten.

      Die Sigma DP2x als Alternative für Bridgekameras zu empfehlen ist einfach nur Schwachsinn. Der Sensor der DP2x entspricht ungefähr mFT-Format, DSLR haben (meist) Sensoren im APS-C-Format, deutlich größer, deutlich bessere BQ. Des Weiteren ist die Sigma deutlich größer als ne Kompakte, v.a. mit dem aus dem Body hervorstehenden Objektiv, entspricht wahrscheinlich der Größe von NEXen. UND! mit einer Festbrennweite ist man extrem eingeschränkt, v.a., da das Objektiv fest ist, nicht wechselbar.
      Da hol ich mir lieber eine Evil-Kamera mit APS-C Sensor und Pancake, evtl. noch Reisezoom als Immerdrauf (sofern es mir wirklich um BQ geht und ich trotzdem noch kompakt und flexibel sein will). Ansonsten reicht da eine Kompakte mit 1/1,6 Zoll Sensor und lichtstarker 3bis5-fach Zoomoptik.

      Das ist trotzdem alles keine alternative zu einer Bridgekamera, da sich diese eben druch ihren großen Zoom auszeichnet. DSLR kommt nur mit 500mm Objektiv auf die selbe Brennweite (bei Crop 1,5 1,6), dann aber kein Weitwinkel, mit Reisezoomobjektiv wirds selbst mit 2fach telekonverter nichts, da dann wieder kein WW vorhanden.
      Da ist bspw. die P500 mit 22,5-810mm (KB) unersetzbar, der Bildstabi ist einigermaßen brauchbar.
      Die neue SX40 von Canon ist was Fotos betrifft schon ziemlich top, 24-840mm (KB), fast genauso gut, und holt einiges aus dem 2,33Zoll Sensor raus. Den Hendheld Nightshot oder wie das dort heißt find ich auch beeindruckend.
      Die Fuji SX-1 ist als Bridge eigentlich ungeeignet, 1kg und fast schon größer als normale DSLR… naja Geschmackssache..
      Was ich mir für eine Traumbridge wünschen würde? 😀
      1/2 Zoll Sensor (bei 2/3 Zoll wird mir das Objektiv zwangsläufig zu groß), 20mm-1000mm mit wenig Verzeichnungen und CAs, Mega Bildstabi :_D,….
      Man wird doch wohl noch Träumen dürfen…^^
      Wobei ich irgendwo gelesen habe, Canon soll nen Patent o.Ä. für ein 24-991mm objektiv gekauft haben! Das würde mich schon ziemlich interessieren 😀
      Sry für den langen Text, mir war lw und musste das einfach loswerden, haha..

    • Am 21. Dezember 2011 um 17:40 von MeisterEder

      AW: AW: Die Optik ist der Grund?
      Edit:
      Was ich mir für eine Traumbridge wünschen würde? 😀

      1/2 Zoll Sensor (bei 2/3 Zoll wird mir das Objektiv zwangsläufig zu groß), 20mm-1000mm mit wenig Verzeichnungen und CAs, Ordentlicher Bildstabi, 1080p60, max. 10Megapixel (weniger find ich aber auch nicht zwigend optimal..), natürlich einen hochempfindlichen BSI Sensor und! hochauflösender Sucher (1,5 mio pixel sollten reichen), uvm. 😀

      Man wird doch wohl noch Träumen dürfen…^^

      PS: Weiß jemand ob es 2012 einen Nachfolger der Sony HX100V geben wird? Die ist auch schon alt und rauscht mir mit den 16Mp-Sensor viel zu viel -.-
      Bisher hat Sony leider glaub ich 2 Jahre gebraucht, aber hoffe mal das nächstes Jahr soweit ist

      PPS: Sry für Doppelpost, aber kann mein kommentar ja nicht mehr editieren oder!?

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