Fujifilm FinePix X10 im Test: tolle Retro-Kamera mit angezogener Handbremse

Die Fujifilm X10 bietet neben ihrem attraktiven Äußeren auch unter der Haube jede Menge Highlights: Herzstück der Kamera ist ein neu entwickelter, vergleichsweise großer EXR-CMOS-Sensor, der ein paar einzigartige Tricks auf Lager hat. Davor sitzt ein lichtstarkes Objektiv, das einen Brennweitenbereich von 28 bis 112 Millimetern abdeckt und dabei Lichtstärken zwischen F2,0 und F2,8 bietet. Ob damit Fujifilm der große Wurf im Bereich der anspruchsvollen Kompaktkameras gelungen ist, verrät der Testbericht.

Auch wenn sie auf den ersten Blick aussieht wie die deutlich teurere Fujifilm X100, so steckt im Inneren der X10 doch eine völlig andere Ausstattung. So ist ihr Bildsensor beispielsweise signifkant kleiner, was zu Lasten der Bildqualität geht. Auf der anderen Seite ermöglicht es der kleinere Chip, eine einigermaßen platzsparende Zoomoptik zu konstruieren, während Besitzer der X100 mit einer festen Brennweite auskommen müssen.

Design

Alles in allem überzeugt das Design der Fujifilm X10 – sowohl in ästhetischer Hinsicht als auch in puncto Handling. Die Gehäusestruktur der Kamera ist aus Magnesium gefertigt, die Front besteht aus Aluminium. Damit sieht die Digicam der größeren und deutlich teureren X100 ziemlich ähnlich. Allerdings verzichtet sie auf ein einzigartiges Feature, das uns bei der besagten Schwester begeistert hat: der Hybrid-Sucher, der einen elektronischen mit einem optischen Sucher kombiniert. Stattdessen findet ein Guckloch Verwendung, wie es sich auch beispielsweise bei der Canon PowerShot G12 und der Nikon Coolpix P7100 findet. In der Praxis nutzen wir den Sucher der X10 kaum. Das liegt nicht nur daran, dass er im Vergleich zu denen von Spiegelreflexkameras sehr klein ausfällt, sondern auch am Display, das auch im direkten Sonnenlicht noch gut abzulesen ist.

Wie bei der Canon PowerShot S100 und der Olympus XZ-1 gibt es auch bei der X10 einen Ring rund um das Objektiv. Er ist allerdings nicht digital und damit programmierbar, sondern dient ausschließlich zum Ein- und Ausschalten der Kamera sowie zum Zoomen. Die Brennweitenskala auf dem Objektivtubus gefällt uns gut, und die Zoommechanik fühlt sich sehr wertig an und wirkt weder zu schwer- noch zu leichtgängig. Der Handgriff auf der Vorderseite des Gehäuses fällt recht klein aus, bietet in Verbindung mit der rückseitigen, gummierten Daumenablage ausreichend Halt für einhändiges Fotografieren.

Nett: Der Auslöser verfügt über ein Schraubgewinde zum Anschluss eines Selbstauslösers - wie vor 20 Jahren.
Nett: Der Auslöser verfügt über ein Schraubgewinde zum Anschluss eines Selbstauslösers – wie vor 20 Jahren.

Die Fujifilm X10 bietet ebenfalls wie ihre Marktbegleiter Canon PowerShot G12 und Nikon FinePix P7100 ein Rädchen auf der Oberseite des Gehäuses, das zum Anpassen der Belichtungskorrektur dient. Links daneben befindet sich der Moduswahlschalter. Auf ihm finden sich neben den üblichen PASM-Modi sowie der obligatorischen Vollautomatik, den Motivprogrammen und einem Videomodus zwei mit benutzerspezifischen Aufnahmeparametern belegbare Slots. Außerdem gibt es hier noch eine mit Adv. für „Advanced“ betitelte Option, hinter der sich diverse Mehrfachaufnahmemodi verstecken. Der Auswahlpunkt EXR bündelt alle Funktionen, die die Fähigkeiten des EXR-Sensors nutzen – aber dazu später mehr. Zwischen den beiden Rädchen befindet sich der Auslöser, ganz links vorne auf der Oberseite bringt Fujifilm eine frei belegbare Funktionstaste unter, die leider arg klein ausfällt.

Auf der Rückseite der Kamera findet sich die übliche Auswahl an Tasten und Rädchen, darunter ein Button zum direkten Aktivieren der RAW-Aufnahme. Das ist beispielsweise dann praktisch, wenn man dem Speicherplatz zuliebe im JPEG-Modus fotografiert, ein ganz bestimmtes Foto aber etwa aufgrund schwieriger Aufnahmebedingungen zur Sicherheit im Rohdatenformat einfangen möchte. Und zwar ohne sich erst durch die Menüs zu hangeln. Rechts neben dem Bildschirm befindet sich ein Vier-Wege-Pad, das von einem Einstellrädchen eingefasst ist. Leider fallen die vier Richtungstasten, die auch zum direkten Aufrufen der Konfiguration von Makromodus, Serienbildmodus, Blitz und Selbstauslöser dienen, etwas flach aus. Das Einstellrädchen ist für unseren Geschmack etwas zu leichtgängig.

Wer nicht gerade täglich mit Fujifilm-Kameras hantiert, muss sich an das Layout der Tasten auf der Rückseite des Gehäuses erst einmal gewöhnen. Wir stolpern beispielsweise darüber, dass Fujifilm den Button für die Belichtungsmessmethode mit AE beschriftet. Der Rest der Welt hat sich hier auf ein Icon geeinigt. Nicht schlimm, aber man muss sich eben erst einmal daran gewöhnen.

An die Anordnung und Beschriftung der Bedienelemente bei der Fujifilm X10 muss man sich erst einmal gewöhnen.
An die Anordnung und Beschriftung der Bedienelemente bei der Fujifilm X10 muss man sich erst einmal gewöhnen.

Ansonsten lassen sich – wie es sich für eine anspruchsvolle Kamera in dieser Klasse gehört – alle wichtigen Aufnahmeparameter direkt über dedizierte Tasten aufrufen. Einzige Ausnahme ist die ISO-Empfindlichkeit. Dafür nutzen wir die Funktionstaste auf der Oberseite des Gehäuses. Das Menüsystem der Fujifilm X10 ist übersichtlich und intuitiv aufgebaut, in der Praxis allerdings etwas mühsam zu bedienen. Sämtliche Einstellungen sind in zwei Bereiche gegliedert, die sich dann allerdings über mehrere Seiten ziehen und teilweise mit ziemlichen Scroll- und Klickorgien einhergehen.

Neueste Kommentare 

11 Kommentare zu Fujifilm FinePix X10 im Test: tolle Retro-Kamera mit angezogener Handbremse

  • Am 21. Dezember 2011 um 18:45 von Ben

    Bildqualität
    Komisch, dass bei allen anderen Magazinen, die Bildqualität mit hervorragend bewertet wird!
    Die X10 schneidet dabei meist als derzeit beste Kompaktkamera ab – Hauptgrund Bildqualität – da frag ich mich, wieso cnet diese kritisiert….

    • Am 21. Dezember 2011 um 18:52 von Stefan Möllenhoff

      AW: Bildqualität
      Hallo Ben,

      die X10 gehört sicherlich mit zu den derzeit besten Kompaktkameras, ist aber eben auch sehr teuer und sorgt damit für eine entsprechende Erwartungshaltung. Makellos ist die Bildqualität nicht. Wo die Schwächen liegen, zeigen wir in der Fotostrecke anhand von Testbildern. Und nach der Durchsicht der Aufnahmen kann jeder potenzielle Käufer eben selbst entscheiden, ob er mit den Makeln leben kann oder nicht :-)

      Beste Grüße,
      Stefan Möllenhoff, CNET.de

      • Am 21. Dezember 2011 um 21:54 von Ben

        AW: AW: Bildqualität
        Danke für die schnelle Antwort. Habe mich nur gewundert, da bei anderen Tests die Qualität mit "sehr gut" bewertet wurde.
        Aber sie ist sowieso zu teuer :-)
        Meine Samsung EX1 reicht da völlig aus. 8,0 Sterne bei euch :-)

  • Am 21. Dezember 2011 um 19:01 von martin k

    X10
    ich kann Ben nur beipflichten!

    außerdem ist die X10 die schönste.

  • Am 23. Dezember 2011 um 21:07 von Entzueckend

    Für JPG-Fotografen
    Leider ist die X10 in erster Linie für JPG-Fotografen entwickelt, während RAW-Fotografen in die Röhre gucken. Das zeigt schon das beigelegte vollkommen missglückte "silkypix", aber auch die RAW-Engine, die schon bei niedrigen ISO vergleichsweise verkörnte Bilder hervorbringt. Mit Lightroom ist es etwas besser, aber auch nicht der – erwartete – Hit.
    Fazit: Die X10 ist eine wirklich gute Kamera mit Kleinsensor, aber ihre Leistung ist, trotz aller JPG-Rechenarbeiten in der Kamera, eben doch deutlich begrenzt und entspricht im Wesentlichen der einer üblichen Kompaktkamera.
    Darüber hinaus ist das "Scheiben"-Problem wirklich gravierend, ob nun am Tag (Autoscheinwerfer) oder am Abend (Weihnachtslichter), und man kann nur hoffen, dass ein Firmware-Update das wirklich in den Griff bekommt.

  • Am 7. Januar 2012 um 13:03 von Klaus Schütz

    User-Testurteil
    a:4:{s:5:“STARS“;i:4;s:3:“PRO“;s:57:“Tolle Verarbeitung und Ausstattung,sehr gute Bildqualität“;s:6:“CONTRA“;s:19:“Nichts Wesentliches“;s:5:“FAZIT“;s:281:“Hallo,
    Als jahrelanger Anwender analoger und digitales Spitzenkameras ,habe ich mir jetzt die X 10 gekauft.
    Sie ist nach meinen Erfahrungen eine der besten Kompaktkameras am Markt.Ich kann die z.T. negativen
    Beurteilungen der Bildergebnisse keinesfalls nachvollziehen!
    Fotohändler“;}

  • Am 11. Januar 2012 um 11:43 von J S

    Nicht nur für JPG-Fotografen
    Ich finde, die X10 liefert erstaunlich gute JPEG-Bilder ab, und eine Nachbearbeitung des RAWs ist nur in seltenen Fällen (Weißabgleich) notwendig, zumindest habe ich weniger Bedarf, Bilder aus dem RAW zu entwickeln, als bei meiner Canon DSLR.
    Auch in den PASM-Modi lässt sich die EXR-Funktion des Sensors nutzen! Dazu muss man die Auflösung auf M stellen und z.B. bei ISO 800 und DR400 wird ein 6MP-RAW+JPG erstellt, entspricht also der SN-EXR-Funktion mit niedrigem Rauschen.
    Genau in solchen undurchschaubaren Kombinationen liegt m.E. das Problem bei der X10 bzw. des Fuji-Bedienkonzeptes: Es gibt jede Menge Möglichkeiten, die aber durch eine Vielzahl an Optionen wieder in der Nutzbarkeit eingeschränkt werden.
    Noch ein Beispiel dazu: Um im Programm-Modus (P) die Programm-Shift-Funktion zum verändern der Blenden-Belichtungszeit-Kombinationen nutzen zu können, muss der Blitz ausgeschaltet und der externe Blitz im Menü deaktiviert sein. Außerdem darf DR nicht auf Auto stehen und auch die Auto-ISOxxx-Einstellung darf nicht verwendet werden. Damit disqualifiziert sich der P-Modus für kreative Bildgestaltung und man wählt lieber A oder M.

  • Am 29. Januar 2012 um 18:56 von Phil

    Bewertung
    Eine sehr bewundernswerte Kamera. Ich kann Sie nur empfehlen! Viel Spass damit!

  • Am 31. Januar 2012 um 10:10 von Stefan

    weitere Tests
    Guter Artikel, geht aber teilweise nicht weit genug. Ein Privatanwender-Test geht beispielsweise noch auf das "White Disc Syndrome" ein:

    http://thoster.net/fotografie-mainmenu-86/33-tests/199-kurztest-fuji-finepix-x10

    Die Diskussion dazu im DSLR-Forum nimmt schon "epische" Ausmaße an:

    http://www.dslr-forum.de/showthread.php?t=988413

  • Am 26. Juli 2012 um 12:02 von Grasshopper

    Fuji X10 ist der Kauftipp schlechthin
    Der Artikel ist ungerechtfertigt negativ gefärbt und gibt einen falschen Eindruck wieder. Von angezogener Handbremse kann bei der X10 gar nicht die Rede sein.
    Die Fuji X10 ohne Zweifel die Nummer 1 der gehobenen Kompaktkameraklasse.
    Zur Info: Die aktuellen Konkurrenzmodelle sind die Canon Powershot G12 und die Nikon P7100

    Kurz vorab: Für wen ist diese Kamerakategorie überhaupt interessant?
    Die Klasse ist nichts für reine Schnappschuss- oder "einfachdraufhalten-Fotographie". Das kann mann zwar mit diesen Kameras auch, dafür gibt es aber weit günstigere und geeignetere Kompaktkameras. Wer den reinen Schnappschuss-Anspruch hat würde hier einfach Geld zum Fenster rausschmeißen.
    Die wirklichen Zielgruppen sind definitiv
    – ambitionierte Hobbyfotographen, die neben Ihrer DSLR-Kamera eine "Immerdabeikamera" mit umfangreichen manuellen Einstellmöglichkeiten haben möchten oder
    – Hobbyfotographen, die auch ohne DSLR-Kamera auskommen, aber dennoch eine Kamera möchten, die neben allen Schnappschuss-Automatikprogrammen auch das Experimentieren mit Verschlusszeit, Blende, Lichtempfindlichkeit u.s.w. ermöglicht.

    Soweit so gut. Was taugt jetzt das Ding mit dem Namen Fuji X10?
    Nach gefühlten 2000 gelesenen Tests im Internet und 10 Besuchen in Mediamärkten und Saturn wird man wirklich ganz durcheinander. Irgendwann weiß man nicht mehr, was jetzt die bessere Wahl zwischen den Konkurrenzmodellen ist.
    Was mich zum Kauf der X10 bewogen hat, war dann letztendlich der manuelle Zoom-Ring (die üblichen elektr. Zoom-Wippen haben mich schon immer gestört) und das tolle Retro-Design, mal abgesehen von den positiven Testergebnissen.

    Und die Entscheidung war richtig. Die viel diskutierten Sensorprobleme (Blooming-Effekt) sind in der neuen Produktionsreihe seit Mai nicht mehr vorhanden. Die X10 Modelle haben jetzt einen neu entwickelten Sensor und der arbeitet tadellos. Das Fotographieren macht richtig Spaß.

    Kurz gesagt: Voller Kauftipp weil:
    – tolles Design
    – super handlich
    – manueller Zoom-Ring
    – absolut hochwertige Materialverwendung und beste Verarbeitung
    – lichtstarkes Objektiv mit ausreichend Blendenstufen im Weitwinkel und im Telebereich, was auch das Spielen mit der Schärfentiefe ermöglicht.
    – umfangreichste Automatik- und Teilautomatikprogramme
    – und alle manuellen Einstellmöglichkeiten von Blende, ISO, Verschlusszeit, Weissabgleich, Farbsättigung, usw, die man für kreatives Fotographieren braucht.
    – und das Ergebnis: Tolle Bilder in bester Qualität, einfach Klasse. Mit der Fuji X10 macht man keinen Fehler!!!

  • Am 1. Oktober 2013 um 04:39 von x1000

    Obwohl ich begeisterter x10-Fotograf bin, kann ich den kritischen Test ein wenig nachvollziehen. Es bringt doch nichts, wenn sich alle einig sind und voneinander abschreiben. Wo bleibt da die Meinungsvielfalt?

    zur x10: habe mit dieser Kamera soviel Spaß gehabt, wie schon ewig mit keiner Kamera mehr. Ein Fetisch, den man sich nicht entgehen lassen sollte!

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