Wenn der Teufel telefoniert: Design-Handy Prada Phone von LG im Vorab-Test

Aus der Liaison zwischen LG und Prada schien die Luft heraus zu sein – zumindest gab es schon lange kein koreanisches Smartphone mehr, bei dem Designer des Modelabels ihre Finger im Spiel hatten. Das ändert sich mit dem Prada Phone by LG 3.0 – und erstmals kommt hier kein proprietäres Betriebssystem mit dem Komfort einer Pferdekutsche auf Feld- und Abwegen mehr zum Einsatz, sondern Android. Sieht so die kommunikative Zukunft aus?

Offensichtlich knistert die Luft zwischen LG und Prada alle zwei Jahre. 2007 gab es das erste Design-Handy der Koreaner, 2009 das zweite – und beide ausgestattet mit einem proprietären Betriebssystem und einer Touch-Bedienung, die aus heutiger Sicht so begehrenswert sind wie Fußpilz. Die im Vergleich zu iOS und Android miese Software ist der größte Haken an den früheren LGs im Italo-Maßanzug, aber damit ist jetzt Schluss: Die dritte Auflage kommt mit Android-Betriebssystem, das selbstverständlich an das Look & Feel der Hardware angepasst wurde.

In der Theorie klingt das nach einem tollen Ansatz. Danach, als würde das dritte Prada-Phone jetzt auch technisch das erfüllen, was seine Optik verspricht. Und ein Blick auf das Datenblatt macht Lust auf mehr: Auch unter der Haube scheint alles zu stimmen. Wir hatten bereits die Möglichkeit, einen näheren Blick auf ein Vorseriengerät zu werfen. Der Verkauf soll Anfang nächsten Jahres beginnen, Preise nennt der Hersteller noch nicht.

Design

Wenn sich ein Smartphone mit einem Mode-Label der Haben-Will-Klasse schmückt, ist die Optik natürlich das A und O. Das LG präsentiert sich gewollt nüchtern mit einem komplett schwarzen Gehäuse, nur geschmückt mit dem Prada-Logo in silbern-glänzenden Lettern und ein paar minimalen Akzenten, etwa um die Linse der Kamera auf der Rückseite.

Insgesamt erinnert uns das Gerät vom Formfaktor her an andere aktuelle Oberklasse-Geräte wie das Galaxy S2 von Samsung oder das Razr von Motorola. Das liegt wohl primär am verhältnismäßig großen Display – hier ist es 4,3 Zoll groß – sowie an der geringen Bauhöhe. Ganz so schlank wie der Rekordhalter, das Razr mit seinen 7,1 Millimetern, ist das Prada zwar nicht. Aber dennoch gehört es mit 8,5 Millimetern zu den schlankesten aktuellen Kommunikationsapparaten.

Der Akkudeckel ist liebevoll texturiert. Obwohl er aus Kunststoff gefertigt ist, wirkt er wie aus Leder – sowohl optisch als auch haptisch. Das gefällt uns, aber noch mehr hätten wir uns gefreut, wenn hier tatsächlich das Naturprodukt zum Einsatz gekommen wäre. Ähnlich enttäuscht uns die Materialauswahl des silberfarbenen Rahmens, der sich um das Gehäuse zieht: auch Plastik. Das sorgt natürlich für ein angenehm niedriges Gewicht (und ist zugegebenermaßen so schlecht nicht), aber es bleibt ein fader Beigeschmack. Mit Metall und Leder hätten LG und Prada hier ein Zeichen setzen können, dem die gesammelte Konkurrenz erst einmal nichts entgegenzusetzen hat. Und weil sich das jetzt so kritisch anhört, müssen wir fairerweise dazusagen, dass sich das Gerät alles andere als billig anfühlt.

Das zentrale Element auf der Oberseite ist natürlich der 4,3 Zoll große Touchscreen. Er arbeitet kapazitiv, reagiert also auf Berührung und nicht auf Druck – so muss das sein. Das eigentliche Display-Panel ist ein alter Bekannter. LG setzt auf seine hauseigene Nova-Technologie, die bei vertretbarem Energieverbrauch überdurchschnittlich hell sein soll. Die Datenblätter lehnen sich weit aus dem Fenster: Ein Nova-LCD erreicht demnach die doppelte Helligkeit eines Super-AMOLED-Bildschirms und benötigt bis zu 50 Prozent weniger Strom als ein “normales” LCD – bei gleichzeitig besseren Schwarzwerten und einem klareren Weiß. Mag alles stimmen, aber ausgerechnet bei diesem Gerät wäre wohl ein AMOLED-Display die bessere Wahl gewesen. Denn ganz viel vom Charme des Prada-Handys kommt aus dem harten Kontrast zwischen Schwarz und Weiß – und dieses Spiel beherrschen die organischen Anzeigen eben perfekt. Bei den LCDs wirkt auch das tiefste Schwarz immer noch gräulich. Schade.

Technik

Für modebewusste Käufer, die auch mit den Vorgängermodellen glücklich waren, zählen die inneren Werte wohl kaum. Hauptsache, die Marke stimmt. Die wahrlich gute Nachricht ist aber, dass hier auch die Technik überzeugt. Im Inneren sorgt ein Dual-Core-Prozessor mit 1,0 GHz für Vortrieb. Das ist zwar nicht die absolute Oberklasse, sondern eher auf dem Niveau von vor fast einem Jahr, aber für den Praxiseinsatz mehr als ausreichend. Wer sich mehr mit Gigahertz denn mit dem Label brüstet – und somit auch mit einem Nissan 370Z anstatt eines Porsches glücklich wird – sollte aber vielleicht noch warten, bis Anfang des nächsten Jahres die ersten Quad-Core-Handys auf den Markt kommen.

Auf der Speicherseite kann das LG mit 8 GByte internem Speicher und einem microSD-Slot zur Erweiterung aufwarten. Selbst in der maximalen Ausbaustufe mit einer 32-GByte-Karte erreicht man damit zwar nicht den Wert des Top-iPhone-4S mit 64 GByte, dürfte aber im Vergleich zu den von Apple ausgerufenen 849 Euro einen Haufen Geld sparen – und kann die Speicherkarte im Zweifelsfall einfach schnell austauschen.

Die 8-Megapixel-Kamera auf der Rückseite des Smartphones nimmt Videos in Full-HD-Auflösung, also 1080p, auf. Dazu gibt es eine weitere Digicam für Selbstporträts und Videotelefonate auf der Front. Aufgrund der kurzen Zeit, die wir mit dem Vorserienmodell verbringen konnten, müssen wir eine ausführliche Bewertung der Fotoqualitäten verschieben, bis uns ein finales Testgerät vorliegt. Das gleiche gilt auch für die Audiokünste des mitgelieferten Headsets – bisher können wir nur sagen, dass es natürlich auch das Prada-Logo trägt.

Neueste Kommentare 

Eine Kommentar zu Wenn der Teufel telefoniert: Design-Handy Prada Phone von LG im Vorab-Test

  • Am 7. Januar 2012 um 14:33 von Jones

    Android 4
    Warum bitte ist es ein Minuspunkt, dass Android 4.0 per Update nachgeliefert wird? Meiner Meinung nach ist das sehr löblich, nicht viele Hersteller machen das. Die meisten wollen eher den Absatz von kommenden ICS Geräten sichern.

    Vermutlich haben die Entwickler eine Deadline, und 4.0 ist/war bis zu diesem Zeitpunkt noch nicht fertig angepasst. Mal davon abgesehen, dass Android 2.3 meiner Meinung nach zur Zeit noch die bessere Wahl ist, denn viele Apps im Market unterstützen 4.0 noch nicht. Mein Bruder hat dieses Problem auf seinem Nexus S.

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *