Sieben Kopfhörer der Spitzenklasse: Vergleichstest von 900 bis 3000 Euro

Highend-Kopfhörer sind teuer. Umso schwerer fällt beim Kauf die Wahl. Wir haben sieben Kopfhörer getestet, die zu den besten der Welt gehören. Neben spannenden Einsichten in die Unterschiede zwischen den Geräten selbst und die etwas andere Art des Musikhörens bescherten die exklusiven Schallwandler auch einige magische Momente.

Eine “fortgeschrittene Technologie ist nicht von Magie zu unterscheiden”. Für Toaster, Stehlampen und Eierkocher gilt dieses Zitat des Science-Fiction-Schriftstellers Arthur C. Clarke sicher nicht. Für Highend-Kopfhörer schon eher. Sie bieten bei jeder Art von Musik ein großartiges Klangerlebnis, und sie schenken ihrem Besitzer magische Momente. Etwa, wenn man die Augen schließt und das Saxofon von Stan Getz scheinbar vor einem schwebt. Oder wenn die Sängerin Adele ihr ergreifendes “Someone like you” zur Klavierbegleitung anstimmt.

Allerdings gibt es Menschen, die Highend nicht für Magie, sondern schlicht für Voodoo halten. Wer erzählt, er habe sich gerade einen tollen Kopfhörer für 2000 Euro gekauft, der erntet zumeist ungläubige Blicke. Vor allem, wenn derjenige noch hinzufügt, er habe dazu leider auch einen Kopfhörerverstärker für 500 Euro kaufen müssen. Die Geschichte mit dem teuren Cinchkabel sollte er lieber ganz weglassen.

Besser als live

Gegen solche Skepsis hilft nur, mal selbst reinzuhören. Da merken auch hartgesottene Highend-Skeptiker, dass hochwertige Hörer ein ganz eigenes Hörerlebnis vermitteln. Dabei geht es gar nicht darum, dass die Musik fast so klingt wie live. Genau das tut sie nämlich nicht. Sie klingt sogar besser. Denn im Konzert bekommt der Besucher ja auch optische Eindrücke, die von den musikalischen Details ablenken. Der Geiger, der Tschaikowskis Violinkonzert mit schmerzhaft verzogenem Gesicht spielt, die hübsche Pianistin, die den Chopin-Walzer so artig aus den Händen perlen lässt oder der bizarr umhertobende Rock-Gitarrist, all das lenkt von den musikalischen Details ab. Anders der Kopfhörer. Er präsentiert Musik und sonst nichts. Highendige Geräte machen dabei auch feinste Details und winzige Nuancen hörbar. Musik wie unter einer Lupe. Das ist ungefähr so wie der Unterschied zwischen einer Blu-ray und einer alten VHS-Kassette.

Schlichtes Äußeres und Hightech im Inneren: Nicht jeder Hersteller lässt sich so bereitwillig in die Karten gucken wie Denon bei seinem AH-D7000.
Schlichtes Äußeres und Hightech im Inneren: Nicht jeder Hersteller lässt sich so bereitwillig in die Karten gucken wie Denon bei seinem AH-D7000.

Mehr Sound-Bits pro Euro

Die Highend-Hörer sind scheinbar irrsinnig teuer, bieten aber eine Menge fürs Geld. Wollte man die gleiche Klangqualität mit Lautsprecherboxen haben, müsste man um ein Vielfaches mehr Geld ausgeben. Kopfhörer sind der preiswerteste Weg zum anspruchsvollen Musikgenuss. Hinzu kommt ein weiterer Vorteil: Der Sound aus dem Lautsprecher ist immer abhängig vom Raum, in dem sie stehen. Ein ungünstig geschnittener Raum ohne dämpfende Elemente wie Teppich, Sofas oder Vorhängen macht den besten Boxen den Garaus. Der Sound im Kopfhörer ist dagegen völlig unabhängig vom Raum.
Es gibt also ein paar gute Argumente für die Highend-Klangschalen.

Wir haben sieben Modelle getestet. Diese gehören allesamt zur Weltspitze des Kopfhörer-Baus und demonstrieren, was heute an Klangqualität machbar ist. Darunter sind der brandneue Stax SR-507 aus Japan, sowie der LCD-2 vom Start-up Audez’e aus den USA. Zusammen mit den Topmodellen von Sennheiser, Denon, Grado, Beyerdynamic und Ultrasone ist ein nahezu komplettes Testfeld der Spitzenklasse-Kopfhörer am Start.
Um der anspruchsvollen Elektronik der Schallwandler auf den akustischen Zahn fühlen zu können, reicht es natürlich nicht, sie an einen x-beliebigen Verstärker anzustöpseln. Deshalb haben wir auch CD-Player und Kopfhörerverstärker aus dem Highend-Bereich verwendet. Der Beschreibung des Testaufbaus findet sich am Ende dieses Artikels.

Das sind die Testkandidaten:

  • Audez’e LCD-2
  • Beyerdynamic T 1
  • Denon AH-D7000
  • Grado GS-1000
  • Sennheiser HD 800
  • Stax SR-507
  • Ultrasone Edition 10

Neueste Kommentare 

4 Kommentare zu Sieben Kopfhörer der Spitzenklasse: Vergleichstest von 900 bis 3000 Euro

  • Am 6. Oktober 2013 um 10:41 von Egbert Pachnicke

    Hallo,

    ich denke, dass der K-Verstärker eine wesentliche Rolle spielen wird.
    Womit haben Sie gehöht?

    mfg
    E. Pachnicke

    • Am 7. Oktober 2013 um 21:15 von Mehmet Toprak

      Hallo,
      ich habe den Kopfhörerverstärker von PS Audio benutzt. Der genaue Testaufbau steht am Ende des Artikel.
      Viele Grüße
      Mehmet Toprak

      • Am 15. Juni 2014 um 10:12 von Daniel Schwartmann

        Hallo,

        erst einmal vielen Dank für diesen hervorragenden und hilfreichen Testbericht. Da ich gerade auf der Suche nach einem High-End-Kopfhörer war, habe ich den Vergleich auch machen wollen (zwischen Audeze LCD-2, Grado GS1000i, Sennheiser HD800 und Beyerdynamics T1). Gar nicht so einfach, ein Geschäft zu finden, das alle Fabrikate auf Lager hat. Bei HiFi Pawlak in Essen bin ich fündig geworden bei sehr netter und unaufdringlicher Beratung. Aufgrund des Berichtes bin ich mit einer leichten Präferenz für den Audeze in die Probe gegangen (KHV von Fosgate und auch portabel mit Fiio E12). Zunächst habe ich mit Sambienta aus der Uncompressed Worlds 1 von Audiophile Recordings begonnen, das mit den großen Feinheiten, aber auch sehr tiefen Klängen ein hervorragendes “Teststück” ist. Hier fiel der T1 eigentlich aus dem Rennen. Super, aber nicht so transparent wie die anderen. Der Sennheiser war klar der transparenteste, Audeze und Grado “musikalischer” und etwas weicher. Jeder anders, aber nicht klar besser. Die Entscheidung kam nach Hören von Bartoks Concerto for Orchestra. Die leicht schrillen Violinenstimmen wurden etwa von Audeze und Grado unangenehm wiedergegeben, die “Musikalität” war hier nur noch mangelnde Trennschärfe. Nur der Sennheiser hielt die Transparenz und Klarheit bei. Nach ein paar weiteren Probestücken verstärkte sich meine Präferenz für den HD800. Der Audeze blieb zweiter, gefolgt vom Grado, der auch in die wärmere Richtung geht, aber immer hinter dem Audeze bleibt. Jedoch sollte man auch den Tragekomfort beachten: Der Audeze ist mit 500g ein ziemlicher Klotz, ist nur grob zu verstellen und ging mir nach einiger Zeit unangenehm auf den Nacken. Der Grado scheint der leichteste und sitzt luftig auf, jedoch sind die Schaumstoffmuscheln auf Dauer nicht angenehm und er liegt durch die runde Form der Muscheln teilweise auf den Ohren auf. Der Sennheiser läßt sich sehr genau justieren und durch die spezielle Form umschließt er die Ohren vollständig ohne Druck. Schlussendlich fiel meine Wahl entgegen meiner anfänglichen Erwartung auf den HD800. Die manchmal zitierten “nervigen Höhen” kann ich übrigens nicht bestätigen, er ist einfach nur traumhaft analytisch.

  • Am 25. April 2015 um 20:31 von Philipp Kramer

    Ein wirklich schön geschriebener Bericht, die Vergleiche lassen einem die Eindrücke zu den Hörern deutlich werden. Die Stärken der Einzelnen lassen direkt wissen, welchen man ausprobieren möchte, in meinem Fall der Audez’e LCD 2.
    Großes Dankeschön und Lob an die Verfasser.
    MfG, P. Kramer

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