Megaupload: Wie Kim Schmitz mit fremden Video-Uploads Millionen gescheffelt hat

Letzten Freitag ging es durch die Presse: Razzia in Neuseeland, im Anwesen des vielfachen Internet-Millionärs Kim Schmitz. Schmitz ist bekannt für seinen großspurigen Lebensstil – und sitzt derzeit als vermeintlicher Kopf hinter dem Sharehoster Megaupload in Untersuchungshaft. Wir werfen einen Blick darauf, woher beim Agieren mit Raubkopien die Millionen kommen.

Fette Autos, das teuerste Anwesen in Neuseeland, Werbevideo mit Musik-Stars auf Youtube: “Unauffällig” kann man den Lebensstil des 1974 in Kiel geborenen Kim Schmitz nicht nennen. Vielleicht auch das Leben auf großem Fuße hat dafür gesorgt, dass der Unternehmer und selbsternannte Hacker nun in U-Haft sitzt: Nach zwei Verhaftungen, unter Anderem wegen Computerbetrugs 1998 und wegen Insider-Handels 2002 tauchte sein Name 2007 im Zusammenhang mit dem Sharehoster Megaupload auf. Vergangen Donnerstag gab es eine Razzia auf dem Gelände seiner Villa.

Offensichtlich kann man mit Raubkopien viel Geld verdienen. Doch weder Schmitz noch seine Mannen ließen sich auf dubiosen Märkten mit gebrannten DVDs in großen Stapeln erwischen – und die Nutzung des Dienstes ist doch eigentlich kostenlos. Wir haben recherchiert, wie bei Megaupload Millionen für Schmitz & Co. übrigbleiben.

Wie Megaupload funktioniert

Das Prinzip eines Sharehosters ist einfach: Entsprechende Unternehmen wie das kürzlich geschlossene Megaupload und seine Konkurrenten wie Rapidshare stellen kostenlosen Speicherplatz im Internet zur Verfügung. Nutzer des Angebots können Dateien in beliebiger Größe meist ohne Anmeldung hochladen und erhalten einen Download-Link, über den wiederum das Herunterladen der Daten möglich ist.

Was der Inhalt der Dateien ist, weiß der Anbieter nicht – und will es auch gar nicht wissen. Denn per Gesetz ist er nicht zur Überprüfung verpflichtet, muss sie aber löschen, sobald er Kenntnis von Rechtsverletzungen erhält. Dementsprechend gibt es auch keine Suchfunktion auf der eigentlichen Sharehoster-Seite. Frei nach dem Motto: Was ich nicht weiß, macht mich nicht heiß.

Zu Hochzeiten soll das Unternehmen satte 25 Petabyte Speicher angemietet haben – das entspricht 25.600 Terabyte. Oder fünfeinhalb Millionen DVDs, 33 Millionen Filmen im DivX-Format oder 53.000 Jahre Non-Stop-Musik im MP3-Format. Aber woher kommen all die Daten?

Dick im Geschäft: Neben Megaupload betrieb Schmitz diverse weiter Angebote, darunter auch den ebenfalls geschlossene Streaming-Anbieter Megavideo.
Dick im Geschäft: Neben Megaupload betrieb Schmitz diverse weiter Angebote, darunter auch den ebenfalls geschlossene Streaming-Anbieter Megavideo.

Woher die Raubkopien stammen

Mit der eigentlichen Beschaffung von Kinofilmen, Serien & Co. hatte Schmitz wohl nichts am Hut. Die Finger haben sich andere schmutzig gemacht. Federführend bei der Verbreitung von Kinofilmen, Computerspielen, Software-Programmen oder Serien sind die Release-Groups. Das sind weltweit agierende Gruppen, deren Mitglieder meist ausschließlich online kommunizieren und sich in der realen Welt kaum kennen – und sie stehen in starkem Wettbewerb zueinander.

Wer einen neuen Kinofilm, ein neues PS3-Game oder die neueste Staffel einer Serie zuerst in möglichst guter Qualität verbreitet, hat gewonnen. Es ist ein Sport. Geld wird hier keines erwirtschaftet, es geht nur um die Ehre – und somit ist es schwer, jemanden zu fassen. Welche der Release-Groups bei einer Raubkopie die Finger im Spiel hatte, erkennt man häufig schon am Dateinamen. Eine Liste bekannter Gruppen gibt es in der Wikipedia.

Reaktionen: Auf Facebook formt sich eine Gruppe, die Megaupload zurück haben möchte. Zum Zeitpunkt des Redaktionsschlusses hatte sie 36 Mitglieder.
Reaktionen: Auf Facebook formt sich eine Gruppe, die Megaupload zurück haben möchte. Zum Zeitpunkt des Redaktionsschlusses hatte sie 36 Mitglieder.

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