Sony NEX-7 im Test: 24-Megapixel-EVIL-Kamera für Semi-Profis

Bis hinein ins späte 2011 schien es, als würden die spiegellosen Systemkameras in erster Linie den Einsteiger-DSLRs und den anspruchsvollen Kompaktkameras das Wasser abgraben. Dass die sogenannten EVIL-Digicams nicht nur im Sub-1000-Euro-Segment zu Hause sind, sondern sich auch durchaus in semiprofessionelle Gefilde trauen, zeigt Sony mit der NEX-7. Die ohne Objektiv 1200 Euro teure Kamera klingt auf dem Papier mit 24 Megapixeln, zehn Bildern pro Sekunde, 50p-Full-HD-Video und extrem hochauflösendem OLED-Sucher auf jeden Fall interessant. Wie sich die Kamera in der Praxis schlägt, zeigt der Testbericht.

Ein paar Teile der NEX-7 hatten wir schon vor ein paar Wochen in den Fingern – nämlich in den beiden digitalen Spiegelreflexkameras Sony Alpha SLT-A77V und SLT-A65V. So konnten uns dort beispielsweise schon der 24-Megapixel-Sensor und der OLED-Sucher überzeugen. Auch in puncto Geschwindigkeit waren die beiden SLT-Modelle in ihrer Klasse ganz weit vorne mit dabei. Dementsprechend hoch waren auch die Erwartungen an die spiegellose Schwester NEX-7.

Design

Dass es sich bei der Sony NEX-7 um eine ganz besondere EVIL-Kamera handelt, merkt man bereits am Karton. Außen ist die Schachtel in schlichtem Schwarz gehalten, innen versteckt sich die teure Hardware in mit samtartiger Beschichtung überzogenen Pappfächern. Wir fühlen uns eher, als würden wir eine teure Uhr auspacken, als eine Digitalkamera. Aber man fotografiert ja nicht mit der Verpackung, sondern mit der Digicam.

Die Kamera selbst steht ihrer Verpackung in Nichts nach. Das Gehäuse ist aus Metall gefertigt und fühlt sich extrem hochwertig an. Auf der rechten Seite befindet sich ein großzügig dimensionierter Handgriff, der mit einer kunstlederartigen Beschichtung erfreulich griffig ist. Auf der Rückseite zieht sich eine geschwungene Wulst von unten nach oben, die dem Daumen der rechten Hand Halt bietet und zusammen mit dem frontseitigen Griff für einen sicheren Sitz in der Hand sorgt. Fotografen mit großen Händen werden sich allerdings in der Vertikalen mehr Platz wünschen. Aber gut, mehr Platz gibt es an einem derart kompakten Gehäuse eben nicht. Das Autofokus-Hilfslicht ist allerdings so nah am Handgriff positioniert, dass man es leicht einmal mit den Fingern der rechten Hand verdeckt.

Wer eine Sony-Alpha-DSLR hat, kann die Systemblitze auch mit der NEX-7 verwenden.
Wer eine Sony-Alpha-DSLR hat, kann die Systemblitze auch mit der NEX-7 verwenden.

Oben auf dem Handgriff befinden sich der in Kombination mit Ein/Aus-Schalter ausgeführte Handgriff sowie eine Funktionstaste, mit der der Fotograf durch die Dialoge zu Fokus, Weißabgleich, Dynamikbereich beziehungsweise HDR-Modus und Kreativmodus wechselt. Unmittelbar dahinter sitzen zwei Einstellrädchen, die im manuellen Modus zum Konfigurieren von Blende und Belichtungszeit dienen. In den beiden Halbautomatiken Blenden- und Belichtungspriorität dient das linke Rädchen zum Konfigurieren von Blende respektive Belichtungszeit, während das rechte die Belichtungskorrektur steuert. In der Programmautomatik verschiebt das das linke Drehelement die Balance zwischen Blende und Belichtungszeit. Dieses System geht auf und sorgt nach einer kurzen Eingewöhnungsphase für eine erfreulich flüssige Bedienung.

Auf der Rückseite der NEX-7 dominiert das 3,0 Zoll große, nach oben und unten schwenkbare LC-Display. Mit einer Auflösung von 640 mal 480 Pixeln beziehungsweise 921.000 Subpixeln bietet es eine angenehm hohe Auflösung. Gegen den OLED-Sucher, der sich links über dem Bildschirm befindet, hat die Anzeige allerdings keine Chance. Er sorgt mit 1024 mal 768 Bildpunkten (2,4 Millionen Subpixel) bei allen, denen wir die Kamera in die Hand drücken, für Faszination bis Begeisterung. Einen derart klaren elektronischen Sucher haben auch wir noch nirgends sonst gesehen – das optische Pendant vermissen wir hier jedenfalls nicht mehr. Direkt rechts neben dem Guckloch gibt es ein kleines Einstellrädchen für die Dioptrienkorrektur.

Das schwenkbare Display ist praktisch, um unauffällig aus der Hüfte zu schießen.
Das schwenkbare Display ist praktisch, um unauffällig aus der Hüfte zu schießen.

Weiter rechts folgt eine Taste, die den integrierten Blitz nach oben schießen lässt. Der Klapp-Mechanismus wirkt etwas dünn und zerbrechlich, hat unseren Test aber schadfrei überstanden. Ob es der Blitz überlebt, wenn man mit ihm irgendwo etwas rabiater hängenbleibt, wollen wir dann aber doch nicht ausprobieren. Erfreulich ist hier, dass sich die kleine Leuchte um mehr als 90 Grad nach hinten klappen und der Blitz so über die Decke bouncen lässt. Mit einer Leitzahl von sechs ist er nicht besonders kräftig, reicht aber bei Empfindlichkeiten von ISO 1600 oder 3200 aber durchaus aus, um in vier Meten hohen Räumen ausreichend weiches Licht auf Personen zu werfen. Wer sich mehr Power wünscht, findet auf der Oberseite des Gehäuses einen Zubehörschuh, der zu den Blitzen der Sony-Alpha-Serie kompatibel ist. Rechts neben der Blitztaste sitzt ein Button zum Wechseln in den Wiedergabemodus. Schade: Ein Blättern durch die Bilder im vergrößerten Zustand ist ebensowenig möglich wie das gleichzeitige Löschen mehrerer Fotos auf einen Streich.

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