Sony MDR-NC100D: Ohrhörer mit aktiver Geräuschunterdrückung und ungewöhnlichem Design

Wer sich als Musikliebhaber gern in der Öffentlichkeit bewegt, muss mit störenden Umweltgeräuschen wie lautstark quatschenden Teenagern, lärmenden Baumaschinen, dröhnendem Straßenverkehr, Flugzeuggeräuschen und schreienden Babys klarkommen – die Liste ließe sich beliebig fortsetzen. Wer sich daran nicht gewöhnen kann, braucht einen Kopf- oder Ohrhörer mit aktiver Störschallunterdrückung. Der von uns getestete Sony MDR-NC100D ist ein solcher Ohrhörer.

Sony führt den MDR-NC100D – den es neben der von uns getesteten schwarzen Version übrigens auch in Weiß gibt – mit einem Listenpreis von 149 Euro. Am deutschen Markt ist er aber bereits zu Preise ab gut hundert Euro erhältlich – das ist fast ein Drittel günstiger als der Listenpreis.

Design und Ausstattung

Der NC100D sieht für einen Ohrhörer recht ungewöhnlich aus: Die Endstücke bestehen aus einem langen Stängel mit einer oben angeflanschten runden Fläche, an der wiederum das eigentliche, aus Silikon gefertigte Ohrpassstück sitzt. Das Design unterscheidet sich erheblich von dem anderer Ohrhörer am Markt und ist eins, an dem sich die Meinungen scheiden werden: Entweder man liebt es oder man kann es nicht ab.

Obwohl die Endstücke ziemlich klobig sind, wiegen sie nur fünf Gramm. Es besteht also kaum die Gefahr, dass sie sich durch ihr Eigengewicht aus dem Ohr ruckeln, nur weil man die Straße entlang marschiert. Der Grund für die scheibenähnliche Konstruktion am oberen Ende ist die Integration von 13,5 Millimeter großen Treibern, was für einen Ohrhörer massiv ist. Dies nährt die Hoffnung auf einen ähnlich großen Klang – aber dazu später mehr.

Die Ohrstücke sind aus sich fest anfühlenden Kunststoff gefertigt. Ob sie es allerdings überstehen würden, wenn man versehentlich auf sie tritt, möchten wir dann doch bezweifeln. Wenn man sie transportiert, dann sollte man sie daher sicher in den Leder-Etui verstauen, mit dem sie ausgeliefert werden. Das 1,5 Meter lange Kabel ist gummiert und fühlt sich nicht mehr oder weniger stabil an als die anderer Ohrhörer. Dafür scheint es sich aber schneller als andere Kopfhörerkabel zu einem Knäuel zusammenzuballen, was der Lebensdauer des Ohrhörers nicht gerade zuträglich sein dürfte.

In das Kabel ist eine Fernbedienung integriert, die auch die Steuerelektronik der aktiven Störschallunterdrückung beinhaltet. Damit das Ganze funktioniert, nimmt der Ohrhörer die störenden Umgebungsgeräusche auf, berechnet, welcher Anteil davon am Ohr des Nutzer ankommen würde und erzeugt dann den Gegenschall: ein Signal mit gegenpoliger Amplitude. Dieses Kompensationssignal trifft dann zeitgleich mit auszulöschenden Schall am Trommelfell ein und verringert im Idealfall so den Schallpegel der störenden Geräusche bis unter die Hörbarkeitsgrenze.

Im Gegensatz zu passiver Soundisolation, bei der einfach der Gehörgang – oder im Fall von geschlossenen Kopfhörern das ganze Ohr – von Außengeräuschen abgeschirmt wird, benötigt die aktive Störschallunterdrückung Energie. Es ist also eine Batterie nötig, im Falle des MDR-NC100D eine AAA-Zelle. Dies ist der Grund, warum die Kabelfernbedienung dieses Ohrhörers vergleichsweise klobig und schwer ist.

Glücklicherweise findet sich an ihrer Rückseite ein Clip, mit dem man sie am T-Shirt oder an der Hemdtasche befestigen kann, so dass sie mit ihrem Gewicht nicht an den Ohrpassstücken und damit auch den Ohren zieht. Dennoch ist der MDR-NC100D kein Ohrhörer, der für sportlich aktive Menschen entwickelt wurde. Er ist wesentlich besser für einen geschäftigen Pendlerzug geeignet als für das Laufband im Fitnessstudio.

Performance

Die aktive Lärmkompensation, die man mit einem Knopfdruck in Betrieb nimmt, funktioniert in unseren Tests durchaus zufriedenstellend. Sie schafft es recht problemlos, die Hintergrundgeräusche im Büro der Redaktion auszublenden. Ein Gang auf die Straße offenbart, dass sie den wahrgenommenen Verkehrslärm zwar nicht komplett annullieren, aber dennoch deutlich abschwächen kann – wir verzeichnen eine spürbare Verbesserung gegenüber dem Zustand mit abgeschaltetem System.

Wer also die Hintergrundgespräche im Zug auf dem Weg zur Arbeit ausblenden will, wird mit der Leistung des MDR-NC100D zufrieden sein. Gegen ein schreiendes Baby auf dem Nachbarsitz hilft der Ohrhörer aber kaum, da braucht es brutalere Methoden – wie die Musik der Wahl auf einer Lautstärke in der Nähe des Trommelfellplatzers.

Mit aktiver Störschallunterdrückung ist der Klang des Ohrhörers akzeptabel. Die großen Treiber sorgen für einen angenehm warmen Klang, aber der Tieftonbereich lässt arg zu wünschen übrig – aggressive, rumpelnde und leistungsstarke Bässe sucht man hier vergebens. Auch bei den Höhen sieht es nicht viel besser aus: Der MDR-NC100D lässt die offenen, perlenden Höhen anderer Highend-Ohrhörer vermissen und klingt insgesamt nur durchschnittlich.

Man muss allerdings nicht mit aktiver Störschallunterdrückung Musik hören. Das ist insofern gut, dass man auch mit einer leeren Batterien und weitab vom nächsten Laden mit Ersatz im Regal nicht aufgeschmissen ist. Schlecht ist aber, dass der Ohrhörer in diesem Zustand den Großteil der eh schon mageren Bässe verliert, was in einem sehr schwachen Sound resultiert.

Ja, der MDR-NC100D funktioniert auch ohne Strom – aber wenn man auch nur ein bisschen Wert auf halbwegs ordentlichen Klang legt, wird man sich nach dieser Erfahrung schleunigst einen Vorrat an Batterien anlegen, um sie nicht wiederholen zu müssen.

Fazit

Sony wäre gut beraten, primär die aktive Störschallunterdrückung des MDR-NC100D zu bewerben, nicht aber seinen Klang. Er macht zwar einen guten Job, wenn es um die Unterdrückung störender Umgebungsgeräusche geht, aber klanglich lässt er den knackigen Bass und die kristallklaren Höhen vermissen, auf die wir gehofft hatten.

Wenn man sich eher darum sorgt, Musik, Hörspiele und andere Audio-Inhalte auch ohne überhohe Schallpegel im morgendlichen Pendlerverkehr hören zu können und der Klang bestenfalls auf dem zweiten Platz der Liste steht, ist der Sony MDR-NC100D einen ausführlichen Blick wert. Wer dagegen primär einen Highend-Ohrhörer mit superbem Klang sucht, sollte die Finger von ihm lassen.

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