Ausführlicher Testbericht: HTC One S mit Android 4 und Unibody-Alu-Gehäuse

HTC hat auf dem Mobile World Congress in Barcelona drei neue Android-Smartphones vorgestellt – und das One S dürfte davon das interessanteste sein. Ein superflaches, hübsche Gehäuse trifft auf eine erstklassige Ausstattung und ein gestochen scharfes AMOLED-Display, auf die neue Android-Version 4 samt einer überarbeiteten, flotten und hübschen neuen Sense-Oberfläche. Wir hatten bereits die Möglichkeit, ein Vorseriengerät ausführlich zu testen.

Obwohl das One S nicht das neue Flaggschiff des Handy-Herstellers aus Taiwan ist und „nur“ mit Dual- statt Quad-Core-Prozessor daherkommt, dürfte es wohl das wichtigste neue HTC-Smartphone sein: Es sieht besser aus und fühlt sich wertiger an als der große Bruder One X, ist mit seinem 4,3-Zoll-Display noch nicht zu groß und hat abgesehen vom letzten Quäntchen Leistung all das, was sein Bruder mit Vierkernprozessor zu bieten hat.

Die Auslieferung soll Ostern beginnen: Amazon nennt Karfreitag, den 6. April als vorläufigen Termin. Die unverbindliche Preisempfehlung in Höhe von 499 Euro erscheint uns in Anbetracht der Optik und der Haptik durchaus interessant.

Hinweis: Bei diesem Testbericht handelt es sich um die aktualisierte Version des am 6. März 2012 veröffentlichten Previews.

Design

Gleich im allerersten Part dieses Testberichtes kann das One S kräftig punkten. Mit einer Bauhöhe von angegebenen 7,8 (und gemessenen 8,5) Millimetern gehört das Gerät mit zu den flachsten Smartphones, die es derzeit gibt. Optisch erinnert uns das S mit seinen abgerundeten Formen an das gute, alte HTC Desire. Freilich ist das neue Modell aufgrund der um 0,6 Zoll gewachsenen Anzeige ein Stück größer als sein Vorgänger, allerdings sind die Rahmen rund um das Display schmaler geworden, und der optische Trackball entfällt. Damit wirkt das Handy in der Praxis nicht so groß, wie man in Anbetracht der Panel-Diagonale vermuten könnte.

Besonders bei der Materialauswahl hat sich einiges getan. Das One S wird in zwei Ausführungen erhältlich sein: in Schwarz und in Grau. In beiden Fällen kommt ein stabiles Unibody-Aluminiumgehäuse zum Einsatz, der Rest unterscheidet sich allerdings. Die graue Variante gefällt uns optisch besser. Daran hat wohl auch der Farbverlauf von Silbern ins Anthrazitfarbene seinen Anteil, der auf der Vorderseite kaum wahrzunehmen ist, auf der Rückseite aber um so besser aussieht. Spannend: Die Farbe wurde laut HTC nicht auflackiert, sondern vergleichbar mit einer Galvanisierung mit dem Metall verbunden. So blättert auch nach intensiver Benutzung nirgendwo der Lack. Theoretisch zumindest – den Beweis muss das Unternehmen im Langzeiteinsatz erst noch antreten. Einen guten Eindruck macht die Fertigung jedenfalls.

Noch spannender ist da fast die schwarze Variante des One S. Bei ihr wurde das Aluminium des Gehäuses mit Hilfe von künstlichen Blitzen durch Hochspannung behandelt. Das führt im Prozess zu einer punktuell besonders starken Erhitzung, die die Oberfläche verändert. Laut HTC soll das so behandelte Material viermal härter sein als das eigentliche Aluminium – und egal, ob das stimmt oder nicht, das Gehäuse fühlt sich einfach extrem gut an. Viel rauer, als wir es vom Alu der MacBooks oder anderer Handys her gewöhnt sind. Der Hersteller spricht bei der Haptik gar von Keramik, und in der Tat: Es hat etwas davon.

Ansonsten gibt es noch ein intelligentes Element beim Design. Die Frontscheibe ist zwar flach und bündig im Gerät eingelassen, wird jedoch eingefasst von einem in Klavierlackschwarz lackierten Rahmen, der vermutlich aus Kunststoff gefertigt ist. Links und rechts vom Display zieht er sich etwas nach unten ins Gehäuse herein, oben und unten wird er so schmal, dass er fast unsichtbar aussieht. Damit wirkt es optisch und haptisch so, als wäre das Glas am Rand gebogen wie etwa beim Lumia 800 von Nokia. Das ist ein toller Effekt, der aber ins Geld geht – und HTC schafft es auf diese Weise, fast das gleiche Ergebnis zu erzielen, ohne teures, gebogenes Spezialglas einzusetzen.

Die Front wird fast vollständig dominiert vom großen Touchscreen-Panel. Der Rahmen an den Seiten ist sehr schmal. Unterhalb der eigentlichen Anzeige sind drei Touch-Tasten im Glas integriert. Hier zeigt sich zum ersten Mal das neue Android 4.0 alias Ice Cream Sandwich (ICS): Anstelle der bisher verwendeten Tasten für Home, Menü, Zurück und Suche kommen hier nun drei neue Symbole für Zurück, Home und den Task-Switcher zum Einsatz, der die zuletzt geöffneten Programme zeigt. HTC hat sich dazu entschlossen, weiterhin auf Hardware-Tasten zu setzen, während Google und Samsung beim Galaxy Nexus komplett auf Knöpfe verzichten und die Funktionen im Display einblenden – aber das kostet eben Anzeigefläche.

Oberhalb der Anzeige trägt das Gerät den silbernen HTC-Schriftzug. Darüber befindet sich der Lautsprecher. Für ihn wurden kleine Löcher direkt ins Metall gebohrt, das bisher übliche Lautsprechergitter entfällt: Es kann für Vibrationen sorgen und so den Klang negativ beeinflussen. Eine nette Überraschung ist die hinter einem der Löcher versteckte Status-LED, die über Ladezustand und verpasste Anrufe informiert.

Auf der rechten Seite des Gehäuses hat der Hersteller den Wippschalter zur Regelung der Lautstärke angebracht. Die Position ist etwas ungewöhnlich: Meist befindet er sich genau gegenüber. In der Praxis macht das aber keinen großen Unterschied. Die Taste lässt sich gut erfühlen und hat einen klaren Druckpunkt. Um so typischer ist der Ort des Ein-Aus-Tasters. Er befindet sich ganz oben rechts. Oben links hat die 3,5-Millimeter-Klinkenbuchse zum Anschluss des mitgelieferten Headsets sowie von Standard-Kopfhörern ihre Position gefunden. In der Mitte der beiden Elemente gibt es noch eine Einkerbung: Hier kann man den Fingernagel unterhaken, um das Gerät zu öffnen. Dabei handelt es sich beim One S mehr um eine Service-Klappe wie beim Smart denn um eine echte Motorhaube. Aufgrund der Konstruktion des Unibody-Gehäuses lässt sich der Rücken nicht abheben. Nur ganz oben und ganz unten befinden sich Kunststoff-Elemente, in denen die Antennen des Smartphones verborgen sind. Die obere Kappe lässt sich abheben, um die SIM-Karte im Gerät unterzubringen. Einen SD- oder microSD-Speicherkartenslot gibt es nicht mehr, ebensowenig einen austauschbaren Akku. Und aus dem bislang üblichen Mini-SIM-Leser wurde nun wie beim iPhone 4 ein Micro-SIM-Slot.

Die Rückseite sieht attraktiv aus. Nur ganz oben und ganz unten kommt etwas Kunststoff zum Vorschein, hinter dem sich die Antennen verbergen. Das ist ein notwendiges Übel. Immerhin: Die große Fläche dazwischen besteht aus Alu. Das HTC-Logo ist eingefräst. Ganz unten im Metall trägt das Gerät den Beats-Audio-Schriftzug, der auf die gesteigerten Qualitäten der Audio-Wiedergabe hinweisen soll, darunter befindet sich der Lautsprecher – wieder mit gebohrten Löchern direkt im Gehäuse anstelle eines Gitters. Oben in der Mitte sitzt die Linse der 8-Megapixel-Kamera. Sie ist von einem Rahmen aus Metall eingefasst, der in der grauen Version des One S blau und in der schwarzen Ausführung rot eingefärbt ist. Daneben befindet sich die Foto-LED.

Neueste Kommentare 

5 Kommentare zu Ausführlicher Testbericht: HTC One S mit Android 4 und Unibody-Alu-Gehäuse

  • Am 4. April 2012 um 00:09 von Bernd

    Fehler in der Beschreibung
    In der Beschreibung steht:
    Frontkamera ja, 0,3 Megapixel
    dies ist falsch, da das Handy über eine 1,3 Megapixel Kamera verfügt.

    • Am 4. April 2012 um 10:59 von Daniel Schraeder

      AW: Fehler in der Beschreibung
      Hallo Bernd,

      ich habe gerade noch einmal bei HTC nachgefragt. 0,3 Megapixel, also VGA-Auflösung, ist richtig. Der große Bruder, das HTC One X, hat eine Kamera mit 1,3 Megapixeln Auflösung.

      Viele Grüße
      Daniel Schraeder, CNET.de

  • Am 19. April 2012 um 11:41 von Tatjana

    UpnP
    Es steht in den techn. Daten das UpnP nicht angegeben ist. Kann man trotzdem davon ausgehen, da es doch eigentlich zum Standard mitgehört?

  • Am 22. Mai 2012 um 13:56 von Sven

    HTC One S besser als Sony Xperia s?
    Das HTC One S soll nur besser sein als das Sony Xperia S weil es aus Alu ist, ein AMOLED Display hat und Android 4.0 hat? HALLO? Das Sony hat eine 12MP Kamera, hat ein besseres Display, 32GB Speicher (doppelt so viel wie das HTC), besseren Klang und sieht auch noch besser aus. Und es wird auch nicht so warm wie die Geräte von HTC.Laut Ihrem Test hat das Sony Xperia S das zurzeit besste Display, trotz das es kein AMOLED ist. Außerdem kommt das Update auf 4.0 ja noch.

    Wer macht diese Tsts? HTC Fetischisten?

    PS: Ich hatte bei meinem Motorola Milestone das Update auf 2.2 gemacht. Seitdem läuft es nicht mehr richtig. Soll heißen? Ein neues Update oder eine neuere Version muss nicht dringend eine Verbesserung mit sich bringen. Das HTC One X hat einen Quad-Core Prozessor und ist schlechter als das One S (es ruckelt und der Quad-Core Prozessor kann auch nicht seine Leistung ausspielen).

    Bei den Test bitte die Technick bewerten und nicht die Hersteller

  • Am 9. September 2012 um 05:57 von Thomas

    Homescreen-Bug: Ein Jammer
    Very nice device, but be aware that hundreds of users, including me, are experiencing a SERIOUS ISSUE whenever carrier signal is weak:

    The capacitive Home Touch Button sometimes likes to press itself. When in an app or the home screen without or with the finger near the home button it seems to spaz out as if the home button gets pressed a few quick times in succession.

    Basically, you then completely loose control over your phone. Just google "HTC one S touch button issue" and you’ll see many times many posts about it.

    This issue has been reported to HTC by many users FOR SEVERAL MONTHS NOW, but no patch or update has been released now as to address the problem. So keep this in mind if you want to purchase this device… You have been warned.

    HTC, please FIX THIS ISSUE! Thank you…

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