Privater Monitor im Eigenbau: perfekter Blickschutz ohne Polfilter und mit Polarisationsbrille

Auch wenn es natürlich nichts zu verbergen gibt: Wenn man im Großraumbüro mit dem Rücken zum Raum sitzt, fühlt sich das alles andere als gut an. Doch es gibt Abhilfe: Mit einem kleinen Trick und etwas Bastelarbeit sieht unser Bildschirm nämlich für alle Kollegen weiß aus – und zeigt nur für uns den korrekten Inhalt an. Wie wir den Bildschirm modifiziert haben und welches Prinzip dahinter steckt, erklärt dieses Bastelprojekt.

Zunächst möchten wir erläutern, wie LCD-Bildschirme funktionieren – und wie wir das ausnutzen. Wer sich nicht für die Hintergründe hinter unserem Privatsphäre-Monitor interessiert und es gar nicht erwarten kann, endlich loszulegen, kann die nächsten drei Absätze überspringen und direkt beim Abschnitt Bastelprojekt weiterlesen.

Wie LCD-Monitore funktionieren – und wie wir das ausnutzen

Das Geheimnis lautet: Polarisation. Der Begriff bezeichnet die Schwingungsrichtung von Licht, also beispielsweise horizontal oder vertikal. Ein Monitor arbeitet mit mehreren Schichten aus Polarisationsfiltern, also Filtern, die nur in einer bestimmten Richtung schwingendes Licht durchlassen. Der erste dieser Filter sitzt auf der Hintergrundbeleuchtung des Monitors und sorgt dafür, dass bei den einzelnen Pixeln auf dem LCD-Panel nur in eine Richtung polarisiertes Licht ankommt. Die einzelnen Pixel verfügen über variable Filter, die die Polarisation des Lichts ändern können, also von horizontal auf vertikal – und in feinen Abstufungen dazwischen.

So sehen die verschiedenen Pixel auf einem TN-Panel aus. (Bild: Wikipedia)
So sehen die verschiedenen Pixel auf einem TN-Panel aus. (Bild: Wikipedia)

Vor den Pixeln schließlich sitzt ein weiterer Polfilter. Er ist gegenüber der ersten Filterschicht, die auf der Hintergrundbeleuchtung sitzt, um 90 Grad gedreht – und sperrt damit alles Licht, das unverändert von der ersten Filterschicht ankommt. Wenn ein Punkt auf dem LCD-Monitor nun hell erscheinen soll, dann müssen die variablen Filter, die in den Pixeln sitzen, das Licht an dieser Stelle ebenfalls um 90 Grad gedreht haben – oder um etwas weniger, soll der jeweilige Pixel nicht mit voller, sondern reduzierter Helligkeit erscheinen.

Das menschliche Auge kann nicht zwischen unterschiedlichen Polarisationen unterscheiden. Das Licht, das durch die erste Polfilter-Schicht gelangt, sieht für uns also ebenso weiß aus wie das Licht von der Hintergrundbeleuchtung selbst. Und auch das Bild, das aus dem Panel kommt, wirkt für uns noch komplett weiß. Dass hier an einzelnen Pixeln das Licht gedreht ist, können wir nicht sehen. Erst die finale Schicht eliminiert alles Störlicht – und lässt den gewünschten Inhalt übrig. Genau diese Schicht kratzen wir von unserem Monitor herunter – und haben damit eine teure Schreibtischlampe. Zumindest für alle anderen ist unser Bildschirm damit scheinbar unbrauchbar geworden. Denn wir verlagen die Filterschicht vom Monitor auf eine Brille, mit der unsere Augen das Bild dann doch wieder entschlüsseln können.

Ohne Sehhilfe ist das Display weiß, mit Brille können wir den Inhalt sehen.
Ohne Sehhilfe ist das Display weiß, mit Brille können wir den Inhalt sehen.

Bastelprojekt: Das brauchen wir

Natürlich benötigen wir einen Monitor – in unserem Fall hält ein ausgemusterter 17-Zöller von HP her. Wir empfehlen allen Bastlern, sich auch erst einmal an einem älteren Display zu versuchen. Denn wer nicht aufpasst, beschädigt seinen Bildschirm bei dem Umbauprojekt. An dieser Stelle auch noch einmal der obligatorische Hinweis: Wir übernehmen keinerlei Verantwortung für irgendwelche Schäden an Mensch und Maschine, die beim Befolgen dieser Anleitung auftreten. Wer seinen Monitor auseinandernimmt, verliert außerdem natürlich auch jegliche Garantieansprüche.

So sieht unser "Opfer" aus: ein betagter HP 1702, den wir in den nächsten Schritten zerlegen werden.
So sieht unser “Opfer” aus: ein betagter HP 1702, den wir in den nächsten Schritten zerlegen werden.

Um unseren HP 1702 zu zerlegen, benötigen wir lediglich einen Kreuzschlitz-Schraubendreher und einen Plastikspatel beziehungsweise Schlitz-Schraubendreher zum Aufhebeln. Je nach Modell kann das benötigte Werkzeug allerdings variieren. Um schließlich den Polarisationsfilter vom Displaypanel zu entfernen, setzen wir auf ein Teppichmesser und viel Geduld. Beim Beseitigen der Kleberreste sind Nagellackentferner und ein Schaber für Ceran-Kochfelder Gold wert.

Nachdem bei unserem Monitor – und vermutlich auch bei vielen anderen Bildschirmen – der Polarisationsfilter fest mit einer Entspiegelungsschicht verbunden ist, können wir die abgezogene Folie leider nicht für unsere Brille verwenden. Denn die Entspiegelungsschicht hat eine ähnliche Wirkung wie Milchglas: Unmittelbar dem Display aufgeklebt lässt sie ein scharfes Bild durch, aus der Entfernung lässt sie alles sehr unscharf wirken. Wir setzen bei unserem Bastelprojekt auf eine 3D-Brille, wie sie bei passiven 3D-Fernsehern eingesetzt wird. Leider ist die Folie für unseren Zweck nicht in der richtigen Orientierung eingesetzt – um ein wenig Geschnipsel kommen wir hier leider nicht herum. Aber dazu später mehr. Wer hier sauberer arbeiten möchte, sollte sich ein Stück Linear-Polarisationsfolie im Internet bestellen. Für wenige Euro gibt es hier genug Material, um zwei Brillengläser auszuschneiden. Die Einweg-Brillen vom letzten 3D-Kinofilm funktionieren hier übrigens nicht – dort wird nämlich die sogenannte zirkulare Polarisation eingesetzt, die uns an dieser Stelle nicht weiterhilft.

Neueste Kommentare 

7 Kommentare zu Privater Monitor im Eigenbau: perfekter Blickschutz ohne Polfilter und mit Polarisationsbrille

  • Am 19. April 2012 um 02:55 von podshot

    Paranoia
    Ist der Autor dieses Artikels inzwischen geheilt ?

    • Am 19. April 2012 um 11:47 von Stefan Möllenhoff

      AW: Paranoia
      Mit dem Privat-Monitor plus Alufolie-Helm und Kleiderbügeln unter der Decke geht es eigentlich ganz gut.

      Beste Grüße,
      Stefan Möllenhoff, CNET.de

    • Am 14. Mai 2012 um 18:22 von DAMerrick

      AW: Paranoia
      Wieso paranoia?
      das ist bei Geschäftsreisenden schon ewig Standard. Und auch in vielen Großraumbüros (vornehmlich in den USA) wird das gemacht. Da natürlich mit Folien, aber diese Methode ist effektiver.

      "Nur weil du nicht paranoid bist, heisst das nicht das sie niht hinter dir her sind." – Anders gesagt, traust du der Regierung oder auch nur deinem Nachbarn zu das er nicht das was er sieht gegen dich verwendet?
      Beim nächsten Beförderungsgespräch "Ja, aber der hat doch immer FaceBook in der Pause offen. Wer weiss was der da postet…."

      Sorry, aber so war es schon immer. Und so wird es immer bleiben. Nobel dem guten Menschen zu trauen, aber pass auf das er dadurch nicht schlecht wird.

  • Am 25. April 2012 um 13:03 von werner

    Folie Abziehen
    Hmm,
    Mehr ist mit nichts dazu eingefallen, wenns aber unbedingt jemand machen will, kann er mittels eines Föhns die Folie erwärmen und somit die Klebekraft der Folie schwächen. Das dürfte Aceton und Schaber ersparen :-)

    • Am 25. April 2012 um 14:36 von Stefan Möllenhoff

      AW: Folie Abziehen
      Hallo Werner,

      wir haben es beim Zerlegen auch mit einem Fön versucht. Allerdings konnten wir keinen so großen Unterschied feststellen und haben dann mit Aceton und Schaber weitergekratzt ;-)

      Beste Grüße,
      Stefan Möllenhoff, CNET.de

  • Am 19. Mai 2012 um 13:23 von Benjamin

    Muell
    Wo entsorgt man denn den (Sonder?)muell hin ? Habt ihr leider vergessen zu beschreiben. :(

  • Am 1. Juni 2012 um 16:35 von FrankenG

    ad Geheimmonitor
    Könnt ihr den "Geheimmonitor"-Artikel einmal weiterreihen? Nach gefühlten 20 Wochen, in denen ich die Headline mit dem langweiligen Titelbild beim Öffnen eurer Seite anschauen muss, kann ja irgendwann wieder Schluss sein.

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *