Fujifilm X-Pro1 im Test: "Leica für Arme" mit gigantischer Bildqualität

Bis vor nicht allzu langer Zeit war Fujifilm bei den Digitalkameras eher für kompakte Schnappschuss-Knipsen bekannt – und nicht für ernsthafte Fotoapparate. Mit der X-Serie, die zur Photokina 2010 in Form der X100 das Licht der Welt erblickte, sollte sich das ändern. Mit der X-Pro1 bringt Fujifilm jetzt seine erste digitale spiegellose Systemkamera an den Start. Wie sich diese in der Praxis schlägt, verrät der ausführliche Testbericht.

Mit einer unverbindlichen Preisempfehlung von 1600 Euro bewegt sich die X-Pro1 preislich deutlich oberhalb sämtlicher spiegelloser Systemkameras. In diesem Preisbereich rangieren bereits die ersten Vollformat-Spiegelreflexkameras, beispielsweise Canons EOS 5D Mark II. Und Fujifilm zufolge soll sich die X-Pro1 in diesen Sphären auch in puncto Bildqualität behaupten können. Verantwortlich dafür zeichnet laut Hersteller in erster Linie ein Sensor, der dank eines neuartigen Farbfilters auf einen Tiefpass-Filter verzichten kann – wie es übrigens auch der lichtempfindliche Chip in Leicas M9 tut.

Design & Ausstattung

Apropos Leica M9: Die Fujifilm X-Pro1 kommt in einem attraktiven Retro-Design daher und macht einen sehr hochwertig verarbeiteten Eindruck. Die Kamera ist zwar nicht gerade kompakt, eignet sich damit aber erstklassig für Fotografen, die beim Knipsen gerne etwas in den Händen halten. Der Griff könnte allerdings ruhig einen Tick tiefer sein. Im Großen und Ganzen ist das Design sehr gut gelungen, allerdings stolpern wir hier und da über ein paar Unpässlichkeiten, bei denen wir uns nur an die Stirn greifen können.

Auf der Oberseite des Gehäuses gibt es zwei Rädchen – eines für die Belichtungskorrektur und eines für die Verschlusszeit. Außerdem sitzt hier aus Auslöser, der einen mechanischen Anschluss für einen Kabelfernauslöser bietet. Die Blende legt der Fotograf mit einem mechanischen Ring am Objektiv fest. Dreht der Fotograf wahlweise den Blendenring oder das Verschlusszeiträdchen auf “A”, so übernimmt die Kamera diese Einstellung automatisch. Beide Rädchen auf “A” entsprechen beispielsweise der Programmautomatik, Verschlusszeit auf “A” und manuell gewählte Blende kommen dem halbautomatischen Modus Blendenvorwahl gleich. Auch wenn auf dem Verschlusszeit-Rädchen nur Belichtungszeiten in ganzen Blendenwerten angegeben sind – also beispielsweise 1/1000 und 1/500 Sekunde -, so ist es doch möglich, auch die Zwischenstufen – etwa 1/800 und 1/640 Sekunde – anzuwählen. In einer früheren Version dieses Artikels hatten wir fälschlicherweise darauf hingewiesen, dass hier nur ganze Lichtwerte möglich sind. Der Einstellring am Objektiv schließlich erlaubt es, die Blende in Drittelwerten einzustellen.

Die Blende lässt sich am Objektiv in Drittelstufen einstellen, für die Verschlusszeit stehen nur ganze Lichtwerte zur Auswahl.
Die Blende lässt sich am Objektiv in Drittelstufen einstellen, für die Verschlusszeit stehen nur ganze Lichtwerte zur Auswahl.

Auf der Oberseite des Gehäuses findet sich außerdem noch eine mit Fn betitelte Funktionstaste, die der Anwender mit einer häufig benötigten Einstellung belegen kann. Das wars dann aber auch schon mit der Anpassbarkeit der Kamera. Angesichts der Tatsache, dass drei der vier Richtungstasten des rückseitigen Vier-Wege-Pade ungenutzt sind, ist das etwas enttäuschend. Hier hätte der Hersteller mit wenig Aufwand deutlich mehr herausholen können – und wird das möglicherweise per Firmware-Update noch nachholen. Im Gegenzug fehlt der X-Pro1 eine dedizierte Taste zum Starten der Videoaufnahme. Um Bewegtbilder einzufangen, muss der Anwender in den Videomodus wechseln, den Fujifilm, anders als der Rest der Welt, bei den Serienbildmodi einsortiert. Unterm Strich entscheiden wir uns also dafür, die Funktionstaste für den Videomodus zu “verschwenden”. Positiv ist in diesem Zusammenhang anzumerken, dass der Hersteller sieben Slots für benutzerspezifische Einstellungen anbietet, die über das Schnellmenü unkompliziert zugänglich sind.

Das Schnellmenü der Fujifilm X-Pro1 ist schnell zu erreichen und übersichtlich aufgebaut.
Das Schnellmenü der Fujifilm X-Pro1 ist schnell zu erreichen und übersichtlich aufgebaut.

Damit ist die Bedienung unterm Strich durchaus komfortabel gelungen, auch wenn die Lernkurve etwas steiler ist als bei der Konkurrenz und man sich auf ein paar Fujifilm-Eigenheiten einstellen muss. Links unten neben dem LC-Display befinden sich Tasten für Serienbildmodus und Selbstauslöser sowie für Belichtungsmessung und Fokusmessfeld. Dass die Buttons für Belichtungsmessung und Fokusmessfeld mit AE und AF bezeichnet sind, ist zumindest etwas gewöhnungsbedürftig. Einen Knopf für Fokus- und Belichtungsspeicher gibt es nämlich auch. Der ist allerdings mit AE-L AF-L bezeichnet und befindet sich zusammen mit einer Taste zum Aufrufen des Schnellmenüs rechts oben auf der Rückseite auf einer kleinen Kunststofferhebung, die gleichzeitig dem rechten Daumen etwas Halt gewährt.

Neueste Kommentare 

15 Kommentare zu Fujifilm X-Pro1 im Test: "Leica für Arme" mit gigantischer Bildqualität

  • Am 17. April 2012 um 12:43 von Herr Bröd

    Headline
    Kurze Anmerkung zum Stil und Ton:

    Jemand der 2200 Euro für eine Kamera aufbringen kann, würde ich nicht als arm bezeichnen. Zudem solltet ihr, auch wenn es verlockend – reißerisch ist, solche Headlines zu vergeben, diese überdenken. Ganz besonders deshalb, weil wirklich mittellose Menschen dadurch diskriminiert werden. Auch wenn diese Leute hier nur indirekt geimeint sind.

    LG
    HB

    • Am 17. April 2012 um 15:31 von Stefan Möllenhoff

      AW: Headline
      Hallo Herr Bröd,

      vielen Dank für Ihre konstruktive Kritik. Es lag natürlich keineswegs in unserer Absicht, mittellose Menschen mit unserer Headline zu diskriminieren oder zu verletzen. Im Gegensatz zu den Leica-Kameras, die gut und gerne das Zwei- bis Dreifache kosten, ist die Fujifilm X-Pro1 aber eben eine vergleichsweise günstige Alternative, wenn es denn unbedingt eine Kamera in diesem Stil sein soll. Daher bitten wir, die salopp formulierte Überschrift in diese Relation zu setzen und nicht verletztend zu sehen.

      Beste Grüße,
      Stefan Möllenhoff, CNET.de

  • Am 17. April 2012 um 13:12 von No Name

    Fehler in der Tabelle
    Für die NX200 gibt es (leider) keinen elektronischen Sucher…

    • Am 17. April 2012 um 15:21 von Stefan Möllenhoff

      AW: Fehler in der Tabelle
      Hallo,

      vielen Dank für den Hinweis, das ist natürlich korrekt. Ich habe den Fehler korrigiert.

      Beste Grüße,
      Stefan Möllenhoff, CNET.de

  • Am 17. April 2012 um 20:45 von Jan Fervers

    Fehler
    Ein aufmerksamer Forennutzer hat einen Fehler erkannt der nicht ganz unbedeutsam ist…

    http://www.fuji-x100-forum.de/tests-erfahrungsberichte/3599-cnet-titelt-leica-fuer-arme-mit-gigantischer-bildqualitaet.html

    • Am 19. April 2012 um 11:48 von Stefan Möllenhoff

      AW: Fehler
      Hallo Jan,

      vielen Dank für den Hinweis, ich habe den Bericht entsprechend korrigiert.

      Beste Grüße,
      Stefan Möllenhoff, CNET.de

  • Am 20. April 2012 um 12:42 von No Name

    Hilfreicher Test
    Ein sehr hilfreicher Test, der mich allerdings in der Überzeugung bestärkt hat, daß die X-Pro1 noch kein DSLR-Ersatz ist. Als verwöhnter D700’er erwarte ich in diesem Preissegment einen abgedichteten Body und eine Autofokus-Geschwindigkeit auf DSLR-Niveau.

  • Am 20. April 2012 um 18:02 von Win Labuda

    Fuji X Pro 1
    Es wäre sinnvoll, den Verkaufspreis einer Kamera aus Ihren Bewertungen herauszulassen bzw sollte der Preis nicht Wertungssachverhalt sein. Wenn jemand sich für eine Kamera wie Leica oder Fuji X PRO 1 entscheidet, dann ist ein hoher Preis stillschweigend akzeptiert wie wenn jemand einen Ferrari kauft. Sinnlos, nun deswegen Bewertungsabschläge zu machen. Wer das Geld für ein Spitzenprodukt ausgeben will, der hat ja den Preis im Vorwege akzeptiert. Der monetär begründete Bewertungsabschlag beeinträchtigt lediglich die Plausibilität der Leistungsbewertung.

  • Am 21. April 2012 um 23:06 von tong

    Leica
    technisch gesehen ist die Leica so was wie ein BildröhrenFernseh.Manche erkennen eben die Zukunft zu Spät.

    • Am 2. September 2012 um 18:16 von Reinhard Weber

      AW: Leica
      Was letztlich zählt ist das Bildergebnis und da ist Leica nicht nur bei der Optik so weit vor der japanischen Konkurrenz, daß diese noch jahrelang üben muß, um den Vorsprung einzuholen. Mechanik bei Canon – schauerlich; die klappern ja schon im Laden. Aussage eines Canonvertreters in Berlin: Bei Sonne wandert der Fokuspunkt wegen der Objektiverwärmung. Um dies zu vermeiden müsse man eben aus dem Schatten heraus fotografieren. Service für Cameras wird bei Canon auch bei Proficameras sieben Jahre nach Abkündigung des Modells eingestellt. Professionell sieht anders aus. Ich fotografiere mit Leica M3, M5, Canon EOS 20 D und EOS-1 N (leider inzwischen defekt und kein Service mehr). Bis auf ein einziges Objektiv setze ich inzwischen wegen mangelnder Qualität bezüglich Schärfe und Farbwiedergabe nur noch adaptierte Leica-R Objektive an der Canon ein. Autofocus brauche ich nicht und ein dreißig Jahre altes R-Objektiv sticht locker jedes neue Canon Objektiv aus.

      • Am 23. Oktober 2013 um 14:40 von Christian

        Eine absurde Meinungsansammlung. Schau Dir mal an, womit die Fotografen im Dschungel, Krieg, am Speilfeldrand oder in Berlin fotografieren: Canon & Nikon…aber klar, alle keine Ahnung!

  • Am 3. Mai 2012 um 16:54 von Roman Sieder

    Fuji x pro 1
    Eine Fuji x pro 1 – ist n i c h t mit einer Leica M – Mess-Sucherkamera vergleichbar
    Die meisten User können mit einer Mess-Sucherkamera nicht umgehen
    R.Sieder
    fotografiere mit Leice M 6 – 7 – 8

  • Am 8. Juni 2012 um 03:15 von Peter F.

    X1-Pro vs. M9
    Hallo Herr Grunin, hallo Herr Möllenhoff,

    wieso erwähnen Sie so oft die Leica M9, stellen sie aber der X1-Pro kein bisschen gegenüber? Stattdessen vergleichen Sie die X1-Pro mit Kameras, die vom Konzept her ziemlich weit auseinander liegen und noch nicht mal einen optischen Sucher haben. Das macht keinen Sinn.

    Desweiteren würde mich interessieren, ob der Fokusring wieder nur ein "drive-by-wire" Konzept wie bei der X100 besitzt oder ob jetzt endlich eine mechanische Verbindung zu den Linsen besteht.

    Wie ist die Akkulaufzeit im Vergleich zur X100? Bei der X100 komme ich sehr weit mit einem Akku (weit >1000 Fotos). Ich halte die Kamera aber größtenteils am Auge mit dem fantastischen und sehr hellen optischen Sucher. Das macht den meisten Spaß (insbesondere bei schlechten Lichtbedingungen) und senkt den Energieverbrauch, weil sich das Display dabei abschaltet.

    Viele Grüße
    Peter F.

  • Am 16. Juli 2012 um 09:58 von TimoB

    X-Pro 1 Vergleich mit Leica M9
    Hallo,

    es ist erstaunlich, dass immer wieder die X-Pro 1 mit einer M9 verglichen wird. Schon alleine die Tatsache, dass es sich bei der Fuji um alles andere als eine Messucherkamera handelt lässt diesen Vergleich in Sinnlosigkeit verpuffen. Ausssagen wie "Leica für Arme" verlieren in diesen Zusammenhang jegliche Seriösität…

    Lediglich der Stil und das Bedienkonzept erinnern
    an die alten Tage der Fotografie. Und das ist auch gut so!
    Aktuelle System- u. DSLR-Kameras sind überladen mit
    Funktionen und Programmen sodas es am Ende schwer
    fällt sich auf das eigentliche Motiv zu konzentrieren. Mal
    ganz zu schweigen von den dreifach belegbaren Knöpfen
    und schaltern etc. … Diese Kameras erinnern mittlerweile eher an teure Spielzeuge und Gadgets..
    Und genau an der Stelle setzt Fujis
    Konzept an. Es redutziert auf das Notwendige! Sicherlich
    ist so etwas nicht Jerdemanns Sache. Aber der Erfolg
    der X100, X10 und der X-Pro 1 sprechen eindeutig ihre
    eigene Sprache! Fuji beweist, dass niemand einen
    fünfstelligen Betrag investieren muss um Freude an
    purer Fotografie geniessen zu dürfen!

    Keine momentan erhältliche Kamera ist perfekt. Das sollte
    jedem bewusst sein der sich für eine Neuanschaffung
    entschieden hat. Die Stärken der jeweiligen Kamera sollten
    zum Profil und Anspruch des Fotografen passen. Und man
    sollte ein positives Gefühl haben sobald man seine Kamera
    in der Hand hält. Sie soll einen motivieren rauszugehen und
    sich auf das konzentrieren worauf es ankommt: Fotografieren!

    Ich persönlich habe meine Canon DSLR-Ausrüstung aufgegeben
    und bin auf die X-Pro 1 umgestigen. Und ich bin mit dieser
    Entscheidung mehr als glücklich. Wer auch immer jetzt
    meint mich als Fuji-Fanboy zu bezeichnen der soll es
    meinetwegen tun. Dann muss er aber auch wirklich jeden
    so bezeichnen der von seinem erstandenen Produkt
    überzeugt ist…

    In diesem Sinne
    TimoB

  • Am 12. Oktober 2012 um 02:49 von Fritz

    X-Pro1
    Sehr geehrte Frau Grunin, sehr geehrter Herr Möllenhoff,

    Als gut verdienender Freiberufler kann man mich nicht zu den Armen zählen. Trotzdem habe ich es mir erlaubt eine
    sogenannte "Leica für Arme" zu kaufen. In der stillen Hoffnung sie keinem Bedürftigen weggeschnappt zu haben,
    verbleibe ich mit freundlichen Grüßen,

    Fritz.

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