"Nur" 8 Megapixel im Galaxy S3: Warum mehr Auflösung nicht unbedingt besser ist

Vor der Vorstellung des neuen Android-Flaggschiffs von Samsung am letzten Donnerstag geisterten noch Gerüchte von einer 12-Megapixel-Kamera durchs Netz. Das Windows-Phone HTC Titan 2 bringt gar eine Digicam mit 16 Millionen Pixeln mit, und Nokia hat im Februar auf dem Mobile World Congress mit seinem 41-Megapixel-Smartphone für Furore gesorgt. Aber mehr Pixel bedeuten nicht unbedingt ein besseres Bild – teilweise sogar das Gegenteil.

Ähnlich wie bei der Vorstellung des iPhone 4S im letzten Jahr gab es bei der Präsentation des Samsung Galaxy S3 nicht nur Begeisterung, sondern auch lange Gesichter: Hier wie dort hat die Gerüchteküche im Vorfeld kräftig gebrodelt und Hoffnungen erweckt, die das tatsächliche Gerät nicht erfüllen kann: Aus dem Keramik- wurde ein Plastikgehäuse, aus dem Full-HD- ein HD-ready-Display und aus der 12- eine 8-Megapixel-Kamera.

Dabei ist die Sache mit dem Keramikgehäuse wirklich schade. Das niedriger auflösende Display hätten wir uns fast denken können – und die Kamera? Braucht man überhaupt 12 Megapixel im Smartphone?

Vom Gefühl her: Ja klar. Je mehr, um so besser. In der Praxis wissen wir aber durch diverse Tests, dass die eigentliche Bildqualität nicht unbedingt mit der Megapixel-Zahl zu tun hat. So erzielt beispielsweise das iPhone 4 mit seiner 5-Megapixel-Kamera bessere Ergebnisse als diverse Mittelklasse-Android-Phones mit 8 Megapixeln – vor allem in dunklen Umgebungen.

Enttäuschung oder nicht? Das Samsung Galaxy S3 fotografiert mit "nur" 8 Megapixeln.
Enttäuschung oder nicht? Das Samsung Galaxy S3 fotografiert mit “nur” 8 Megapixeln.

Auf der anderen Seite müssen mehr Megapixel aber auch nicht unbedingt ein schlechteres Ergebnis bedeuten. Das iPhone 4S schießt mit seiner Kamera (8 Millionen Pixel) definitiv bessere Fotos als das 4er mit 5 Millionen Pixeln, und auch das Titan 2 von HTC kann sich mit seiner 16-Megapixel-Kamera durchaus sehen lassen.

In der Praxis gehört also viel mehr dazu als nur die Pixelzahl, um tolle Bilder zu erzielen. Es geht um Linsen, Sensorgrößen, Bildprozessoren und auch um die Software, die auf den Smartphones zum Einsatz kommt.

Erste Zutat: größtmöglicher Bildsensor

Vor allem professionelle Fotografen geben wenig reine auf Pixelzahlen. Was viel mehr zählt, ist der Bildsensor. Denn er ist es, der das Licht einfängt und in elektrische Signale umwandelt. Er ist quasi der “Film” im Handy.

Das Licht sucht sich seinen Weg durch die Linse und landet dann auf dem Bildsensor, der die Informationen erfasst und in Daten umwandelt. Ab dann übernimmt der Bildprozessor, der aus elektrischen Signalen wieder ein Bild baut – jetzt allerdings ein digitales – und dabei gleich auf die typischen Probleme wie Bildrauschen achtet und versucht, diese weitgehend zu umgehen.

Die Größe des Bildsensors ist entscheidend. Vereinfacht gilt: Je größer die Sensorfläche, desto größer können die einzelnen Pixel sein. Und je größer diese sind, um so mehr Licht fangen sie ein. Je mehr Licht sie einfangen, desto niedriger muss die Empfindlichkeit des Sensors eingestellt sein. Das wiederum sorgt für weniger Fehler beim Auslesen und damit für weniger Bildrauschen – und schließlich für bessere Fotos.

Wenn also in der Praxis eine Spiegelreflexkamera ebenso viele Megapixel wie ein Smartphone auf dem Datenblatt stehen hat, aber gleichzeitig über einen signifikant größeren Bildsensor verfügt, werden die Ergebnisse dennoch deutlich besser – obwohl die Pixelzahl die gleiche ist. Denn jeder einzelne Bildpunkt der Digicam ist größer, fängt mehr Licht ein – und sorgt so für eine höhere Präzision und weniger Störungen im Foto.

Hier haben wir auch schon den Grund dafür, warum Kameras mit weniger Pixeln unter Umständen bessere Fotos schießen als welche mit mehr: Je größer jeder einzelne Bildpunkt auf dem Sensor ist, um so besser die Qualität. Blöd ist allerdings, dass die meisten Smartphone-Hersteller die Größe des Bildsensors gar nicht erst angeben. Auch nicht auf Nachfrage. Und damit ermöglicht der Blick aufs Datenblatt quasi keinen Rückschluss auf das, was die Kamera in der Praxis leistet – das kann nur ein ausführlicher Test.

In letzter Zeit sprechen die Hersteller von Smartphones auch immer wieder von rückseitig belichteten Bildsensoren, die für fantastische Ergebnisse sorgen sollen. Bei diesen Sensoren befindet sich die Verdrahtung der einzelnen Pixel nicht auf der Vorder-, sondern auch der Rückseite des Chips – und verschwendet damit keine lichtempfindliche Fläche. Dementsprechend bietet ein rückseitig belichteter Chip, auch backside-illuminated oder BSI-Sensor genannt, mehr Platz fürs Licht und damit eben wieder eine bessere Qualität. Aber wie groß der Bildqualität-Sprung wirklich ist, lässt sich nicht aus dem Datenblatt ablesen, sondern nur in einem Test klären.

Neueste Kommentare 

5 Kommentare zu "Nur" 8 Megapixel im Galaxy S3: Warum mehr Auflösung nicht unbedingt besser ist

  • Am 9. Mai 2012 um 13:45 von Alexis

    megapixel
    SORRY aber die Diskussion ist total beschuert und semi profesionell. Wieviel megapixel braucht man??? Jeder fotograf weißt ES GEHT NICHT UM DIE MGPX. Es geht um den CHIP der Kamera und um seine größe. Ich kann mit ne vollformat senzor Kamera mit 4 mgpx bessere fotos als mit ne 12mgpx mini-chip senzor kamera schießen und das zu recht weil der abbildungsmaßstab ein anderer ist. Genauso dazu zählt das objektiv womit man schießt. Die MGPX Anzahl kommt an 4er stelle. Erst der Chip, dann die Linse, dann die Kamera an sich und ihre digitalen Skills und erst dann kommt es darauf an wieviel mgpx die Kamera hat.

    • Am 22. Mai 2012 um 01:04 von threashooter

      AW: megapixel
      Leider hat der Bericht keine Antwort parat auf die aktuellen Smartphones inkl. Schwindelaufloesung, etc. HTV OneX, effektiv nur 5 MP. Mich interessiert das Xperia mit 13MP. Zzt. nur in Japan.

    • Am 13. Juni 2012 um 10:53 von Antworter

      AW: megapixel
      Wow, gibts Deinen Kommentar auch in Deutsch? Meine Kinder mit 11 und 8 Jahren schreiben ordentlicheres Deutsch. Vom Satzbau und Grammatik mal ganz abgesehen. – Der Artikel ist recht informativ, wobei es doch den meisten "Geeks" klar sein dürfte, wie sich die Sachlage bei den Mobile-Kameras verhält.

  • Am 5. Juni 2012 um 15:22 von EM2012

    Kamera
    Ja…
    Klar sind MP nicht alles – es müsste mittlerweile jeder wissen, dass z.B. die Optik und der Sensor da ein ganz (!) wichtige Rolle spielen!
    BTW: Und das Nokia 808 PureView besitzt wirklich einen 41MP Sensor (und damit lässt er genausoviel Licht rein wie ein iPhone 4S bei einem 8MP Foto) – mit 1/1,2" sogar größer als von einer 400 € teuren Canon S100!!
    Bei dem Nokia geht es aber darum, dass wenn man 5 oder 8MP Fotos schiesst sie auch in einer für Smartphones noch nie dagewesenen Qualität schiesst (da Informationen aus mehreren Pixeln in ein sog. "Superpixel" vereint werden – dadurch hat man ein fast rauschfreies und sehr scharfes Foto).

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *