HTC One V im Test: die neue Einstiegsklasse mit Android 4.0

Das One V ist das vorerst kleinste der neuen HTC-Smartphones mit Android 4. Mit einem Preis von knapp 270 Euro ist es aber auch gleichzeitig signifikant teurer als die wahren Einstiegsmodelle. Wir haben getestet, für wen sich das One V lohnt.

Moment mal – das One V kennen wir doch! Oder? Zumindest optisch erinnert es uns stark an das inzwischen schon etwas angestaubte HTC Legend: Alu-Gehäuse, der früher bei HTC obligatorische Knick im unteren Gehäusebereich, der Formfaktor. Hat der taiwanische Hersteller da etwa noch einen Stapel alter Alu-Schalen übergehabt und recycelt?

Nein, hat er nicht. Auf den ersten Blick sehen sich die beiden Geräte zwar wirklich sehr ähnlich, aber die Unterschiede sind gravierend. Das One V ist dünner als der Vorgänger, hat eine andere Farbgebung, ein größeres Display – und selbstverständlich eine ganz andere Motorisierung unter der Haube. Auch softwareseitig ist das neue Modell auf dem neuesten Stand. Android 4.0 ab Werk, dazu gibt es die HTC-eigene Sense-Oberfläche.

Kaufen oder nicht?

Einen wirklichen Rummel um das One V hat es nicht gegeben. Das Gerät wurde zeitgleich mit dem schönen One S und dem flotten One X auf dem Mobile World Congress in Barcelona gezeigt – und von denen ganz klar in den Schatten gestellt. Wenn man das Gerät für sich betrachtet, hat es das aber gar nicht verdient. Und für potentielle Käufer, die nicht so viel Geld ausgeben möchten oder kleine Hände haben, ist es unter Umständen sogar die bessere Wahl.

Der Feind des Guten ist in diesem Fall aber nicht das Bessere, sondern das Günstigere: In der Zwischenzeit kann man Android-Smartphones mit akzeptabler Ausstattung bereits für 100 Euro bekommen. Was also kann das One V besser als das Huawei Ascend Y200?

Wichtigstes Entscheidungsmerkmal ist sicherlich die Qualität. Nicht, dass sie beim Huawei so schlecht wäre, aber hier ist sie einfach signifikant besser. Auf Anhieb sticht das Alu-Gehäuse heraus, dazu kommt eine deutlich bessere Kamera. Und selbstverständlich ist die Leistung der im Inneren verbauten Komponenten auf einem ganz anderen Niveau. Na klar, auch das One V muss mit einem einzelnen Rechenkern auskommen – und das bringt es beispielsweise beim Zoomen und Scrollen auf umfangreichen Webseiten schnell an seine Grenzen. Aber im Vergleich zu den Billigheimern ist es dennoch spürbar schneller unterwegs und somit für ein anspruchsvolleres Klientel geeignet, das häufiger Apps und Spiele installiert und sie auch regelmäßig nutzt.

Software

Eigentlich sollte es ja selbstverständlich sein, aber das ist es immer noch nicht. Deswegen verpassen wir HTC hiermit das Prädikat Vorbildlich, weil mit dem One V auch das dritte und günstigste neue Smartphone bereits ab Werk mit der aktuellen Android-Version 4.0 ausgeliefert wird. Dazu gibt es die bekannte, ebenfalls aktualisierte und jetzt etwas weniger verspielt wirkende Sense-Oberfläche.

Wer sich im Handy-Shop bereits das One S oder One X angesehen hat und vom User Interface begeistert ist, sei gewarnt: An einigen Punkten hat der Hersteller Abstriche gemacht, um die Oberfläche auch auf seinem weniger leistungsfähigen Modell ruckelfrei zum Laufen zu bringen. Beispielsweise ist die Liste der zuletzt geöffneten Apps hier nicht im dreidimensionalen Kartendeck-Look gehalten, den wir schon von den Palms mit WebOS her kennen. Stattdessen bekommen wir hier die an den Google-Standard angelehnte Optik mit rechteckigen, nebeneinanderliegenden Icons zu sehen. Das tut der Funktionalität freilich keinen Abbruch und ist absolut in Ordnung, wenn es einer flüssigen Bedienbarkeit zu Gute kommt – aber es muss erwähnt werden.

Auch der Funktionsumfang von Android 4 wurde etwas reduziert. Käufer des One V müssen auf Face Unlock verzichten, können also das Gerät nicht mit einem Blick in die frontseitige Kamera entsperren. Hauptgrund dafür dürfte aber nicht die mangelnde Rechenleistung, sondern schlicht die fehlende Kamera auf der Vorderseite sein. Alle anderen wichtigen Neuerungen der neuen Android-Version inklusive der Verschlüsselungsfunktion für Daten sind vorhanden und funktionieren.

Etwas störender finden wir da schon den Verzicht auf den Homescreen-Überblick. Bei früheren und den größeren HTC-Smartphones führt eine Multitouch-Verkleinerungsgeste auf dem Homescreen dazu, dass alle Seiten in verkleinerter Form auftauchen und einen Überblick über sowie einen flotten Wechsel zwischen den Screens ermöglichen. Beim One V muss man eben durch die Seiten wischen. Immer und immer wieder. Auch beim Lock-Screen wurden Abstriche gemacht – die coolen Widgets, die nun auch direkt nach dem Aufwachen aus dem Schlaf und vor dem Entsperren E-Mails oder die Wettervorhersage anzeigen, gibt es hier ebensowenig wie die Möglichkeit, Apps direkt vom Lock-Screen aus zu starten.

Unterm Strich ist der Verzicht, den Käufer hier eingehen müssen, überschaubar. Die Belohnung ist das, was deutlich günstigere Android-Smartphones nicht können: Eine weitgehend ruckelfreie Bedienung.

Neueste Kommentare 

2 Kommentare zu HTC One V im Test: die neue Einstiegsklasse mit Android 4.0

  • Am 26. Mai 2012 um 16:11 von dijay

    Fazit
    würden die von euch angesprochenen 100 euro mehr fürs one s reichen hätte ich ne menge geld gespart 😉
    der fairness halber sollte man also erwähnen das es 200 euro sind die man da mehr aufn tisch legen muss, die sich aber lohnen 😀

  • Am 27. Juni 2012 um 16:48 von B.M.

    Ungenaue Beschreibung !
    Es stehen von den 4 GB ( interner Speicher ) nur ca. 1 GB für Daten zur Verfügung, ca. 3 GB belegt Android & Sense + vorinstallierte Apps !
    Außerdem wäre es gut auf die (jetzt) versteckte Benachrichtigungs-LED hinzuweisen, sie befindet sich nicht mehr oben auf dem Display sondern neben der Kopfhörerbuchse.

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