LG 55EM9600 im Hands-on: der vielleicht beste Fernseher aller Zeiten – für 10.000 Dollar

Auf der CES in Las Vegas gab es bereits einen Prototypen zu sehen, jetzt hat LG seinen 55-Zoll-OLED-Fernseher offiziell vorgestellt. Das vier Millimeter flache Flaggschiff wird in der zweiten Jahreshälfte 2012 auf den Markt kommen und soll die Fernsehwelt so revolutionieren, wie es einst die LCDs im Röhrenfernseher-Zeitalter schafften. Wir hatten diese Woche die Gelegenheit, uns den neuen OLED-TV näher anzusehen.

OLED-Bildschirme sind nichts Neues: Sie fanden beispielsweise bereits vor zehn Jahren bei Autoradios Verwendung, damals allerdings noch in Monochrom-Ausführung. 2010 ist den Farb-OLED-Anzeigen der Durchbruch im Mobiltelefon-Markt gelungen – bei den Flaggschiffen gehören sie seitdem zum guten Ton. Und auch OLED-Fernseher gibt es schon seit ein paar Jahren: Der Sony XEL-1 kam im Jahr 2009 mit einer unverbindlichen Preisempfehlung von 4300 Euro auf den Markt – bei gerade einmal 11 Zoll Bilddiagonale. 2012 sieht es so aus, als würde endlich das Zeitalter der großformatigen OLED-Bildschirme anbrechen.

Der Weltmeister gibt sich die Ehre: Bei der Präsentation des 55EM9600 stand unter anderem Sebastian Vettel auf der Bühne.
Der Weltmeister gibt sich die Ehre: Bei der Präsentation des 55EM9600 stand unter anderem Sebastian Vettel auf der Bühne.

Technologie: OLED gegen LCD

Bei LCD-Fernsehern (und auch LED-TVs, die nach demselben Prinzip funktionieren) gibt es eine Hintergrundbeleuchtung, die einfach ein weißes Bild darstellt. Vor diesem weißen Bild befindet sich eine Matrix aus roten, blauen und grünen Pixeln, die sich zwischen ihrer eigenen Farbe und Schwarz dimmen lassen. Aus diesen Grundfarben und der Möglichkeit zur Helligkeitsregulierung baut der Fernseher schließlich das Bild auf. Allerdings bringt diese Technologie ein paar Probleme mit sich.

Nachdem die Hintergrundbeleuchtung immer aktiv ist, scheint sie stets leicht durch – aus Schwarz wird Grau. Direct-LED-Fernseher verbessern diese Problematik zwar etwas, indem sie die Hintergrundbeleuchtung lokal herunterdimmen, bieten aber immer noch keine perfekten Kontraste. Um kleine Lichtpunkte auf dem Bildschirm herum gibt es außerdem Lichthöfe, denn die LEDs in der Hintergrundbeleuchtung sind eben einfach nicht so klein wie die einzelnen Pixel. Außerdem bieten LED-Fernseher eingeschränkte Blickwinkel, da das Licht einen gewissen Weg durch die verschiedenen Schichten des Panels zurücklegen muss.

Der große Unterschied bei den OLED-Fernsehern ist jetzt, dass die Pixel selbst leuchten und nicht von hinten angestrahlt werden. Soll das Bild an einer Stelle schwarz sein, dann werden die Pixel komplett abgeschaltet und sind dann auch richtig schwarz. Das sorgt für gigantische Kontrastverhältnisse. Nachdem das Licht direkt aus der Pixelschicht emittiert wird, kippen auch bei beliebig schräger Betrachtung niemals die Farben.

Warum erst jetzt?

OLED-Bildschirme gehören bei Smartphones inzwischen schon zum guten Ton und sind nichts Besonderes mehr. Warum ist es dann so schwierig, einen großen Fernseher zu bauen? Der Grund liegt in der aufwändigen Verdrahtung der einzelnen Pixel – jeder einzelne Bildpunkt muss einzeln angesteuert werden, was bei hohen Auflösungen und großen Panels eine große Herausforderung darstellt – und den Preis entsprechend nach oben treibt.

Ein weiteres Problem ist die Langlebigkeit der OLEDs. Insbesondere die Pixel für das blaue Licht sorgen hier für Probleme. Smartphone-Displays mit OLED-Technologie sind dafür bekannt, anfangs einen leichten Blaustich aufzuweisen, der mit der Zeit verschwindet, da die blauen OLEDs an Leuchtkraft verlieren. Im Vergleich zu Fernsehern sind die Anforderungen an Handy-Bildschirme in puncto Haltbarkeit außerdem deutlich geringer. Nach zwei Jahren haben Mobiltelefone meistens bereits ausgedient, und sie müssen kaum fünf Stunden am Tag leuchten.

LG umgeht das Problem der blauen OLEDs damit, dass einfach ausschließlich weiße Pixel zum Einsatz kommen. Über diesen Bildpunkten sitzt dann schließlich eine Maske mit Farbfiltern in den Farben Rot, Grün und Blau. Strenggenommen handelt es sich beim 55EM9600 also um den perfekten LED-Fernseher mit einer OLED-Hintergrundbeleuchtung. Einen Unterschied gibt es allerdings: Der LG-TV verfügt auch über weiße Pixel, die angeblich die „Farbdarstellung perfektionieren“, so die Pressemitteilung. Wie das genau funktioniert, konnten wir bislang noch nicht herausfinden. Sobald wir eine Antwort des Herstellers erhalten haben, werden wir diesen Artikel aktualisieren.

Drei bunte OLEDs und ein weißer Pixel: LG nennt das Panel WOLED.
Drei bunte OLEDs und ein weißer Pixel: LG nennt das Panel WOLED.

Bezüglich der Lebensdauer des 55EM9600 wollte sich LG noch nicht äußern. Allerdings soll der Fernseher hier nicht schlechter abschneiden als sein kleiner Bruder 15EL9500 mit 15-Zoll-Display, der mit 30.000 Stunden aufwarten kann. Das entspricht zwar etwa nur einem Drittel dessen, was LCD-Fernseher mit LED-Beleuchtung schaffen. Doch unterm Strich kommen 30.000 Stunden auch einem dreieinhalbjährigen 24/7-Fernsehmarathon gleich. Wer sich mit acht Stunden täglich zufrieden gibt, kommt auf gut zehn Jahre.

Samsung setzt bei seinem Konkurrenzprodukt übrigens auf drei verschiedenfarbige OLEDs, die die Grundfarben direkt ausstrahlen. Welche Vor- und Nachteile das mit sich bringt, muss sich noch in der Praxis zeigen. Dem Energieverbrauch dürfte es jedenfalls zuträglich sein. Denn die OLEDs in LGs Fernseher produzieren weißes Licht, das von den jeweiligen Farbfiltern dann zu mindestens zwei Drittel wieder geschluckt wird. Und dieser Überschuss benötigt eben trotzdem Energie.

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