HD Super-AMOLED, Retina-Display & Co.: Welche Anzeigetechnik ist die Beste?

Displays sind nicht nur das wichtigste Ein- und Ausgabeinstrument moderner Smartphones, sondern auch ein wichtiger Kaufgrund. Unterschiedliche Modelle verschiedener Hersteller buhlen mit Schlagworten wie HD Super-AMOLED, Super-AMOLED-Plus, IPS-LCD oder SLCD um die Gunst der Kunden. Wir zeigen, was dahinter steckt – und was letztlich der beste Kauf ist.

Wann immer Raymond Soneira Smartphone-Displays vergleicht, blickt er nicht einfach nur mit einem geschulten Auge auf zwei nebeneinander liegende Handys, um Unterschiede bei der Farbwiedergabe oder beim Kontrast zu erkennen. Natürlich macht er das auch, aber er setzt auch auf wissenschaftliche Messgeräte, um Helligkeit oder Reflektionen zu messen.

Soneira ist Gründer und Vorsitzender von DisplayMate Technologies, einem Unternehmen, das sich auf die Herstellung und Entwicklung von Testverfahren und -Equipment von Monitoren und Displays spezialisiert hat. Seit 23 Jahren arbeitet der Träger eines Doktortitels in theoretischer Physik an seinen Algorithmen, die Displays in allen Größen analysieren – vom Handy bis zum Fernseher. In den vergangenen Jahren hat Soneira unter anderem Testverfahren für den US-Telefonanbieter AT&T Bell Labs und für CBS, den Mutterkonzern von CNET, entwickelt.

Der Grund für den ganzen Aufwand? Natürlich sagen Panel-Technik, Display-Größe und -Auflösung schon einiges über die Qualität einer Anzeige aus. Aber es gibt noch viele weitere Unterschiede, die gute und schlechte Ergebnisse ausmachen. Beispielsweise kommt es auf die verwendeten Materialien an, auf das Pixel-Layout, die Farbechtheit oder das Kontrast-Verhältnis.

HTC Titan II und Nokia Lumia 900: Bei beiden Geräten kommt ein AMOLED-Bildschirm zum Einsatz, aber das des Nokias ist besser. Warum?
HTC Titan II und Nokia Lumia 900: Bei beiden Geräten kommt ein AMOLED-Bildschirm zum Einsatz, aber das des Nokias ist besser. Warum? (Bild: CNET)

Anatomie eines Handy-Displays

Wie jede andere Anzeige auch besteht ein Smartphone-Display aus mehreren Ebenen unterschiedlicher Materialien – von unten angefangen mit der Trägerplatte. Je nach den Anforderungen des kompletten Monitors kommt hier beispielsweise dünner Kunststoff zum Einsatz, um eine gewisse Flexibilität zu ermöglichen, oder ein härteres Material mit höherer Stabilität.

Auf der Trägerplatte befindet sich das Leuchtelement, über dem sich der TFT-Layer befindet. Die Thin-Film-Transitoren schalten die einzelnen Pixel mit Hilfe von elektrischem Strom je nach Bedarf durchsichtig oder eben nicht.

Darüber finden, je nach Technik, der Touch-Sensor sowie diverse Filme, Filter und Beschichtungen ihren Platz, die beispielsweise starkes Spiegeln reduzieren oder Kontraste verbessern können. Ganz oben schließt bei aktuellen Smartphones dann eine Scheibe aus Kunststoff, Glas oder Mischwerkstoffen wie dem bekannten Gorilla Glass, ab.

Jede einzelne dieser Komponenten hat einen Einfluss auf die Qualität der Darstellung. Moderne Displays mit Verbundschichten beispielsweise kommen ohne eine Luftschicht zwischen Touchscreen und dem eigentlichen Panel aus. Das reduziert die Reflexion von Licht innerhalb der Anzeige und sorgt so signifikant zur Verbesserung der Darstellung – auch, obwohl sich beispielsweise an der Auflösung nichts verändert hat. Auf der anderen Seite sorgen natürlich billigere Materialien von geringerer Qualität für Verschlechterungen bei der Farbwiedergabe und der Blickwinkel.

LCD oder OLED?

Derzeit hält sich das Gerücht im Markt, dass AMOLED-Bildschirme grundsätzlich besser sind als welche mit LCD-Technik. Im Detail spricht tatsächlich einiges für modernen OLEDs, bei denen jeder Pixel einzeln leuchtet, während LCDs über eine flächendeckende Hintergrundbeleuchtung und eine Art Filterschicht verfügen, die das Licht nur dort durchlassen, wo es benötigt wird. Aber in der Praxis ist es natürlich weit komplizierter.

Der erste Haken bei LCDs ist die permanent leuchtende Hintergrundbeleuchtung. Diese Anzeigen benötigen als auch dann Energie, wenn sie eigentlich schwarze Flächen zeigen sollen, aber natürlich auch für weiße und bunte Pixel. Im Allgemeinen hält man LCDs zugute, dass sie realistischere Farben und Grauwerte darstellen, wobei das in der Praxis häufig nicht so ist: Oft werden die Anzeigen bei Smartphones nämlich nicht auf Realismus kalibiert, sondern auf eine möglichst geringe Energieaufnahme. Und das bedeutet letztlich eine schwächere Farbwiedergabe vor allem bei Rot, Blau und Violett. Außerdem halten LCDs im Allgemeinen länger, sagt Soneira – Helligkeit und Farbbalance bleiben über tausende von Betriebsstunden hinweg stabil.

Neueste Kommentare 

2 Kommentare zu HD Super-AMOLED, Retina-Display & Co.: Welche Anzeigetechnik ist die Beste?

  • Am 4. Juni 2012 um 22:23 von Exceljupp

    Guter Bericht,
    sachlich und informativ.
    Vielen Dank!

  • Am 10. Juni 2013 um 01:00 von Tyron

    Sehr guter Bericht danke!

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