Sony Cyber-shot DSC-RX100 im Hands-on: großsensorige Kompaktkamera für Anspruchsvolle

Sony baut ausgezeichnete Bildsensoren für Kompaktkameras bis DSLRs und deckt mit den lichtempfindlichen Chips so ziemlich jede Digicam-Klasse ab. Mit einer Ausnahme: Eine anspruchsvolle Kompaktkamera mit festem Objektiv gab es bislang von den Japanern noch nicht. Das ändert sich jetzt mit der Sony Cyber-shot DSC-RX100, die über einen 1-Zoll-Sensor verfügt – der lichtempfindliche Chip ist etwa so groß wie der in Nikons Systemkameras der 1-Serie. Wir hatten die Gelegenheit, die Kamera in die Finger zu bekommen.

Die Sony Cyber-shot DSC-RX100 wirkt wie eine durchdachte Kamera, auf die wir uns definitiv freuen – sowohl beim ersten Anfassen als auch beim ersten Blick aufs Datenblatt: 1-Zoll-Sensor, 20 Megapixel, F1,8-Linse, 1,22-Megapixel-LCD, 10-fps-Serienbildmodus! Allerdings gibt es auch ein paar Punkte, die den Enthusiasmus zumindest vorerst etwas bremsen sollten. Einer davon ist der Bildsensor.

Dieses Bild zeigt die Sensorgrößen diverser aktueller Kameras im maßstabsgetreuen Vergleich.
Dieses Bild zeigt die Sensorgrößen diverser aktueller Kameras im maßstabsgetreuen Vergleich.

Der Bildsensor der Sony Cyber-shot DSC-RX100 ist vergleichsweise groß. Allerdings packt der Hersteller auch mehr Pixel auf den Chip als sämtliche Konkurrenten in dieser Klasse. Während der Lichtfänger beispielsweise 55 Prozent größer ist als der der Canon PowerShot G1 X, müssen sich den Platz auch 56 Prozent mehr Bildpunkte teilen. Die Sensorgröße der RX100 entspricht der von Nikons spiegellosen Systemkameras der 1-Serie, die von vielen potenziellen Käufern als zu klein erachtet wird – der halben Auflösung zum Trotz. Man muss Sony jedoch zu Gute halten, dass der Hersteller sich bei sehr hochauflösenden Sensoren in letzter Zeit gut geschlagen hat – siehe Nikon D800. Wir sehen dem ganzen mit einer gesunden Mischung aus Skepsis und Optimismus entgegen.

Was das Objektiv betrifft, so kommt hier eine von Sonys höherwertigen Optiken zum Einsatz. Unserer Erfahrung nach sind die Zeiss-T*-beschichteten Objektive deutlich besser als die Standard-Linsen. Während die Anfangsblende im Weitwinkel mit F1,8 sehr lichtstark ist, fällt sie bis zum Ende des Brennweitenbereichs auf F4,9 ab. Und mit 28 bis 100 Millimetern fällt dieser ohnehin nicht besonders groß aus. Die kleinste Blendenöffnung beträgt übrigens F11, was nicht besonders viel, in dieser Klasse aber üblich ist. Dem Hersteller zufolge nimmt die Lichtstärke immerhin nicht bereits ab der ersten Zoomstufe ab, was beispielsweise bei der Canon PowerShot G1 X negativ auffällt. Auf der anderen Seite fragen wir uns aber auch bei der RX100: Was ist wichtiger – Sensorgröße oder Objektivqualität? Und wo liegt der beste Kompromiss?

Als nächstes folgt das Display – ein relativ großer und hochauflösender LCD-Bildschirm. Allerdings sind die 1,23 Megapixel, die Sony als Auflösung angibt, etwas irreführend. Im Wesentlichen handelt es sich bei der Anzeige um ein VGA-Display mit 640 mal 480 Pixeln, was 307.200 Pixeln entspricht. Nachdem sich bei Sony die Bildpunkte nicht aus drei, sondern dank eines zusätzlichen weißen Pixels aus vier Subpixeln zusammensetzen, kommt der Hersteller auf 307.200 mal vier, also 1.228.800 Pixel. Immerhin: Dank des weißen Extrapixels soll das Display in direktem Sonnenlicht besser ablesbar sein, was definitiv ein Plus wäre.

Die Sony Cyber-shot DSC-RX100 bietet eine maximale Serienbildgeschwindigkeit von zehn Fotos pro Sekunde. Was auf dem Papier toll und nach Profi-DSLR klingt, ist in der Praxis nur eingeschränkt nützlich. Zwar fotografiert die Kamera mit maximaler Auflösung, doch die Belichtung und der Fokus werden nach der ersten Aufnahme nicht mehr angepasst. Ändern sich dann während des Serienbilddauerfeuers die Aufnahmebedingungen, so misslingt ein Teil der Fotos. Ein klassisches Beispiel wäre ein auf den Fotografen zulaufender Sprinter. Der vollwertige Serienbildmodus mit kontinuierlichem Autofokus und Belichtungsanpassung bewegt bei den für diese Kameraklasse typisch-gemächlichen 2,5 fps.

Unterm Strich überzeugt uns die Sony Cyber-shot DSC-RX100 mit ihrem Design. Das Gehäuse ist komplett aus Aluminium gefertigt und nur unwesentlich größer als das der wirklich sehr kleinen Canon PowerShot S100. Wie ihre Konkurrentin verfügt die RX100 über einen Einstellring rund um das Objektiv, mit dem der Fotograf für den gerade gewählten Aufnahmemodus relevante Einstellungen anpasst. Das Interface der Kamera erinnert uns eher an die Alpha-SLT-Kameras des japanischen Herstellers als an die kompakten Cyber-shot-Modelle. Nachdem Sony mit der Knipse in erster Linie anspruchsvolle Fotografen ansprechen möchte, die nach einer kompakten Ergänzung zu ihrer ausgewachsenen Spiegelreflexkamera suchen, ergibt das durchaus Sinn.

Neueste Kommentare 

4 Kommentare zu Sony Cyber-shot DSC-RX100 im Hands-on: großsensorige Kompaktkamera für Anspruchsvolle

  • Am 19. Juni 2012 um 18:37 von Kurt Hornisberger

    Sony Cyber-shot DSC-RX100
    CHIP-Online hat die neue Sony-Digitalkamera bereits getestet. Weiss nicht inwiefern cnet.de nicht eigene Tests interessieren? Zumindest ist der kleinste ISO-Wert bei CHIP korrekt: 80.
    Wie cnet auf den ungewönlichen Wert von 125 kommt, ist mir schleierhaft. Ansonsten bin ich mit Ihren Testberichten sehr zufrieden. Sie haben ja noch Zeit, diese Kleinigkeit richtigzustellen.
    Mit freundlichen Grüssen
    Kurt Hornisberger, 3770 Zweisimmen, Berneroberland CH

  • Am 25. Juni 2012 um 16:37 von Jürgen

    Sony HX20V vs Canon G1X
    Warum wird der Sony angekreidet sie wäre zu teuer? Die Canon ist doch noch teurer! Mag sein, dass die Canon die etwas bessere Bildqulität liefert. Sehen kann das kein Anwender. Feststellen kann man das nur im Labor!
    Und was die Schnappschussmöglichkeit und die Fokussiergeschwindigkeit betrifft, das ist die Canon der Sony weit unterlegen. Als Schnappschusskamera ist die Canon überhaupt nicht zu gebrauchen!
    Aber: Wer macht denn schon Schnappschüsse mit so einem Edelteil von Canon?

  • Am 13. Juli 2012 um 22:05 von Krodo

    Kein 1-Zoll-Sensor
    Der Sensor ist laut Datenblatt 13,2 x 8,8 mm groß. Das ergibt eine Diagonalenlänge von 15,9 mm und entspricht in etwa 2/3 Zoll (1 Zoll entspricht 25,4 mm) oder 1/1,6 Zoll. Warum alle Welt von einem 1-Zoll-Sensor schreibt ist mir schleierhaft.

  • Am 22. August 2012 um 11:55 von Anja Schmoll-Trautmann

    Kein 1-Zoll-Sensor
    Hallo,
    dafür gibt es eine Erklärung. Alles geht auf Vidicon, eine von RCA etwa 1950 entwickelte Bildaufnahmeröhre zurück. Die Größenangaben bestimmen auch heute noch die Größen bei Sensoren von Digitalkameras. Wikipedia beschreibt die Größenangabe bei Vidicon wie folgt: „Früher gab man den äußeren Glasdurchmesser der lichtempfindlichen Frontfläche in Zoll an. Die real nutzbare Bilddiagonale war etwa 2/3 davon. Zum Beispiel besitzt das klassische 1-Zoll-Vidicon XQ-1030 bei einem Seitenverhältnis von 4:3 eine nutzbare Bildfläche von rund 10 mm × 13 mm, was einer Diagonale von 16,4 mm entspricht. Obwohl 1 Zoll (1) 25,4 mm entspricht, wird eine Röhre als 1-Zoll-Röhre bezeichnet, die eine effektive Bilddiagonale von 16,4 mm aufweist. Diese eigenartige Berechnung wird noch heute verwendet. Ein moderner 1/2,7-Zoll-Sensor weist also nur eine reale Bilddiagonale von 1/2,7 ·16,4 mm = 6,07 mm und nicht von 9,41 mm auf. Je nach Sensortyp und Bildverhältnis schwanken die Größendifferenzen etwas.
    Die Rechnung auf Basis 16,4 mm 1 kann nur als Anhaltswert dienen, da das Verhältnis von Röhrendurchmesser zu Bilddiagonale keine Konstante ist.“

    Beste Grüße

    Anja Schmoll-Trautmann, CNET.de

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