MacBook Pro mit Retina-Display im Test: bester Allrounder, aber teuer

Neue Notebooks mit dem angebissenen Apfel auf dem Display-Deckel sind zwar nicht ganz so heiß erwartet wie neue iPhone- oder iPad-Generationen, setzen aber trotzdem regelmäßig Maßstäbe – und das auch dieses mal. Das neue MacBook Pro geht auf den ersten Blick aufgrund der dünneren Bauweise fast als Ultrabook durch, hat aber mit Quad-Core-Prozessor, leistungsstarkem Grafikchip und einem High-End-Display mit gigantischer Auflösung richtig Power unter der Haube. Noch dazu bringt die neue Generation die gravierendsten Änderungen am Design seit der Einführung der Unibody-Alu-Gehäuse im Jahr 2008 mit.

Das klare Highlight ist das Retina-Display. Seine Auflösung von 2880 mal 1800 Pixel überragt alles, was wir jemals zuvor bei einem Notebook gesehen haben. Hochwertige Mobilrechner der Konkurrenz schaffen meist Full-HD, also 1920 mal 1080 Pixel – viel mehr gibt es selten bei einem 15-Zoll-Display. Von der hohen Pixelzahl profitieren in der Praxis vor allem professionelle Anwender im Bildbearbeitungs- und Videoschnitt-Umfeld (Photoshop, Final Cut, After Effects, Premiere Pro & Co.), aber auch beim Lesen von Text bemerkt man die gestochen scharfe Darstellung sofort. Sicher wird es nicht lange dauern, bis auch Software-Hersteller ihre Programme an die neuen Möglichkeiten anpassen.

Unterm Strich ist das neue MacBook Pro mit seinem Retina-Display das beste All-Round-Gerät von Apple – vorausgesetzt natürlich, man benötigt weder regelmäßig einen Netzwerkanschluss noch ein optisches Laufwerk. Es hat mächtig viel Kraft unter der Haube und ist gleichzeitig flacher als der Vorgänger, und obwohl es doch schwerer ist, als es aussieht, angenehm portabel. Dennoch wirkt das neue MacBook ein bisschen wie ein Kompromiss, denn es ist weder ein wirklich flaches Ultrabook noch an echtes Notebook samt optischem Laufwerk und so weiter. Wir können gut damit leben – aber letztlich muss natürlich jeder potentielle Käufer für sich entscheiden, was ihm wichtig ist.

Design

Auf den ersten Blick könnte man das Retina-Modell leicht mit einem MacBook Air verwechseln, aber spätestens auf den zweiten Blick fallen die Unterschiede auf. So gibt es hier beispielsweise wie bei den altbekannten MacBooks der Pro-Serie Lautsprecher links und rechts von der Tastatur. Auch die Tastatur selbst und das Trackpad scheinen vom alten Modell zu stammen, und das ist eine gute Sache. Andere Hersteller versuchen schon seit längerem, an die flache, hinterleuchtete MacBook-Tastatur heranzukommen. Übertroffen hat sie aber bislang keiner. Dazu kommt das große Multitouch-Trackpad, das ebenfalls hervorragend funktioniert – und in Kombination mit Mac OS X ebenfalls noch nicht von Windows-Geräten erfolgreich überholt wurde.

Zweifelsfreies Highlight ist natürlich das Retina-Display. Die vergleichsweise hohe Auflösung von iPhone 4/4S sowie dem iPad der dritten Generation ist nun auch bei den Notebooks angekommen. Na klar, “Retina” ist nur ein Markenname, aber die Auflösung dahinter ist wirklich überragend. Wie bei den Mobilgeräten bedarf es dafür eigentlich auch angepasster Software. Das ist bislang nur bei Apple-eigenen Produkten sowie Photoshop passiert, aber andere Hersteller ziehen nach – so ist nun auch der Chrome-Browser von Google Retina-fähig.

Im täglichen Einsatz überzeugt das Display wirklich. Die Farben stechen nur so hervor, und Bilder haben eine wahnsinnige Tiefe, aber den größten Unterschied bemerken wir tatsächlich beim Text. Solange wir an Monitoren mit “normalen” Auflösungen arbeiten, fehlt uns nichts – aber nach dem Wechsel auf das Retina-Display wollen wir nicht mehr zurück.

Wie bei den anderen MacBooks im 13- und 15-Zoll-Formfaktor bleibt auch das Retina-Modell dem 16:10-Seitenverhältnis treu. Die ansonsten weit verbreiteten 16:9 kommen bei Apple derzeit nur im 11-Zoll-MacBook-Air zum Einsatz. In der Praxis fällt der Unterschied zwar kaum auf, aber wie so oft gibt es immer Menschen mit bestimmten Präferenzen in die eine oder andere Richtung.

Bei den Anschlüssen gibt uns Apple endlich einen echten HDMI-Port zum neuen Flaggschiff dazu. Das ist toll, geht aber gleichzeitig mit Verzicht einher. Zugegeben, weder Firewire noch Netzwerkport benötigt man heute noch oft, aber wer entsprechendes Zubehör oder kabelgebundene Netze nutzt, möchte wohl nur ungern regelmäßig auf Adapter setzen. Die zwei USB-Ports unterstützen jetzt den flotten 3.0-Standard, und anstelle eines Thunderbolt-Ports kommen nun zwei zum Vorschein.

Ausstattung

Standardmäßig kommt eine 256 GByte große SSD-Festplatte ohne bewegliche Teile zum Einsatz. Für einen saftigen Aufpreis bekommen Kunden aber auch 512 oder sogar 768 GByte integrierten Flash-Speicher. Auch das ist in einer gewissen Weise innovativ, denn schließlich handelt es sich hierbei um eines der ersten “professionellen” Notebooks, für das keine konventionelle Festplatte mehr angeboten wird.

In der Praxis freuen wir uns aber viel mehr über den echten HDMI-Anschluss. Endlich kann man Projektoren, große Monitore oder Fernseher ohne 30 Euro teuren Adapter anschließen – und bekommt über den neuen Port auch das Audio-Signal geliefert.

Das neue MacBook verfügt über einen HDMI-Ausgang.
Das neue MacBook verfügt über einen HDMI-Ausgang.

Neueste Kommentare 

3 Kommentare zu MacBook Pro mit Retina-Display im Test: bester Allrounder, aber teuer

  • Am 19. Juni 2012 um 01:04 von Alex

    ein Aus- und Einlochen wie früher ist nicht mehr nötig
    Was ist ein "ein Aus- und Einlochen wie früher ist nicht mehr nötig" frage ich mich? Ich habe die Vorgänger-Version mit ATI Grafik und habe es nie gemacht.

  • Am 20. Juni 2012 um 11:24 von Dominik

    schwierige Kaufentscheidung
    Hi, ich suche gerade jede Menge Tests zum neuen MBP. Bin aber nicht sicher ob es wirklich lohnt darauf umzusteigen. Ich würde es relativ "günstig" bekommen (~2000) und es würde meinen Desktop Rechner ablösen…ja soll es ablösen? Dieser ist ca 5 Jahre alt aber ich bin noch immer angetan von der Leistung (Q6600, Radeon 4850, Intel 320 SSD, 8GB RAM) Es soll nun aber ein kompaktes Leistungspaket werden.
    Da ich viel mit Fotobearbeitung, Videokonvertierung, Audio-aufnahme- und bearbeitung zu tun habe wäre da ein wechsel sinnvoll? Leider finde ich absolut kein gleichwertiges (Leistungsdaten, Design, Kompaktheit) Windows Notebook, was da mithalten kann).

    Besten Dank für eure Meinungen

    • Am 6. November 2012 um 10:51 von Andi

      AW: schwierige Kaufentscheidung
      Ich würde es mir überlegen, die mangelnde Möglichkeit das Gerät zu erweitern im Bezug auf Festplatte und Ram finde ich nicht gelungen. Und das fehlende optische Laufwerk ist ebenso ein Argument das man bedenken sollte.

      Ich nutze hier einen iMac und ein MBP, und beide hab ich bereits aufgerüstet. Für mich fällt das Teil leider aus, ich finde man kann auch ein MBA kaufen, das Kürzel pro passt zu dem Teil irgendwie gar nicht mehr.

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