Ausstattung

Auf dem PureView läuft das Symbian-Betriebssystem in der Belle-Version. Wie wir schon in der Vergangenheit festgestellt haben, ist die ja im Volksmund bereits abgeschriebene Software inzwischen tatsächlich konkurrenzfähig. Wer sich mehr für die Details von Symbian Belle interessiert, dem sei der entsprechende Abschnitt in unserem Testbericht zum Nokia 701 ans Herz gelegt

Die Kommunikation mit der Außenwelt erfolgt über alle Kanäle, die aktuelle Top-Smartphones so zu bieten haben. Neben GSM und UMTS mit dem Datenturbo HSDPA bis 14,4 MBit/s gibt es Bluetooth, WLAN und den neuen Kurzstreckenfunk NFC. Die Positionsbestimmung erfolgt standesgerecht über den integrierten GPS-Empfänger, und dank eines HDMI-Ausgangs lässt sich das Handy auch direkt an einen großen Fernseher anschließen, um beispielsweise Fotos und Videos, aber auch Webseiten, in voller Größe betrachten zu können.

Der interne Speicher ist mit 16 GByte äußerst gut bemessen, dazu gibt es noch einen microSD-Speicherkartenslot. Er ist allerdings nicht Hot-Swap-fähig, man muss das Handy also abschalten, um die Karte tauschen zu können. In der Praxis stört uns das wenig. Dafür freuen wir uns über den austauschbaren Akku – das ist in letzter Zeit nicht mehr selbstverständlich.

Aber wir wissen es schon. Der einzige Grund, warum ihr diesen Beitrag lest, ist gleichzeitig das Highlight des 808: Der 41-Megapixel-CMOS-Bildsensor! Er ist 1/1,2 Zoll groß und damit nicht nur größer als der des Nokia N8, sondern überragt auch die Sensor-Abmessungen von besseren Kompaktkameras wie der Panasonic Lumix DMC-LX5 oder Fujifilm FinePix X10.

Zunächst vergleichen wir die Kamera des 808 aber mit anderen Smartphones. Auf den ersten Blick fallen uns ein paar Punkte auf, die es besser macht als einige der Konkurrenten. Es gibt in den Kreativ-Modi haufenweise Optionen, aber viel interessanter ist die Tatsache, dass die Detailgenauigkeit beim Einsatz des Zooms erhalten bleibt. Auch bei dunklen Umgebungen bleiben die Ergebnisse erfreulich rauschfrei. Wer sich tiefer in die Details der Kamera-Software vorwagt, freut sich über HDR-Optionen oder Zeitlupenaufnahmen. Für Handy-Fotografen mit höheren Ansprüchen gibt es von Nokia sogar einen optionalen Halter mit Stativgewinde. Die Auslösezeit ist erfreulich kurz, aber das darauffolgende Bearbeiten und Speichern des Bildes dauert etwas länger – hier müssen schließlich große Pixelmengen bearbeitet werden.

In der Praxis freuen wir uns über die Ein-Finger-Wischgeste zum Zoomen, die entscheidende Bildteile deutlich schneller in den Vordergrund holt, als wir es durch Drücken des Lautstärke-Wippschalters hinbekommen. Das ist besonders bei der Aufnahme von Videos praktisch, denn das Aktivieren der mechanischen Tasten sorgt häufig noch für ein Wackeln im Bild. Ein einfacher Wisch nach oben zoomt herein, um herauszuzoomen, wischen wir nach unten – fertig.

Obwohl hier vergleichsweise komplexe und moderne Technik zum Einsatz kommt, soll sie laut Nokia sehr stabil sein. Produkt-Marketing-Direktor Vesta Jutila von Nokia hat auf dem Mobile World Congress bei der Vorstellung des PureView erklärt. dass die Blende, das Autofokus-System und der ND-Filter die einzigen beweglichen Teile im Inneren des Kameramoduls sind, und dass im Vorfeld etliche Fall- und Sturztests schadfrei ausgegangen sind.

Leider gibt es ein paar Nachteile bei der Software. Beispielsweise gibt es keine Serienbildfunktion, die beim Gedrückthalten des Auslösers ein Foto nach dem anderen schießt. Das mag zwar auch der hohen Bildsensor-Auflösung zuzuschreiben sein, kann aber den einen oder anderen Interessenten abschrecken. Auch an anderer Stelle gibt es noch Luft nach oben. So ist der Zugriff auf die Kamera zwar direkt über einen Tastendruck auf den Auslöser möglich, ohne, dass man das Handy entsperren muss. Dann gibt es aber keinen Zugriff auf die erweiterten Einstellungsmöglichkeiten. Dass man den Blitz ein- und ausschalten kann, ist hier das Höchste der Gefühle. Außerdem ist das Betrachten der Fotos erst möglich, nachdem man das Handy entsperrt hat – zumindest, wenn ein Passwortschutz eingerichtet ist. Bei aktuellen Android-Smartphones und dem iPhone kann man zumindest die Ergebnisse der aktuellen Foto-Session betrachten, ohne das Gerät zu entsperren.

An andere Stelle hätten wir uns ebenfalls über etwas mehr Liebe zum Detail gefreut. So ist beispielsweise das Hochladen von Bildern nach dem Schießen direkt zu Facebook und Flickr möglich, aber nicht zu Twitter. Und die Vorschau-App richtet Bilder nicht ins Querformat aus. Wer Bilder in voller Größe auf dem Display sehen möchte, muss die Vorschau beenden und die Galerie-Anwendung starten. Die wiederum verhält sich eher wie die Foto-Ansicht auf einer Kompaktkamera als wie die eines Smartphones: Wenn wir in ein Foto hineingezoomt haben, müssen wir erst von Hand wieder herauszoomen, bevor wir das nächste Bild betrachten können. All das ist sicherlich nicht schlimm, aber insgesamt bleibt der Eindruck, dass Nokia es noch besser hätte machen können.

Obwohl das 808 das einzige aktuelle Smartphone mit Xenon-Blitz anstelle einer Foto-LED ist, könnte er ruhig noch heller sein. Laut Nokia ist der Blitz schon doppelt so hell wie der des N8, aber Aufnahmen wirken häufig so, als hätte jemand mit einer kleinen Taschenlampe für etwas Licht gesorgt. Außerdem sorgt der Blitz für eine Pinkfärbung im Bild. Ein weiterer Haken an der neuen Kamera-Technik des 808 ist, dass der Mindestabstand vergleichsweise groß ist – für Makro-Aufnahmen eignet es sich also nicht.

All das klingt jetzt wirklich negativ. Das liegt natürlich daran, dass wir hier auch die Negativpunkte aufzählen. Insgesamt können wir aber nur sagen, dass die Technik, die Nokia hier verbaut, die Handy-Fotografie revolutionieren könnte, und dass das 808 PureView nahezu perfekte Fotos schießt – und auf jeden Fall bessere, als die Konkurrenz auf den internen Speicher bannt.

Neueste Kommentare 

3 Kommentare zu Schon im Test: Nokia 808 PureView Kamera-Handy mit 41-Megapixel-Kamera

  • Am 19. Juni 2012 um 01:48 von 1911

    PureView
    Schöner Bericht. Etwas haben Sie aber übersehen, und zwar hat man die volle Funktionsviefalt der Kamera auch wenn die Tastensperre an ist und man die Kamera durch drücken des Auslösers aktiviert – man kann oben genauso zwischen Automatisch, Szenen und Kreativmodus wählen. Außerdem steht Symbian den anderen Systemen in nichts nach – im Gegenteil.

  • Am 22. Juni 2012 um 00:23 von Matze

    Schade lieber Redakteur
    Wieder einmal fehlt der Hinweis auf den FM Transmitter und die außerordentlich gute und kostenlose Navigation.
    Apps,die mir fehlen und die meine Freunde auf iOS und co nutzen sind mir nicht bekannt.
    Auch wäre mir neu,dass das N8 ein abgerundetes Display hat.

    Wichtig zu erwähnen wäre allerdings der mangelnde Zugriff auf die Daten der Fotos aus der Galerie heraus. Das klappte beim N8 deutlich besser und hier sollte Nokia schleunigst nacharbeiten

  • Am 24. Juni 2012 um 17:59 von Frank

    Unterschätztes Nokia Belle
    Das 808 ist weit mehr als eine Kamera, mit der man telefonieren kann. Es bringt die typischen Smartphone-Funktionen mit und verfügt darüberhinaus über eine kostenlose weltweite Navigation mit Offline-Karten (gibt es bei Apple, Android und Co. nur gegen Aufpreis). Außerdem besitzt es ein UKW-Radio, einen mp3- und Video-Player und ist über seinen Internetbrowser auch in der Lage, Flash-Seiten aufzurufen. Wer andere Smartphones kennt, wird auch die längere Akkulaufzeit des Symbian-Systems zu schätzen wissen.

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