Nikon D4 im Test: rasantes Profi-Modell für Sport- und Reportage-Fotografen

Mit der Nikon D4 kommt das Update der Reportage- und Sport-Profikamera D3S. Gegenüber dem knapp drei Jahre alten Vorgänger hat der Hersteller insbesondere an Auflösung, Serienbildgeschwindigkeit und Videomodus geschraubt. Außerdem sind jede Menge neue Funktionen an Bord, darunter auch ein Ethernet-Anschluss. Ob die Nikon D4 damit zum Maß der Dinge wird, zeigt der Testbericht.

Nicht nur in Sachen Ausstattung, sondern auch preislich schiebt sich die Nikon D4 ans obere Ende der Produktlinie: 6000 Euro verlangt der japanische Hersteller für sein Flaggschiff. In einer ganz ähnlichen Liga spielt auch die 24-Megapixel-Schwester D3x, die derzeit für rund 6200 Euro den Besitzer wechselt. Während die D4 auf Sport- und Reportage-Fotografen zielt, fühlt sich die D3x eher im Studio wohl. Eine günstigere Alternative zu den beiden genannten Modellen ist die D800, die mit 36 Megapixeln ebenfalls eher in der Studiowelt zu Hause ist – und für vergleichsweise günstige 2800 Euro über die Ladentheke geht.

Design

Wie die anderen Profi-Kameras mit integriertem vertikalen Handgriff ist auch die Nikon D4 schwer und sperrig. Sie bringt die gleiche robuste und wetterfeste Konstruktion mit wie ihre Vorgängerin D3s. Für diejenigen, die ohnehin schwere Teleobjektive schleppen, dürfte das keine Rolle spielen – hier sind die Linsen ohnehin deutlich schwerer als die Gehäuse. Reportagefotografen dagegen beispielsweise sollten im Hinterkopf behalten, dass die Modelle ohne Handgriff einfach deutlich kompakter und leichter sind, selbst in Kombination mit einem Batteriegriff aus dem Zubehör.

In Sachen Bedienelemente weicht die Nikon D4 leicht von der D3S ab. Die Änderungen sind größtenteils den zusätzlichen Video-Bedienelementen geschuldet. Oben auf der linken Schulter sitzen die üblichen Bedienelemente für Belichtungsreihen, Belichtungsmessung und Blitz. Außerdem sitzt hier ein sperrbares Rädchen zum Einstellen des Aufnahmemodus. Auf der rechten Oberseite des Gehäuses finden sich Status-LCD, kombinierter Ein/Aus-Schieber und Auslöser sowie zwei Tasten für die Belichtungskorrektur und zur Moduswahl. Außerdem bringt Nikon hier einen winzigen Knopf zum Starten der Videoaufnahme unter. Immerhin: Er lässt sich ohne Hinsehen gut von den anderen Buttons unterscheiden. Ansonsten ist uns aber eine unter dem rechten Daumen positionierte Aufnahmetaste lieber.

Der Mini-Button auf der Oberseite des Gehäuses ist die Videoaufnahme-Taste.
Der Mini-Button auf der Oberseite des Gehäuses ist die Videoaufnahme-Taste.

Wie bei anderen Nikon-DSLRs ist der Autofokusbereichswähler jetzt in Kombination mit einem Umschalter zwischen automatischem und manuellem Fokus ausgeführt. Er sitzt unten auf der linken Vorderseite des Gehäuses direkt neben dem Objektiv. Dadurch ist auf der Rückseite jetzt Platz für einen Live-View-Button mit integriertem Schiebeschalter zum Wechseln zwischen Stand- und Bewegtbildbetrieb. Prinzipiell gefällt uns die Umsetzung sehr gut, doch für unseren Geschmack sitzt das Bedienelement etwas zu weit unten und in der Mitte der Kamera: rechts unterhalb des 3,2-Zoll-Displays und rechts neben dem zweiten Status-LCD für ISO-Empfindlichkeit, Bildqualität und Weißabgleich-Einstellung. Die gelungenste Umsetzung findet sich immer noch bei der inzwischen recht betagten Nikon D7000.

Links neben dem Bildschirm befinden sich von oben nach unten Tasten für Menu, Picture Control, Vergrößern, Verkleinern, Ok und Info. Die Info-Taste ruft eine Übersicht über die wichtigsten Aufnahmeeinstellungen auf und gewährt gleichzeitig Zugriff auf einige weniger häufig benötigte Parameter, beispielsweise: Optionen zu Rauschreduzierung oder Anpassen der Tastenbelegung. Rechts auf der Rückseite gibt es eine Autofokus-Taste, einen programmierbaren Joystick, ein Acht-Wege-Pad mitsamt mittiger Taste sowie direkt darunter einen Schiebeschalter zum Sperren. Wer die Kamera im Hochformat hält, findet unter seinem rechten Daumen einen zweiten Joystick sowie eine weitere Autofokus-Taste.

Das Acht-Wege-Pad lässt sich nicht so präzise bedienen, wie es uns lieb wäre.
Das Acht-Wege-Pad lässt sich nicht so präzise bedienen, wie es uns lieb wäre.

Leider bietet die Nikon D4 unterm Strich keine so konsistente Bedienung im Quer- und Hochformat-Modus wie manch andere Kamera dieses Formats. So gibt es beispielsweise im horizontalen Betrieb zwischen Objektiv und Griff zwei Funktionstasten, die beim vertikalen Knipsen fehlen. Dafür befindet sich neben dem Hochformat-Auslöser eine winzige Funktionstaste, die in kombinierter Verwendung mit einem der Einstellrädchen nicht so bequem zu erreichen ist, wie uns lieb wäre. Auch das neue Bedienelement zum Konfigurieren des Autofokus ist nicht gut zu erreichen, hält man die Kamera um 90 Grad gekippt. Darüber hinaus verhalten sich manche scheinbar doppelt vorhandenen Bedienelemente anders: So hält etwa der normale Joystick auf Wunsch für die Belichtungsspeicherung her, der Zwilling für den Hochformat-Betrieb jedoch nicht. Handelt es sich bei diesen Punkten also um absolute No-Gos? Nein. Aber bei einer 6000 Euro teuren Kamera darf man durchaus auch mal Design-Erbsen zählen.

Auf der anderen Seite sind wir über zwei Design-Verbesserungen gestoßen, die wir sehr begrüßen. Tippt der Fotograf den Auslöser oder irgendeinen anderen Button an, so aktiviert sich die Tastenbeleuchtung. Außerdem ist es beim neuen Akku möglich, die Abdeckung vom Akku selbst zu trennen.

Neueste Kommentare 

Eine Kommentar zu Nikon D4 im Test: rasantes Profi-Modell für Sport- und Reportage-Fotografen

  • Am 24. Juli 2012 um 14:33 von Lorenz Schmid

    Akkufach
    Vonwegen "Die Abdeckung des Akkufachs lässt sich jetzt vom Akku trennen."
    Das können alle meine "grossen" Nikons, angefangen bei der D2X über die D3-Serie und klar, jetzt auc die D4…

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