LG Optimus 4X HD im Test: superschnell und erfreulich günstig

Mit dem Optimus 4X HD hat LG nun sein neues Flaggschiff startklar – und greift damit direkt den großen Konkurrenten Samsung an. Die technischen Details ähneln stark denen des Galaxy S3, allerdings ist das Optimus spürbar günstiger: Hat der Hersteller da am falschen Ende gespart, oder ist das unterm Strich etwa der bessere Kauf? Wir haben es getestet.

Auch, wenn die Produkte in den vergangenen Jahren deutlich besser geworden sind: LG ist noch immer ein kleines Licht hinter Samsung. Im Hintergrund haben die Koreaner aber nun so fleißig an ihrem neuen Flaggschiff gewerkelt, dass der Unterschied – zumindest qualitativ – noch kleiner geworden ist.

Zwar wird wohl auch das Optimus 4X HD nicht an die Verkaufszahlen eines Galaxy S3 herankommen, aber wie unser Test zeigt: Es ist kein schlechter Kauf. Und in Anbetracht des günstigeren Preises vielleicht sogar der Bessere. Aber fangen wir mal vorne an.

Design

Sehr eckig – viel mehr gibt es auf den ersten Blick kaum zu sagen. Na klar, die Ecken sind abgerundet, aber nur sehr knapp. Kein Vergleich zum Galaxy S3. Damit wirkt das LG maskuliner, aber auch kleiner. Obwohl es von den Abmessungen her denen des Samsung fast vollständig gleicht und mit 4,7 Zoll ein nur minimal kleineres Display hat (Galaxy S3: 4,8 Zoll), haben die Kollegen in der Redaktion das Gefühl, ein kleineres Gerät in der Hand zu halten – und tippen auf eine Display-Diagonale von 4,3 Zoll. Wer sich mit dem etwas maskulinen Look des Gehäuses anfreunden kann, fährt damit recht gut.

Bei der Materialauswahl gibt es – wie übrigens auch beim Galaxy S3 – Luft nach oben. Das Gerät ist durchaus hochwertig verarbeitet und fühlt sich solide an, aber die Rückseite aus strukturiertem Kunststoff kommt optisch und haptisch einfach weder an das Glas des iPhone noch an das Metall eines HTC One S oder an Kunststoff mit gummiertem Finish heran. Dazu passen auch die zwei dünnen Rahmen aus silbern lackiertem Plastik, die sich um das Gehäuse ziehen. Sie setzen einen hübschen Kontrast – hochwertig ist aber anders. Unterm Strich gefällt das Gerät dennoch den meisten Personen, denen wir es zum Test in die Hand gedrückt haben. Den Gewichtsvorteil von Kunststoff, den vor allem das Galaxy S2 von Samsung ausgespielt hat, gibt es hier übrigens nicht: Mit 141 Gramm wiegt das Optimus mehr als das iPhone 4S (136 Gramm). Natürlich ist es aber auch größer, und wir finden, dass das Gewicht prima zu den Abmessungen passt. Auch das erhöht den Qualitätseindruck.

Die Elemente sind Android-typisch. Oberhalb des Displays finden sich der LG-Schriftzug, Sensoren für Umgebungshelligkeit und Näherung und die Frontkamera. Das Glas zieht sich bündig über die komplette Oberfläche, und unterhalb der Anzeige sind drei Soft-Touch-Tasten in einem vergleichsweise schmalen Rand zwischen Display-Panel und Handy-Unterkante untergebracht. Sie tragen die Icons für Zurück, Home und Menü, orientieren sich also eigentlich an Android 2.3, doch das Gerät bringt bereits die aktuelle Ice-Cream-Sandwich-Version von Googles Handy-Betriebssystem mit.

Auf der Rückseite hat die Linse der 8-Megapixel-Kamera nebst zugehöriger Foto-LED ihren Platz gefunden. Kleine Info am Rande: Beim LG steht die Linse nicht nach oben aus dem Gehäuse hervor – damit liegt das Smartphone flach auf dem Tisch, ohne bei der Bedienung zu wackeln. Der Akkudeckel lässt sich mit einem beherzten Griff nach oben abziehen und gibt den Blick auf den Energiespeicher sowie die Kartenleser für SIM- und microSD-Chip frei.

Ganz unten im Rahmen hat die Micro-USB-Buchse ihren Platz gefunden, daneben verbirgt sich ein kleines Loch mit dem Mikrofon. Die rechte Seite des Gerätes hat keine Elemente und zeigt nur strukturiertes, schwarzes Plastik zwischen zwei silbernen Streifen. Das ist okay, geht aber hübscher. Oben sitzen Ein-Aus-Taster sowie die 3,5-Millimeter-Klinkenbuchse, und am linken Gehäuserand befindet sich oben der Wippschalter zur Regelung der Lautstärke.

Ausstattung

Unter der Haube trägt das LG wahrlich feine Kost. Für Vortrieb sorgt ein Quad-Core-Prozessor von Nvidia – ein Tegra 3, der so auch im HTC One X zum Einsatz kommt. Hier wie dort sorgt er für extrem schnelle Reaktionen und flüssige Animationen. Das bisher von Android bekannte minimale Ruckeln scheint hier nun endlich verschwunden zu sein; es ist quasi durch Leistung erschlagen worden. Dazu gibt es standesgemäß 1 GByte RAM und 16 GByte integrierten Speicher, von dem für Nutzer-Anwendungen und Daten wie Fotos, Videos oder Musik respektable 12 GByte zur Verfügung stehen. Reicht das nicht, ist eine Erweiterung per microSD-Karte um bis zu 32 GByte möglich.

Beim Display handelt es sich um ein 4,7 Zoll großes LCD mit 1280 mal 720 Pixeln, also HD-ready-Auflösung. Das ergibt circa 312 Pixel pro Zoll (ppi) – und damit ist die Anzeige rechnerisch minimal schärfer als die des Galaxy S3 (306 ppi) und minimal unschärfer als die des iPhone 4(S) (326 ppi). Mit bloßem Auge erkennt man das aber nicht: Alle Displays sind wahrlich auf extrem hohem Niveau. Während Samsung auf die hauseigene Super-AMOLED-Technik setzt, hat sich LG wie Apple für ein IPS-Panel entschieden. Beide Techniken gehören zu den besten, die es derzeit gibt, mit ihren jeweiligen minimalen Stärken und Schwächen – aber alle erreichen eine kräftige Farbwiedergabe, eine ordentliche Helligkeit und erstklassige Blickwinkel, wenngleich das LG im direkten Vergleich zu den beiden Konkurrenten minimal das Nachsehen hat. Solange die anderen beiden Modelle aber nicht direkt daneben liegen, fällt das nicht auf.

Auch die übrige Ausstattung ist auf hohem Niveau. Neben den Smartphone-Standards wie Quad-Band-GSM und UMTS mit HSPA sowie WLAN nach dem aktuellen n-Standard gibt es den nagelneuen Bluetooth-Standard 4.0. Selbstverständlich ist auch GPS zur Positionsbestimmung an Bord. Die 8-Megapixel-Kamera auf der Rückseite zeichnet Videos in Full-HD auf, die Frontkamera nimmt Standbilder mit 1,2 Megapixeln auf.

Sehr cool: LG hat nicht nur den Kurzstreckenfunk NFC integriert, sondern gibt auch gleich praktische Anwendung mit: Im Lieferumfang befinden sich zwei NFC-Aufkleber für das Office- und das Auto-Profil, und über eine mitgelieferte App lassen sie sich programmieren. Man legt einmal fest, ob man im Büro beispielsweise per Vibrationsalarm, laut oder gar nicht über neue Nachrichten informiert werden möchte, ob man WLAN oder Bluetooth braucht und so weiter – und künftig reicht es, das Handy kurz auf den Aufkleber zu legen, um das voreingestellte Profil abzurufen. Das ist extrem cool und funktioniert sehr gut. Testweise haben wir auch über NFC Daten mit anderen Android-Smartphones ausgetauscht. Wer etwa im Browser eine Webseite geöffnet hat und sein Handy an ein anderes mit NFC hält, überträgt den zugehörigen Link per Fingertipp.

So wie die Koreaner auf der Hardwareseite geklotzt haben, haben sie sich auch bei der Software nicht auf ihren Lorbeeren ausgeruht. Mit Android 4.0.3 kommt ein weitgehend aktuelles Betriebssystem zum Einsatz, das durch eine attraktive und erfreulich wenig verspielte Oberfläche ergänzt wurde. Nette Effekte beim Wischen über die sieben anpassbaren Homescreens oder beim schnellen Zoomen im Browser sorgen dafür, dass das Smartphone jederzeit extrem flott wirkt und bei der Bedienung richtig Spaß macht.

Neben den üblichen Standard-Anwendungen wie Maps, Browser oder Mail hat der Hersteller noch eine Notizen-App dazugepackt, die im Stil des Galaxy Note von Samsung oder des Flyer-Tablets von HTC das Anfertigen eines Screenshots und das handschriftliche Ergänzen von Notizen ermöglicht. Ohne Stift ist das zwar nicht so praxisgerecht, das Scharen von Studenten künftig auf ihre College-Blocks verzichten könnten und stattdessen mit dem Finger auf dem Display herumkrakeln, aber als nettes Gimmick ist es sehr willkommen. Die nötige Tasten-Kombination, um einen Screenshot anzufertigen, ist übrigens nicht intuitiv – weswegen wir sie gleich an dieser Stelle verraten: Ein gleichzeitiger Tastendruck auf die Lauter- und Leisertaste tut den Job.

Kamera

Die 8-Megapixel-Kamera auf der Rückseite liefert bei guten Lichtverhältnissen detailreiche und ansprechend bunte Fotos. Eine präzise Farbwiedergabe darf man zwar nicht erwarten, doch auf Facebook & Co. machen die farbenfrohen Schnappschüsse eine gute Figur. In geschlossenen Räumen oder in der Dämmerung schraubt das Handy die ISO-Empfindlichkeit nach oben, und die Bildqualität nimmt merklich ab. Die Farben werden zunehmend schlaffer, und die Details vermatschen. Bei verkleinerter Betrachtung sehen die Aufnahmen jedoch immer noch recht ordentlich aus.

In der Automatik schraubt das Optimus 4X HD die Empfindlichkeit übrigens auf bis ISO 1600 nach oben. Der höchste manuell einstellbare Wert beträgt jedoch ISO 400. Damit ist es nicht möglich, künstlich sehr kurze Verschlusszeiten zu erzeugen, um beispielsweise actionreiche Motive scharf einzufangen. Im Gegenzug ist es auch nicht möglich, mit einer niedrigen ISO-Einstellung eine lange Belichtungszeit im Dunkeln zu provozieren – und beispielsweise mit aufgestütztem Gerät hochwertige Nachtfotos zu schießen.

Der automatische Weißabgleich liefert bei Sonnenlicht gute Dienste. Unter Kunstlicht sorgt er allerdings für zu warme Ergebnisse. Mischen sich Tages- und Kunstlicht, treten ebenfalls Fehler auf. So beobachten wir auf weißen Flächen beispielsweise grüne und rote Flecken.

Das Optimus 4X HD hat mit einem Problem zu kämpfen, das leider die allermeisten Smartphone-Kameras mit ihren kleinen Bildsensoren betrifft: Der Dynamikumfang ist nicht besonders gut. Das bedeutet, dass helle und dunkle Bildbereiche von kontrastreichen Motiven über- beziehungsweise unterbelichtet geraten. In der Praxis ist bei einem Tageslichtfoto der Himmel dann beispielsweise grauweiß, während etliche Elemente im Vordergrund viel zu dunkel geraten. Abhilfe schafft hier die integrierte HDR-Automatik, die mehrere in schneller Serie und mit unterschiedlichen Helligkeiten geschossene Fotos miteinander kombiniert, um den Dynamikumfang zu verbessern. Die Ergebnisse gelingen merklich besser als ohne HDR-Feature, allerdings muss sich der Fotograf auf etwas längere Aufnahmezeiten einstellen.

Eine weitere interessante Funktion ist die Panorama-Automatik. Um ein Ultrabreitbild aufzunehmen, muss der Fotograf lediglich den virtuellen Auslöser betätigen und das Smartphone über das Motiv schwenken. Die Ergebnisse weisen zwar praktisch keine Artefakte und sichtbare Schnittkanten auf, lösen aber sehr niedrig auf. Mit 2192 mal 432 Bildpunkten eignen sich sie vielleicht so gerade noch für diverse soziale Netzwerke, das war’s dann aber auch schon.

Das LG Optimus 4X HD bietet eine extrem kurze Auslöseverzögerung. Allerdings kommt diese nicht durch ein besonders schnelles Fokussieren, sondern durch einen Trick zu Stande: Das Handy regelt einfach kontinuierlich die Schärfe, und ein Druck auf den Auslöser fängt ein Bild ein – ohne, dass das Smartphone noch einmal explizit fokussieren oder auch nur die Schärfe überprüfen würde. Wer mit der Kamera schon ein paar Sekunden lang auf das Motiv zielt, erhält in der Regel sehr schnell ein scharfes Foto. Ein schneller Kameraschwenk vor dem Betätigen des Auslösers sorgt jedoch häufig für unscharfe Ergebnisse. Das Handy hatte schlicht nicht die Zeit, sich auf die veränderte Situation einzustellen.

Im Test sorgt der Autofokus aber auch bei gemächlicheren Aufnahmen immer wieder für Frust – insbesondere, wenn wir per Touch-to-Focus scharfstellen und insbesondere bei Nahaufnahmen. Das Optimus 4X HD fokussiert dann zwar wie gewünscht, fängt aber nach wenigen Sekunden wieder an, zu pumpen und verliert den zuvor gefundenen Fokuspunkt. Das passiert auch, wenn der Fotograf das Handy nicht bewegt. Nachdem das Gerät auch knipst, wenn das Bild nicht korrekt scharfgestellt ist, bemerkt der Anwender das unter Umständen erst beim vergrößerten Betrachten der Fotos. Und dann ist das Motiv in der Regel schon über alle Berge.

Wenn es einmal ganz schnell gehen muss, bietet sich der Serienbildmodus an. Hier schießt das LG Optimus 4X HD sechs Fotos in schneller Folge. Allerdings ist die Auflösung dabei auf VGA mit 640 mal 480 Pixeln beschränkt. Zudem verkürzt das Handy hier nicht die Belichtungszeit durch ein Anheben der ISO-Empfindlichkeit, so dass die Action-Aufnahmen gerne unscharf geraten. Da hilft übrigens der Sport-Modus auch nicht unbedingt weiter – im Test belässt die Kamera beispielsweise die Belichtungszeit auf 1/30 Sekunde, obwohl sie hier mit einer Empfindlichkeit von ISO 200 auskommt. 1/30 Sekunde ist viel zu kurz für scharfe Actionfotos. Mit ISO 800 oder 1600 wäre die Bildqualität zwar deutlich schlechter, die Erfolgsaussichten auf ein gelungenes Sportfoto mit Belichtungszeiten von 1/125 respektive 1/250 aber signifikant höher.

Im Videomodus liefert das Optimus 4X HD recht ansehnliche Clips mit brauchbarer Detailwiedergabe. Bewegte Motive oder Schwenks sorgen jedoch für Ruckler und verwischte Aufnahmen. Rolling-Shutter-Effekte lassen sich erfreulicherweise nur mit roher Gewalt provozieren. Auf Helligkeitsveränderungen reagiert die Kamera recht schnell, der Autofokus fällt allerdings etwas träge aus. Eine Touch-to-Focus-Funktion steht während der laufenden Aufnahme leider nicht zur Verfügung.

Leistung

Was sich subjektiv sehr flott angefühlt hat, wird von den Benchmarks bestätigt. Im Android-Benchmark Quadrant erreicht unser Testgerät mit 4950 Punkten sogar ein besseres Ergebnis als das mit gleichem Prozessor ausgestattete HTC One X, liegt aber noch spürbar unter dem Rekordwert des Samsung Galaxy S3 (knapp 5500 Punkte). Das gleiche Bild setzt sich beim Browsermark (knapp 134.000 Punkte zu gut 143.000 Punkte), und beim GL Benchmark (62 fps im Egypt Offscreen) fort: Sehr schnell und absolutes Oberklasse-Niveau, aber nicht ganz so schnell wie das Galaxy S3.

In der Praxis bemerken wir den Unterschied – zumindest aus heutiger Sicht – nicht. Die Reaktionen erfolgen jederzeit schnell und verzögerungsfrei, und es gibt keine App im App-Store, für die das 4X HD zu langsam wäre. Der Preis für die hohe Leistung: Das Gerät wird warm, wenn es gefordert ist, und braucht entsprechend viel Energie. Dementsprechend hat LG einen mit 2150 mAh überdurchschnittlich starken Akku verbaut, der den Durchschnittsanwender gut über den Tag bringt – zumindest, solange er nicht mit 3D-Games & Co. die Leistung auch abruft.

Die Sprachqualität geht in Ordnung. Beide Gesprächspartner haben sich gut verstanden, allerdings klang die Sprache nicht ganz so lebending wie etwa beim iPhone 4. Ein ähnliches Bild zeigt sich übrigen beim internen Lautsprecher: Auch sein Klang ist etwas dünn und geht nicht besonders laut. Wer häufiger Youtube-Clips oder Sounds über den Handy-Lautsprecher hört, sollte sich besser nach einer Alternative umsehen.

Fazit

Respekt: LG hat mit dem Optimus 4X HD sein bisheriges Meisterstück abgeliefert. Auch, wenn die Materialauswahl unserer Meinung nach hochwertiger hätte ausfallen dürfen, wirkt es solide und stabil, glänzt mit einem tollen Display und mit erstklassiger Ausstattung samt flottem Prozessor, Bluetooth 4 und NFC. Die Kamera ist gehobener Durchschnitt, und abgesehen vom etwas dünnen Klang des eingebauten Lautsprechers leistet sich der Hersteller keine Schwächen. Dafür, dass das Smartphone immerhin fast 90 Euro günstiger ist als das Galaxy S3 von Samsung, ist es ein wirklich guter Kauf.

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