Microsoft Surface: Innovatives, aber leider in einer App-Wüste gestrandetes Windows-RT-Tablet

Microsoft Surface ist das bislang beste Produktivitäts-Tablet – und sollte es auch besser sein. Als die einzige Windows-RT-Hardware mit Microsoft-Label, die zusammen mit dem neuen Windows-Betriebssystem – Windows 8 wurde am am Freitag offiziell angekündigt – auf den Markt kommt, fungiert das Tablet als Botschafter und Flaggschiff für das Touch-fokussierte, extrem riskante Windows-Großexperiment. Das Surface überzeugt dank seines durchdachten Designs, der sensiblen Implementierung seines Keyboard-Zubehörs und den Innovationen. Die wichtigsten: Gesten-gesteuertes Menüsystem, leistungsfähige Suchwerkzeuge und das unglaublich coole und nützliche Split-Screen-Feature – der neuen Benutzeroberfläche, das früher unter dem Namen “Metro” bekannt war.

Leider gibt es auch Nachteile, wenn Dinge auf einmal anders gemacht werden. Unser US-Kollege Eric Franklin hat eine Woche mit diesem Vorkämpfer für die Windows-Sache verbracht und prophezeit, dass viele Anwender die steile Lernkurve von Metro als entmutigend empfinden werden. Der App-Support ist – zumindest Stand jetzt – noch unterirdisch, die Performance speziell bei der Nutzung des IE 10 manchmal ziemlich gering und das traditionelle Windows-Interface hängt wie der letzte Gast in der Kneipe immer noch herum und fühlt sich einfach fehl am Platz an.

Microsofts Surface ist kein Tablet für jedermann. Gerade wer Unmengen von Apps will, sollte sich besser woanders umsehen. Aber andererseits stellt das Surface einen ernsthaften Versuch dar, den Computer zu ersetzen – und kommt näher an dieses Ziel heran, als jedes andere Tablet am Markt.

Design

Wie unterscheidet sich das Surface eigentlich von jedem anderen generischen schwarzen Tablet? Ehrlich gesagt: nicht sonderlich; aber die Features und ästhetischen Details, in denen es sich unterscheidet, sind erheblich, wenn auch nicht sofort offenkundig. Beispielsweise integriert das Surface einen 10,6 Zoll großen Bildschirm, der eine rund 0,5 Zoll größere Bildschirmdiagonale als die Displays der meisten Mainstream-Tablets hat und 0,9 Zoll größer ist als der des iPads. Dieser größere Bildschirm hat ein 16:9-Seitenverhältnis und eine Auflösung von 1366 x 768 Pixel. Dieses Seitenverhältnis entspricht dem vieler Filme und Fernsehserien, so dass die altbekannten schwarzen Balken am oberen und unteren Rand des Bildschirm seltener auftauchen. Im Cinemascope-Format (2,35:1) aufgenommene Filme werden zwar immer noch mit schwarzen Balken gezeigt, aber sie sind auf dem Surface wesentlich schmaler als auf dem iPad mit seinem Display im 4:3-Seitenformat.

Das einzigartige 10,6-zöllige Touchscreen-Display des Surface in voller Aktion.
Das einzigartige 10,6-zöllige Touchscreen-Display des Surface in voller Aktion.

Dann ist da die abgeschrägte Rückseite des Surface, die zu seiner glatten, irgendwie industriell-metallischen Ästhetik beiträgt. Es sieht praktisch, aber nicht kalt aus und fühlt sich einfach wie ein qualitativ hochwertiges Gerät an, bei dessen Herstellung Microsoft keine Kompromisse eingegangen ist. Die Ecken des Geräts sind leicht gerundet, graben sich aber trotzdem ein bisschen in die Handflächen, wenn man das Tablet in beiden Händen hält. Das Chassis ist vollständig von einer Magensium-Außenhülle (VaporMg, ausgesprochen “Vapor Mag”) umgeben, die gegenüber Kratzern und der tagtäglichen Abnutzung immun sein soll – aber auf unserem Testgerät erscheinen trotzdem schon die ersten Kratzer.

Microsoft Surface Asus Transformer Tab Infinity TF700 Apple iPad (3. Generation) Samsung Galaxy Note 10.1
Gewicht: 680 g 600 g 650 g 600 g
Breite (Landscape): 27,4 cm 26,4 cm 18,5 cm 26,2 cm
Höhe: 17,3 cm 18,0 cm 24,13 cm 18,0 cm
Tiefe: 0,94 cm 0,84 cm 0,94 cm 0,89 cm
Breite des seitlichen Rahmens (Landscape): 2,1 cm 2,0 cm 2,2 cm 2,3 cm

Mittig im oberen Displayrahmen sitzt direkt neben dem Umgebungslichtsensor ist die 720p-fähige Frontkamera. Am unteren Bildschirmrahmen sitzt der Windows-Home-Touchsensor, mit dem man entweder auf den Startbildschirm oder zurück in die zuletzt geöffnete App wechseln kann, wenn man bereits auf dem Startbildschirm ist.

Von links: Ein Lautsprechergitter, ein Micro-HDMI-Port und ein vollwertiger USB-2.0-Anschluss.
Von links: Ein Lautsprechergitter, ein Micro-HDMI-Port und ein vollwertiger USB-2.0-Anschluss.

An der rechten Kante findet man – von oben nach unten – ein Lautsprechgitter, einen Micro-HDMI-Port, einen vollwertigen USB-2.0-Anschluss sowie den Stromanschluss, an dem das Stromkabel magnetisch arretiert wird. Am äußersten rechten Rand der oberen Kante befindet sich eine einsame Power-/Sleep-Taste. An der linken Seite sitzen unterhalb des zweiten Lautsprechergitters ein Kopfhörer-Ausgang und eine befriedigend taktile Lautstärke-Wippe. Am unteren Ende der linken Kante findet man schließlich eine knapp drei Zentimeter langen Einschnitt, über den man den integrierten Standfuß ausklappen und das Tablet aufstellen kann.

Der integrierte Standfuß des Surface neigt das Tablet etwa 10 Grad nach hinten.
Der integrierte Standfuß des Surface neigt das Tablet etwa 10 Grad nach hinten.

Auf den unter dem Standfuß befindlichen Slot für microSD-Speicherkarten kann nur dann zugreifen (und selbst dann nur ein bisschen mühsam), wenn der Standfuß ausgefahren und arretiert ist. An der unteren Kante des Gerät befinden sich schließlich etliche Magnete, mit denen die Touch Cover- und Type Cover-Keyboards angebunden werden.

Neueste Kommentare 

2 Kommentare zu Microsoft Surface: Innovatives, aber leider in einer App-Wüste gestrandetes Windows-RT-Tablet

  • Am 27. Oktober 2012 um 13:29 von Kris Paiper

    !?
    "…aber leider in einer App-Wüste gestrandetes Windows-RT-Tablet" – habt ihr das auch bei dem Start von Apple Store gesagt? Microsoft hat mehr Apps als Apple am Anfang von iPad! Klar, dass es noch nicht so viele sind!

  • Am 27. Oktober 2012 um 13:46 von Peter

    App Store: Qualität statt Quantität
    Folgende Informationen zu dem AppStore gibt es auch:

    Microsoft-Manager Antoine Leblond hat angegeben, dass sich der Konzern bewusst nicht breit zu den Apps in Windows 8 geäußert hat. Seiner Meinung nach hätte das zu unnötigen Diskussionen geführt. Leblond erklärt, Microsoft setze bei der App-Auswahl auf Qualität statt Quantität. Beispielsweise überwache das Unternehmen die Entwickler, damit die nicht verschiedene Apps mit ähnlichen Inhalten anbieten, sondern zu einer Applikation zusammenfügen.

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