Asus Vivo Tab RT im Test: ein Surface-Konkurrent mit Windows RT und Tastatur-Dock

Mit dem leichten und schlanken Vivo Tab RT verbindet Asus 10-Zoll-Tablet und Notebook in einem Gerät. Das Convertible arbeitet mit Windows RT und wird mit 64-GByte-Speicher je nach Version ab etwa 599 Euro beziehungsweise mit Tastatur-Dock ab rund 700 Euro angeboten.

Auch wenn über Microsofts Surface mit Abstand am meisten berichtet wird, ist es nicht das einzige Tablet, das unter dem abgespeckten Betriebssystem Windows RT läuft. Das Asus Vivo Tab RT ist einer der Rivalen, die sich mit Microsofts Tablet anlegen. Und auch wenn es insgesamt nicht ganz an das Surface heranreicht, woran die beengte Tastatur und der kleinere Bildschirms nicht ganz unschuldig sind – kommt es ihm dennoch gefährlich nahe.

(Bild: CNET)

Das Asus-Gerät kostet in Deutschland 599 Euro mit 64 GByte Speicher ohne Dock, mit Tastur-Dock sind es rund 700 Euro. Alternativ gibt es noch eine UMTS-Version. Hier liegt der Preis jeweils etwa 100 Euro höher. Das Surface RT (ebenfalls mit 64 GByte Speicher) kostet im Vergleich dazu mit schwarzem Touch-Cover etwa 679 Euro. Das Type-Cover mit Qwertz-Tastatur lässt sich der Hersteller nochmal mit 129 Euro extra bezahlen. Dafür gibt es alternativ auch noch eine 32-GByte-Version in Schwarz ohne Touch-Cover für 479 Euro und in Weiß mit Touch-Cover für 579 Euro.

Design

Das Asus Vivo Tab RT misst 26,4 mal 17 mal 0,8 Zentimeter und ist damit kürzer und leichter als sein Android-Pendant Asus Transformer Pad Infinity TF700 und das Microsoft Surface, wobei man fairerweise dazusagen muss, dass das Surface einen größeren Bildschirm besitzt (10,6 Zoll). Mit 535 Gramm lässt sich das Tab RT auch mit einer Hand einfach und bequem halten – zumindest für eine Weile.

Über die Rückseite erstreckt sich ein breiter geriffelter Kunststoffstreifen (Foto: CNET).

Auf der linken Seite befinden sich ein Schnapper, mit dem sich das Tablet mit der Docking-Station verbinden lässt, ein Micro-SD-Karten-Slot und ein Micro-HDMI-Ausgang. Am oberen Rand sitzen ein Einschalt-/Sleep-Modus-Knopf und in einer kleinen Vertiefung eine Reset-Taste, mit der sich das Gerät auf die Werkseinstellungen zurücksetzen lässt. Rechts befinden sich eine 3,5-Millimeter-Klinkenbuchse für Kopfhöhrer sowie ein Lautstärkeregler. Anders als das Surface besitzt das Vivo Tab RT keinen nativen USB-2.0-Anschluss.

Mit seiner nüchternen schwarzen und silberfarbenen Oberfläche teilt das Tablet die schicke Aluminium-Ästhetik des Pad Infinity TF700 – mit einer negativen Ausnahme: Die Rückseite des Vivo Tab RT besteht aus zwei Teilen, von denen einer etwa fünf Zentimeter breit ist und aus weniger ansprechendem geriffeltem Plastik besteht.

Wie beim Pad Infinity verbirgt sich unter der Plastikblende das GPS-Modul, dessen Signal sich durch Plastik einfacher als durch Metall übertragen lässt. Der Himmel weiß, warum Asus die Blende verbreitert und mit Rillen versehen hat. Darüber hinaus unterscheiden sich die beiden Geräte durch das gebürstete Finish auf der Metallrückseite – beim Tab RT sind es Linien, beim Infinity konzentrische Kreise – und einen zusätzlichen Lautsprecher auf der rechten Seite.

Rein optisch gefällt uns das Design des Tab RT besser als das des Microsofts Surface. Es fühlt sich hochwertiger und luxuriöser an als das VaporMg-Gehäuse des Surface, das aus einer Magnesiumlegierung besteht. Müsste man sich zwischen integriertem USB-Port beim Surface und besserer Optik beim Tab RT entscheiden, würde die Wahl sicher zugunsten des Anschlusses ausfallen.

Die Tastatur des Vivo Tab RT ist zwar stabil, präsentiert sich aber im Vergleich zum Surface kleiner und auch weniger komfortabel (Foto: CNET).

Die Qualität der Tastatur ist in Ordnung, und vom Design her unterscheidet sie sich nicht sonderlich von der des Infinity. Uns gefällt vor allem das glatte, dunkel verchromte Finish. Die Tasten sind einfach zu drücken und robust, obwohl wir am Anfang ein paar Probleme mit der etwas klein geratenen Umschalttaste hatten. Auf der rechten Seite des Tastatur-Docks befindet sich eine USB-2.0-Schnittstelle, links der Anschluss für das Ladekabel. Mittels eines mitgelieferten Adapters lässt sich letzterer in einen zweiten USB-Port verwandeln.

Zusammen wiegen Tablet und Tastatur rund ein Kilo. Zusammen sehen sie auch eher wie ein herkömmlicher Laptop oder ein Ultrabook aus, als dies beim Surface der Fall ist. Uns gefällt, dass sich die Tasten nach unten drücken lassen, statt wie beim Microsoft-Tablet ein physisches Feedback zu geben. Ein weiterer Vorteil: Hat man das Vivo Tab auf dem Schoß, benötigt man keinen separaten Ständer, was das Arbeiten vereinfacht.

Im Vergleich lässt es sich auf dem Surface gemütlicher tippen, was nicht zuletzt daran liegt, das Type Cover und Touch Cover großzügigere Tasten bieten, wodurch die Vertippquote geringer ausfällt als beim Asus. Wird das Tab RT an die Tastatur angeschlossen haben, passiert es immer wieder, dass der Mauszeiger des Trackpads nicht auftaucht, so dass das Tablet erst neu gestartet werden muss. Und oberflächlich oder nicht: Die magnetische Schnappfunktion des Surface ist schlicht und einfach cooler.

Ausgestattet ist das Tab RT mit einem 10,1 Zoll großen IPS+-Touchscreen mit Gorilla-Glas von Corning und einer Auflösung von 1366 mal 768 Bildpunkten, einem Bildseitenverhältnis von 16:9 und einer Helligkeit von 600 Candela pro Quadratmeter. Auf der Rückseite befindet sich eine 8-Megapixel-Kamera mit einem LED-Blitz, dazu kommt eine Webcam mit 2 Megapixeln in der Front.

Hardware-Spezifikationen

Angetrieben wird das Gerät von einem Quadcore-Chip des Typs Nvidia Tegra 3 mit 1,3 GHz Taktung sowie einer 12-Core-GPU, ebenfalls von Nvidia. Tablet und Tastatur verfügen jeweils über eine eigene Batterie mit 25 respektive 22 Kilowattstunden Leistungsaufnahme. Ebenfalls an Bord sind 2 GByte RAM, Bluetooth, WLAN nach IEEE 802.11b/g/n, Gyroskop, Beschleunigungsmesser und GPS.

Software-Funktionen und Betriebssystem

Das Vivo Tab RT läuft unter Windows RT, das zwei Benutzeroberflächen bietet: eine kachelbasierte (ehemals als “Metro” bezeichnet) samt Startbildschirm und eine herkömmliche Windows-Benutzeroberfläche mit dem schlichten Namen “Desktop”. Letztere enthält die meisten Schaltflächen und Einstellungen, die man von einem Windows-Betriebssystem erwartet. Dazu kommt eine abgespeckte Version des Internet Explorer 10, der aber wie der IE9 aussieht, sowie eine kostenlose Preview von Office 2013. Auf dem Desktop-Interface lassen sich indes keine zusätzlichen Anwendungen installieren.

Obwohl Microsoft seine neue Benutzeroberfläche nicht mehr Metro nennt (und ihr auch noch keinen neuen Namen verpasst hat), nennen wir sie der Einfachheit halber vorerst weiter Metro. Wer eine Xbox 360 besitzt, ist mit dem Aussehen von Metro vertraut. Für jede Anwendung gibt es eine Kachel, und jede lässt sich beliebig in verschiedene Gruppen packen. Gruppen können ausgezoomt und umbenannt werden, und auch die Größe der Kacheln lässt sich anpassen.

Wischt man von der rechten Seite des Rahmens nach innen, öffnet sich die neu eingeführte Seitenleiste namens “Charm Bar”, von der aus sich Suche, Startbildschirm, Geräte, Einstellungen und Sharing-Optionen aufrufen lassen. Dieses Menü ist kontextsensitiv: Je nachdem, welche Anwendung gerade geöffnet ist, öffnet der Menüpunkt “Einstellungen” die der jeweiligen App.

Die gut erreichbare Charm Bar erleichtert die Suche und das Content-Sharing (Foto: CNET).

Wischt man dagegen von der rechten Seite des Rahmens nach innen, wird die zuletzt verwendete Anwendung gestartet; wer erst rechts, dann links wischt, bekommt eine Liste der zuletzt genutzten Programme. Ein Wisch vom oberen Rand öffnet weitere Anwendungsoptionen; ein Wisch von unten nach oben schließt ein Programm.

Darin unterscheidet sich die Nutzeroberfläche von der anderer Tablets. Es gibt also viel Neues zu lernen. Einige Nutzer werden mit der ungewohnten Bedienung ihre liebe Not haben, aber wer dabei bleibt entdeckt rasch, dass es sich um eine elegante Lösung für eine Tablet-Benutzeroberfläche handelt.

Ruft man die Suche über die Charm Bar auf, sucht man innerhalb der aktuellen Primäranwendung. Die Sharing-Funktion erlaubt es, aus einer Anwendung heraus rasch E-Mails zu verschicken oder Informationen über Soziale Netze zu teilen (Twitter und Facebook). “Start” springt zwischen dem Startbildschirm und der zuletzt geöffneten Anwendung hin und her. “Geräte” listet – wie der Name schon sagt – eine Reihe von Geräten auf, mit denen die aktive Anwendung interagieren kann, etwa Micro-SD-Karten und Drucker.

 

Eine eigene Kategorie für die Tastatur wäre praktisch (Foto: CNET)

Der letzte Menüpunkt “Einstellungen” bietet Zugriff auf WLAN, Regler für Lautstärke und Bildschirmhelligkeit sowie die Möglichkeit, die gerade geöffnete Anwendung anzupassen. Außerdem kann man die PC-Einstellungen öffnen. Obwohl sich die meisten Optionen hier von selbst erklären, sind sie zum Teil schlecht organisiert. Beispielsweise finden wir die Liste der Grundeinstellungen viel zu voll, und was sich darin verbirgt, könnte man genauso gut in separaten Listen abfeiern, etwa die Tastatureinstellungen.

Optionen wie das automatische Abschalten des Bildschirms (Display-Timeout), auf die man bei anderen Tablet-Benutzeroberflächen relativ einfach zugreifen kann, verbergen sich hier in einem Windows-Desktop-Bedienfeld. Das wäre noch nicht das Problem – hätte Microsoft seinen Desktop überarbeitet und für eine Bedienung mit Gesten optimiert. Aktuell kann es jedenfalls reichlich frustrierend werden, sich durch ein traditionelles Windows-Fenster zu manövrieren.

Zu gut versteckt? Um einfache Einstellungen vorzunehmen – die eigentlich leicht erreichbar sein sollten – sind häufig viel zu viele Schritte nötig (Foto: CNET).

Darüber hinaus sind einige Windows-Funktionen schlicht nutzlos. Das Bedienfeld “Programme und Funktionen” ist hier völlig fehl am Platz. Weil sich keine Programme auf dem Desktop installieren lassen, braucht man auch keine Liste der installierten Programme. Wir haben uns vielmehr gefragt, wozu der Desktop-Modus überhaupt nötig ist. Könnte Office nicht auch in der Metro-Umgebung laufen?

Wir glauben: Doch, könnte es – und wir würden uns freuen, wenn sich Microsoft noch ein Stück weiter weg von der traditionellen Windows-Umgebung traute. Dieses Tablet und andere ARM-basierte Windows-Tablets würden davon nur profitieren.

Weitere Überlegungen

Neben dem Umweg über ein Windows-Fenster, um den Bildschirm-Timeout zu adjustieren, sind uns noch ein paar andere, wenig Tablet-typische Dinge aufgefallen. Es sind zwar Kleinigkeiten, erwähnt werden sollten sie dennoch. Wenn man etwa versucht, ein Dokument via Google Drive Web zu editieren, ohne dass die Tastatur angeschlossen ist, wird die virtuelle Tastatur nicht automatisch angezeigt. Stattdessen muss man sie über die Einstellungen manuell aufrufen.

Lädt man eine Anwendung herunter, kann man sie aus der Seite des App-Stores heraus nur für einen kurzen Moment öffnen. Nach ein paar Sekunden verschwindet die Option – und man muss die zum Programm gehörige Kachel auf dem Startbildschirm suchen und ausführen. Das ist nur ein kleines Detail, bei dem es um Bequemlichkeit geht, das aber auch zeigt, wie wenig ausgereift der Windows Store im Vergleich zu Google Play und Apples App Store noch immer ist.

Wenn man den Startknopf gedrückt hält, um das Gerät herunterzufahren, kommt kein Hinweis. Das Tablet schaltet sich einfach ab. Außerdem gibt es keine Ladestandsanzeige auf dem Startbildschirm. Sie taucht auf dem Sperrbildschirm auf, oder wenn das Charm-Menü aufgerufen wird. Prozente werden allerdings nicht angezeigt: Um diese Information zu bekommen, muss man wieder über den Windows Desktop gehen.

Die Organisation im Xbox-Portal zählt nicht unbedingt zu den Stärken (Foto: CNET).

Apps sind für ein Tablet wie Benzin fürs Auto: Ohne einen stetigen Fluss von hochwertigen Anwendungen kann ein Tablet schnell ziemlich dröge werden. Wobei sich einige Nutzer schlicht ein tragbares Gerät wünschen, um Filme anzusehen, die E-Mails zu checken und ein paar Arbeiten zu erledigen, wenn man nicht gerade vor dem Rechner sitzt.

Obwohl sich der App-Support des Windows Store bestimmt mit der Zeit verbessern wird, sieht es damit derzeit noch ziemlich mau aus. Glücklicherweise stellt Asus für das Vivo Tab RT ein paar eigene Lösungen bereit, unter anderem eine Web-Storage-App, ein Unterhaltungsportal, einen Produktführer, ein Wörterbuch, eine Bibliothek, in der sich E-Books ablegen lassen, eine Erinnerungsfunktion namens SuperNote und Asus Camera. Diese Anwendung bietet mehrere Optionen, etwa Farbeffekte, Szenenmodi und Weißabgleich, die in den Standardeinstellungen der Kamera nicht enthalten sind.

Asus bietet neben den Standardeinstellungen noch einige zusätzliche Optionen (Foto: CNET).

Xbox Video enthält eine Auswahl von Filmen und Serien in HD und SD, die sich kaufen oder ausleihen lassen. Die Preise sind mit denen von iTunes, Google Play und Amazon Prime vergleichbar. Xbox Music erlaubt es, kostenlos Musik aus einer Bibliothek mit über 30 Millionen Songs zu streamen. Wer allerdings eine werbefreie Variante nach der sechsmonatigen Testphase nutzen will, zahlt 10 Euro pro Monat.

Internet Explorer

Unter Windows RT laufen zwei Varianten des Internet Explorer: die Desktop-Version und die Metro-Version. Die Desktop-Variante sieht aus wie der IE9 unter Windows 7, mit ähnlichen Bedienelementen und Optionen. Die Metro-Version lässt sich nur unter Windows RT und Windows 8 nutzen.

IE10 Metro sieht etwas anders aus als die meisten Browser. Seine Adressleiste befindet sich etwa am unteren Rand des Bildschirms statt am oberen. Die Leiste verschwindet ebenso wie die geöffneten Tabs, bis man sie min einem Wisch nach oben oder unten aufruft. Die Leiste enthält eine tolle Funktion namens Flip, mit der ein Nutzer sich durch einen mehrseitigen Artikel auf einer Website wischen kann, ohne Links anklicken zu müssen.

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