Ascend G615 im ausführlichen Test: Huaweis Antwort auf Googles Nexus 4

Huaweis Ascend G615 soll dem Nexus 4 Konkurrenz machen. Mit einem Quad-Core-Prozessor, einem 4,5-Zoll-HD-Display und einer 8-Megapixel-Kamera bietet es eine vergleichbare Ausstattung bei einem ebenso günstigen Preis.

Das Nexus 4 von LG lockt mit einer hochkarätigen Ausstattung zu einem unschlagbaren Preis. Für 299 Euro gibt es die 8-GByte-Variante mit Android 4.2 Jelly Bean, einer schnellen Quad-Core-CPU, 2 GByte RAM und einem 4,7-Zoll-Display mit einer Auflösung von 1280 mal 768 Pixel. Es gibt kaum Gründe, warum man hier nicht zu schlagen sollte – wenn man es denn bekommt. Denn seit seinem Marktstart ist das Nexus 4 im Prinzip durchgehend ausverkauft. Huawei hat die Gelegenheit beim Schopf gepackt und mit dem Ascend G615 ein Gerät auf dem Markt gebracht, dass dem Nexus 4 Konkurrenz machen soll. Ab Anfang Februar wird es in den Läden stehen. Wir haben das Ascend G615 genau unter die Lupe genommen.

Design

Das Design des G615 hat Huawei praktisch eins zu eins von seinem unmittelbaren Vorgänger, dem G600 übernommen, den der chinesische Hersteller 2012 auf der IFA präsentiert hat. Die Maße sind mit 13,4 mal 6,75 mal 1,05 Zentimetern im Prinzip identisch. Nimmt man es genau, ist es einen Hauch breiter und einen halben Millimeter dünner geworden. Die auffälligsten Unterschiede zum Nexus 4, das 13,4 mal 6,9 mal 0,9 Zentimeter misst, sind das etwas schmalere und um ein gutes Stück dickere Gehäuse. Stellt man beide Geräte einmal genau nebeneinander, fällt auch auf, dass es ein ganz kleines Stück länger als das Google-Phone ist. Das Gewicht gibt Huawei mit 145 Gramm an. Gemessen haben wir 149 Gramm. Damit ist es zehn Gramm schwerer als der Nexus-Konkurrent und wirkt insgesamt klobiger.

Das Gehäuse ist aus Polycarbonat gefertigt. Die Ecken sind abgerundet. Die oberen und unteren Kanten verlaufen hier gerade. Die Display-Umrandung ist aus Kunststoff und schwarz lackiert (verchromt beim weißen Modell). Im Gegensatz zum Nexus 4 ist beim G615 ein leichter Übergang zwischen Display-Glas und Rahmen spürbar. Das Gehäuse ist zur Hälfte nach hinten abgeschrägt. Die Abstände sind hier durchgehend symmetrisch. Die Rückseite fühlt sich ein bisschen wie eine Soft-Touch-Oberfläche an. Sie ist nicht tiefschwarz wie etwa beim HTC One X+, sondern weist im Licht eine minimale silberne Sprenkelung auf. Insgesamt wirkt das Huawei G615 noch ordentlich verarbeitet, allerdings knarzt das Gehäuse auch schon mal bei festem Druck. Im Vergleich gefallen uns die Verarbeitung des Nexus 4 und das stylischere Design mit Glas-Rückseite besser. Dafür ist das G615 griffiger und rutsch auch nicht so leicht vom Tisch.

Den Ein-/Auschalter und die Lautstärkeregler hat Huawei an der rechten Seite des Gerätes verbaut. Sie sind gut erreichbar. Die Kopfhörer-Buchse befindet sich an der Oberseite, der Micro-USB-Anschluss auf der linken Seite. In der rechten Ecke auf Höhe des Lautsprechers sitzen die Front-Kamera und ein LED-Licht. Die Hauptkamera ist auf der Rückseite exakt in der Mitte, der Blitz links daneben verbaut. Die Rückseite zieren zudem zwei Lautsprecherschlitze. Die Tasten für Home, Zurück und Menü sitzen beim G615 unter dem Display und nehmen anders als beim Nexus 4 keinen Teil des Bildschirms in Anspruch.

(Foto: CNET.de)

(Foto: CNET.de)

Display

Der Bildschirm des G615 ist 4,5 Zoll groß und damit etwas kleiner als beim Nexus 4. Da die Tasten unter der Anzeige platziert sind, steht im Endeffekt jedoch mehr Platz für die Darstellung der Inhalte zur Verfügung – zumindest in der Vertikalen. Denn in der Horizontalen bietet das Nexus-Display ein gutes Stück mehr Fläche.
Verbaut hat Huawei ein IPS+-TFT-HD-Display mit einer Auflösung von 1280 mal 720 Pixel. Mit einer Pixeldichte von 330 ppi ist es auf dem Papier sogar noch etwas schärfer als die Anzeige des Nexus 4. In der Praxis macht sich dieser Unterschied allerdings nicht groß bemerkbar. Das IPS-Panel des G615 stellt alle Farben ebenso wie das Nexus-Display auch unter extremen Blickwinkeln unverfälscht dar und macht die Anzeige insgesamt sehr gut ablesbar. Die Helligkeit ist bei maximaler Einstellung allerdings etwas geringer. Bei Sonneneinstrahlung könnte die Ablesbarkeit also etwas leiden. Ansonsten nehmen sich beide Anzeigen nicht viel. Geschützt ist das Display bei Huawei allerdings nicht mit Cornings Gorilla-Glas.

(Foto: CNET.de)

(Foto: CNET.de)

Ausstattung

Folgt das Design noch dem Vorgänger G600, ist das Innere des Gerätes mit der Ausstattung des Ascend D1 Quad XL vergleichbar. Als Prozessor kommt der mit 1,4 GHz getaktete Quad-Core K3V2 von HiSilicon mit 16-Kern-GPU zum Einsatz, dem insgesamt 1 GByte RAM zur Seite stehen. Zum Vergleich: Das Nexus 4 kommt mit einem Qualcomm-Snapdragon-S4-Pro-Quad-Core-Prozessor mit 1,5 GHz, Adreno-320-Grafikchip und 2 GByte RAM. Der interne Speicher bietet wie die günstigere Nexus-Variante 8 GByte Platz. Davon bleiben nach Abzug des Betriebssystems und aller vorinstallierter Software rund 5,29 GByte für Daten übrig. Der große Vorteil des Huawei-Gerätes ist, das es über einen MicroSD-Kartenslot verfügt, der eine Erweiterung um bis zu 32 GByte erlaubt. Das gibt es bei Googles Smartphone nicht und macht das G615 in Sachen Speicherausstattung deutlich überlegen.

Im Bereich Kommunikation sind die üblichen Techniken mit an Bord. Das G615 unterstützt GSM (850/900/1800/1900 MHz), EDGE (Klasse 10), GPRS, UMTS (850/900/1700/1900/2100 MHz) samt Datenturbo HSPA+ (21 Mbit/s Download, 5,76 Mbit/s Upload) sowie WLAN gemäß den Standards 802.11 b/g/n. Die Dual-Band-WiFi-Technik gibt es wie beim Nexus auch hier nicht. Ansonsten verfügt es über Bluetooth 3.0 und GPS. Zum Übertragen von Inhalten steht DLNA und WiFi-Direct zur Verfügung. NFC (Near Field Communication), MHL oder HDMI beherrscht das G615 nicht.

(Foto: CNET.de)

(Foto: CNET.de)

Betriebssystem

Das Google Nexus 4 wird mit der aktuellsten Android-Version Jelly Bean 4.2 ausgeliefert. Hier kann das Huawei Ascend natürlich nicht mithalten. Auf ihm läuft ab Werk noch das deutlich betagtere Android 4.0.4 Ice Cream Sandwich. Wischgesten zum Schreiben von Text im Stil der Alternativ-Tastatur Swype, die 360-Grad-Rundumaufnahme-Funktion Photo Sphere, den Bildschirmschoner Daydream, Quick-Settings, Mira-Cast und mehrere Benutzerkonten gibt es bei Huawei also noch nicht. Ein Update auf Jelly Bean 4.1 soll es im März geben. Ob ein Update auf 4.2 vorgesehen ist und wann damit zu rechnen ist, ist derzeit noch nicht bekannt. In Sachen Aktualität und Update-Politik hat die Nexus-Serie jedenfalls die Nase weit vorne.

Die eigene Oberfläche Emotion UI kommt beim G615 nicht zum Einsatz. An Software hat Huawei einen Musik-Player, einen Datei-Manager, ein UKW-Radio, ein Notizbuch sowie eine Security-Anwendung zum Blockieren von Anrufen und SMS, Verschlüsseln von Dateien oder Aufbewahren von Passwörtern auf das Smartphone gepackt. Neben eigenen Hintergrundbildern und Themes gibt es außerdem noch eine App zum Sichern von Anwendungen und System-Apps, Kontakten, SMS, Einstellungen, Lesezeichen, Playlists, Alarmen und Notizen. Ansonsten hat Huawei das Betriebssystem relativ unberührt gelassen.

Neueste Kommentare 

3 Kommentare zu Ascend G615 im ausführlichen Test: Huaweis Antwort auf Googles Nexus 4

  • Am 23. Januar 2013 um 12:43 von Thomas

    In eurem Test steht, das smartphone hat eine scheibe aus gorilla-glas, ich kann aber weder bei anderen tests noch auf der huawei hompage ein wort über gorilla-glas finden.
    Könnt ihr bitte nochmal bestätigen, dass es sich um eine solche scheibe handelt?
    Danke.

    • Am 23. Januar 2013 um 15:20 von Christian Schartel

      Hallo Thomas,

      nach unseren ersten Informationen sollte es Gorilla-Glas sein. Auf Nachfrage bei Huawei hat sich nun ergeben, dass das Display wie Sie schon vermutet haben doch nicht von Cornings Gorilla-Glas geschützt ist. Wir haben den Testbericht entsprechend berichtigt.

      Mit freundlichen Grüßen,
      Christian Schartel, CNET.de

      • Am 12. Juli 2013 um 17:16 von hotto

        Dragontail Glas wurde verbaut. :)

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