MWC: Hands-on – Ubuntu Touch OS für Smartphones und Tablets

Canonical hat sein mobiles Betriebssystem Ubuntu Touch OS auf dem Mobile World Congress (MWC) in Barcelona präsentiert – und der erste Eindruck ist durchaus positiv. Nach einem ersten Auftritt des Betriebssystems auf der CES in Las Vegas konnte unser amerikanische Kollege Rich Trenholm nun eine frühe Version (Developer Preview) von Ubuntu Touch OS auf einem Google Nexus 4 und einem Google Nexus 10 ausprobieren, die schon einmal einen Vorgeschmack auf die finale Version gibt. Diese soll bis Mitte Oktober 2013 fertiggestellt sein.

Bei der Entwickler-Version von Ubuntu Touch OS funktioniert zwar noch lange nicht alles so wie es soll und viele Features fehlen noch, aber das Konzept wird auch jetzt schon deutlich. Das mobile Ubuntu will einiges einfacher gestalten, als es beispielsweise unter Android gehandhabt wird.

Die Version für Smartphones und Tablets unterscheiden sich bis auf eine Anpassung an das größere Display des Tablets nicht. Am oberen Rand des Bildschirms befindet sich wie bei Android oder iOS eine dünne, schwarze Leiste, die übliche Informationen wie Akkustand, Uhrzeit und Netzstärke anzeigt. Außerdem bietet sie jederzeit Zugriff auf die Suche oder Geräteeinstellungen, egal ob der Anwender gerade eine App geöffnet hat oder sonst irgendetwas tut. Zudem zeigt sie kleine Benachrichtigungssymbole an, wenn beispielsweise eine neue SMS eingetrudelt ist.

Der Lockscreen hält die Uhrzeit und das Datum sowie ein kreisrundes Widget breit, das beispielsweise auf neue Facebook-Posts, Tweets, Kurznachrichten, Anrufe & Co. hinweist und direkten Zugriff zu den einzelnen Bereichen bietet. Ein Fingerwisch am linken Rand des Displays holt eine Launcherleiste auf den Schirm, wie sie Ubuntu-Nutzer schon länger vom Unity-Interface ihres Desktops kennen. Die vertikal verlaufende Leiste beinhaltet Shortcuts zu Anwendungen wie Google Mail, Facebook, Browser, Kamera und dem eigentlichen Homescreen. Die Reihenfolge bestimmt der Anwender selbst.

Der Homescreen hält dann wie eine Art Feed einen Ausschnitt der am häufigsten genutzten Apps, der Liebingslieder und –videos, empfangener Nachrichten, Anrufe und so weiter bereit. Das „Widget“ für Kontakte ist beispielsweise wie ein Cover-Flow-Karussell aufgebaut – im Prinzip eine horizontale Scroll-Leiste mit Bildern der Kontakte. Das macht optisch mehr her als eine gewöhnliche Liste mit Text. Per Fingerwisch nach rechts oder links wechseln Anwender dann zwischen den verschiedenen Homescreens und holen sich die volle Ansicht der unterschiedlichen Inhalte wie Videos, Musik, Kontakte, Nachrichten oder Apps auf den Schirm.

Bei der Bedienung verzichtet Ubuntu Touch OS auf Home- oder Zurück-Tasten und setzt vollkommen auf Touchgesten von den Rändern her. Ein Wisch vom linken Rand Richtung Mitte öffnet die Launcherleiste. Ein Wisch vom rechten Rand öffnet dann die zuletzt verwendeten Apps. Per Fingergeste vom oberen Rand holen sich Anwender Benachrichtigungen und Einstellungen auf den Schirm. Praktisch ist, dass Nutzer direkt aus dem Benachrichtigungsfenster auf eine Nachricht antworten können – ohne extra die entsprechende Anwendung öffnen zu müssen. Die Menüs der unterschiedlichen Apps und Anwendungen sind dann über einen Wisch vom unteren Display-Rand zugänglich. Ist beispielsweise gerade die Fotogalerie geöffnet, bietet das Menü Optionen wie das Zuschneiden oder Retuschieren von Bildern sowie Einstellungen für Farbsättigung & Co.

Wie bei Android und iOS können sich Anwender natürlich auch weitere Apps herunterladen und auf dem Smartphone oder Tablet installieren. Neben nativen Apps unterstützt Ubuntu Touch OS auch Web-Apps auf Basis von HTML5. Web-Anwendungen, die im Browser laufen, sollten demnach auch mit Ubuntu Touch OS funktionieren, ohne dass Entwickler die Anwendungen groß anpassen müssen. Einen richtigen App-Store gibt es bei Ubuntu Touch OS bisher noch nicht, aber einige HTML5-Apps wie Facebook, Twitter oder Evernote stehen schon zur Verfügung.

Für das Smartphone optimierte, native Apps sollen dann auch auf dem Tablet laufen. Wie bei iOS werden sie nicht im Vollbildmodus, sondern in kleineren Fenstern dargestellt. Sie nehmen dann allerdings nicht den ganzen Bildschirm ein, sondern lassen Platz, um weitere Anwendungen nebeneinander zu betreiben. Per Fingergeste können Anwender dann einzelne Apps bequem schließen.

Die frühe Version von Ubuntu Touch OS lief auf den Nexus-Geräten auch schon angenehm flüssig. Auch das Design wirkt elegant und ansehnlich. Allerdings funktionieren viele Funktionen noch nicht. Öffnet man den Musikplayer, bekommt man beispielsweise nur einen Screenshot der späteren Anwendung zu sehen. Wer sich trotzdem einen ersten Eindruck von Ubuntu Touch OS verschaffen möchte, der kann das Developer Preview auch selbst auf seinem Nexus-Gerät installieren. Eine detaillierte Anleitung finden Interessierte auf derUbuntu-Webseite. In Kürze soll Ubuntu Touch OS auch für über 20 weitere Smartphones und Tablets wie Asus’ Transformer-Reihe, HTCs One-Modelle, das LG Optimus 4x HD, das Motorola Xoom, Samsungs Galaxy-S-Serie und Galaxy Note sowie Sonys Xperia-Smartphones bereitstehen.

In folgendem Video zeigt unser amerikanische Kollege Rich Trenholm Ubuntu Touch OS noch live in Aktion.

Weitere Neuigkeiten vom Mobile World Congress, der größten Mobilfunkmesse Europas, finden Sie in unserem MWC-Special.

Autor: Christian Schartel
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