DSL-Drosselung: Telekom macht ernst

Vor vier Wochen waren es noch Gerüchte, jetzt wird es konkret. Die echten Internet-Flats, die rund um die Uhr ohne Zeit- und Volumenbeschränkung nutzbar sind, gehören wohl auch bei der Telekom bald der Vergangenheit an. Die Volumenbegrenzungen sollen in den Leistungsbeschreibungen zwar bereits ab 2. Mai 2013 enthalten sein, technisch wird die Telekom aber wohl nicht vor 2016 in der Lage sein, die Drosselung auch durchzusetzen. Das Fernsehangebot Entertain sowie Telefonie werden nicht auf das Inklusivvolumen angerechnet.

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Heute hat die Deutsche Telekom eine neue Tarifstruktur für Internetanschlüsse im Festnetz vorgestellt. Damit werden die Ende März durchgesickerten Überlegungen des Konzerns, bei DSL-Anschlüssen ähnlich wie bei Mobilfunkverträgen nach einem bestimmten Datenvolumen die Übertragungsgeschwindigkeit zu drosseln, nun tatsächlich umgesetzt. Das Unternehmen begründet den Schritt mit dem rasanten Datenwachstum.

Für neue Verträge in den Tarifklassen Call&Surf und Entertain sieht die Telekom künftig integrierte Highspeed-Volumina vor. Bei erreichter Volumengrenze greift eine einheitliche Reduzierung der Internetbandbreite auf 384 KBit/s. Kunden, die in dem betreffenden Monat weiterhin schnell surfen möchten, können dann Hochgeschwindigkeits-Volumen hinzubuchen.

Ab dem 2. Mai 2013 sind in Tarifen mit Geschwindigkeiten bis zu 16 MBit/s 75 GByte enthalten. Nutzer von Tarife mit bis zu 50 MBit/s dürfen 200 GByte übertragen, bei Paketen mit bis zu 100 MBit/s sind 300 GByte inklusive. Wer einen Telekom-Tarif mit einer zugesagten Geschwindigkeit bis zu 200 MBit/s abgeschlossen hat, bekommt die Drosselung ab einem Volumen von 400 GByte zu spüren.

Die neuen Tarife werden schrittweise eingeführt. Im ersten Schritt passt die Telekom zum 2. Mai 2013 die Leistungsbeschreibungen für neue Verträge an. Bestehende Verträge sind von den Änderungen nicht betroffen. Wann die Telekom die Geschwindigkeitsreduzierung tatsächlich einführt, macht der Konzern von der Verkehrsentwicklung im Internet abhängig. “Wir gehen bisher davon aus, dass wir die Limitierung technisch nicht vor 2016 umsetzen”, erklärt Michael Hagspihl, Geschäftsführer Marketing der Telekom Deutschland, in einer Pressemitteilung.

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Bevor die Telekom die Bandbreitenbegrenzung technisch umsetzt, verspricht sie ihren Kunden die Möglichkeit zu geben, das Datenaufkommen im Kundencenter im Internet nachzuvollziehen. Laut Telekom liegt es bei den Kunden heute im Schnitt zwischen 15 und 20 Gigabyte. Das integrierte Datenvolumen wird auch nach der Drosselung mindestens 75 GByte betragen. Damit sei es laut Telekom für die meisten Kunden ausreichend und erlaube neben dem Surfen im Netz und dem Bearbeiten von Mails beispielsweise zehn Filme in normaler Auflösung plus drei HD-Filme, plus 60 Stunden Internetradio, plus 400 Fotos und 16 Stunden Online-Gaming.

Die Nutzung von Entertain sowie Sprachtelefonie über den Telekom-Anschluss werden nicht auf das im Tarif enthaltene Volumen angerechnet. Ebenfalls unberücksichtigt bleibt Datenverkehr, der entsteht, wenn Kunden im Rahmen der von der Telekom eingegangenen Kooperation mit Fon über WLAN TO GO ihren Zugang Anderen zur Verfügung stellen.

Details zu den Kosten der Zubuchoptionen hat der Konzern noch nicht genannt. Eine Begrenzung des Highspeed-Volumens hat die Telekom bereits in den Leistungsbeschreibungen für die Call & Surf Tarife mit VDSL und die Glasfaseranschlüsse vermerkt, aber technisch nicht umgesetzt.

[Mit Material von Peter Marwan, ITespresso.de]

Anja Schmoll-Trautmann
Autor: Anja Schmoll-Trautmann
Redakteurin
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