Geeksphone Keon im Vorab-Test: erste Test-Plattform für Mozillas mobiles Firefox OS

Das kurze, kompakte und in schreiendes Orange gehüllte Geeksphone Keon ist gleichzeitig faszinierend, frustrierend und verblüffend. Aber es ist definitiv kein typisches Smartphone.

Stattdessen ist das Keon ein Testgerät für Entwickler, das als Testplattform für das im Entstehen begriffene mobile Betriebssystem Mozilla Firefox OS gedacht ist.

Tester bekommen selten die Chance, sich wirklich intensiv mit einem Vorseriengerät mit experimenteller Software zu beschäftigen. Die Vorstellung, ein solches unfertiges, in Entwicklung befindliches – und damit potenziell von allen Seiten angreifbares – Produkt in die Hände von Testern zu geben, lässt Smartphone-Hersteller und Softwareentwickler ganz schnell ganz unruhig werden. Aber hier reden wir über Mozilla, Champion des Open-Source-Codes, und das spanische Unternehmen Geeksphone, das seine Hardware wissentlich einer großen Open-Source-Gemeinde zur Verfügung stellt.

Letztlich ist es einfach cool, ein Firefox-OS-Produkt in der Hand zu haben und ausprobieren zu können. Es lässt zumindest erahnen, wie die künftigen Geräte mit mehr Funktionen (beispielsweise das Alcatel One Touch Fire oder das Geeksphone Peak) aussehen und funktionieren könnten.

Die richtige Geisteshaltung

Bevor wir uns aber näher mit dem Keon beschäftigen, sollten wir ein paar Dinge festhalten:

  • Das Keon ist als Hardware für Entwickler und nicht für den “normalen Verbraucher” gedacht.
  • Firefox OS wurde offiziell erst Ende Februar enthüllt und ist noch lange nicht fertig.
  • Interessanter Fakt: Firefox OS ist ein Web-basiertes Betriebssystem, das primär auf HTML5 aufbaut.
  • Frei im Handel erhältliche Firefox-OS-Smartphones werden Basiseckdaten und niedrige Preispunkte haben und auf Wachstumsmärkte abzielen, also Geräte der Einsteigerklasse sein.
  • Das Keon kostet alles in allem derzeit 91 Euro plus Versand (ist allerdings nicht lieferbar) – und zwar ohne Vertrag. Das größere, bessere ausgestattete Peak wird mit 149 Euro gelistet.
  • Firefox-OS-Smartphones wie das Keon und andere sollen im Sommer 2013 in den Handel kommen.

 

Design, Fertigungsqualität, Firefox und Apps

Das offensichtlichste Merkmal des Keon ist seine Hülle in krassem Warnhütchen-Orange, ein optischer Hinweis auf die Partnerschaft zwischen Geeksphone und Firefox. Bei den Testern finden die Farbe und auch die Soft-Touch-Beschichtung, die die Kanten und die Rückseite des Geräts bedeckt, Gefallen. Zusammen mit dem soliden Gewicht von knapp 120 Gramm, den kürzeren Abmessungen von 14,0 mal 8,6 mal 1,0 Zentimeter und den abgerundeten hinteren Ecken sorgen sie dafür, dass das Keon angenehm satt in der Hand liegt.

Allerdings sind die etwas schärferen Kanten an der Front dafür verantwortlich, dass dieser softe Effekt abgeschwächt wird und das Gerät insgesamt etwas an Komfort einbüßt. Außerdem ragt der Bildschirm über die weichen orangefarbenen Kanten hinaus. Das gibt dem Gerät zwar einen etwas keckeren Look und erleichtert die Öffnung der Akkuabdeckung, schmälert aber ebenfalls den Komfort bei längerem Halten des Geräts in der Hand. Dafür passt das Keon mit seinen kompakten Abmessungen problemlos in Hosen- und Handtaschen.

Geeksphone hat das Äußere des Keons simpel gehalten, die glatten Flächen werden nur von wenigen Aussparungen unterbrochen. An der rechten Kante befindet sich ein Micro-USB-Port zum Laden des Akkus und an der linken Seite der Power/Lock-Schalter. Letzterer sitzt wiederum über einem ergonomisch geformten Lautstärke-Regler. Der Audioausgang im 3,5-Millimeter-Klinke-Format ziert die obere Kante und auf der Rückseite findet man die Linse der Kamera. Die Slots für die SIM-Karte und die Micro-SD-Speicherkarte verstecken sich unter der hinteren Abdeckung. Unser Testgerät war bereits mit einer zwei GByte großen Speicherkarte bestückt.

Das knallige Orange  des Geeksphone Keon ist eine Hommage an die Farbe des Firefox-Logos.

Das knallige Orange des Geeksphone Keon ist eine Hommage an die Farbe des Firefox-Logos.

Eine Kamera wird man an der Front des schlichten Keon vergeblich suchen, aber Besitzer des Geräts werden stattdessen schnell einen einsamen Touch-sensitiven Home-Button unter dem Display bemerken. Ein kurzes Antippen weckt den Bildschirm auf. Hält man den Button dagegen länger gedrückt, ruft dies den Multitasking-Ticker auf.

Über dem Home-Button sitzt der 3,5-Zoll-Bildschirm in seinem dicken Rahmen. Da man sich mittlerweile auch mental auf Spezifikationen aus dem Einsteigerbereich eingestellt haben sollte, dürfte wohl kaum jemand von der geringen HVGA-Auflösung (480 x 320 Pixel) und der geringen Pixeldichte (165 ppi) des Keon überrascht werden. Es dürfte daher auch für niemanden ein Schock sein, dass die Bildschirmfarben trübe und matt aussehen und Bilder, Symbole und Texte die messerscharfen Kanten vermissen lassen, die man von aktuellen Top-Smartphones gewohnt ist.

Firefox OS und Apps

Auf dem Keon läuft Version 1.0.1 des neuen mobilen Firefox-Betriebssystems, das wir erstmals Ende Februar auf dem Mobile World Congress (MWC) in Barcelona bewundern durften.

Ein neues Betriebssystem kennenzulernen hat seine Höhepunkte. Nachdem die Kollegen eine Menge Zeit mit dem Keon verbracht hatten, würden sie das Icon-reiche mobile Firefox OS als eine Mischung aus Android, iOS und Windows Phone beschreiben. Wie Android hat es seinen Pull-Down-Bereich für Benachrichtigungen und multiple Homescreens, was ein iOS-artiges Icon-Gitter einschließt. Man kann Icons antippen und halten, um sie zu löschen oder zu verschieben und den Hintergrund antippen und halten, um Bildschirmhintergründe auszutauschen.

Das 3,5 Zoll große und ziemlich ungenaue Touchscreen-Display des Keon reagiert Stand jetzt noch äußerst träge.

Das 3,5 Zoll große und ziemlich ungenaue Touchscreen-Display des Keon reagiert Stand jetzt noch äußerst träge.

Die Einstellungen erinnern ebenfalls an Android, aber Multitasking-Manöver (letztlich das Umschalten zwischen Tasks) ähnelt eher Microsofts Windows Phone OS.

Man wischt nach links, um thematische, nach Typ sortierte Gruppierungen von Apps aufzurufen – das sieht wiederum wie die Android-4.0-Verzeichnisse für soziale Netzwerke, Kommunikation und so weiter aus. An dieser Stelle ist auch mal ein Lob an Mozilla angebracht: Die Schöpfer des Firefox OS haben es verstanden, eine große Bandbreite beliebter Apps und Funktionalitäten bereitzustellen. Dies ist auch einer der Hauptvorteile, wenn man Web-Interfaces einfach nur mobil optimiert und mit neuen Skins überzieht. Außerdem gibt es noch eine Suchleiste, über die man ebenfalls Apps finden kann.

Der einzige Nachteil dieses modifizierten App-Trays ist, dass eine Menge der Web-Apps nicht genügend für den vergleichsweise winzigen Bildschirm eines Mobilgeräts optimiert sind. Jetzt liegt es an den Entwicklern, einfach zu nutzende Programme zu erschaffen, die bei mobiler Benutzung klasse aussehen – speziell dann, wenn sie auf einem unterdurchschnittlich großen Bildschirm wie dem des Keon dargestellt werden. Denn die Eingabe von Passwörtern und das ständige Hineinzoomen in Texte, wenn man winzige Font-Größen mal wieder nicht lesen kann, wird schnell nervig.

Interessanterweise kann man jede App antippen und halten und dann auswählen, dass man sie zum Homescreen hinzufügen will – was aber nicht das bedeutet, was man jetzt landläufig annehmen würde. Anstatt sich nämlich auf dem bis auf die Zeit- und Datumsanzeige leeren zentralen Schirm zu heften, besiedelt das Icon nun die “Homescreens” auf der rechten Seite. Man kann das Benachrichtigungsfenster herunterziehen, um sich eine Liste fehlender Einträge und angegertigter Screenshots (für einen Screenshot drückt man einfach gleichzeitig die Home- und Power-Tasten) anzeigen zu lassen.

Über die Power/Lock-Taste kann man das Gerät stumm schalten oder in den Flugzeug-Modus versetzen. Die ergonomische Lautstärke-Wippe ist ein willkommener Bonus

Über die Power/Lock-Taste kann man das Gerät stumm schalten oder in den Flugzeug-Modus versetzen. Die ergonomische Lautstärke-Wippe ist ein willkommener Bonus

Wenn man den Home-Button lange drückt, ruft dies einen vorbeigleitenden Strom kürzlich genutzter Apps auf, die man entweder durch Antippen aufrufen oder mit dem “x” schließen und den Cache des Systemspeicher leeren kann. Das Ganze erinnert vom Verhalten her stark an Windows Phone, lässt aber die zusätzlichen Grafiken vermissen.

Wenn man die Power/Lock-Taste länger gedrückt hält, erhält man wie anderswo verschiedene Optionen, um das Gerät herunterzufahren, neu zu starten oder in den Flugzeug-Modus zu versetzen. Die Kamera startet übrigens vom Lock-Screen aus.

Die Zahl der Firefox-OS-Apps auf diesem Testgerät und ihre Möglichkeiten sind verständlicherweise natürlich noch ziemlich eingeschränkt und das Betriebssystem selbst soll nicht so komplex und leistungsfähig werden wie Android, iOS, BlackBerry OS oder Windows Phone. Dennoch unterstützt das Keon WLAN, GPS und Bluetooth 2.1 und lässt sich auch als mobiler Hotspot nutzen.

Der Firefox-Browser ist ein zentraler Teil des Ganzen und natürlich auch die beste App. Der Tab-fähige Browser bietet ein paar tiefer greifende Kontrollmöglichkeiten und Einstellungen und das Surfen selbst – obwohl langsamer als erwartet (selbst mit WLAN) – war eine zufriedenstellende Erfahrung. Standard-Suchmaschine ist übrigens Microsofts Bing. Ebenfalls an Bord ist ein UKW-Radio und ein Marktplatz, über den man dann irgendwann auch mehr Apps wie das Musik-ID-Programm SoundHoundy bekommen wird.

Links sieht man den Firefox-Browser in Mozillas gleichnamigem Betriebssystem, rechts die Task-Umschaltung.

Links sieht man den Firefox-Browser in Mozillas gleichnamigem Betriebssystem, rechts die Task-Umschaltung.

Das grafische Interface des Firefox OS ist – Stand jetzt – noch mehr Skelett als ganzer Körper, was den zweifelhaften Vorteil eines geringeren Bedarfs an Systemressourcen hat. Ein echter Pluspunkt für das Keon ist dagegen, dass Entwickler Updates des Betriebssystems sehr viel schneller bekommen dürften wie auf anderen Plattformen – in der Regel wohl ein, zwei Tage nach der Veröffentlichung und nicht erst nach Wochen oder Monaten. Denn Mozilla-Projekte werden oft einmal täglich auf den neuesten Stand gebracht.

Kamera und Video

Firefox-OS-Smartphones werden zwar aller Wahrscheinlichkeit nach niemals Highend-Kamera-Komponenten integrieren, aber die Geräte werden auf jeden Fall Fotos und Videos aufnehmen können. Die 3-Megapixel-Kamera des Keon kann man derzeit nur mit einem Wort beschreiben: schlecht. Aufnahmen zeichnen sich durch wirre, verschwommene Farben und Linien aus, Klarheit glänzt durch Abwesenheit. Videos kann man zwar aufnehmen, aber deren Qualität bewegt sich auf dem Niveau der Fotos. In dieser frühen Phase gibt es zudem kaum Fotooptionen wie Panorama-Modus und HDR (High Dynamic Range), wie man sie von den Kameras von Highend-Smartphones gewohnt ist.

Interessanterweise gibt es aber etliche Möglichkeiten zur Nachbearbeitung, um Aufnahmen beschneiden und anpassen zu können. Das ist schon mal ein sehr gutes Zeichen für künftige Firefox-OS-basierte Smartphones. Fotos können via E-Mail – aber (derzeit?) nicht über soziale Netzwerke – mit anderen Anwendern geteilt oder als Bildschirmhintergründe festgelegt werden.

Noch einmal: Man sollte seine Erwartungen nicht zu hoch ansetzen. Erstens versprach Geeksphone niemals fotografische Exzellenz und zweitens ist für Entwickler wahrscheinlich nicht die Bildqualität selbst und die Frage, ob man das resultierende Bild als Quellmaterial für das Bedrucken eines T-Shirts oder Kaffeebechers nutzen könnte wichtig, sondern wohl eher die Frage, ob sie die Kamera an sich in ihre Apps einbinden können oder nicht.

Die Kamera des Keon ist kein Überflieger (man beachte die Blauverschiebung und die verschwommene Bewegung), aber die Bearbeitungswerkzeuge sind klasse.

Die Kamera des Keon ist kein Überflieger (man beachte die Blauverschiebung und die verschwommene Bewegung), aber die Bearbeitungswerkzeuge sind klasse.

Die Speicherkapazität eines Geräts, das die meisten seiner Inhalte aus dem Web zieht, muss nicht sonderlich hoch sein. Dennoch braucht man etwas Platz, schließlich muss man ja auch Fotos und Videos irgendwo abspeichern. Das Keon bietet jedenfalls vier GByte Onboard-Speicher, der durch Micro-SD-Speicherkarten erweitert werden kann, und 512 MByte RAM.

Neueste Kommentare 

Eine Kommentar zu Geeksphone Keon im Vorab-Test: erste Test-Plattform für Mozillas mobiles Firefox OS

  • Am 3. Juni 2013 um 15:00 von Kay T.

    Ich habe mir voller Hoffnung und Begeisterung das Keon bestellt, da das Peak gerade mal wieder ausverkauft war. Ich war froh überhaupt eins bestellen zu können, da der Shop online ständig nicht liefern konnte und kann. Schnell geliefert und ausgepackt hatte ich viel Zeit das Smartphone ausgiebig zu testen. Von der Haptik finde ich das Teil toll und so lahm wie Ihr es beschreibt ist es gar nicht. Handling ist gewöhnungsbedürftig aber es liegt gut in der Hand uns der Kunststoff ist zwar billig wirkt aber nicht so. Akku hält wirklich lange aber das entscheidende und daher vernichtenende Urteil beruht auf der Tatsache das der Empfang grottenschlecht ist und zwar mit allen Anbietern/Providern. Egal ob D1, D2 oder Eplus, egal ob Telekom oder Congstar, egalo ob Vodafone oder Bild Mobile, egal ob E-Plus, Base, Blau, Simyo, Aldi Talk mit allen Simkarten wurden,selbts hier im Ballungsraum Berlin, maximal und ich wiederhole, maximal 2 Balken auf der Empfangsanzeige angezeigt. Zum Teil brachen die Telefonate ab und der Internetempfang mit “2G, 3G” zum Teil gar nicht möglich. WLAN wiederum hat sehr starken Empfang. Ich habe alles dokumentiert und das Keon nach Spanien zurückgesendet. Der Versuch so löblich und hoffnungsvoll er war ist kläglich gescheitert und ich bin froh das ich es zurückgeben konnte.

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