Huawei Ascend Mate: das XXL-Smartphone im Hands-on

Huaweis Phablet Ascend Mate kommt mit 6,1-Zoll-Display, Quad-Core-CPU und Android 4.1 für rund 400 Euro. Die Benutzeroberfläche ist ansprechend, das XXL-Phone hat aber auch seine Tücken.

Das Huawei Ascend Mate ist ein ordentlicher Brocken, aber die angepasste Benutzeroberfläche, die auf Android 4.1 Jelly Bean aufsetzt, macht bei diesem ansonsten eher unspektakulären Phablet einiges wieder wett.

Mit seinem 6,1 Zoll großen Bildschirm ist das Mate derzeit das größte verfügbare Smartphone auf dem Markt. Samsung wird wohl mit der nächsten Generation des Galaxy Note seine eigene 6- oder gar 6,3-Zoll-Variante veröffentlichen und Sony hat das Sony Xperia Z Ultra mit seinem 6,4-Zoll-Display für das dritte Quartal angekündigt.

Der Screen des Mate ist einfach zu lesen, obwohl die Auflösung geringer ausfällt als bei dieser Größe erwartet. Durch die Dimensionen fällt das Mate vergleichsweise unhandlich aus. Darauf zu tippen fühlt sich ebenso seltsam an, wie damit zu fotografieren. Das Mate lässt sich auch nicht mal schnell eben in die Hosentasche zu stecken.

Bei der Ankündigung des Mate im Januar waren die Spezifikationen am oberen Ende der Skala angesiedelt, wer inzwischen allerdings nach einem XL-Smartphone sucht und nicht unter Zeitdruck steht, sollte auf die durchaus attraktiven Alternativen warten.

Design und Bauweise

Das Mate kommt mit stattlichen Abmessungen von 16,3 mal 8,6 mal 1 Zentimeter und einem Gewicht von knapp 200 Gramm. Das kommende Xperia Z Ultra misst im Vergleich dazu 17,9 mal 9,2 mal 0,65 Zentimeter und bringt 212 Gramm auf die Waage. Die geraden, in Mattgrau gehaltenen Seitenteile gehen nach hinten in eine leicht gebogene Rückseite über, die gut in der Hand liegen soll. Eine schwarze Soft-Touch-Beschichtung hilft zwar dabei, die Kanten sind aber trotzdem etwas zu scharf geraten. Der Bildschirm ist im Grunde schon zu groß, um wirklich bequem in eine Hand zu passen. Das Mate ist zwar etwas kleiner als das Xperia Z Ultra, dafür aber deutlich dicker, wodurch es sich letztlich einfach schlechter halten lässt. Wer große Hände hat, wird damit weniger ein Problem haben, kleine Hände stoßen hier schnell an ihre Grenzen.

Kleine Hände dürfte beim enorm großen Huawei Mate schnell an ihre Grenzen stoßen (Foto: CNET).

Kleine Hände dürfte beim enorm großen Huawei Mate schnell an ihre Grenzen stoßen (Foto: CNET).

Bei einem Gerät mit 6,1-Zoll-Diagonale, wie dem Ascend Mate, würde man – entsprechend dem aktuellen Standard bei 5-Zoll-Smartphones – eigentlich eine Full-HD-Auflösung erwarten. Stattdessen liefert das Huawei das Mate mit 1280 mal 720 Pixeln und nur eine Dichte von 241 Pixeln pro Zoll. Trotz der vergleichsweise geringen Auflösung präsentiert sich das Mate mit satten und kräftigen Farben, das Display strahlt im Auto-Modus hell, und es fällt leicht, Texte darauf zu lesen. Nur zum Vergleich: das Ipad mit Retina Display hat 264 ppi, das Ipad Mini 163 ppi und das Nexus 7 eine Pixeldichte von 216 ppi.

Wer sich auskennt, wird jedoch bemerken, dass Spiele und Videos nicht so scharf und detailliert dargestellt werden – und dass der Bildschirm nicht an manch anderen der Konkurrenz heranreicht. Wenn es um die normale tägliche Nutzung geht, macht das Display des Mate seine Sache aber gut.

Das Mate verzichtet auf kapazitive Buttons unterhalb des Bildschirms. Stattdessen gibt es in den Screen integrierte Kontrollen: einen “Zurück”- und einen “Home”-Button, einen für die zuletzt verwendeten Befehle sowie einen zum Aufrufen von Google Now.

Übliche Buttons findet man natürlich trotzdem, ebenso wie einige Schnittstellen. Ein schmaler Lautstärkeregler sowie der Einschalt-/Sperrknopf liegen auf der rechten Seite. Unten findet sich ein Micro-USB-Port; eine Micro-SD-Karte lässt sich auf der linken Seite einlegen, direkt unter einer 3,5-Millimeter-Klinkenbuchse für den Kopfhörer. Die Webcam in der Front löst 1,3 Megapixel auf. Auf der Rückseite ist eine 8-Megapixel-Kamera mit Blitz integriert.

Emotion UI und Navigation

Das Mate ist eines der Geräte, mit denen Huawei seine überarbeitete Benutzeroberfläche für Android namens Emotion unters Volk bringen will. In diesem Fall passt Emotion Android 4.1 Jelly Bean an. Es gibt spürbare Neuerungen sowie einige nette visuelle und funktionelle Spielereien, die von Huawei selbst stammen.

Als erstes bekommen Nutzer einen stilisierten Informationsblock zu sehen, der Wetterinformationen, Zeitanzeige, zwei Kontaktfavoriten sowie einen Audioplayer zusammenfasst. Darunter befinden sich von Huawei ausgewählte Verknüpfungen zu beliebten Apps, etwa zur Kamera. Unter dieser Reihe befinden sich wiederum statische Shortcuts zu Anwendungen wie E-Mail-Postfach und Browser.

Ansprechend: die Benutzeroberfläche (Foto: CNET).

Ansprechend: die Benutzeroberfläche (Foto: CNET).

Was fehlt, ist ein Benachrichtigungsfeld. Stattdessen geht Huawei den iOS-Weg: Man muss wischen, um die Apps zu sehen. Dabei fasst der Hersteller die Anwendungen in Ordner zusammen – etwa “Werkzeuge”, “Einstellungen” und “Google Apps”. Es lassen sich auch eigene Ordner erstellen. Unpraktisch: Frisch heruntergeladene Apps finden sich nicht auf der ersten leeren Seite wieder, sondern werden auf irgendeiner Startseite abgelegt.

Foto: CNET

Foto: CNET

Besser durchdacht sind die Hintergründe und Profile. Zwar ist auch die Standardeinstellung ganz ansprechend, aber bei 20 Optionen, aus denen man auswählen kann, haben wir uns für eine spannendere Variante entschieden. Gute Arbeit hat Huawei auch beim einfachen und visuell ansprechenden Zugriff auf Profil-Einstellungen geleistet – etwa für Meetings oder die Nutzung im Freien.

Funktionen und Einstellungen

Auf dem Ascend Mate kommt Android 4.1 Jelly Bean als Betriebssystem zum Einsatz. Es stehen GPS und WLAN, Navigation und Straßenkarten sowie alle Google-Dienste zur Verfügung. NFC ist an Bord, womit auch Android Beam genutzt werden kann. Das Mate beherrscht darüber hinaus Bluetooth 4.0. Huawei hat hier und da ein paar Software-Extras integriert. Beispielsweise wurden Tastatur und Wähltasten in Größe und Ausrichtung so angepasst, dass sie sich auch mit einer Hand noch bedienen lassen.

Schnellzugriff auch mit nur einer Hand (Foto: CNET).

Schnellzugriff auch mit nur einer Hand (Foto: CNET).

Wer möchte, kann die Navigationsleiste ausblenden oder auch die Display-Sensibilität erhöhen, sodass sich das Gerät auch mit Handschuhen bedienen lässt. Das Benachrichtigungsfeld ist ebenfalls individualisierbar.

Optional lässt sich Easy Panel – ein auf dem Bildschirm schwebender, verschiebbarer Schnellzugriff – aktivieren, der über alle Screens hinweg erhalten bleibt. Tippt man ihn an, öffnet er wahlweise Notizen, Taschenrechner, Multimedia-Albums und Messaging-Dienste.

Theoretisch ist das eine interessante Funktion. Uns stellt sich aber die Frage, wie häufig wir sie tatsächlich nutzen würden – oder ob wir die meiste Zeit damit beschäftigt wären, den Button aus dem Weg zu schieben.

Kameras und Video

Selbst ungeachtet dessen, dass es schwierig ist, das riesige Mate lang genug still zu halten, um ein passables Foto zu schießen, erfüllt die 8-Megapixel-Kamera nicht ganz die hohen Erwartungen. Zumindest gibt es aber Autofokus und Blitz, die helfen. Außerdem stehen diverse Android-Tools zur Verfügung – etwa Effekte, Voreinstellungen für Weißabgleich und diverse Aufnahmemodi.

Unser größtes Problem ist die Bildqualität. Die Kamera gibt Farben teilweise zu intensiv wieder, unterschlägt Details und überbelichtet die Fotos – wie auf den Testaufnahmen klar zu erkennen ist.

Gut gefällt die Aufnahme von Videos mit 1080p (HD). Was die Qualität hinsichtlich Fokus, Farbe, Laufruhe und Reinheit anbelangt, reicht das Mate nicht an die High-End-Ergebnisse der Konkurrenz heran. Um hin und wieder ein Video aufzunehmen, reicht die Qualität aber aus – und geht mit Sicherheit über das hinaus, was die meisten Einstiegsgeräte bieten.

Neben der 8-Megapixel-Kamera auf der Rückseite besitzt das Phablet eine 1,3-Megapixel-Webcam in der Front, die Filme mit 720p Auflösung aufzeichnen kann. Die Spezifikationen sind vielversprechend, und die Kamera macht ihre Arbeit recht gut, obwohl sie ebenfalls nicht ganz das leistet, was sie können sollte.

Bei Tageslicht gelingt eine ordentliche Farbwiedergabe wie bei diesem grünen Roller (Foto: CNET).

Bei Tageslicht gelingt eine ordentliche Farbwiedergabe wie bei diesem grünen Roller (Foto: CNET).

Die Farben werden deutlich greller wiedergeben und auch der Kontrast fällt zu hart aus (Foto: CNET).

Die Farben werden deutlich greller wiedergeben und auch der Kontrast fällt zu hart aus (Foto: CNET).

Das Bild fällt viel gelber aus, als es soll. Die Flüssigkeit ist nicht scharf und die Zitronenschale vom Blitz überstrahlt (Foto: CNET).

Das Bild fällt viel gelber aus, als es soll. Die Flüssigkeit ist nicht scharf und die Zitronenschale vom Blitz überstrahlt (Foto: CNET).

Auch diese Aufnahme wird klar erkennbar wieder von Gelb dominiert (Foto: CNET).

Auch diese Aufnahme wird klar erkennbar wieder von Gelb dominiert (Foto: CNET).

Anrufqualität

Die Anrufqualität lässt sich zwischen durchschnittlich und gut bewerten. Getestet haben wir die Kollegen ein Ascend Mate ohne SIM-Lock (GSM 850/900/1800/1900) im Netz von AT&T in San Francisco. Die Lautstärke schwankte etwas zwischen etwas zu laut und einen Tick zu leise, sodass wir uns eingehend mit dem Lautstärkeregler anfreundeten. Zwar klangen Stimmen ein wenig blasser als im wahren Leben, aber die Gespräche waren gut zu verstehen und ohne Hintergrundgeräusche. Vereinzelt tauchten Störgeräusche auf.

Stellt man das Gespräch auf Lautsprecher um, hält sich das Echo in Grenzen. Trotzdem muss man die Lautstärke nach oben drehen und versteht dennoch wenig, weil Stimmen gedämpft und etwas schrill klingen.

Leistung

Angetrieben wird das Mate von einem mit 1,5 GHz getakteten Vierkernprozessor des Typs Intel XMM6260, der sich in unseren diagnostischen Test am unteren Ende der Skala einreiht. Es erreicht beim Quadrant-Benchmark 4818 Punkte. Zum Vergleich: Das Dualcore-Gerät Pantech Perception schafft 5314 Punkte, das Galaxy S4 mit Quad-Core-CPU 11.381 Punkte und das HTC One mit Quad-Core 12.194 Punkte.

Ein solches Testergebnis bedeutet aber nicht, dass das Gerät zwangsläufig langsam ist. Apps lassen sich ohne Verzögerung öffnen, und auch die Kamera reagiert sofort.

Die US-Kollegen hatten bei den ersten Tests noch keine Gelegenheit, die Geschwindigkeit von Datenübertragungen auf dem Mate zu testen, da die SIM-Karte von AT&T, die zum Test zur Verfügung stand, keinen Zugriff auf Datendienste lieferte – und Huawei hier noch einen Fix schuldig blieb. Die Tests dazu werden entsprechend nachgeliefert.

Trotz Quad-Core-CPU kann das Ascend Mate sogar mit einigen Dual-Core-Smartphones nicht mithalten (Screenshot: CNET).

Trotz Quad-Core-CPU kann das Ascend Mate sogar mit einigen Dual-Core-Smartphones nicht mithalten (Screenshot: CNET).

Das Mate kommt mit 8 GByte internem Speicher, der sich um bis zu 32 GByte erweitern lässt. Der Arbeitsspeicher ist 2 GByte groß. Im Standby-Modus soll der – mit 4050 mAh Kapazität absolut beeindruckende – Akku neun Tage lang halten. Auch hier werden die detaillierten Messwerte noch nachgeliefert.

Vorläufiges Fazit

Zugegebenermaßen stellt das Huawei Ascend Mate keine große Überraschung mehr dar. Seine Spezifikationen – so beeindruckend sie im Januar bei der Ankündigung waren – wirken heute eher unspektakulär.

Schon allein wegen seiner Größe, der Form, des Gewichts und der der nur durchschnittlichen Kamera-Performance würden wir das Mate nicht uneingeschränkt empfehlen. Am besten gefällt uns Huaweis Emotion UI, die aber auch auf dessen anderen Geräten zu finden ist – etwa auf dem Ascend D2, dem Ascend P2 und dem Ascend P6.

Wer nach einem Phablet sucht, das mehr als 5 Zoll in der Bildschirmdiagonale misst, findet auch im Samsung Galaxy Note 2 eine attraktive Alternative. Sonst bleibt die Option, auf das im dritten Quartal verfügbare teurere Sony Xperia Z Ultra oder Samsungs nächste Galaxy-Note-Generation zu warten.

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