Nokia Lumia 1020 im Test: Windows-Phone-Smartphone mit 41-Megapixel-Kamera

Mit dem Lumia 1020 bringt Nokia ein Smartphone, das sich deutlich von der breiten Masse abhebt. Im Gegensatz zu anderen hochpreisigen Highend-Geräten legt es nicht so viel Wert auf die besten technischen Smartphone-Features, sondern konzentriert sich verstärkt auf einen anderen Bereich: die Fotografie.

Es ist die hochwertige Kamera in Verbindung mit der Nokia-eigenen Kamera-App, die dieses Windows-8-Smartphone ausmacht und mobilen Schnappschuss-Jägern das Wasser im Munde zusammenlaufen lässt. Mit dem Lumia 1020 hat Nokia das Kamera-Smartphone neu definiert: Mit seiner Kombination aus roher Bilderfassungs-Performance und den guten Nahbereichs-Fähigkeiten ist das 1020 eines der Smartphones mit dem sehr hohem künstlerischen Potenzial. Unsere amerikanischen Kollegen hatten bereits Gelegenheit das Lumia 1020 bereits ausführlich zu testen.

Würden wir unsere Kompaktkamera wegwerfen und uns stattdessen aufs Lumia 1020 verlassen? Für die Alltagsnutzung und Events am Wochenende – absolut. Das Lumia 1020 ist extrem komfortabel und macht für Smartphone-Verhältnisse exzellente Bilder, die die Qualität guter Kompaktkameras erreichen.

Aber basierend auf unseren CNET-Tests hat auch Nokia noch eine Menge zu tun, bevor ein Smartphone eine hochwertige Standalone-Kamera ersetzen kann. Auch wenn man das Lumia 1020 jederzeit für Schnappschüsse heranziehen kann – den ersten Geburtstag des Kindes würden wir trotz aller Fortschritte nicht mit dem Lumia 1020 festhalten wollen.

Wie das Samsung Galaxy S4 Zoom (16 Megapixel) ist auch das Lumia 1020 ein Nischengerät. Durchschnittliche User, die hauptsächlich mit automatischen Einstellungen fotografieren, werden keinen großen Unterschied in der Bildqualität bemerken, solange sie nicht Teilbereiche des Bildes stark vergrößern und/oder zuschneiden. Mit seinem optischen Zoom könnte sich das S4 Zoom natürlich als starker Konkurrent des Lumia 1020 erweisen. Wir sind gespannt, wie sich das Samsung-Modell schlagen wird.

Deutsche Preisvergleichsdienste listen die drei Farbvarianten (Weiß, Schwarz und Gelb) des Nokia Lumia 1020 derzeit mit Preisen ab 695 Euro; verfügbar ist es allerdings noch nirgendwo. Inklusive Vertrag beginnen die Preise für das Smartphone bei einem Euro (Vodafone), 339 Euro (O2) und 149 Euro (T-Mobile/Telekom). Der Gerätepreis selbst ist für Gelegenheitsnutzer jedenfalls ziemlich hoch. Solche User sind mit Geräten der 200-Euro-Klasse (oder noch günstiger) wahrscheinlich besser bedient, da deren hochauflösende Foto- und Videoaufnahmen für diese Nutzergruppe völlig ausreichen. Ernsthafte Fotografen werden die 2-in-1-Fähigkeiten des Lumia 1020 dagegen zu schätzen wissen.

Design und Fertigungsqualität

Im Gegensatz zum bulligen Galaxy S4 Zoom und dem knolligen Nokia 808 PureView (Nokias erster Interpretation eines 41-Megapixel-Smartphones) ist das the Lumia 1020 ein eher schlankes Gerät. Denn das Smartphone ist nur marginal dicker als die Lumia-Modelle 920 und 928, an die es optisch erinnert.

Samsung nimmt praktisch eine Kamera und erweitert sie um ein Smartphone. Nokia geht den anderen Weg und pflanzt einem Smartphone ein beeindruckendes Kameramodul ein.

Samsung nimmt praktisch eine Kamera und erweitert sie um ein Smartphone. Nokia geht den anderen Weg und pflanzt einem Smartphone ein beeindruckendes Kameramodul ein.

Abmessungen von 13,0 von 7,1 Zentimetern sind praktisch Standard und der Großteil des Gehäuses ist nur 10,4 Millimeter hoch. Lediglich am großen, etwa 4,5 Zentimeter durchmessenden Kameramodul ist das Lumia 1020 merklich dicker; hier wölbt es sich auf knapp 1,3 Zentimeter auf.

Diese Bauform bedingt, dass das Smartphone nicht flach auf der Rückseite liegen kann. Überraschenderweise ist das aber manchmal sogar regelrecht hilfreich – beispielsweise dann, wenn die Front durch die Wölbung der Rückseite so zum Benutzer hin geneigt wird, als hätte das Smartphone einen Standfuß. Auch beim längeren Tragen in der Gesäßtasche fällt es überraschenderweise kaum auf. Beim Halten stellten sich die Finger praktisch automatisch auf die rückseitige Wölbung ein, man greift das Smartphone einfach unter ihr.

Um eine so dünne Bauform bei einem Smartphone mit diesen Features zu erreichen, ist fraglos eine echte Leistung in Sachen Produktdesign. Das ist besonders dann augenfällig, wenn man das Nokia Lumia 1020 mit dem klobigen Samsung Galaxy S4 Zoom vergleicht. Letzteres ist nämlich eher wie eine Kompaktkamera geformt, an die ein Smartphone angeflanscht wurde.

Ein riesiges Kameramodul definiert das Nokia Lumia 1020.

Ein riesiges Kameramodul definiert das Nokia Lumia 1020 (Foto: CNET).

Mit einem Gewicht von 158 Gramm ist das in mattem Gelb, Weiß oder Schwarz erhältliche Lumia 1020 kräftig und robust gebaut und unbestreitbar solide. Unsere US-Kollegin, die das Lumia ausführlich getestet hat, ist schwere Taschen und Rucksäcke gewohnt, sie störte das Gewicht des Lumia 1020 nicht sonderlich. Wer aber gern leicht und beschwingt unterwegs ist, wird die solide Masse des Nokia-Smartphones sofort wahrnehmen.

Bezüglich der Schmutzempfindlichkeit wird das Lumia 1020 übrigens in allen drei Farbvarianten unter die Lupe genommen. Am weißen Modell wahren Verschmutzungen zwar – wie zu erwarten – am leichtesten zu sehen, aber sie ließen sich recht einfach wieder vom Polykarbonat der Außenhaut entfernen.

Nokias Produkt-Designer haben sich richtig angestrengt und verhindert, dass das große Kameramodul zu weit herausragt.

Nokias Produkt-Designer haben sich richtig angestrengt und verhindert, dass das große Kameramodul zu weit herausragt (Foto: CNET).

Wie schon die Smartphones der Lumia-920-Serie, integriert auch das Lumia 1020 einen 4,5-Zoll-Bildschirm mit WXGA-Auflösung (1280 x 768 Pixel) und einer Pixeldichte von 334 ppi. Das AMOLED-Display ist zudem extrem sensibel und kann auch mit Fingernägeln oder mit Handschuhen bedient werden. Gorilla Glass 3 schützt das Display vor Kratzern und Rissen – auch wenn jeder Bildschirm irgendwann nachgibt, wenn man ihr entsprechend hart oder oft genug malträtiert.

Auch die Bedienelemente ordnen sich der Lumia-Design-Philosophie unter: Länglich-rechteckige Tasten für Lautstärke, Power/Lock und Kameraauslösung sitzen an der rechten Seite, während Headset-Anschluss und microSIM-Karten-Slot auf der Oberseite zu finden sind. Die Vorderseite des Geräts zieren die Frontkamera und drei kapazitive Navigationstasten. Den Ladeanschluss im Micro-USB-Format findet man an der unteren Kante. Die Rückseite wird durch das massive Kameramodul beherrscht, zu dem auch ein weiter Xenon-Blitz, eine hauptsächlich für als Fokus-Hilfslicht verwendete LED sowie das aus sechs Linsen aufgebaute Carl-Zeiss-Objektiv gehören.

Das Lumia 1020 kann nicht flach auf dem Rücken liegen. Beim Anschauen von Videos beispielsweise kann das aber sogar ganz praktisch sein.

Das Lumia 1020 kann nicht flach auf dem Rücken liegen. Beim Anschauen von Videos beispielsweise kann das aber sogar ganz praktisch sein.

Als komplett versiegeltes Unibody-Design hat das Lumia 1020 weder einen austauschbaren Akku noch einen Slot für microSD-Speicherkarten, was vor allem begeisterte Fotografen nervös machen könnte, da so besonders bei großen Foto-Dateien Speicherengpässe zu befürchten sind.

 

Die Kamera verstehen

Das Wichtigste, was man über das Lumia 1020 wissen sollte: die 41-Megapixel-Kamera des Smartphones produziert nicht wirklich 41-Megapixel-Bilder. 1. Die ‚Pro Cam‘-App erstellt 5-Megapixel-Fotos. Zusätzlich wird von jedem Foto aber auch eine hochauflösende Version gespeichert. Wenn man Teilbereiche stark vergrößert, sehen die Fotos noch detaillierter aus. Interessante Hintergrundinformationen dazu bietet auch der Artikel unseres amerikanischen Kamera-Spezialisten Joshua Goldman.

Nokia Pro Cam ist die eigentliche Kamera-App des Lumia 1020. Man kann aber auch die native App nutzen, zu einer anderen wechseln und die gewünschte Standard-App in den Einstellungen festlegen.

Nokia Pro Cam ist die eigentliche Kamera-App des Lumia 1020. Man kann aber auch die native App nutzen, zu einer anderen wechseln und die gewünschte Standard-App in den Einstellungen festlegen.

2. Standardmäßig nimmt das Lumia 1020 Fotos mittels Nokias ‚Pro Cam‘-App auf, was man nicht mit Nokias ‚Smart Cam‘ verwechseln sollte. ‚Pro Cam‘ stellt Schieber-Kontrollen für Blitz, Belichtung, ISO und Fokus sowie andere Einstellungen bereit. Nokias ‚Pro Cam‘ ist vom Prinzip eine separate Kamera-App, die die native Kamera ersetzt. Höhere auflösende Bilder können nur mit der ‚Pro Cam‘-App aufgenommen werden.

So sieht die Auswahl von Seitenverhältnis und Auflösung in den Einstellungen von Nokias 'Pro Cam'-App aus.

So sieht die Auswahl von Seitenverhältnis und Auflösung in den Einstellungen von Nokias ‚Pro Cam‘-App aus (Foto: CNET).

Was das Ganze noch verwirrender macht: Die Größe hochauflösender Fotos hängt von den Kameraeinstellungen ab. Wählt man ein 16:9-Bildverhältnis, speichert das Gerät zusätzlich zum 5-Megapixel-Foto, das man sich schließlich anschaut und mit anderen teilen kann, auch eine 34-Megapixel-Datei ab. Im 4:3-Seitenverhältnis ist diese „verborgene“ Datei 38 Megapixel groß. Man hat diese Auswahl – oder überhaupt irgendwelche Auflösungsoptionen – nicht, wenn man die native Kamera-App nutzt.

Man kann lediglich die kleineren 5-Megapixel-Dateien direkt vom Lumia 1020 aus ins Netz hochladen oder mit anderen teilen. Wenn man auf die 34 oder 38 Megapixel großen Rohversionen der Bilder zugreifen will, muss das Smartphone an einem Computer angeschlossen sein.

In mancherlei Hinsicht sind die kreativen Einstellungen des Lumia 1020 keine große Sache; die meisten Smartphones bieten ähnliche Einstellungen, allerdings in der Regel in Untermenüs versteckt. Der große Unterschied ist, dass beim Lumia 1020 alle Kreativ-Optionen auf der höchsten Ebene der App eingeblendet werden, wodurch man viel schneller auf sie zugreifen, sie einstellen und von Aufnahme zu Aufnahme verändern kann.

Ernsthafte Fotografen werden eine Einstellung aber sofort vermissen: Man kann die Tiefenschärfe nämlich nicht manuell einstellen. Unsere Tester sind ebenfalls irritiert davon, dass die „Live Preview“ der manuellen Einstellungen, die man vor der Aufnahme auf dem Bildschirm sieht, oft vom dem eigentlichen finalen Foto abweicht.

CNET-Redakteure helfen bei der Demonstration von Nokias 'Pro Cam'-App.

CNET-Redakteure helfen bei der Demonstration von Nokias ‚Pro Cam‘-App (Foto: CNET).

Im Menü kann man auf die Frontkamera umschalten, auf die Einstellungen zugreifen und die Einführung anschauen. Im Gegensatz zum Galaxy S4 Zoom bietet das Lumia 1020 allerdings keine voreingestellten Modi für Nacht- und Sportaufnahmen oder andere gängige Szenarien. Man sollte also entweder wissen, was man tut, oder genügend Geduld mitbringen, um alle Einstellungen auszuprobieren.

Uns ist allerdings unklar, warum es keine Onscreen-Kontrollen für die Umschaltung auf die Frontkamera gibt. Das Herumwühlen im Display scheint uns ein überflüssiger Schritt zu sein. Es ist außerdem seltsam, dass es zwei Tasten zum Betrachten der Aufnahmen gibt. Eine ruft die letzte gemachte Aufnahme auf, die andere gewährt Zugriff auf die komplette Bildersammlung. Leider kann man nicht mit einem Wischer nach links die Bildersammlung aufrufen, wie das bei der nativen Kamera-App der Fall ist.

Das man für den Wechsel zur Frontkamera erst in die Einstellungen gehen muss, ist unschön. Dass andererseits das Tutorial vergleichsweise leicht zu finden und abzurufen ist, gefällt dagegen.

Das man für den Wechsel zur Frontkamera erst in die Einstellungen gehen muss, ist unschön. Dass andererseits das Tutorial vergleichsweise leicht zu finden und abzurufen ist, gefällt dagegen.

Man kann zudem auf oberflächliche Bearbeitungswerkzeuge zugreifen, wenn man sich ein Foto anschaut. Dazu gehören Drehung und ein Tool, dass das Seitenverhältnis auf 4:3, 3:2, 1:1 und 16:9 ändern kann. Wir würden uns wünschen, dass Nokia hier ein kompletteres, robusteres Set von Bearbeitungswerkzeugen implementiert hätte. Stattdessen muss man eine Bildbearbeitungs-App aufrufen, wenn man Bilder beschneiden oder anderweitig bearbeiten, reparieren und aufpolieren will. Immerhin kann man das beim Lumia 1020 ziemlich unkompliziert machen, wenn man Fotos in der Bildersammlung anschaut.

Mit Schiebereglern können Belichtung, ISO, Helligkeit und Weißabgleich unkompliziert direkt vor dem Fotografieren eingestellt werden.

Mit Schiebereglern können Belichtung, ISO, Helligkeit und Weißabgleich unkompliziert direkt vor dem Fotografieren eingestellt werden (Foto: CNET).

Anja Schmoll-Trautmann
Autor: Anja Schmoll-Trautmann
Redakteurin
Anja Schmoll-Trautmann Anja Schmoll-Trautmann Anja Schmoll-Trautmann

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