HP EliteBook Revolve 810: der kompakte Notebook-Tablet-Hybrid im Test

HPs Elitebook Revolve 810 ist eigentlich ein Notebook. Im Tablet-Modus wird das Display gedreht und auf den Korpus geklappt. Alles in allem ist das Revolve ein schickes, robustes Gerät mit guter Leistung und Fertigungsqualität, das sich in zwei Punkten aber Kritik gefallen lassen muss: Preis und Akkulaufzeit.

Schon vor vielen Jahren gab es ab und an Notebooks, die sich bei Bedarf in ein Tablet verwandeln konnten. Sie verfügten über berührungsempfindliche Bildschirme, die über ein mittig platziertes einzelnes Scharnier auf den Rücken gedreht werden konnten, und waren in der überwiegenden Mehrzahl businessorientiert. Das Problem damals war allerdings, dass dieses Konzept eigentlich nicht sonderlich viel Nutzwert bot, wenn man nicht gerade sehr spezielle Anwendungen im Einsatz hatte.

Die Zeiten haben sich geändert: Mittlerweile ist Windows 8 schon fast ein Jahr am Markt und es gibt Unmengen von Notebook-Tablet-Hybriden. HPs EliteBook Revolve 810 fühlt sich dagegen wie eine Neuinterpretation des alten, oben beschriebenen Hybrid-Designs an. Aber selbst dieses Gerät hat schon Gesellschaft; allein Lenovo bietet schon etliche ähnliche Modelle an. Beispiele wären das IdeaPad Yoga 11S, das ThinkPad Helix und das ThinkPad Twist, von denen vor allem das letztgenannte mit seinem eigenen Drehschirm-Design dem Revolve ähnelt.

Es gibt da auch ein Problem mit dem Preis: Das HP EliteBook Revolve 810 wird in unserer Testkonfiguration (Core i5-3437U, 128 GByte SSD) in HPs eigenem Shop mit einem Preis von 1769 Euro angeboten und selbst in Preisvergleichsdiensten kosten die ersten als “lagernd” gekennzeichneten Modelle mit dieser Ausstattung 1539 Euro – wahrlich kein Pappenstiel.

Denn wenn Apples neuestes Produkt günstiger ist als das eigene Gerät, hat man ein Problem. Und das Twist, das wir vorhin erwähnt haben, beginnt preislich bei 799 Euro (unsere Testkonfiguration: Core i5-3317U, 500 GByte HDD/24 GByte mSATA SSD) – ein heftiger Unterschied. Der deutlich höhere Preis des Revolve ist trotz SSD, von Gorilla Glass 2 geschütztem Touchscreen und vPro-Prozessor nur schwer zu erklären und zu schlucken.

Und schließlich gibt es das auch noch das Problem der Akkulaufzeit: Ein enttäuschender Wert von unter fünf Stunden in unserem Test-Parcours bedeutet, dass es sich deutlich unter dem aktuellen Notebookniveau bewegt.

HPs EliteBook Revolve 810 greift das Designkonzept klassischer Notebook-Tablet-Hybriden auf.

HPs EliteBook Revolve 810 greift das Designkonzept klassischer Notebook-Tablet-Hybriden auf.

Auf der CES im Januar gefiel uns das Revolve richtig gut – aber nun ist der August angebrochen. Wenn man es heute noch empfehlen wollte, müsste es eigentlich minimal einen aktualisierten Prozessor der Haswell-Generation integrieren und einen deutlich nach unten korrigierten Preispunkt vorweisen können. Stand jetzt ist es leider einfach nur ein gutes und robustes kleines Hybridgerät – alles in allem zu wenig, zu spät.

Wenn das Revolve es aber in die Auswahl von mobilen Office-Rechner eures Büros schaffen sollte, wird es euch dennoch nicht enttäuschen – denn es fühlt sich rundum richtig gut an. Man würde sich primär nur wünschen, dass es mehr Akkulaufzeit hätte.

HP EliteBook Revolve 810 Lenovo ThinkPad Helix Sony Vaio Pro 11 Lenovo IdeaPad Yoga 11S
Marktpreis (lagernd): ab 1539 Euro 1515 Euro (direkt beim Hersteller) ab 1057 Euro ab 899 Euro
Display: 11,6 Zoll, 1366 x 768 Pixel, Touchscreen 11,6 Zoll, 1920 x 1080 Pixel, Touchscreen 11,6 Zoll, 1920 x 1080 Pixel, Touchscreen 11,6 Zoll, 1366 x 768 Pixel, Touchscreen
Prozessor: Intel Core i5-3437U, 1,9 GHz Intel Core i5-3427U, 1,8 GHz Intel Core i5-4200U, 1,6 GHz Intel Core i5-3339Y, 1,5 GHz
Arbeitsspeicher: 4 GByte, DDR3, 1600 MHz 4 GByte, DDR3, 1600 MHz 4 GByte, DDR3, 1600 MHz 8 GByte, DDR3, 1600 MHz
Grafik: Intel HD Graphics 4000, 32 MByte dediziert Intel HD Graphics 4000, 32 MByte dediziert Intel HD Graphics 4400, 1748 MByte shared Intel HD Graphics 4000, 32 MByte dediziert
Festspeicher: SSD, 128 GByte SSD, 128 GByte SSD, 128 GByte SSD, 256 GByte
Opt. Laufwerk: - - - -
Netzwerk: WLAN (802.11b/g/n), Bluetooth 4.0 WLAN (802.11b/g/n), Bluetooth 4.0 WLAN (802.11b/g/n), Bluetooth 4.0 WLAN (802.11b/g/n), Bluetooth 4.0
Betriebssystem: Windows 8 Pro (64 Bit) Windows 8 (64 Bit) Windows 8 (64 Bit) Windows 8 (64 Bit)

Design

Wir erinnern uns gern an das HP Folio 13: Es war ein kompaktes Business-Notebook, das sich extrem stabil anfühlte und dennoch als überraschend komfortabel erwies. Das EliteBook Revolve 810 ist keine Wiedergeburt des Folio, aber vermittelt trotz seines kleineren 11,6-Zoll-Formfaktor ein vergleichbares Gefühl.

Das Revolve verwandelt sich zudem von einem Notebook in ein echtes Multitouch-Tablet und trotzt damit dem Trend der meisten Hybridgeräte, die eher Tablets sind und durch separate Notebooks zu Laptop-Äquivalenten werden. Das HP ElitePad 900 ist ein Beispiel für ein Atom-basiertes Tablet mit Notebook-ähnlichen Extra.

Das EliteBook Revolve 810 ist dagegen ein teureres, leistungsfähigeres Gerät auf Ultrabook-Niveau, das auf Augenhöhe mit dem Surface Pro und vielen anderen Geräten wie Lenovos IdeaPad Yoga 11S und den ThinkPad-Modellen Twist und Helix konkurriert.

Das Revolve kann jedenfalls problemlos als – wenn auch etwas massiges – Tablet genutzt werden und fühlt sich rundherum gut an. Aber gut ist hier auch das passende Wort. Nicht erstaunlich, irre oder super-sexy, sondern gut. Das Gerät sieht halt immer noch wie etwas aus, was man auf Arbeit von der IT-Abteilung ausgehändigt bekommen würde. Aber immerhin sieht der aufgeräumte, industrielle Look gar nicht mal so verkehrt aus.

Das 11,6-Zoll-Gerät ist für eine derart kleines Gerät ziemlich hoch geraten – die Bauhöhe liegt bei etwa zwei Zentimetern.

Das 11,6-Zoll-Gerät ist für eine derart kleines Gerät ziemlich hoch geraten – die Bauhöhe liegt bei etwa zwei Zentimetern.

Die Außenhaut des Gerätes besteht aus einer Magnesiumlegierung mit Soft-Touch-Oberflächen, die laut Hersteller ziemlich robust sein soll: HP hat das Gerät Vibrations-, Fall-, Staub- und Temperaturtests ausgesetzt. Dennoch ist es kein klassisches Rugged-Gerät im Stil von Panasonics Toughbooks und wird auch nicht als solches beworben. Wir haben die Stabilität des Geräts zwar nicht explizit getestet, aber in der alltäglichen Handhabung fühlt es sich robuster und solider an die die meisten anderen Notebooks.

Seinem Namen getreu verfügt das Revolve über einen Bildschirm, der an einem einzelnen zentralen Scharnier befestigt ist. Dadurch kann das Display um 180 Grad gedreht und dann wieder auf den Kropus des Geräts geklappt werden, was das Revolve in ein Tablet verwandelt. Wie bereits beschrieben ist dies keine neues Idee; viele Hybrid-Geräte aus der Prä-Windows-8-Ära folgten diesem Design-Prinzip.

Die ganze Konstruktion ist zwar etwas komplexer als beispielsweise die des IdeaPad Yoga, dessen Display man einfach komplett an die Unterseite es Geräts klappt, bietet aber auch mehr Flexibilität, da man den Bildschirm leicht an praktisch jede Situation anpassen kann. So kann man zum Beispiel auf die Schnelle Kollegen oder einem Geschäftspartner etwas zeigen, indem man das Display dreht, oder einen Film anschauen, ohne dass dabei das Keyboard im Weg ist.

Der Displaydeckel öffnet sich leicht und flüssig und das angenehm feste Scharnier hält den Bildschirm in der Regel gut in der gewünschten Position. Nur wenn man die Basis des Gerätes ruckartig hin und her schiebt, kommt auch beim Display Bewegung rein.

Obwohl das Revolve so klein ist, kann man dank des durchdachten Designs ganz gut auf der hintergrundbeleuchteten Tastatur tippen.

Obwohl das Revolve so klein ist, kann man dank des durchdachten Designs ganz gut auf der hintergrundbeleuchteten Tastatur tippen.

Das das Revolve ein an sich kleines Gerät ist (Stichwort 11,6-Zoll-Display), fallen auch die Handgelenksauflage und die Touchpad-Zone entsprechend kleiner aus als bei einem Gerät normaler Größe. Dennoch ist die Benutzung des klickbaren Touchpads vergleichsweise angenehm. Beim hintergrundbeleuchteten Keyboard wurde dagegen kaum Abstriche gemacht: Die soliden, quadratischen Tasten sind zwar recht eng Kante an Kante positioniert, aber gleichzeitig auch nicht unnötig dicht zusammengedrängt.

Auch dank des Verzicht auf irgendwelche Extra-Tasten und wegen des Tastenanschlags, der tiefer und besser als bei vielen Ultrabooks ist, lässt sich die Tastatur so immer noch sehr gut nutzen. Die eingeschränkt wasserfeste Tastatur verfügt zudem über kleine Kanäle am Boden, über die verschüttete Flüssigkeiten abgeführt werden können – sehr schön.

Vorn schließt der Displaydeckel glatt ab, hinten steht der Korpus rund einen Zentimeter über – im Profil ein wenig ansehnlicher "Unterbiss".

Vorn schließt der Displaydeckel glatt ab, hinten steht der Korpus rund einen Zentimeter über – im Profil ein wenig ansehnlicher “Unterbiss”.

Das Revolve hat ein im Sinne des Wortes griffiges Design und punktet auch mit seinem recht niedrigen Gewicht. Mit knapp 1,4 Kilogramm ist es leichter als Lenovos ThinkPad-Modelle Helix 11 und Twist und genauso schwer wie das Lenovo IdeaPad Yoga 11S, aber schwerer als das 11-Zoll-MacBook-Air von Apple und das Microsoft Surface Pro. Mit einer Bauhöhe von rund zwei Zentimetern ist es zudem überraschend dick.

Der Deckel schließt zwar mit der Front des Revolve glatt ab, endet aber bereits einen guten Zentimeter vor der hinteren Gehäusekante. Diese kleine Lippe erinnert an Dells Designs der älteren Inspiron-Notebooks – und dieser Unterbiss ist einfach nicht sonderlich attraktiv.

Das Touchscreen-Display hat schöne Blickwinkel und lässt sich gut ablesen, löst aber nicht so fein auf wie die Touchscreens vieler Konkurrenten.

Das Touchscreen-Display hat schöne Blickwinkel und lässt sich gut ablesen, löst aber nicht so fein auf wie die Touchscreens vieler Konkurrenten.

Das 11,6 Zoll große und von Gorilla Glass 2 bedeckte Touchscreen-Display fühlt sich großartig an, sieht scharf aus und bietet hervorragende Blickwinkel, löst aber nur 1366 mal 768 Pixel auf. Im Alltag fällt das bei einem derart kleinen Display vielleicht nicht wirklich ins Gewicht, aber man sollte nicht vergessen, dass andere Notebooks der 11-Zoll-Klasse wie das Sony Vaio Pro 11 und das ThinkPad Helix (und sogar das 10-zöllige Surface Pro) allesamt Full-HD-Auflösungen von 1920 mal 1080 Bildpunkten offerieren – und das für teilweise deutlich weniger Geld.

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