Facebook, Google, Yahoo & Microsoft: NSA späht täglich schätzungsweise 500.000 Adress- und Chat-Listen aus

Der US-Auslandsgeheimdienst National Security Agency speichert offenbar täglich auch Adressbücher von E-Mail- und Instant-Messaging-Konten weltweit. Die NSA fängt sie bei der Übertragung zwischen Nutzer und Anbieter ab.

Das geht laut Washington Post aus Unterlagen des PRISM-Informanten Edward Snowden hervor. Demnach fängt die NSA die Daten ab, wenn sie von einem Internetdienst beispielsweise bei der Anmeldung eines Nutzers oder beim Synchronisieren von Geräten übertragen werden.

(Bild: James Martin/CNET)

(Bild: James Martin/CNET)

Dem Bericht zufolge werden die Adressbücher analysiert, um Verbindungen zwischen ausländischen Zielen des Geheimdiensts aufzuzeigen. Aus einer internen Präsentation geht demnach hervor, dass die NSA täglich schätzungsweise 500.000 Adresslisten von Chat- und webbasierten E-Mail-Diensten abfängt.

An einem einzigen Tag im vergangenen Jahr habe die NSA 444.743 E-Mail-Adressbücher von Yahoo, 105.068 von Hotmail, 82.857 von Facebook, 33.697 von Gmail und 22.881 von nicht näher genannten anderen Anbietern eingesammelt, heißt es in dem Bericht. Die Zahlen würden in dem Dokument als eine typische tägliche Ausbeute eingestuft, was laut Washington Post mehr als 250 Millionen ausgespähten Adressbüchern pro Jahr entspricht.

Bei der Speicherung der Adressbücher, die nur außerhalb der USA stattfinde, sei die NSA auf Vereinbarungen mit Telekommunikationsfirmen und ausländischen Geheimdiensten angewiesen, die Zugriff auf wichtige Internetleitungen hätten. Die NSA sei zwar nicht autorisiert, entsprechende Daten auch in den USA abzufangen, Vertreter des Geheimdiensts hätten aber erklärt, dass oft auch Adressbücher von US-Bürgern betroffen seien.

Einer Stellungnahme der NSA zufolge werden die Daten zum Kampf gegen Terroristen, Menschenhändler und Drogenschmuggler eingesetzt. „Wir sind an persönlichen Daten normaler Amerikaner nicht interessiert.“ Zudem halte sich die NSA an die rechtlichen Vorgaben.

Da die Daten nicht von den Servern der Anbieter stammen, sondern während der Übertragung abgefangen werden, ist die NSA bei ihrer Datensammlung auch nicht auf die Unterstützung von Internetfirmen wie Google oder Facebook angewiesen. „Wir haben weder Kenntnis, noch unterstützten wir die massenhafte Sammlung von Nutzerdaten durch die Regierung“, sagte ein Google-Sprecher. Ähnlich äußerten sich auch Vertreter von Yahoo und Microsoft.

Facebook nutzte die jüngsten Enthüllungen, um erneut mehr Transparenz einzufordern. „Wie wir schon mehrfach gesagt haben, glauben wir, dass Regierungen die wichtige Verantwortung haben, ihre Bürger zu schützen, und dass es möglich ist, dabei transparent zu sein“, erklärte ein Sprecher des Social Network. Facebook werde sich weiterhin für mehr Offenheit einsetzen.

[mit Material von Stefan Beiersmann, ZDNet.de]

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Anja Schmoll-Trautmann
Autor: Anja Schmoll-Trautmann
Redakteurin
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Neueste Kommentare 

2 Kommentare zu Facebook, Google, Yahoo & Microsoft: NSA späht täglich schätzungsweise 500.000 Adress- und Chat-Listen aus

  • Am 15. Oktober 2013 um 18:36 von Gabi Heide

    Man hat über die Stasi gemeckert(ich komme aus der ehemaligen DDR)aber jtzt ist es auch nicht besser

    • Am 18. Oktober 2013 um 21:36 von Paul aus Hanau

      … und wer oder was ist besser? Machts die NSA nicht, machens demnächst die Islamisten oder die Pseudokommunisten. Vor der Stasi haben wirs auch verstanden, uns erfolgreich zu verbergen oder zu verstellen. Also mal genau überlegen, ob es sinnvoll ist, sich mit allem online zu offenbaren. Etwas Mut, sich auf das Notwendigste aus dem www zu beschränken, mal mit gedruckter Fachliteratur arbeiten, mal wieder eine schöne Geburtstagskarte schreiben aber nicht den gesamten Adressbestand zu google und Co. hochladen – telefonieren geht auch mit einem normalen Handy. Wer nur meckert, hat vergessen, dass es so einfach und genial zugleich geworden ist, alle – fast alle Informationen online zu erhalten. Und stellt Euch mal vor, nur die politischen Extremisten und pfiffigen Krimminellen würden die uneingeschränkten Online-Möglichkeiten erkannt haben, besser nicht daran denken!
      Also, jeder muss für sich entscheiden, wieviel er preisgibt. Und dann bitte schön können wir uns gemeinsam Gedanken machen, wie es weiter gehen soll und kann. Ja, vielleicht wird es einmal eine politische Partei, eine Gruppierung mit dem erforderlichen Sachverstand und notwendigen Weitblick geben, die uns gangbare Wege aufzeichnet. In jedem Fall wird es nur eine Kompromisslösung werden, denn wo auf diesem Planeten hat es schon einmal eine für jedes Individium 100%-ige akzeptable Entscheidung gegeben? Ist mir noch nicht bekannt.
      Fazit: Ranklotzen, mitmachen und nicht meckern.

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