Casio EX-ZR800 im Test: intelligente Digicam mit Spaßfaktor

Casios Flaggschiff aus der Exilim-Reihe glänzt mit feiner Technik und enormer Funktionsvielfalt. Es ist eine Art Mini-Computer mit Foto-Funktion. Ob die Casio am Ende tatsächlich genau so gute Bilder wie die Konkurrenten von Nikon und Co. macht, wird sich zeigen.

Der Name Casio löst bei Hobbyfotografen, die auf die großen Marken Canon, Nikon oder Olympus fixiert sind, gelegentlich ein herablassendes Schmunzeln aus. „Casio, das sind doch die mit den Taschenrechnern?“, heißt es dann. Dabei hat sich der japanische Hightech-Hersteller gerade mit den Modellen der Exilim-Reihe einen guten Ruf erarbeitet. Die Casios sind seit Jahren bekannt für ihre Schnelligkeit beim Auslösen.

Legt man den üblichen Maßstab des Schnappschuss- und Hobbyfotografen an, ist auch sonst am technischen Niveau und an der Bildqualität der Exilim-Kameras nichts auszusetzen.

Die neue Casio EX-ZR800 ist das neue Flaggschiff der Exilim-Reihe. Mit einem Listenpreis von 399 Euro ist sie nicht billig, dafür glänzt sie mit einigen technischen Highlights wie Superzeitlupe, 5-Achsen-Bildstabilisator sowie vielen weiteren Features und Einstellmöglichkeiten. Schon das PDF-Handbuch hat 199 Seiten, ein Zeichen dafür, dass die Casio EX-ZR800 tatsächlich eine Menge zu bieten hat.

Das 18fach-Zoomobjektiv der Casio EX-ZR800 bewältigt eine Brennweite von 25 - bis 450 Millimeter.(Foto: Mehmet Toprak)

Das 18fach-Zoomobjektiv der Casio EX-ZR800 bewältigt eine Brennweite von 25  bis 450 Millimeter(Foto: Mehmet Toprak).

Design und Verarbeitung

Den technischen Ehrgeiz sieht man der Exilim nach dem Auspacken nicht sofort an. Das angenehm dezente Design der Kamera ist nicht dazu gedacht, Technik-Freaks zu begeistern, es vermittelt vielmehr funktionelle Eleganz mit einem Hauch Noblesse. Das gilt vor allem für das Modell in Weiß, daneben gibt es eine Variante in Schwarz.

An Haptik und Verarbeitung ist nichts auszusetzen, durch die aufgeraute Kunststoff-Wulst an der rechten Seite liegt die Kamera gut in der Hand. Knöpfe, Auslöser, Zoomhebel und das zentrale Steuerrad sind alle so platziert, dass man sie gut erreichen kann.

Elegant und effizient: Besonders gut gelungen ist die Bedienung der Casio EX-ZR800. (Foto: Mehmet Toprak)

Elegant und effizient: Besonders gut gelungen ist die Bedienung der Casio EX-ZR800 (Foto: Mehmet Toprak).

Der Sensor liefert 16 Megapixel und entspricht mit 1:2,3 Zoll den in der Kompaktklasse ab 250 Euro üblichen Abmessungen. Das Objektiv hat eine maximale Lichtstärke von 3,5. Nicht besonders lichtstark, aber auch das entspricht dem Klassendurchschnitt. Bei solchen Kompaktkameras, die das Objektiv als ausfahrbaren Tubus im Gehäuse integrieren, sind größere Linsenquerschnitte einfach nicht realisierbar.

Beachtlich ist der Brennweitenbereich von 4,5 bis 81 Millimeter (18fach-Zoom). Auf Kleinbild übertragen entspricht das einer Brennweite von 25 bis 450 Millimeter, also echtem Weitwinkel bis fast Supertele.

Wer´s bunt mag: Wie bei allen Hobbydigicams kommen Farben satt und leuchtend (5 mm - 3,7 - 1/160 - ISO 80). (Foto: Mehmet Toprak)

Wer´s bunt mag: Wie bei allen Hobbydigicams kommen Farben satt und leuchtend (5 mm – 3,7 – 1/160 – ISO 80). (Foto: Mehmet Toprak)

Die Basisfunktionen

Der Bildprozessor Exilim Engine HS 3 sorgt Casio-typisch nach dem Einschalten und Ausfahren des Objektivs für Schnelligkeit bei Autofokus und Auslösung.

Die ZR800 ist zunächst einmal mit allen Funktionen und Features ausgerüstet, die in der Preisklasse um 300 Euro gängig sind. Dazu gehören klassische Programmautomatik, intelligente Programmautomatik („Premium Auto Pro“), normale Programmautomatik, Szenen-Modus („Best Shot“) und Effektfilter und diverse Modi mit manuellen Einstellmöglichkeiten.
Derlei Funktionen kennt man auch von anderen Digicams. Casio hat diese jedoch nicht nur sinnvoll umgesetzt, sondern erlaubt dem Fotografen auch zusätzliche Einstellmöglichkeiten. Die Stärke der Effektfilter lässt sich beispielsweise individuell verstellen.

Die intelligente Programmautomatik bewältigt auch Gegenlichtmotive (4 mm - 3,5 - 1/800 - ISO 80). (Foto: Mehmet Toprak)

Die intelligente Programmautomatik bewältigt auch Gegenlichtmotive (4 mm – 3,5 – 1/800 – ISO 80) (Foto: Mehmet Toprak).

Ein Beispiel ist der Portraitmodus. Anders als bei anderen Digicams, die bei Portraits die Haut des Porträtierten oft übertrieben glatt wirken lassen, kann man bei der Casio in der Option „Make-up Stufe“ festlegen, mit welcher Intensität die digitale Schönheitsoperation durchgeführt werden soll.

Viele individuelle Einstellmöglichkeiten

Viele der Funktionen sind keineswegs nur Gimmicks. So ermöglicht die Casio neben den Automatik-Modi auch Blendenvorwahl, Zeitvorwahl und sogar einen komplett manuellen Modus. Eine manuelle Korrektur der Belichtung ist ebenfalls möglich.

Auch bei der Fokusmethode stellt die Exilim verschiedene Möglichkeiten zur Auswahl. Man kann den Fokus speichern, Schärfenachführung bei bewegten Motiven aktivieren, die Schärfe manuell einstellen, auf unendlich stellen oder im Makromodus auf ganz nahe Objekte fixieren. Ganz wie bei hochwertigen Digicams oder Spiegelreflexkameras kann man auch festlegen, wie die Kamera die Schärfe messen soll: Es gibt eine Multizonen-Messung, eine mittenbetonte und eine Spotmessung.

Die intelligente Programmautomatik reagiert relativ empfindlich auf winzige Veränderungen. Dasselbe Motiv unmittebar hintereinander aufgenommen, zeigt völlig unterschiedliche Helligkeitswerte. Bild links hell: 11 mm - 5 - 1/160 - ISO 80. Bild rechts dunkel: 11 mm - 9,9 - 1/125 - ISO 80 (Fotos: Mehmet Toprak)

Die intelligente Programmautomatik reagiert relativ empfindlich auf winzige Veränderungen. Dasselbe Motiv unmittebar hintereinander aufgenommen, zeigt völlig unterschiedliche Helligkeitswerte. Bild links hell: 11 mm – 5 – 1/160 – ISO 80. Bild rechts dunkel: 11 mm – 9,9 – 1/125 – ISO 80 (Fotos: Mehmet Toprak).

Technische Highlights

Darüberhinaus bietet die Digicam noch einige technische Schmankerl, die man der dezent auftretenden Digicam gar nicht zugetraut hätte. Sie macht HDR-Aufnahmen (HDR, High Dynamic Range), produziert Zeitrafferfilme und besitzt nicht zuletzt eine ausgeklügelte Zeitlupenfunktion („High Speed“). Serienbilder sind mit einer Rate von bis zu 30 Bildern pro Sekunde möglich. Gar nicht schlecht ist auch die Idee, Fotos, die mit dem Effektfilter „HDR Art“ geknipst wurden, zusätzlich als unbearbeitete Normal-Fotos abzuspeichern.

Doch das ist noch nicht alles: Ein 5-Achsen-Bildstabilisator soll Verwacklungen reduzieren. Zusätzlich gibt es die Funktion „HS Antishake“. Dabei nimmt die Kamera mehrere Bilder auf und baut diese so zu einem Foto zusammen, das möglichst wenig Verwacklungsunschärfen zeigt. Sogar Bilder im RAW-Format beherrscht die Casio. Kurz: Die Casio ist vollgepackt mit allem, was Hobbyfotografen Spaß macht.

Gute Bildqualität

Wer sich nach ein paar Stunden Fotoexkursion an den PC setzt und dort am großen Monitor den ersten Schwung Fotos sichtet, wird keine Enttäuschung erleben. Die Bildqualität ist fast immer gut. Natürlich bietet die Exilim nicht die ausgeglichenen Farben, den Detailreichtum und die feinen Kontraste einer hochwertigen Kompaktkamera wie der Olympus Pen oder auch einer Spiegelreflexkamera mit APS-C-Sensor. Dennoch ist die Bildqualität in Ordnung. Weder im extremen Tele- noch im extremen Weitwinkelbereich sind die Verzerrungen auffällig. Abhängig vom eingestellten Programm-Modus wirken die Farben natürlich, die Bilder detailscharf. Verblüffend gut ist übrigens die Bildqualität bei maximaler Telebrennweite.

Zu viel des Guten: Abendstimmung am Meer. Mit Best-Shot-Modus (links) wirkt das Bild ein bisschen zu bunt (9 mm - 4,7 - 1/8 - ISO 800). Das rechte Bild ohne Effektfilter ist da schon realistischer (9 mm - 4,7 - 1/4 - ISO 400). (Fotos: Mehmet Toprak)

Zu viel des Guten: Abendstimmung am Meer. Mit Best-Shot-Modus (links) wirkt das Bild ein bisschen zu bunt (9 mm – 4,7 – 1/8 – ISO 800). Das rechte Bild ohne Effektfilter ist da schon realistischer (9 mm – 4,7 – 1/4 – ISO 400) (Fotos: Mehmet Toprak).

Dabei sollte man nicht vergessen, dass die Casio zu den Digicams gehört, bei denen vor allem das Fotografieren selbst Spaß machen soll. Da werden die Fotos auch mal nur auf dem Digicam-Display gezeigt. Anwender, die das Hauptaugenmerk auf die anspruchsvolle Bildbearbeitung am PC legen, sollten lieber eine Kompaktkamera wie die Nikon Coolpix A, eine hochwertige Systemkamera wie die Sony NEX oder eine Spiegelreflexkamera nehmen.

Bedienkonzept und Display

Bei der Vielzahl an Funktionen und Einstellungen ist zu befürchten, dass der Anwender sich leicht im Wirrwarr von Menüs und Optionen verliert. Nicht so bei der Exilim. Das Menü ist äußerst übersichtlich aufgebaut, man findet sich schnell zurecht. Erwähnt seien dieser Stelle auch, dass das PDF-Handbuch durchgehend in gutem Deutsch und verständlich geschrieben ist. Da hat man schon Schlechteres gelesen.

Besonders gut gefallen die schnellen und direkten Einstellmöglichkeiten nach dem Druck auf die zentrale SET-Taste. Dann erscheinen im Display links die für den jeweiligen Programm-Modus aktiven Funktionen. Der Anwender navigiert über das Steuerrad, das die SET-Taste umgibt zur gewünschten Funktion, also beispielsweise zur Belichtungskorrektur. Dann erscheint rechts ein kleiner Kreis, auf dem man wiederum über das Steuerrad die richtige Einstellung wählt. Das ist auch optisch sehr elegant gelöst.

Zum gelungenen Bedienkonzept gehört auch, dass das mit 921.000 Bildpunkte sehr hochauflösende 3-Zoll-Display (7,6 Zentimeter) detaillierte und umfangreiche Infos über die momentane Konfiguration gibt. Wie bei Digicams üblich kann der Anwender die Infos aber auch komplett ausblenden.

Im Makromodus geht die Casio bis zu einer Entfernung von vier Zentimetern ran (9 mm -  4,7 - 1/500 - ISO 80). (Foto: Mehmet Toprak)

Im Makromodus geht die Casio bis zu einer Entfernung von vier Zentimetern ran (9 mm – 4,7 – 1/500 – ISO 80). (Foto: Mehmet Toprak).

Videos mit Schärfenachführung

Videoaufnahmen werden gestartet, in dem man die griffgünstig gelegene rote Taste auf der Rückseite der Kamera betätigt. Die Videoclips sind maximal 29 Minuten lang und werden als MOV-Datei (H.264) gespeichert. Aufgenommen wird mit 30 Bildern pro Sekunde, wahlweise in Full HD (1920 × 1080), ansonsten in HD (1280 × 720) oder VGA (640 × 480). Der Autofokus arbeitet während der Videoaufnahme mit Schärfennachführung, der Zoom lässt sich ebenfalls betätigen.
Die Anwendung von Effektfiltern bei Videos ist ebenfalls möglich. Das ist keine Selbstverständlichkeit, da dies der Elektronik einiges abverlangt. Aber hier zeigt sich auch die Leistungsfähigkeit des schnellen Bildprozessors.

Kompromisse bei Zeitlupe

Ein auf den ersten Blick starkes Feature ist die Zeitlupe. Sie bietet nämlich einen Modus mit sage und schreibe 1000 Bildern pro Sekunde (fps, Frames per Second). Daneben sind 480, 240 oder 120 fps einstellbar. Und dies ohne Zeitbegrenzung. Beim genaueren Blick ins Datenblatt und spätestens bei den ersten Aufnahmen wird jedoch deutlich, wo die Grenzen der Technik liegen. Das Bildformat wird von 16:9 auf 4:3 umgestellt und die Auflösung stark reduziert. Spätestens bei 240 fps macht sich die auf 512 x 384 Pixel reduzierte Auflösung unangenehm deutlich bemerkbar. Noch extremer ist das bei 480 fps, da schafft die Kamera nur 224 x 160 Pixel. Das ist schon arg pixelig.

Bei 1000 fps schrumpft das ganze Bild auf einen schmalen Streifen mit 224 x 64 Pixel zusammen. Die Ergebnisse sind bei extrem schnell bewegten Motiven interessant, aber eigentlich nur in Ausnahmefällen wirklich brauchbar.

So wird der Anwender zumeist nur die Variante mit 120 fps nutzen, da ist immerhin VGA-Auflösung (640 x 480) möglich. Alle Zeitlupen-Modi müssen übrigens ohne Ton auskommen. Hilfreich wäre auch ein Modus mit 60 fps. Dann könnte man den Videoclip in Schnittprogramm am PC verlangsamen und so eine moderate Zeitlupe herstellen. Doch die Casio filmt mit maximal 30 Bildern.

Eine praktische Detaillösung ist wiederum, dass man mitten im Video per Tastendruck auf Zeitlupe umschalten (120 oder 240 fps) kann.

Ausgeglichene Schärfe und wenig Verzerrungen zeigt die Casio EX-ZR800 in der maximalen Weitwinkelstellung mit 25 Millimetern. Das Detail im roten Rechteck ist im nächsten Foto in der maximalen Telebrennweite zu sehen (4 mm - 3,6 - 1/1000 - ISO 80). (Foto: Mehmet Toprak)

Ausgeglichene Schärfe und wenig Verzerrungen zeigt die Casio EX-ZR800 in der maximalen Weitwinkelstellung mit 25 Millimetern. Das Detail im roten Rechteck ist im nächsten Foto in der maximalen Telebrennweite zu sehen (4 mm – 3,6 – 1/1000 – ISO 80) (Foto: Mehmet Toprak).

 

Superzoom: Diese Aufnahme wurde mit maximaler Telebrennweite von 450 Millimeter gemacht. Die Bildqualität ist erstaunlich gut (81 mm - 5,9 - 1/500 - ISO 80). (Foto: Mehmet Toprak)

Superzoom: Diese Aufnahme wurde mit maximaler Telebrennweite von 450 Millimeter gemacht. Die Bildqualität ist erstaunlich gut (81 mm – 5,9 – 1/500 – ISO 80) (Foto: Mehmet Toprak).

Guter Akku, aber kein eigenes Ladegerät

Die Akkulaufzeit entspricht dem technisch soliden Niveau der Kamera. Auch wer viel mit Optionen herumspielt und die Fotos ausführlich am Display betrachtet, bekommt den Lithium-Ionen-Akku nicht so schnell leer. Eine Akkuladung reicht jedenfalls locker für ein paar hundert Aufnahmen. Aufgeladen wird der Akku direkt in der Kamera über einen USB-Ladeadapter. Ein eigenes Ladegerät legt Casio trotz des stattlichen Preises von fast 400 Euro nicht bei.

Zum Schluss noch ein prinzipieller Kritikpunkt. Angesichts der Vielzahlt an Funktionen und Einstellmöglichkeiten fragt man sich schon, ob Verarbeitung und Mechanik des ausfahrbaren Objektivs so gut sind, dass sie einer intensiven Nutzung auf Dauer standhalten. Böse könnte man auch sagen: Bis man alle Funktionen durchprobiert hat, ist die Mechanik verschlissen. Auf jeden Fall ist eine pflegliche Behandlung anzuraten.

Engagierte Fotografen könnten sich die Komponenten der ZR800 wie den vorzüglichen Bildprozessor, die hocheffiziente Bedienung und die cleveren Features ohne weiteres auch in einer Systemkamera mit Festbrennweite vorstellen.

Fazit: Eleganter Hightech-Zwerg

Die Casio EX-ZR800 ist sicher nichts für Profifotografen und Photoshop-Künstler, aber als intelligente Freizeitkamera ist sie unschlagbar. Sie ist ideal für Hobbyfotografen, die vielleicht eine Spiegelreflexkameras für 600 Euro besitzen und zusätzlich eine kompakte Immer-dabei-Kamera mit anspruchsvoller Technik und vielen Einstellmöglichkeiten suchen – eine Digicam, die Spaß macht. Die unverbindliche Preisempfehlung ist mit 399 Euro recht hoch angesetzt, der Straßenpreis liegt aber bereits bei unter 350 Euro.

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