Olympus OM-D E-M1: das Technik-Biest für Profis im Praxistest

Die Systemkamera OM-D E-M1 lehrt anspruchsvollen Spiegelreflexkameras das Fürchten. Ein rasend schneller Autofokus, ein Top-Bildprozessor und unzählige Optionen machen sie zur Traumkamera für technikaffine Fotografen. Der CNET-Test zeigt, was die Olympus kann – und wer die Finger davon lassen sollte.

Es gibt Kameras, die jedem Hobbyfotografen sofort ein anerkennendes Murmeln entlocken. Nikons große Spiegelreflexkameras gehören ebenso dazu wie die Vollformat-Spiegelreflexkamera von Canon.

Ab sofort gehört auch die neue Olympus OM-D E-M1 in diesen exklusiven Club. Wer bei dieser Fotomaschine keine leuchtende Augen bekommt, ist kein Technik-Fan. Das tiefschwarze Magnesiumgehäuse, die grob geriffelten Einstellräder, das wuchtige Design, die präzise verarbeiteten Tasten und Knöpfe, schon diese Äußerlichkeiten signalisieren, dass die OM-D E-M1 eine Kamera für technisch begabte Fotografen ist.

Die OM-D E-M1 – hier mit zusätzlichem Power-Akkuhalter – gehört zu den besten Digicams für erfahrene Hobbyfotografen. (Foto: Mehmet Toprak)

Die OM-D E-M1 – hier mit zusätzlichem Power-Akkuhalter – gehört zu den besten Digicams für erfahrene Hobbyfotografen. (Foto: Mehmet Toprak)

Womit auch schon gesagt ist, wer mit der Olympus nicht glücklich wird. Hobbyfotografen, die zwar auf gute Bildqualität Wert legen, aber kein gesteigertes Interesse an Technikdetails haben, sind mit dieser komplexen Fotomaschine überfordert.

Kleiner als Spiegelreflexkameras
Die Kamera ist von den Abmessungen her wesentlich zierlicher als die Produktfotos glauben machen. Sie ist jedenfalls deutlich kleiner als eine digitale Spiegelreflexkamera (DSLR). Die Olympus ist aber auch gar keine DSLR, sondern eine Systemkamera nach dem Standard Micro Four Thirds. Das ist jener Technikstandard, den Olympus und Panasonic gemeinsam entwickelt haben, und der den Bau hochwertiger Kameras mit Wechselobjektiv, aber ohne Schwingspiegel ermöglicht.

Schöner Bolide: Die OM-D E-M1 gehört bei Autofokus und Belichtung zu den schnellsten Digicams. (Foto: Mehmet Toprak)

Schöner Bolide: Die OM-D E-M1 gehört bei Autofokus und Belichtung zu den schnellsten Digicams. (Foto: Olympus)

 

Dementsprechend ist auch der Sensor mit 4/3-Zoll kleiner als bei einer Vollformatkamera. Womit gleich die erste kleine Einschränkung deutlich wird. Mit Auflösung und Schärfe einer sehr guten Vollformatkamera kann die E-M1 doch nicht ganz mithalten, trotz der ansehnlichen 16,3 Megapixel. Sie ist also keine ausgewachsene Profikamera, sondern eine State-of-the-Art-Kamera für sehr engagierte Hobbyfotografen und Technik-Tüftler. Dazu passen dann auch die hochwertigen Wechselobjektive aus Olympus` M.Zuiko-Serie.

Rasanter Autofokus
Wer sich gleich zu Anfang vom Potenzial der E-M1 überzeugen will und ein paar Probefotos schießt, merkt schnell, dass Autofokus und Belichtungsmesser außerordentlich rasant arbeiten, bei guten Lichtverhältnissen nahezu verzögerungsfrei. Das macht die E-M1 zur idealen Schnappschusskamera für die Straßenfotografie. Die Bildqualität kann sich mit der jeder Spiegelreflexkamera messen – mit Ausnahme der oben erwähnten Vollformatkameras.

Ein nicht zu unterschätzender Vorteil ist auch die wetterfeste Verarbeitung. Die Olympus ist frostsicher und spritzwassergeschützt.

Beste Verarbeitung: Die Tasten, Knöpfe und Drehregler sind präzise verarbeitet und vermitteln einen hochwertigen Eindruck. (Fotos: Mehmet Toprak)

Beste Verarbeitung: Die Tasten, Knöpfe und Drehregler sind präzise verarbeitet und vermitteln einen hochwertigen Eindruck. (Fotos: Mehmet Toprak)

Ein Blick ins Datenblatt zeigt, dass die Olympus– abgesehen von den Beschränkungen, die sich durch die Größe des Sensors ergeben – in jeder Hinsicht zu Spitzenleistungen fähig ist. Die kürzeste Verschlusszeit beträgt 1/8000 Sekunde, Serienbilder werden mit bis zu 6,5 Bildern pro Sekunde geknipst, und dies mit Schärfenachführung. Die bei Fotoprofis beliebten Belichtungsreihen fertigt die OM-D mit 2, 3, 5 oder 7 Fotos aus. Der Bildstabilisator berücksichtigt fünf Achsen und ein elektronischer Sucher ist ebenfalls dabei.

Ähnlich wie die kürzlich hier vorgestellte Pen E-P5 zieht auch die OM-D E-M1 alle Register des technisch Möglichen. Sie geht dabei aber noch einen Schritt weiter als die Pen. So bietet sie einen noch etwas leistungsfähigeren True-Pic-VII-Bildprozessor, einen noch schnelleren Autofokus und noch mehr Möglichkeiten zur individuellen Einstellung.

Mit einem Druck auf die AF- oder die HDR-Taste ruft man die entsprechenden Funktionen direkt auf. Daneben lassen sich hier Optionen wie Belichtungsreihen, Serienaufnahmen oder Selbstauslöser direkt ansteuern. (Foto: Mehmet Toprak)

Mit einem Druck auf die AF- oder die HDR-Taste ruft man die entsprechenden Funktionen direkt auf. Daneben lassen sich hier Optionen wie Belichtungsreihen, Serienaufnahmen oder Selbstauslöser direkt ansteuern. (Foto: Mehmet Toprak)

1001 Optionen
Testberichte ergehen sich gelegentlich in langen Aufzählungen der Optionen und Einstellmöglichkeiten des jeweiligen Fotoapparats. Bei der OM-D kann diese Aufzählung sehr kurz gehalten werden. Denn bei dieser Kamera kann man einfach alles einstellen. Jeder denkbare Option, die für das Fotografieren irgendwie Bedeutung hat, lässt sich individuell einstellen, verändern, nachregeln oder neu definieren.

Ein Druck auf „Menü“ öffnet die nahezu unübersehbare Zahl von Konfigurationsmöglichkeiten. Da ist es zu empfehlen, sich erstmal für ein paar Stunden aufs Sofa zu setzen und die zahllosen Optionen durchzusehen. Allein die Menüs für die Scharfstellung erinnern fast schon an die Menü-Vielfalt eines Office-Pakets für den PC.

Hohe Detailschärfe auch im Telebereich wie bei einer guten Spiegelreflexkamera gehört zu den Stärken der OM-D E-M1 (50 mm - 1/640 Sekunde - 8,0 - ISO 200).

Hohe Detailschärfe auch im Telebereich wie bei einer guten Spiegelreflexkamera gehört zu den Stärken der OM-D E-M1 (50 mm – 1/640 Sekunde – 8,0 – ISO 200).

Die Olympus ist also ein echtes Technik-Biest, das darauf wartet, von einem wagemutigen Fotoexperten gebändigt zu werden. In dessen Händen verwandelt sich die Kamera aber nach einer gewissen Kennenlern-Phase schnell in ein gut beherrschbares und alltagstaugliches Werkzeug.

Der 5-Achsen-Bildstabilisator hält die Aufnahme links mit einer 1/15 Sekunde noch scharf. Bei einer 1/6 Sekunde (rechts) ist dann selbst der Bildstabilisator überfordert. (Foto: Mehmet Toprak)

Der 5-Achsen-Bildstabilisator hält die Aufnahme links mit einer 1/15 Sekunde noch scharf. Bei einer 1/6 Sekunde (rechts) ist dann selbst der Bildstabilisator überfordert. (Foto: Mehmet Toprak)

Kamera nach Maß
Die Praxistauglichkeit entsteht auch dadurch, dass sich Bedienung stark vereinfachen lässt. Der Anwender kann beispielsweise festlegen, dass bestimmte Punkte im Menü gar nicht mehr auftauchen. Noch wichtiger ist, dass sich die meisten Knöpfe und Tasten individuell belegen lassen.

Auf diese Weise baut sich jeder seine eigene maßgeschneidertes Kamera. Diese bietet dann alle bevorzugten Einstellungen im Schnellzugriff. Damit stellt die Olympus nach einer gewissen Einarbeitungszeit eine optimale Kombination aus maximaler Vielfalt und schneller Bedienung dar.

Belichtungsreihen mit drei unterschiedlich belichteten Fotos gehören zum Standardrepertoire einer semiprofessionellen Kamera wie der OM-D E-M1. (Foto: Mehmet Toprak)

Belichtungsreihen mit drei unterschiedlich belichteten Fotos gehören zum Standardrepertoire einer semiprofessionellen Kamera wie der OM-D E-M1. (Foto: Mehmet Toprak)

WLAN-Funktion
Das integrierte WLAN-Modul bietet in Zusammenarbeit mit der App „Olympus Image Share“ dieselben Funktionen wie beim Schwestermodell Pen E-P5: Steuern und Fernauslösen der Kamera über das Smartphone, Synchronisation der Kamerauhrzeit mit der Uhrzeit des Smartphones, Einfügen von GPS-Daten aus dem Smartphone, Übertragen der Bilder.
Das gilt auch für die mitgelieferte PC-Software Olympus Viewer 3. Die Software kann zwar Photoshop oder Gimp nicht ersetzen, bietet aber eine Reihe nützlicher Tools zur schnellen Bildbearbeitung.

Die OM-D E-M1 kostet ohne Objektiv 1.499 Euro. Mit einem Zoomobjektiv (M.Zuiko Digital ED 12 – 40 mm 1:2.8) kostet sie 2.199 Euro. Das ist viel Geld, dafür bekommt man aber auch eine exklusive Fotomaschine.

Schöne natürliche Farben zeichnen die OM-D E-M1 aus. (Foto: Mehmet Toprak)

Schöne natürliche Farben zeichnen die OM-D E-M1 aus. (Foto: Mehmet Toprak)

Fazit: Hightech-Kamera im Hightech-Gewand
Die OM-D E-M1 ist vermutlich die derzeit beste Micro-Four-Thirds-Kamera. Der True-Pic-VII-Bildprozesor holt das Maximum aus dem verhältnismäßig kleinen Sensor. Hervorzuheben sind vor allem der rasend schnelle Autofokus, die vielen professionellen Einstellmöglichkeiten und die trotzdem praxisnahe Bedienung. Eine Hightech-Kamera für erfahrene Fotografen.

Neueste Kommentare 

2 Kommentare zu Olympus OM-D E-M1: das Technik-Biest für Profis im Praxistest

  • Am 26. Februar 2014 um 18:09 von Roth

    Habe mir diese Kamera im Dez.2013 angeschaft. Sie ist phänomenal.
    Wenn man sie in die Hand nimmt(mit Batteriegriff)fällt einem sofort auf, dass die Entwickler unter anderem sehr viel Wert auf Ergonomie legten. Jeder Knopf ist gut erreichbar und dessen Position sinnvoll priorisiert. Das Kitobjektiv 12-50mm f3.8 kommt robust und wertig daher. Es hat nebst der Zoom- auch eine Makrofunktion und eine frei programmierbare Taste und macht sehr gute Bilder.
    Besonders angetan hat mir die OM-D-EM1 die Funktion „Licht zeichnen“. Man kann mit einer Punktlichtquelle ein Motiv parziell belichten, was sehr coole Effekte ergibt. Es gäbe noch so viel zu schreiben. Mein Fazit: Sie ist jeden Franken wert!

  • Am 24. August 2014 um 10:43 von Dr. Hillingrathner

    Den Test kann ich nur bestätigen. Habe Nikon D-800 + neuester Optiken.
    Die Trefferquote v.a. bei Makroaufnahmen und Events mit Olympus M1 weit höher, teils wegen des fehlenden Schwenkscreens bei Nikon nicht realisierbar.
    Zusatznutzen: Alle Leicaoptiken verwendbar und stabilisiert! Mit Vario-Elmarit-R 1:4/80-200 exzellente Ergebnisse in allen Bereichen, mit Nikon D-800+AF-S Nikkor 70-200mm 1:4G ED im direkten Vergleich schlechtere Ausbeute. Mit dem Vario-Elmarit vom Bauch weg bei 1/10.sec scharfe Bilder-auch bei umgerechnet 400mm. (Fotos mit Leica Apo 4/280 inkl. Extendern, Apo 100, Photare im Makrobereich, M-Optiken, nahezu überirdische Qualität trotz oder wegen manueller Eistellungen.
    Das neue Olympus Vario 2,8/12-40mm und 2:0/28mm haben im Ergebnis Leicaqualität, wenn man die digitale Fehlerkorrektur berücksichtigt.
    Mit Olympus M1 fast keinen Ausschuss, auch unter schwierigsten Bedingungen, am 24-zölligen EIZO-Screen selbst bei starker Herausvergrößerung noch immer bewundernswerte Qualität.
    Arbeite mit raw und entwickle mit DxO. Ergibt auch im hohen ISO-Bereich Ergebnisse, wo ein Laie keinen Unterschied zu ISO 250 merkt.
    Und auf Reisen: Eine kleine Tasche mit 5 Optiken kein Problem.

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