Smarte Kontaktlinsen wurden von Microsoft schon 2011 erforscht

Offensichtlich hat Microsoft die Idee einer smarten Kontaktlinse, die den Zuckergehalt von Tränenflüssigkeit misst, dann aber nicht weiterverfolgt, denn es war Google, das das Projekt kürzlich vorgestellt hat.

Google ist das einzige große Technologie-Unternehmen, das visionär und verrückt genug ist, um ein Projekt wie smarte Kontaktlinsen zu verfolgen, oder? Falsch, denn Microsoft war schon im Jahr 2011 an demselben Projekt beteiligt. Der Mitgründer, Babak Parviz, der nun übrigens der Leiter von Googles Projekt Glass ist, war zuvor an der Universität von Seattle tätig, und arbeitete dort in Zusammenarbeit mit Microsoft an den smarten Kontaktlinsen.

Smarte Kontaktlinsen wurden von Microsoft schon 2011 erforscht

Microsoft hat schon im Jahr 2011 smarte Kontaktlinsen erforscht (Screenshot: Stephen Shankland, CNET.com).

Das Projekt, das zu dieser Zeit offensichtlich noch in den Kinderschuhen steckte, ist Bestandteil eines Microsoft-Videos, indem der Windows-Macher die Idee eines neuartigen Natural User Interfaces (NUI) präsentiert, bei dem die Kommunikation zwischen Mensch und Computer unbemerkt im Hintergrund ablaufen soll. Die smarten Kontaktlinsen sind mit einem winzigen Mikroprozessor ausgestattet, der die Zuckerwerte in Tränen bestimmt und die Informationen drahtlos an ein Gerät sendet, das die Daten und die Ergebnisse verarbeitet und anzeigt.

„Keiner war davon überzeugt, dass dies machbar ist. Viele Leute hielten es für Science-Fiction“, so Parviz in dem Microsoft-Video. Nur Desney Tan von Microsofts Forschungsabteilung glaubte daran. „Desney und Microsoft Research waren schon früh davon überzeugt, dass dies eine gute Idee ist. Sie waren bereit, mit uns zu arbeiten und uns unterstützen. Wir sind sehr dankbar, dass sie das gemacht haben.“

Die Google-[x]-Forscher sind also nicht die einzigen, die das Potenzial einer solchen Technologie erkannt haben. Doch während Microsoft die Idee scheinbar nicht weiter verfolgte, ist Google die Firma, die das Projekt am Donnerstag angekündigt hat.

Smarte Kontaktlinsen wurden von Microsoft schon 2011 erforscht

“Wir testen Prototypen, die einmal pro Sekunde den Glukoseanteil messen”, schreiben die Forscher Brian Otis und Babak Parviz vom Labor Google[x]. Die Sensoren seien dabei zwischen zwei Schichten weicher Linsen eingebettet und “so klein, dass sie wie Flitter aussehen”. Die Antennen fallen “dünner als ein Haar” aus.

Google hat mit seinen Prototypen mehrere klinische Forschungsprojekte durchgeführt und auch mit der zuständigen US-Aufsichtsbehörde Food and Drug Administration gesprochen. Jetzt sucht es nach Partnern, um das Produkt auf den Markt zu bringen.

Diabetes verbreitet sich laut Google zunehmend auf der Welt: Derzeit ist etwa jeder 19. betroffen. Die Linsen würden den daran Erkrankten ersparen, ihren Blutzuckerspiegel mehrmals täglich zu testen, indem sie sich in den Finger stechen. Forscher suchen dafür seit Jahren praktikable Alternativen.

Darüber hinaus hofft Google, mit den Linsen nicht nur Messungen durchführen, sondern auch Warnungen ausgeben zu können. “Wir erproben winzige LEDs, die bei Überschreiten oder Unterschreiten bestimmter Stufen warnen”, schreiben Otis und Parviz. “Eines Tages könnte es den Menschen so leichter fallen, ihre Krankheit in den Griff zu bekommen.”

[Mit Material von Stephen Shankland, CNET.com & Florian Kalenda, ZDNet.de]

Autor: Christian Schartel
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Neueste Kommentare 

Eine Kommentar zu Smarte Kontaktlinsen wurden von Microsoft schon 2011 erforscht

  • Am 17. Januar 2014 um 21:23 von Gnagna

    Na das passt doch!
    Microsoft döst (eigentlich wie immer, oder?) vor sich hin und hat plötzlich eine Eingebung… irgendwelche pickeligen Pfriemelheinis fangen dann an, rumzupfriemeln und – bekommen’s natürlich nicht hin.
    Andere – hier Google – kommen auf die gleiche Idee, oder greifen die fehlgeschlagene Eingebung auf, setzen sich zusammen, erstellen ein Grobkonzept, feilen an einem Design, stimmen es mit vorhandenen Lösungen ab, setzen es entsprechend um, realisieren Prototypen, verbessern es iterativ in Kombination mit Funktionstests und bringen es schließlich zur Serienreife… uuuuund… werden verhöhnt, dass das großartige Innovationsunternehmen Microsoft das ja alles schon Jahre zuvor erfunden hat.
    Einfach lachhaft!

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