Rollei Ski Goggles: die Action-Cam für Skifahrer im Test

Gute Idee: Rollei baut seine Action-Cam direkt in eine Skibrille ein. Eine ideale Lösung für Wintersportler. Im Test zeigt sich schnell, ob auch Bildqualität und Bedienung stimmen.

Action-Cams gibt es mittlerweile von jedem Kamerahersteller. Doch nicht jeder Skifahrer oder Snowboarder will sich so eine Kamera auf den Helm schnallen, da es nicht unbedingt sehr schick aussieht. Deshalb bringt Rollei mit den Ski Goggles eine optisch unauffällige Action-Cam in den Handel. Die Kamera ist in den Bügel einer Skibrille integriert und fällt so gar nicht weiter auf. Ein vielversprechendes Konzept.

Im rechten Bügel der Skibrille sind zwei Tasten integriert. Die etwas größere Taste dient zum Ein- und Ausschalten und zum Starten der Videoaufnahme. Ein Druck auf die andere Taste schießt ein Foto.

 

Schicke Skibrille mit eingebauter Action-Cam: die Rollei Goggles (Foto: Mehmet Toprak).

Schicke Skibrille mit eingebauter Action-Cam: die Rollei Ski Goggles.

 

Gelungen ist auch das LED-Licht, das nach dem Aufsetzen der Skibrille dezent in das Sehfeld hineinleuchtet. Die Farben Blau, Grün und Rot signalisieren den jeweiligen Betriebszustand des Camcorders: Aufladen, Aufnehmen, Stand-by und so weiter. Zugleich signalisiert ein Vibrationsalarm die wichtigsten Funktionen. Zu sehen ist die leuchtende oder blinkende LED aber nur, wenn man ganz nach rechts sieht, schließlich soll man beim Fahren nicht ständig von einer blinkenden LED abgelenkt werden. Mit einiger Übung weiß man auch die unterschiedlichen Vibrationssignale auseinander zu halten, die beispielsweise anzeigen, ob die Kamera aufzeichnet oder nicht. Ein durchdachtes und einfaches Bedienkonzept.

Weitwinkelobjektiv und 5-Megapixel-Sensor

Der Camcorder arbeitet mit einem 5-Megapixel-Sensor und einer weitwinkelig eingestellten Festbrennweite von 135 Grad. Das ist sinnvoll, da man bei Skifahren ohnehin keine Hand frei hat, um am Zoom herumzuspielen. Zudem hilft das Weitwinkel, dass immer alles schön scharf bleibt und Verwacklungen sich in Grenzen halten.

Die Videos werden entweder in Full-HD (1920 x 1080 Pixel) oder in HD (1280 x 720 Pixel) gedreht, jeweils mit 30 Bildern pro Sekunde.

Gespeichert werden die Videoclips im gängigen Format MOV (H.264). Ein Mikrofon ist ebenfalls eingebaut. Die Rollei Goggles macht natürlich auch Fotos, dafür ist eine eigene Taste vorgesehen. Für Fotos werden allerdings nur 3 Megapixel genutzt.

Die Rollei Goggles sieht aus wie eine Skibrille, ist aber mit einer Full-HD-Kamera ausgestattet.

Die Rollei Goggles sieht aus wie eine Skibrille, ist aber mit einer Full-HD-Kamera ausgestattet.

Das sind keine überragenden Leistungsdaten, aber für das Freizeitvideo beim Skifahren und ein paar Fotos zwischendurch reichen sie völlig aus. Wer professionelle Videos von spektakulären Stunts im Schnee haben will, muss sich die Action-Cam S50 Wi-Fi Ski von Rollei kaufen. Oder die Hero 3+ von Gopro. Dann bekommt man beispielsweise auch Full-HD-Videos mit deutlich höheren Bildraten. Oder wie im Fall der Hero 3+ Zeitlupenaufnahmen mit bis zu 100 Bildern pro Sekunde. Diese Modelle integrieren sich aber nicht so schön unauffällig in die Skibrille und sind auch deutlich teurer.

Nur zwei Tasten reichen für die Steuerung der Rollei Goggles aus. (Foto: Mehmet Toprak)

Nur zwei Tasten reichen für die Steuerung der Rollei Goggles aus. (Foto: Mehmet Toprak)

Der Praxistest

Im Praxistest konnte die Rollei Goggles durchaus überzeugen, zeigte aber auch einige Macken. Die Skibrille ist gut verarbeitet und kaum schwerer als eine gewöhnliche Skibrille. Die wenigen Bedienelemente und die Abdeckklappe für USB-Buchse und Micro-SD-Karten-Slot sind wasserdicht. Allerdings ist man bei dem Schiebeschalter, der die Klappe verriegelt, nie ganz sicher, ob die Klappe jetzt wirklich geschlossen ist oder nicht.

Auf dem Kopf des CNET-Testers saß die Brille etwas zu stramm. Das Stretchband, das hinten um den Helm geführt wird, ist sehr breit und stark. Wer einen etwas größeren Helm trägt, wird den Sitz der Goggles vielleicht als zu straff empfinden.

Videos mit satten Farben

Bei der Bildqualität gibt es nichts auszusetzen. Die ist sogar erstaunlich gut. Nicht nur Schärfe und Detailzeichnung sind gut. Der Camcorder wurde offensichtlich auf das Motiv Schnee, Himmel, Berge optimiert und kommt deshalb mit den hohen Kontrasten und den strahlenden Schneeflächen im Gebirge bestens zurecht. Die Piste im Testvideo erscheint trotz strahlenden Sonnenscheins nirgendwo überstrahlt, jede von Skifahrern gezogene Spur ist deutlich zu erkennen.

Die winzige Action-Cam macht erstaunlich gute Bilder in HD oder Full HD. (Foto: Mehmet Toprak)

Die winzige Action-Cam macht erstaunlich gute Bilder in HD oder Full HD. (Foto: Mehmet Toprak)

Die Entwickler haben offenbar beim Bildprozessor kräftig an den Einstellungen für Farbsättigung und Kontrast gedreht. Jedenfalls erscheint blauer Himmel wirklich tiefblau, Skianoraks leuchtend bunt und Schneeflächen intensiv weiß. Satte Farben wie auf einer Postkarte. Puristen werden einwenden, dass die interne Bildbearbeitung etwas zu viel des Guten tut. Aber die Rollei ist eben keine Kamera für Puristen oder Dokumentarfilmer, sondern eine Spaßkamera für Wintersportler, insofern macht sie einen guten Job.

Starke Windgeräusche

Ein Manko ist das Mikrofon. Das zeichnet sogar bei langsamer Fahrt Windgeräusche so laut auf, dass die Tonspur praktisch unbrauchbar ist. Im Stand oder bei langsamem Gleiten im Skilift werden Kommentare mit guter Sprachverständlichkeit aufgezeichnet, aber sobald die Fahrt losgeht, ist schnell Schluss. Dann ist nur noch gnadenloses Brausen zu hören.

Für die nächste Version der Goggles sollten sich die Entwickler überlegen, ob sie für das Mikro nicht doch ein Plätzchen finden, das besser vor dem Fahrtwind geschützt ist. Eine zusätzliche Geräuschunterdrückung gegen Wind wäre ebenfalls sinnvoll. Bei vielen Camcordern gehört eine Windunterdrückung längst zum Standard.

Das Grundkonzept der Rollei Goggles ist gelungen.

Der Camcorder ist auf der rechten Seite der Skibrille angebracht.

Zum Aufladen wird die Skibrille mit dem USB-Anschluss des PCs verbunden. Mit vollem Akku beträgt die Aufnahmedauer laut Datenblatt bis zu 90 Minuten. Rausnehmen lässt sich der Akku leider nicht. Man kann also bei längeren Skitouren auch keinen voll geladenen Zweitakku mitnehmen.

Gespeichert werden die Videos und Fotos auf einer Micro-SD-Karte. Unverständlich ist allerdings, warum Rollei keine Speicherkarte beilegt. Die muss man sich vor der ersten Skitour noch kaufen. Bei einem Preis von 229 Euro würde man sich schon erwarten, dass der Hersteller wenigstens eine Speicherkarte mit vier Gigabyte spendiert.

Optionen einstellen in der Textdatei

Da man während des Skifahrens oder Snowboardens nicht auf das Display schauen und auch nicht ständig an Tasten und Knöpfen herumdrücken kann, mussten sich die Rollei-Entwickler ein Konzept ausdenken, wie man die Grundeinstellungen des Camcorders verändert. Diese Einstellungen werden am PC vorgenommen. Dazu muss die Skibrille via USB an den Rechner angeschlossen werden.

Bei diesem Helm ließ sich der Druckverschluss, der das Band der Skibrille befestigt, mit der Rollei Goggles nicht ganz schließen.

Bei diesem Helm lässt sich der Druckverschluss, der das Band der Ski Goggles befestigen soll, nicht ganz schließen.

Um Optionen einzustellen, muss man aber nicht etwa eine auf dem PC installierte Steuersoftware starten, sondern vielmehr die Textdatei „setting.txt“ aufrufen, die auf der Micro-SD-Karte im Camcorder gespeichert ist. Darin schreibt man die gewünschten Einstellungen hinein. Der Anwender kann zwischen HD und Full-HD umschalten, den Belichtungswert (EV) verändern oder die Lichtfrequenz von 60 auf 50 Hz umschalten. Letzteres verhindert Flimmern bei Innenaufnahmen, wobei man sich fragt, wie oft eine Skibrille für Innenaufnahmen verwendet wird.
Nützlich ist dagegen die Option, Zeitstempel in die Videoclips einzufügen zu lassen. Dazu muss man aber umständlicher Weise ein neues Textdokument „settime.txt“ erstellen und darin die Uhrzeit in einem bestimmten Format eintippen. Die Textdatei wird dann im Stammverzeichnis der Micro-SD-Karte abgelegt. So richtig bedienerfreundlich ist die Sache mit der Textdatei sicher nicht. Sie erscheint geradezu vorsintflutlich. Weniger technikerfahrene Nutzer könnten damit überfordert sein.

Ein Vorteil besteht zugegebenermaßen darin, dass man sich keine Steuersoftware für die Action-Cam auf dem Rechner installieren muss.

Alle Einstellungen werden bei der Rollei Goggles in einer Textdatei gespeichert. Wer bestimmte Optionen ändern will, muss in die Textdatei "setting.txt" hineinschreiben.

Alle Einstellungen werden bei der Rollei Goggles in einer Textdatei gespeichert. Wer bestimmte Optionen ändern will, muss in die Textdatei „setting.txt“ hineinschreiben.

Handbuch mit Fehlern

Noch ein paar Worte zum Handbuch. Das ist zwar vom Druckbild und der Übersichtlichkeit her besser als das Handbuch, das der Action-Cam Rollei Bullet 4S beigelegt war. Trotzdem ist auch die neue 14-sprachige Bedienanleitung nicht gerade ein Meisterwerk der Buchdruckerkunst geworden. Das Schriftbild ist uneinheitlich, die Abstände zwischen Zeilen und Absätzen sind entweder zu groß oder zu klein und die Seitennummerierung fehlt ganz. Es sieht aus, als hätte ein Techniker die Bedienanleitung in ein Textdokument getippt, notdürftig formatiert, und dann gleich zur Druckerei geschickt. Da hilft auch das Hochglanzpapier nicht.

Die Goggles dient auch als Digicam, mit der man beispielsweise die Partnerin auf der Piste knipst.

Die Goggles dient auch als Digicam, mit der man beispielsweise die Partnerin auf der Piste knipst.

Fazit: Gelungene Spaßkamera mit Schwächen

Die Rollei Ski Goggles ist eine technisch solide Action-Cam für Wintersportler. Die Bedienung auf der Piste ist simpel, die Bildqualität völlig in Ordnung. So gesehen ein Produkt, das Spaß macht. Besonders hervorzuheben ist das gelungene Konzept, Action-Cam und Skibrille miteinander zu verbinden.

Einige Schwächen trüben allerdings das positive Gesamtbild: Der schlechte Schutz vor Windgeräuschen, die fehlende Micro-SD-Karte, die altmodische Konfiguration via Textdatei, das lieblos gestaltete Handbuch und das zu straff geratene Stretchband. Alles Probleme, die lösbar sind – spätestens bei der Nachfolgeversion für die nächste Ski-Saison.

Neueste Kommentare 

Eine Kommentar zu Rollei Ski Goggles: die Action-Cam für Skifahrer im Test

  • Am 28. Februar 2015 um 18:23 von andy haller

    Ich bin im großen und ganzem zufrieden, doch ich möchte gern erfahren, ob und wie man die Videoaufnahmezeiten verändern kann. Und leider habe ich Probleme mit der Programmbearbeitung der Camera am PC. Bilder kann ich mir anschauen, aber keine neue Einstellungen vornehmen. Was mache ich da falsch?

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