Niederlande legalisieren als erstes Land von Carriern unabhängige SIM-Karten

Die Bürger in den Niederlanden sind aufgrund einer Änderung im Fernmeldegesetz künftig nicht mehr per SIM-Card an einen bestimmten Mobilfunkanbieter gebunden. Handyhersteller könnten so eine SIM-Karte fest in ihre Geräte integrieren und den Kunden wählen lassen, welchen Mobilfunkanbieter er nutzen möchte.

Durch die von der Regierung beschlossene Änderung im Fernmeldegesetz sind die Bürger der Niederlande künftig nicht länger aufgrund ihrer SIM-Karte an einen bestimmten Mobilfunkanbieter gebunden. Damit sind die Niederlande das erste Land, das Carrier-unabhängige SIM-Karten legalisiert.

30 SIM-Karten von verschiedenen Carriern (Bild: mroach, CC BY-SA 2.0)

Die Gesetzesänderung ist auch eine gute Nachricht für Handyhersteller. Sie müssten künftig keine Verträge mehr mit einzelnen Carriern abschließen, um sicherzustellen, dass ihre Geräte Zugang zum Mobilfunknetz erhalten. Stattdessen könnten sie eine SIM-Karte fest in ihre Geräte integrieren und den Kunden wählen lassen, welchen Mobilfunkanbieter er nutzen möchte. Geräte mit fester Providerbindung durch ein SIM-Lock würden damit endgültig der Vergangenheit angehören.

Apple arbeitet in Kooperation mit dem niederländischen Technikunternehmen Gemalto schon seit 2010 an einer Provider-unabhängigen SIM-Karte. Beim US Patent and Trademark Office beantragte es im November 2010 ein Schutzrecht für eine virtuelle SIM-Card. Allerdings blieben Apples Bemühungen in dem Bereich bisher erfolglos, wahrscheinlich aufgrund gesetzlicher Hürden.

Ein Vorteil solch einer fest integrierten, virtuellen SIM-Karte ist, dass Hersteller noch kompaktere Geräte bauen könnten, weil sie keinen Platz für einen SIM-Karteneinschub reservieren müssen. Zum anderem können Nutzer ohne Kartentausch schnell zwischen Diensten verschiedener Provider wechseln. Auf Reisen ins Ausland ließe sich so beispielsweise ein Datenvolumen buchen, ohne eine neue Karte beim örtlichen Anbieter kaufen zu müssen.

Eine Carrier-freie SIM-Karte dürfte sich auch positiv auf die Entwicklung des „Internet der Dinge“ auswirken, also internetfähige Elektronikgeräte jenseits von PCs, Tablets und Telefonen. Dazu zählen etwa Wearables, Autos und Heimelektronik.

Bis zur tatsächlichen Einführung virtueller SIM-Karten sind aber noch einige technische Probleme zu lösen. Außerdem müssten sich zunächst andere Staaten am Beispiel der Niederlande orientieren und von Carriern unabhängige SIM-Karten in ihren Telekommunikationsgesetzen erlauben.

[mit Material von Björn Greif, ZDNet.de]

Anja Schmoll-Trautmann
Autor: Anja Schmoll-Trautmann
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