Apple-Gutachter im Patentstreit: Samsungs Smartphones haben beim Verkauf von patentierten iPhone-Funktionen profitiert

Laut Apple-Gutachter hätten Samsungs Smartphones ohne die von Apple patentierten iPhone-Funktionen weniger Käufer gefunden. Apples Forderung nach zwei Milliarden Dollar Schadenersatz soll durch das Gutachten gestützt werden. Es befasst sich mit den möglichen Gründen für den Kauf eines Smartphones. Samsung stellt das Gutachten infrage, weil es Marke und Betriebssystem nicht berücksichtigt.

Im Patentstreit mit Samsung hatte ein von Apple beauftragter Gutachter am Dienstag ausgesagt, dass Samsungs Smartphones ohne die von Apple patentierten iPhone-Funktionen weniger Käufer gefunden hätten. Die Expertise von John Hauser, Professor für Marketing an der Sloan School of Management des Massachusetts Institute of Technology (MIT), soll Apples Forderung nach 2 Milliarden Dollar Schadenersatz stützen.

Apple gegen Samsung (Bild: James Martin / CNET)

Apple gegen Samsung (Bild: James Martin / CNET)

Samsung habe versucht, das iPhone zu kopieren, nachdem es festgestellt habe, dass es über kein Produkt verfüge, das „erfolgreich gegen das iPhone antreten kann“, sagte ein Apple-Anwalt in der vergangenen Woche. Der koreanische Konzern wiederum behauptet, viele der von Apple patentierten Funktionen seien schon vorher von Google für Android entwickelt worden.

Hauser hat für sein Gutachten 507 Besitzer von Samsung-Handys und 459 Besitzer von Samsung-Tablets befragt, um den Anteil von Verbrauchern zu ermitteln, die ihre Kaufentscheidung aufgrund bestimmter Funktionen treffen. Anhand der Ergebnisse errechnete er zudem, welchen Preis sie für Apples patentierte Funktionen zahlen würden.

„Die Funktionen, die durch die fraglichen Patente ermöglicht wurden, hatten einen messbaren Einfluss auf die Verbrauchernachfrage nach Samsung-Geräten“, sagte Hauser am Dienstag. Dazu zählen ihm zufolge unter anderem die universelle Suche, die Synchronisation im Hintergrund, die automatische Rechtschreibkorrektur und Slide-to-Unlock. Die Umfrageteilnehmer konnten aber auch zwischen 21 weiteren Kriterien wie Bildschirmgröße, WLAN, GPS, Spracherkennung und Kamera wählen. Eigenschaften wie Betriebssystem, Akkulaufzeit oder LTE-Unterstützung flossen nicht in sein Gutachten ein.

In seinem Kreuzverhör stellte Samsungs Anwalt Bill Price deswegen auch die Methodik des Gutachters infrage. Er wies darauf hin, dass Marke und Betriebssystem zwei der wichtigsten Faktoren seien, die Verbraucher beim dem Kauf eines Geräts berücksichtigten.

Apple hat im zweiten Patentprozess in Nordkalifornien insgesamt sieben Schutzrechte gegen Samsung in Stellung gebracht. Die meisten Funktionen, die Apple als patentverletzend einstuft, stecken in Googles Mobilbetriebssystem Android. Einzige Ausnahme ist das Slide-to-Unlock-Patent, das das Entsperren eines Geräts per Wischgeste beschreibt.

Samsung wirft Apple wiederum Verstöße gegen fünf seiner Patente vor. Darunter ist ein von Hitachi gekauftes Schutzrecht, das eine Kamera sowie die Organisation von Ordnern beschreibt. Ein weiteres Patent könnte Auswirkungen auf Apples Videochat FaceTime haben. Samsung beziffert seinen Schaden auf 7 Millionen Dollar.

Es wird erwartet, dass die Beweisaufnahme bis Ende April beendet sein wird. Danach könnte die Jury mit ihren Beratungen beginnen. Ihre Aufgabe wird es sein, festzustellen, wer tatsächlich die Patente des anderen verletzt hat und welche Entschädigung sich daraus ergibt. Das Gericht verhandelt an drei Tagen pro Woche: Montag, Dienstag und Freitag.

[mit Material von Stefan Beiersmann, ZDNet.de]

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Anja Schmoll-Trautmann
Autor: Anja Schmoll-Trautmann
Redakteurin
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