Amazon erhält Patent für seit Jahrzehnten verbreitete Fotostudio-Beleuchtung

Mit entsprechender Frontbeleuchtung und stark ausgeleuchtetem Hintergrund erhält man einen komplett weißen Hintergrund – und das ganz ohne Photoshop. In Blogs und Foto-Foren wird dieses Verfahren schon seit Jahren reihenweise erläutert.

Amazon hat bereits vor zwei Monaten ein Patent auf das Arrangement eines Fotostudios erhalten, das für komplett weiße Hintergründe sorgt. Jetzt wurde es veröffentlicht. Profi- und auch Hobbyfotografen verwenden ein solches System allerdings seit Jahrzehnten, und im Internet finden sich zahlreiche Anleitungen dafür, was jetzt einmal mehr eine Grundsatzdiskussion zum US-Patentsystem ausgelöst hat.

Amazon hat sich ein seit Jahrzehnten gebräuchliches Beleuchtungsverfahren vom Patentamt schützen lassen (Bild: via USPTO).

Amazon hat sich ein seit Jahrzehnten gebräuchliches Beleuchtungsverfahren vom Patentamt schützen lassen (Bild: via USPTO).

US-Patent 8.676.045 mit dem Titel „Studio Arrangement“ schildert eine Beleuchtungstechnik. Sie ergänzt eine frontale Beleuchtung durch einen ebenfalls stark ausgeleuchteten Hintergrund, um den Hintergrund quasi auszulöschen – ohne nötige Nachbearbeitung etwa mit Photoshop.

Eien gute Idee – aber keine neue Erfindung, wie Profifotograf David Hobby schreibt. Er gibt etwa auf der Website Strobist Tipps für Beleuchtungsfragen. Die von Amazon geschützte Technik setzt er nach eigenen Angaben seit seinem Berufsstart 1988 ein. „So haben wir jede einzelne Aufnahme gemacht. Das gab uns einen visuellen Stil und Konsistenz, und wir konnten eine große Zahl an Motiven aufnehmen. Aber selbst als College-Abgänger im Jahr 1988 hielt ich das nicht für neu … Das kann man in keiner Weise rechtfertigen.“

Das Internet ist voller Anleitungen für die Technik. Eine beliebte Darstellung mit Zeichnung des Arrangements stammt etwa von Profifotograf Greg Reinacker. Sein Blogbeitrag von Januar 2007 wird häufig auch in Foren verlinkt – zum Beispiel bei Photo.net und DP Review, einer Amazon-Tochtergesellschaft, wo die Frage nach der Technik ebenfalls immer wieder aufkommt.

Amazons Antrag stammt von November 2011. „Ich glaube, man könnte frühere Darstellungen finden, die die Gültigkeit des Patents in Frage stellen“, formuliert Anwalt Robert Brunelli von der Kanzlei Sheridan Ross – während Amazon bisher keinen Kommentar angegeben hat. Brunelli glaubt immerhin, dass Fotografen keine Klagen zu fürchten haben, wenn sie die Technik einsetzen. Die Beschreibung sei sehr genau hinsichtlich der Positionierung der Leuchten und lasse sich daher leicht umgehen.

Amazon-CEO Jeff Bezos hat schon einmal gewarnt, das US-Patentsystem drohe Innovationen zu verhindern und sich somit ins Gegenteil der ursprünglichen Absicht zu verkehren. „Möglicherweise müssen sich Regierungen das Patentsystem anschauen und prüfen, ob die Gesetze geändert werden müssen, weil ich nicht glaube, dass diese Kämpfe gut für die Gesellschaft sind“, sagte er 2012.

Dennoch ist auch Amazon immer wieder in Patentstreitigkeiten verwickelt. Ein bekannter Fall ist US-Patent 5.960.411, das Ein-Klick-Käufe beschreibt und das auch Bezos unter dem Punkt Erfinder auflistet. Während es vom US-Patentamt zugelassen wurde, wies es das EU-Patentamt als zu „naheliegend“ zurück (PDF).

[mit Material von Florian Kalenda, News.com]

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Anja Schmoll-Trautmann
Autor: Anja Schmoll-Trautmann
Redakteurin
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