Cuevana.tv und „Popcorn Time“: neue „Streaming“-Abmahnungen unterwegs

In Deutschland werden derzeit wieder Abmahnungen wegen der Nutzung von vermeintlichen Streaming-Angeboten versendet. Rechtsexperten zufolge ist ein Vergleich mit dem Redtube-Fall aber nur bedingt möglich.

Angeschrieben werden derzeit Nutzer von cuevana.tv und der Software „Popcorn Time“. Verschickt werden diese Abmahnungen von der auf Medienrecht und Verwertung spezialisierten Kanzlei Waldorf Frommer.

Cuevana.tv und Popcorn Time bieten vermeintliches Streaming an. Letztlich aber sorgen diese Anwendungen für ein Filesharing. (Screenshot: silicon.de)

Cuevana.tv und Popcorn Time bieten vermeintliches Streaming an. Letztlich aber sorgen diese Anwendungen für ein Filesharing. (Screenshot: silicon.de)

Laut GGR Rechtsanwälte sind derzeit auch Nutzer der Plattform Cuevana.tv betroffen. Beide Angebote sind sich sehr ähnlich und verwenden eine ähnliche Technologie. Popcorn Times gibt es mittlerweile auch als App für Android. Cuevana und Popcorn Time erfreuen sich wachsender Beliebtheit und werben damit, aktuelle Serien und Filme kostenlos zur Verfügung zu stellen.

Das Problem sei aber in beiden Fällen, wie Rechtsanwalt Christioan Solmecke mitteilt, dass beide Plattformen zwar Filme streamen, was nach wie vor legal und ohne Risiko ist, aber gleichzeitig den empfangenen Stream wieder als BitTorrent frei geben. Damit entspricht die Nutzung dieser Software der Nutzung eines Filesharing-Netzwerkes.

„Oft ist den Nutzern gar nicht bewusst, dass sie bei manchen Streams gleichzeitig die empfangenen Teile wieder in einem BitTorrent Netzwerk freigeben. In diesem Fall gilt dann nichts anderes als beim Filesharing. Wer urheberrechtlich geschützte Filme oder Musikstücke im Netz weiterverbreitet begeht eine Urheberrechtsverletzung“, kommentiert Solmecke. Da die Feststellung der IP-Adresse der Nutzer über BitTorrent kein Problem darstellt, würden auch in diesem Fall auch beim vermeintlich reinen Streaming Abmahnungen erfolgen.

So hätten sich derzeit alleine in der Kanzlei Wilde Beuger Solmecke mehr als ein Dutzend Betroffener gemeldet, die wegen Nutzung der Software Popcorn Time abgemahnt worden sind. Gleiches gelte auch für die Nutzung der aktuellen Android-App „Popcorn Time“. Wer über diese App Filme „streamt“, lädt die geschützten Werke sowohl herunter- als auch wieder hoch. Auch in diesem Fall dürfte der Urheberrechtsverstoß den meisten Nutzern gar nicht bewusst sein, da die Software über diesen Vorgang nicht informiert.

Doch das sei für die Qualifikation des Vorgangs als Urheberrechtsverletzung nicht von Bedeutung, so Solmecke weiter: „Nutzer können sich nicht gegen eine Abmahnung mit dem Argument wehren, sie hätten von dem Down- und Upload des abgemahnten Werkes nichts gewusst. Das deutsche Urheberrechtsgesetz sieht eine verschuldensunabhängige Haftung für Urheberrechtsverletzungen vor.“

Daher seien auch die oben beschriebenen Streaming Abmahnungen nicht mit den rechtswidrig ergangenen Streaming Abmahnungen im Fall Redtube zu vergleichen. Bei Redtube habe es sich tatsächlich um reines Streaming gehandelt. Die Filme seien nicht zusätzlich noch Dritten zum Download angeboten wurden.

RA Christian Solmecke warnt: „Wer in Deutschland Popcorn Time und cuevana.tv nutzt handelt klar rechtswidrig. Die Gefahr eine Abmahnung zu erhalten ist hoch. Hinter den Plattformen steckt die gleiche Technologie, wie sie auch bei der Tauschbörsennutzung angewandt wird. Für die Nutzer ist das kaum zu erkennen.“

Besondere Vorsicht gelte laut Solmecke daher auch bei der Nutzung von Fußball live Streams. Beim Streaming von Sky-Live-Fußballsendungen müsse zwischen der Übertragungsart des Streams unterschieden werden. Live-Streams, die nur passiv empfangen werden, dürfen von den Nutzern nach Ansicht von RA Christian Solmecke legal angesehen werden: „Hier gilt das Gleiche wie beim Streaming auf anderen Online Portalen. Es entsteht hierbei nur eine flüchtige Kopie, sodass das Anschauen selbst nicht mehr als urheberrechtliche Nutzung zu werten ist.“

Echte Rechtssicherheit gibt es hier allerdings nicht, da dazu noch kein Urteil vorliegt. Streams, die über p2p-Broadcasting-Dienste wie zum Beispiel Sopcast, empfangen werden, sind hingegen eindeutig illegal. Sobald der Nutzer nämlich eine solche Übertragung streamt, leitet er gleichzeitig auch das Sky-Live-Signal weiter und verbreitet damit an andere User urheberrechtlich geschützte Inhalte.

[Mit Material von Martin Schindler, silicon.de]

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Anja Schmoll-Trautmann
Autor: Anja Schmoll-Trautmann
Redakteurin
Anja Schmoll-Trautmann Anja Schmoll-Trautmann Anja Schmoll-Trautmann

Neueste Kommentare 

9 Kommentare zu Cuevana.tv und „Popcorn Time“: neue „Streaming“-Abmahnungen unterwegs

  • Am 17. Mai 2014 um 05:36 von chris

    ganz klarer Fall von einseitiger Rechtsauslegung,
    wobei technische Laien digitale Schlupflöcher nutzen wollen.

  • Am 17. Mai 2014 um 05:51 von chris

    in erster Linie, dienen die Gesetze um den Bürger zu schützen und das Zusammenleben zu ordnen. Ein Verstoß hinsichtlich eines Produk-rück-ganges, wie er durch Innovationsunlust stattfindet, kann in diesem Fall kaum zur Anzeige gebracht werden. Bei all den Fällen welche an Gerichten anlaufen, käme dies wohl eher nur eine Verstopfung von öffentlichen Toiletten gleich.

  • Am 17. Mai 2014 um 23:01 von Urs Bender

    Gibt es eigentlich schon Recherchen, die hinterfragen, wer die Betreiber der Seiten sind und mit wem sie zusammenarbeiten? Ich finde es seltsam, dass der User via verdecktem BitTorrent in eine daraus resultierende Abmahnfalle läuft. Anwälten mit übergroßen Wohnungen in Zentrumsnähe traue ich alles zu.

    • Am 19. Mai 2014 um 06:46 von chris

      ich finde es auch merkwürdig, dass man streaming zwar als toll anerkennt, aber den Turbo-Streaming-Dienst verneint, und weil er öfters medial in Erscheinung getreten ist sofort eine negative Konnotation zugewiesen bekommen hat, weil man damit eben Dinge tun kann, die zur Zeitrechnung der Steinzeit praktisch undenkbar waren.

      Wenn eine Leitung verstopft ist, dann wird hier über einen Umweg ausgewichen. Dass man damit Daten austauschen kann ist wohl Sinn in einer Informationsgesellschaft, welche auf empirisch erarbeitete wissenschaftliche Erkenntnisse aufbaut.

      Meines Erachtens sind solche Fragen zu wenig geklärt. Dass man hier aber Präzedenzfälle auf dem Rücken einiger Personen ausfechten möchte, und hier schon Parteien um einen unrechten Gewinn fechten wollen, kann man durchaus als Schieflache unserer Gesellschaft sehen. Das ist fast schon so verwerflich wie ein gewisser Yale-Professor Timothy Snyder, welcher in der Ukraine einen Krieg herbeireden möchte.

  • Am 20. Mai 2014 um 00:18 von Andrea

    Dazu sage ich nur:

    diesen Abmahnern sollte man was auf die Pfoten hauen dass es kracht!! Denn in dieser Sache sage ich mal: Filesharing ist nicht per se illegal!! Es kommt auf die Files an, die man tauscht.

    Und hier ist die Frage die:

    1. waren diese Filme, wie auf dieser Plattform Popcorn Time und Cuava.tv drauf waren, wirklich illegal??

    Warum ich frage? Ganz einfach:
    heutzutage gibt es ganz einfache Möglichkeiten, solche Filme mittels legaler technischer Möglichkeiten isn Internet zu bringen.

    Alles was man dafür braucht, ist ein Festplatten-Videorecoder + eine legal erworbene und bezahlte SmartCard von einem privaten TV-Anbieter wie etwa KabelDeutschland, Telekom-Entertain, usw.

    Wenn hier also nun ein User so ein Teil besessen hat und hier sich vom TV so einen Film auf den Festplatten-Videorecoder (Nachfolgetechnologie des VHS-Systems) und von dort per intern verbautem Brennlaufwerk auf eine DVD gebrannt hat, dann kann man so eine DVD nämlich im Anschluss ganz einfach auf den PC streamen und von dort dann wieder ins Internet bringen.

    Aber: dafür wurde dann nämlich gleich dreifach bezahlt! Warum?
    Antwort: 1. die Haushaltsabgabe, 2. die Flatrate für den privaten TV-Anbieter (ist monatlich zu zahlen), 3. die Internet-Flatrate.

    Von daher ist aus meiner Sicht schon aus diesem Grund so eine Abmahnung absolut illegal!!

    Darüber hinaus: wenn man eine DVD legal käuflich erworben hat, diese auf den Rechner gestreamt und dann im Internet getauscht hat, so ist dass nicht illegal, weil die DVD eben vorher käuflich erworben wurde (Nachweis ist der Kassenbon)!!

    Und daher ist auch aus diesem Grunde hier so eine Abmahnung absolut illegal!!

    Das sollten sich die werten Richter mal hinter die Ohren schreiben! Und von daher meine ich: die User sollten diesen Abmahnern mal richtig auf die Pfoten hauen dass es kracht und dass die Scheiben wackeln!!

    2. würde dass bedeuten: wenn diese Filme also entweder vom TV waren oder käuflich erworbene DVDs waren, dann waren diese Inhalte eben alles andere als illegal!!

    Und von daher sollte man sich hier mit diesen Abmahnern mal richtig anlegen und sich mit denen durchaus mal den absoluten Gerichtsfight liefern!!

    Von daher ihr User: wehrt euch und zeigt es diesen Richtern und Abmahnanwälten!!

    KEIN GELD FÜR DIESE ABZOCKER!! NIEDER MIT DIESEN ABMAHNERN!! FILESHARING LEGALISIEREN!!

    • Am 20. Mai 2014 um 20:46 von chris

      diese Abmahnung sind auch meiner Ansicht nach illegal,
      weil es a) in einem rechtlichen Graufeld geschieht,
      und der moralische Aspekt wohl kaum von einer Anwaltsfirma erörtert werden kann, wenn von dieser lediglich b) ein kapitaler Knoten ausgestochen werden möchte.

  • Am 20. Mai 2014 um 00:19 von Andrea

    In dieser Sache sehe ich es so, dass es hier eindeutige rechtliche Fragen zu solchen Abmahnungen gibt. Warum??

    1. Frage: warum soll man Filme, die man vorher käuflich als DVD erworben hat (deren Einkauf man also per Kassenzettel nachweisen kann und dass man dafür bezahlt hat) nicht mit anderen über das Netz tauschen dürfen??
    Denn: hier hätte man ja bezahlt!!

    2. Frage: wieso soll man Filme, die man mittels legalem Festplatten-Videorecorder in Verbindung mit einer käuflich erworbenen SmartCard völlig legal vom TV heruntergeladen hat nicht ebenfalls frei über das Internet mit anderen Usern tauschen dürfen??
    Denn hier hätte man ja gleich dreimal bezahlt: erstens über diese neue Haushaltsabgabe, zweitens über die TV-Flatrate (die man ja monatlich dafür bezahlt) und drittens über die Internet-Flatrate (TV ist teilweise mit dem Internet verbunden). Und dann wäre für mich – wegen der dreifachen Bezahlung in solchen Fällen – hier eine Abmahnung (unter Verweis auf die vorangegangene dreifache Bezahlung) – eigentlich sogar illegal.

    Denn Torrent ist nicht gleich illegal. Es kommt nur darauf an, ob die Inhalte, die getauscht werden, legal sind oder eben illegal. Und bei diesen beiden vorgenannten Punkten sehe ich es so, dass diese Vorgehensweisen legal sind (also Teilen von eingekauften DVDs, die man auf den Rechner gestreamt hat oder die legal vom TV heruntergeladenen Filme mittels Festplatten-Videorecoder in Verbindung mit der SmartCard).

  • Am 25. Juni 2014 um 16:34 von Marc

    Diese Massenabmahnung sind meines Erachtens nur Geldmacherei. Wenn eine Firma wirklich etwas gegen einzelne Personen unternehmen möchte, bitte. Aber nicht tausende für jede Kleinigkeit belangen.

    Hoffentlich hat es sich im Internet schon rumgesprochen das man eine Rechtsschutzversicherungen und einen guten IT-Recht Anwalt haben sollte.

    Ein Kumpel war mit KBP sehr zufrieden. Link: http://www.kolb-blickhan-partner.de/fachanwalt-fuer-internetrecht-rechtsanwaelte-kanzlei/

  • Am 6. September 2016 um 13:47 von Jan-Mark P.

    “ Besondere Vorsicht gelte laut Solmecke daher auch bei der Nutzung von Fußball live Streams. Beim Streaming von Sky-Live-Fußballsendungen müsse zwischen der Übertragungsart des Streams unterschieden werden (…)“ – Habe erst letztens einen Brief eines „Anwalts“ bekommen“, nachdem ich komischerweise einen solchen live Stream gesehen habe (Bzw. bezieht sich sein Betreff und sein Anschreiben an solch eine Aktivität). Bis jetzt habe ich noch nicht reagiert. Wie kommt denn auch einfach ein Anwalt (er scheint laut google zu existieren) an meine private Adresse? Und wie kann ich denn prüfen, ob dessen Brief tatsächlich echt ist? Unten auf dem Brieg sind bereits schön die Kontodaten angegeben… im Leben werde ich keinen Cent bzgl. seiner Forderung überweisen und mich bei einem weiteren Brief an meine Rechtsanwaltskanzlei in Mainz wenden. Meiner Meinung nach klingt das alles sehr betrügerisch…

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