Verknüpfung von TV-Sendung und App: nach ARD mit Quizduell ziehen jetzt auch ZDF und ProSieben nach

Während der Start des TV-Ablegers von Quizduell etwas holprig war, startete bei ProSieben gestern um 20 Uhr 15 die Musik-Casting-Show „Keep Your Light Shining“, bei der Zuschauer via App über´s Weiterkommen der Kandidaten entscheiden konnten, ohne technische Probleme. Das ZDF strahlt am Montag den Film App aus – zu dem es auch Begleitsoftware für Android und iOS gibt.

Am Mittwoch klappte bei der ARD-Sendung „Quizduell“ endlich die Interaktion zwischen Sender und Zuschauern via App und gestern stand schon direkt die nächste Premiere an. Bei Pro Sieben startete um 20 Uhr 15 mit „Keep Your Light Shining“ ein Gesangswettbewerb, bei dem Zuschauer via App in die laufende Sendung eingreifen konnten. Hier verlief der Start ohne technische Anlaufschwierigkeiten. Am Montagabend ist dann das ZDF mit seinem Film „APP“ und der nächsten Premiere der TV-Experimente am Zug.

ProSieben startet am 22. Mai um 20 Uhr 15 die Musik-Casting-Show “Keep Your Light Shining”, bei der Zuschauer via App über´s Weiterkommen der Kandidaten entscheiden können (Screenshot: ITespresso im Apple App Store).

ProSieben startete am 22. Mai um 20 Uhr 15 die Musik-Casting-Show “Keep Your Light Shining”, bei der Zuschauer via App über´s Weiterkommen der Kandidaten entscheiden konnten (Screenshot: ITespresso im Apple App Store).

Pro Sieben setzt auf die schon etwas länger verfügbare für Android und iOS angebotenen App Pro Sieben Connect. Die bot bisher Möglichkeiten für Livestreams, lockte Nutzer mit Badges, die sie für regelmäßige Besuche bekamen, forschte sie mit einer Mischung aus Quiz und Umfrage aus und bot Zusatzinformationen zu Sendungen wie Galileo. Insgesamt kam das alles bei den Nutzern nicht so gut an, sie bemängeln die Qualität des Streams, die Inhalte insgesamt und die Tatsache, dass man sich zur Teilnahme mit dem Facebook-Account anmelden muss.

Letzteres hat sich auch in der aktuellen Version, in der die Abstimmmöglichkeiten für die Sendung Keep Your Light Shining im Vordergrund stehen, nicht geändert. Nutzer sollen nun damit überzeugt werden, dass sie während der Sendung die App nutzen und quasi kontinuierlich ins Geschehen eingreifen, indem sie ihre Zustimmung oder ihr Missfallen zu den Darbietungen zum Ausdruck bringen. Alternativ ist das auf der Website der Sendung möglich.

Unklar ist, welchen Ersatz sich der Sender mit der App für die bisher übliche Finanzierung durch die gebührenpflichtigen Anrufe zu den Abstimmungen schafft. Klar ist dagegen, dass er über weitere Formate mit Interaktion via App zumindest nachdenkt: Darauf deutet die Information an die Nutzer hin: „Jetzt hast Du auch die Möglichkeit, dich mit Push-Notifications über neue Sendungen informieren zu lassen, an denen du über ProSieben Connect aktiv teilnehmen und mitentscheiden kannst.“

Eher einmaligen Charakter hat dagegen das App-Experiment beim ZDF. Der öffentlich-rechtliche Sender strahlt am Montag, den 26. Mai 2014 um 22 Uhr 15 Uhr den niederländischen Thriller APP aus, zu dem die App als sogenannter Second Screen zur Verfügung steht – ebenfalls für Android und iOS. Die App bietet zunächst einmal generellen Informationen zum Film. Tippen Nutzer zu Beginn oder während der Ausstrahlung auf die Schaltfläche „Start“, aktivieren sie die Second-Screen-Funktion. Das heißt, dass durch mit dem Filmton übertragenen Signalen, die von der App ausgewertet werden, an bestimmten Stellen des Films zusätzliche Inhalte angezeigt werden. Dafür muss grundsätzlich der Zugriff auf das Mikrofon erlaubt sein.

Die App zu dem am Montagabend im ZDF gezeigten Thriller APP (Screenshot: ITespresso).

Die App zu dem am Montagabend im ZDF gezeigten Thriller APP (Screenshot: ITespresso).

Zuschauer, die die App nutzen, erfahren dann mehr als jene, die sich auf den großen Bildschirm beschränken. Da alle Inhalte lokal gespeichert sind, braucht die App für die Nutzung keine Netzwerkanbindung. Das ist ein Vorteil für alle, die befürchten während er Sendung ausspioniert zu werden. Es ist aber ein Nachteil, weil die App für iOS 78 MByte und für Android 151 MByte groß ist.

Laut ZDF läuft die App auf allen iOS-Geräten mit der iOS 5.0 oder höher sowie auf Android-Geräten auf allen Modellen mit mindestens Android 2.3. Der Sender weist darauf hin, dass Interessierte nur Version 1.2.5 der App aus den deutschen Stores verwenden sollen.

Ein weiterer Vorteil der ZDF-App ist, dass sie nicht voraussetzt, dass der Nutzer direkt vor dem Fernseher sitzt, auch wer den Film zum Beispiel mit einem Festplattenrecorder aufzeichnet oder die Timeshifting-Funktion nutzt, kommt in den Genuss der Zusatzinfos. Der Sender versichert zudem, dass weder Daten gesammelt noch weitergegeben werden. Das ist beim Thema des von der App unterstützten Films nicht ganz unerheblich: In dem Thriller greift nämlich eine zunächst sehr nützlich erscheinende App allmählich aber drastisch in das Leben einer Studentin ein.

Das ZDF setzt offenbar große Hoffnungen auf das Second-Screen-Konzept und begründet die mit Marktforschungszahlen, wonach fast die Hälfte aller Zuschauer parallel zum Fernsehkonsum ein Smartphone, Tablet oder einen Laptop nutzen. „Gut 20 Prozent dieser Zuschauer beschäftigen sich parallel im Netz mit dem Fernsehprogramm, das gerade geschaut wird“, erklärt der Sender weiter.

Den Nutzen des Second-Screen-Konzepts für den Sender erklärt das nur unzureichend: Da er mit der App keine kommerzielle Interessen verfolgt, hält er Nutzer lediglich davon ab, etwas anderes zu tun – und hält so möglicherweise die Einschaltquote hoch. Das funktioniert aber nur, wenn auch die App so funktioniert, wie sich die Nutzer das vorstellen. Beim Quizduell ging nach dem Pannenstart die Zahl der Zuschauer von 1,62 Millionen bei der Premiere auf 980.000 bei der ersten Sendung zurück, in der die App so genutzt werden konnte, wie die Macher sich das von Anfang an vorgestellt hatten.

[Mit Material von Peter Marwan, ITespresso.de]

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Anja Schmoll-Trautmann
Autor: Anja Schmoll-Trautmann
Redakteurin
Anja Schmoll-Trautmann Anja Schmoll-Trautmann Anja Schmoll-Trautmann

Neueste Kommentare 

Eine Kommentar zu Verknüpfung von TV-Sendung und App: nach ARD mit Quizduell ziehen jetzt auch ZDF und ProSieben nach

  • Am 4. Juni 2014 um 13:26 von Monika Geßlein

    Ein sehr interessanter Artikel über aktuelle Second-Screen-Apps einiger TV-Sender. Die Konzepte scheinen ansprechend zu sein, haben aber wohl noch einige Kinderkrankheiten auch im Hinblick auf die technische Umsetzung. Auch die Tatsache, bei manchen Apps via Facebook mitmachen zu können ist wohl noch nicht ganz durchdacht. Es gibt schließlich in der Tat noch Leute die entweder keinen Account beim Gesichterbuch haben, oder einfach nicht über diesen mitmachen wollen und trotzdem sich gerne mit der App an der Sendung beteiligen würden.
    Auf jeden Fall kann man gespannt sein, welche Second-Screen-Konzepte sich langfristig beim Zuschauer durchsetzen werden.

    […]

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