Musik-Abodienst von Youtube: Vertragsdetails durchgesickert

Kleine Labels können demnach praktisch keine eigenen Vergütungen mit der Google-Tochter aushandeln. Youtube kann stattdessen die Lizenzgebühren einseitig senken, sobald ein Major-Label einer geringeren Vergütung zugestimmt hat.

Die Verträge, die im Zentrum des Streits zwischen Youtube und unabhängigen Musiklabels stehen, wurden jetzt von Digital Music News veröffentlicht. Eine darin enthaltene Klausel zwingt kleinere Labels, automatisch auf einen Teil ihrer Vergütung zu verzichten, sobald eine der großen Musikfirmen einer niedrigeren Lizenzgebühr zugestimmt hat.

YouTube

Youtube kann demnach die niedrigere Gebühr einseitig festlegen. Auch eine Nachverhandlung ist dem durchgesickerten Vertrag zufolge nicht möglich. Die neue Vergütung tritt nach einer Frist von 30 Tagen in Kraft. Youtube muss ein Musiklabel lediglich vorab informieren – dafür reicht eine einfache E-Mail.

Unter Berufung auf eine anonyme Quelle bei Google, berichtet das Musikmagazin Billboard, dass derartige Vertragsbedingungen auch bei anderen Musikdiensten gängige Praxis seien. Sie stellten sicher, dass alle Musikfirmen, auch künftige Partner, dieselben Vergütungen erhielten.

Eine weitere Regelung, die bei einigen unabhängigen Musiklabels auf Gegenwehr stößt, trägt den Titel „Catalogue Commitment and Monetization“. Sie besagt, dass ein Indie-Label seinen gesamten Katalog zur Verfügung stellen muss. Allerdings haben einige Labels eigene Verträge mit ihren Künstlern unterzeichnet, die eine Verwertung über einen Abodienst untersagen.

Youtube droht Musikfirmen, die den Vertrag nicht abschließen wollen, mit der Entfernung ihrer Inhalte von der Video-Plattform. Nach Unternehmensangaben betrifft diese Maßnahme rund 5 Prozent der Musiker, die auf Youtube durch ein Label repräsentiert werden.

Der Streit zeigt Probleme auf, die sich aus dem schnellen Wachstum von Musik-Streaming-Diensten ergeben. Einerseits gehören einige unabhängige Künstler wie Macklemore und Arctic Monkeys zu den größten Erfolgen der Musikbranche und haben sogar Musikpreise wie den Grammy gewonnen, andererseits sind neue Anbieter, die auf den Markt drängen, auch gerne bereit, ihr Angebot mit einem unvollständigen Katalog zu starten.

Auch wenn Google einen Youtube-Musikdienst noch nicht offiziell angekündigt hat, wird er wohl den Angeboten von Spotify und Beats Musik ähneln. Allerdings kann Youtube nicht nur mit Musik, sondern auch mit Videos punkten. Gerüchten zufolge wird es eine kostenlose und eine kostenpflichtige Version geben. Letztere gibt Nutzern unbegrenzten und werbefreien Zugriff auf alle Alben und Künstler. Zudem soll es möglich sein, Musik für eine spätere Offline-Nutzung zwischenzuspeichern.

Der Youtube-Abodienst soll noch diesen Sommer starten. Die Kataloge der drei großen Musikfirmen Universal Music, Warner Music Group und Sony Music Entertainment hat sich die Google-Tochter bereits gesichert. Ziel sei es, „mit Youtube weiterhin ein großartiges Musikerlebnis zu bieten, und zwar als globale Plattform, um Fans und Künstler zu verbinden, und als Einnahmequelle für die Musikindustrie“, sagte ein Google-Sprecher.

„Wir erweitern Youtube um abobasierte Funktionen, um unseren Musikpartnern zusätzlich zu den Millionen von Dollar, die sie schon jetzt jedes Jahr generieren, weitere Umsätze zu ermöglichen. Wir freuen uns, dass hunderte Major- und Indie-Labels bereits unsere Partner sind“, heißt es weiter in der Stellungnahme von Google.“

[mit Material von Stefan Beiersmann, ZDNet.de]

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Anja Schmoll-Trautmann
Autor: Anja Schmoll-Trautmann
Redakteurin
Anja Schmoll-Trautmann Anja Schmoll-Trautmann Anja Schmoll-Trautmann

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