NSA-Überwachung: Normale Internetnutzer sind das häufigste Ziel

Die Washington Post wertete über vier Monate hinweg eine Datensammlung des Whistle Blowers Edward Snowden aus. Die Anzahl unrechtmäßiger Überwachungen übertrifft die legalen bei Weitem.

Neun von zehn Opfern der weitreichenden Überwachung durch die NSA sind nicht die eigentlichen Ziele der jeweiligen Operation. Laut Washington Post überwiegt die Anzahl unrechtmäßiger Überwachungen die legalen bei Weitem. Die Tageszeitung beruft sich sich dabei auf eine viermonatige Untersuchung von Unterlagen des Geheimdienstes.

NSA-Seal

Nachdem gerade erst ein Mitarbeiter des BND aufgrund des Spionageverdacht festgenommen worden ist, sind die neuen Erkenntnisse rund um die Machenschaften der NSA zwar bedrückend, aber wenig überraschend. Die Washington Post wertete über vier Monate hinweg eine Datensammlung des Whistle Blowers Edward Snowden aus. Die angeblich unbeabsichtigten Nebenprodukte der legalen Beobachtungen von Zielen im In- und Ausland sind dabei vordergründig normale und unbescholtene Internetnutzer.

Obwohl die Post nicht auf Details der ausgewerteten Berichte eingeht, unter anderem um die anhaltenden Untersuchungen nicht zu gefährden, wird dennoch ein deutliches Bild gezeichnet. Neben E-Mail-Adressen, Namen und anderen Details der nicht freigegebenen Überwachungsziele ließen sich Informationen „voyeuristischer Qualität“ erschließen. Dabei ginge es um Geschehnisse und Geschichten aus dem Alltag der unbescholtenen Überwachungsopfer. Diese ganz normalen Konversationen zwischen Freunden und Familien, über persönliche Probleme und Hoffnungen wurden von mehr als 10.000 Accountnutzern trotz ihrer „Nutzlosigkeit“ für Ermittlungen, katalogisiert und gespeichert.

Allerdings konnte die Post aus den Dokumenten auch ersehen, dass in mehreren Fällen, so zum Beispiel beim in Pakistan lebenden Bombenbauer Muhammad Tahir Shazad und einem Verdächtigen der Bombenanschläge auf Bali von 2002, Umar Patek, die Überwachungsergebnisse direkt zur Festnahme der Ziele führte.
Während der Untersuchungen der Washington Post wurden rund 160.000 E-Mails und Instant-Messenger-Konversationen, die teilweise mehrere hunderte Seiten lang waren, und 7.900 Dokumente von über 11.000 Accounts ausgewertet. Das betrachtete Material stammt aus dem Zeitraum von 2009 bis 2012.

Im Angesicht der weitreichenden Überwachung durch ausländische Geheimdienste stellt sich immer wieder aufs neue die Frage nach den eigentlichen Methoden und Möglichkeiten. Es ist durchaus denkbar, wenn nicht sogar wahrscheinlich, dass die Geheimdienste Hardware manipulieren und Daten so früh wie möglich abgreifen. Gerade Router und Modems sind hierbei relevante Ziele. Daher sollte man bei dieser Hardware vor allem auch auf die Hersteller achten. Laut routertest.net gibt es einige Geräte, die dank häufiger Firmware-Updates viele Sicherheitslücken mittlerweile rechtzeitig schließen. Das stellt zwar keinen vollständigen Schutz dar, erschwert so aber zumindest den Zugriff auf die eigenen Daten, solange sie noch nicht das lokale Netzwerk verlassen haben.

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Anja Schmoll-Trautmann
Autor: Anja Schmoll-Trautmann
Redakteurin
Anja Schmoll-Trautmann Anja Schmoll-Trautmann Anja Schmoll-Trautmann

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Eine Kommentar zu NSA-Überwachung: Normale Internetnutzer sind das häufigste Ziel

  • Am 11. August 2014 um 12:59 von Constantin G.

    Insbesondere nach den ganzen Spionageschlagzeilen hat mir vor allem mein Bruder (IT Experte) empfohlen bei unseren Routern aufzurüsten. Zwar glaube ich nicht dass unsere Daten nun unzugänglich sind, aber sicherer fühlen wir uns schon ein wenig.

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