Microsoft: Formular zum Löschen von Suchergebnissen in Kürze verfügbar

Ein konkreten Termin, zu dem Microsoft das Formular für Löschanträge von Bing bereitstellen wird, ist allerdings noch nicht bekannt. Zuvor sei noch eine Abstimmung mit Yahoo nötig, dessen Suche auf Bing aufbaut.

Nach Google reagiert auch Microsoft auf das Urteil des Europäischen Gerichtshofs von Mitte Mai und will bald Formulare im Web anbieten, über die europäische Internetnutzer einen Antrag auf Löschung von personenbezogenen Einträgen von der Suchmaschine Bing stellen können. Google nimmt Löschanträge bereits seit Ende Mai entgegen.

Microsoft: Formular zum Löschen von Suchergebnissen in Kürze verfügbar

Nachdem Microsoft sich anfangs nicht zu diesem Thema äußerte, hat es Mitte Juni angekündigt, an einem speziellen Verfahren für Bürger der Europäischen Union zu arbeiten, um ihnen die Löschung bestimmter personenbezogener Ergebnisse von Bing zu ermöglichen. Aufgrund Unklarheiten bei der Umsetzung des Urteils des Europäischen Gerichtshofs benötigte es aber noch einige Zeit. Mit der Bereitstellung von Formularen für Löschanträge setzt Microsoft das EuGH-Urteil ähnlich um wie Google.

Es macht den Suchmaschine-Betreiber im Fall personenbezogener Daten auf von Dritten veröffentlichten Internetseiten für die von ihm vorgenommene Verarbeitung verantwortlich. Das bedeutet, dass ein Internetnutzer unter bestimmten Voraussetzungen den Betreiber einer Suchmaschine direkt auffordern kann, Links aus der Ergebnisliste zu löschen, die bei einer Suche nach seinem Namen auftauchen. Voraussetzung ist, dass die fraglichen Einträge die Privatsphäre des Anwenders verletzen.

Bei Google sind nach eigenen Angaben seit Ende Mai über 70.000 Löschanträge eingegangen, die insgesamt 250.000 Webseiten betreffen. Um zu entscheiden, welche beanstandeten Suchergebnisse tatsächlich gelöscht werden, hat der Internetkonzern inzwischen einen “Lösch-Beirat” ins Leben gerufen, dem unter anderem auch die Ex-Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger angehört.

Dem “Recht auf Vergessen” will Microsoft künftig mit einem eigenen Online-Formular Rechnung tragen. Wann es genau die Löschanträge einführen und wie es sie auswerten wird, das hat Microsoft allerdings noch nicht bekannt geben. “Wir arbeiten noch an den Details, wie wir die jüngste Entscheidung des Europäischen Gerichtshofs umsetzen. Wir rechnen damit, in Kürze ein Antragsformular für EU-Bürger anbieten zu können”, erklärte ein Microsoft-Sprecher. Nach Informationen der New York Times kann Microsoft derzeit keine genauen Angaben zur Verfügbarkeit des Formulars machen, weil es sich zuvor noch mit Yahoo abstimmen muss, dessen Suche auf Bing basiert.

Was die Sache für die Suchmaschinenbetreiber erschwert, ist, dass es bislang keine offizielle Richtlinie gibt, wie sie konkret mit Anfragen umgehen und entscheiden sollen, welche Ergebnislinks veraltete Informationen enthalten oder irrelevant sind. Sie müssen vor allem prüfen, ob ein öffentliches Interesse an den Informationen besteht, zum Beispiel, ob es um finanzielle Betrugsfälle, Berufsvergehen oder Amtsmissbrauch, strafrechtliche Verurteilungen oder das öffentliche Verhalten von Regierungsbeamten geht.

In einer Stellungnahme gegenüber dem Guardian erklärte Googles Chefanwalt David Drummond, dass man sich mit sehr vagen und subjektiven Tests herumschlage, um die Gültigkeit von Anfragen zu überprüfen. “Die Beispiele, die wir bisher gesehen haben, verdeutlichen den schwierigen Bewertungsprozess, dem Suchmaschinen und die europäische Gesellschaft nun gegenüberstehen: ehemalige Politiker wollen Einträge entfernt haben, die ihre Politik in ihrer Amtszeit kritisieren; ernsthaft bitten Gewalttäter darum, Artikel über ihre Straftaten zu löschen; schlechte Bewertungen für Berufsgruppen wie Architekten und Lehrer; Kommentare, die Leute selbst geschrieben haben (und jetzt bedauern). In jedem dieser Fälle möchte jemand Informationen verstecken, während andere argumentieren könnten, dass diese Informationen öffentlich zugänglich bleiben.”

Unter seinen Sucherresultaten zeigt Google bei Personensuchen mittlerweile häufig den Hinweis an, dass einige Ergebnisse möglicherweise aufgrund der Bestimmungen des europäischen Datenschutzrechts entfernt wurden. Ob Microsoft eine ähnliche Mitteilung für Bing plant, hat es noch nicht mitgeteilt.

[Mit Material von Björn Greif, ZDNet.de]

Autor: Christian Schartel
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