Google+: ab sofort auch Pseudonyme als Profilnamen wählbar

Google hebt alle Einschränkungen für die Wahl des Google+-Profilnamens auf. Nutzer können sich statt mit ihrem realen Namen nun auch mit einem Spitznamen anmelden. Google entschuldigt sich sogar, die Klarnamenpflicht erst jetzt abzuschaffen.

Seitdem Google sein Soziales Netzwerk Google+ im Jahr 2011 in Betrieb genommen hat, mussten Nutzer stets ihren Klarnamen, also ihren tatsächlichen Vor- und Nachnamen bei der Anmeldung angeben. Das hat sich nun geändert. Ab sofort gibt es keine Einschränkungen bezüglich der Namenswahl mehr. Das bedeutet, Nutzer können auch ein Pseudonym als Profilnamen wählen. Dies hat Google in einem Google+-Beitrag verkündet.

Google+: ab sofort auch Pseudonyme als Profilnamen wählbar (Screenshot: CNET.de

Der Abkehr von der seit drei Jahren geltenden Pflicht geht der Austritt von Vic Gundotra voraus. Er war der Schöpfer von Google+ und seit jeher für das Soziale Netzwerk verantwortlich. Trotzdem der Abgang für Spekulationen über die künftige Entwicklung von Google+ auslöste, kommt der Schritt etwas überraschend.

Laut Google haben die vielen Einschränkungen bei der Namensgebung zwar dabei geholfen, eine Community zu schaffen, die aus realen Menschen besteht, allerdings habe diese Maßnahme auch viele potentielle Nutzer ausgeschlossen, die nicht ihren echten Namen angeben wollten. Zwar gab es zwischenzeitlich auch die Möglichkeit, einen “alternativen Namen” zu verwenden, allerdings war dies nur unter Auflagen möglich. Google genehmigte dies in der Regel nur dann, wenn die Personen ihre Identität mit amtlichen Papieren nachwiesen. Besitzer von Google+-Seiten sowie Youtube-Nutzer konnten bereits einen Namen frei wählen beziehungsweise den ihres Youtube-Accounts übernehmen.

Google+ entschuldigt sich jetzt auch dafür, die Forderungen der Nutzer nach einer solchen Änderung bisher überhört zu haben. “Wir wissen, dass unsere Namensrichtlinien unklar waren, und das hat zu einigen unnötig schwierigen Erfahrungen für einige unserer Nutzer geführt.” Die Öffnung für Pseudonyme solle das Netzwerk zu einem Ort machen, der willkommen heißt und nicht ausschließt.

Zur Durchsetzung wurden schon 2011 zahlreiche Google+-Konten gesperrt. Betroffen waren selbst frühere Google-Mitarbeiter, außerdem Autoren, Musiker, Blogger und Programmierer. Besonders problematisch und potenziell riskant war das Pseudonymverbot für Transgender-Personen, politische Dissidenten und Aktivisten.

Auch das Google+-Konto der ZDNet.com-Autorin Violet Blue wurde damals vorübergehend gesperrt, weil sie unter Pseudonymverdacht geriet – obwohl es ihr bürgerlicher Name ist und er in ihren Ausweispapieren steht. Heute begrüßt sie die Zulassung von Pseudonymen als ernsthaften Kurswechsel für das Unternehmen und sein Social Network. Google habe damit gezeigt, dass es begonnen hat, auf seine Nutzer zu hören. “Aber kann Google das Nutzervertrauen zurückgewinnen mit einer Änderung, die manchen als zu wenig und auch zu spät erscheinen wird?” fragt sie zugleich skeptisch.

Datenschützer argumentieren schon länger gegen vorgeschriebene Klarnamen in Social Networks, an der Facebook nach wie vor festhält. Die Electronic Frontier Foundation (EFF) sieht in der möglichen Verwendung von Pseudonymen einen Schutz der Privatsphäre. Schleswig-Holsteins Datenschützer verklagte sogar vergeblich Facebook, weil seine Klarnamenpflicht gegen deutsches Recht verstoße. Die Richter wandten aber das irische Recht an, da die dortige Facebook-Tochter für das Europageschäft verantwortlich ist.

[Mit Material von Bernd Kling, ZDNet.de]

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Autor: Christian Schartel
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Neueste Kommentare 

2 Kommentare zu Google+: ab sofort auch Pseudonyme als Profilnamen wählbar

  • Am 16. Juli 2014 um 16:55 von Emil G.

    Man konnte sich doch immer mit einem Pseudonym anmelden, solange es sich wie ein ‚realer‘ Name geschrieben wird und nicht aus absurden Sonderzeichen besteht. Das gilt übrigens auch für Facebook. Ich bin da nicht unter meinem realen Namen angemeldet.

  • Am 16. Juli 2014 um 22:02 von msoika84

    Habe kein Problem mir dem Klarname. Nur hatte man die Möglichkeit anbieten sollen auch pseudonyme für z.b. öffentliche oder bestimmte Kreise zu vergeben. Bzw auch den YouTube account einen Pseudonym zu verpassen.

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