Zoom Q4: Video-Audio-Recorder im Mini-Format im Test

Zoom vereint beim Q4 sowohl Audiorecorder als auch Camcorder in einem kompakten Gehäuse. Das Gerät ist vor allem für Hobbymusiker gedacht, aber auch für Videoreporter und für die Aufnahme von Konferenzen interessant. Der Praxistest zeigt, ob der Q4 Handy Video Recorder dem Anspruch gerecht wird.

Was ist das eigentlich genau, ein „Handy Video Recorder“? Nun, der Zoom Q4 ist ein sehr kompakter Camcorder mit einem hochwertigen Stereomikrofon. Oder besser gesagt, ein sehr kompakter Audiorecorder mit eingebauter Videokamera. Die zweite Beschreibung trifft das Konzept des Zoom Q4 noch etwas besser, denn der Hersteller Zoom ist in erster Linie durch seine mobilen Audiorecorder bekannt. Bei Hobbymusikern und Videoreportern oder Journalisten genießen „Handy Recorder“ wie der Zoom H2 einen guten Ruf.

Dass es sich bei dem Zoom Q4 nicht um ein originelles Gadget handelt, sondern einen seriösen Mobilrecorder, merkt man an Details. Dazu gehören das unspektakuläre, sachliche Design oder auch der mitgelieferte Fellwindschutz. Der hält den Wind viel wirksamer ab als die billigen Schaumstoffhäubchen, die andere Hersteller beizulegen pflegen. Eine nicht zu unterschätzende Beigabe, normalerweise kostet so ein Fellwindschutz – auch als „Dead Cat“ bekannt – mindestens 30 Euro.

Das Firmware-Update auf der Homepage zeigt, dass Zoom auch die Produktpflege ernst nimmt.

Durch das hochwertige Mikrofon und die weitwinkelige Festbrennweite ist der Q4 auch zum Aufzeichnen von Konferenzen geeignet. (Foto: Mehmet Toprak)

Durch das hochwertige Mikrofon und die weitwinkelige Festbrennweite ist der Q4 auch zum Aufzeichnen von Konferenzen geeignet. (Foto: Mehmet Toprak)

Einfache Bedienung, sinnvolle Optionen

Mit seinen kompakten Abmessungen (106,4 mal 57,8 mal 30,4 Millimeter) und einem Gewicht von knapp 200 Gramm liegt der Q4 gut in der Hand. Die Bedienelemente sind zwar klein, aber gut erreichbar platziert. Der Abstand zueinander ist ausreichend bemessen, so dass man nicht so leicht daneben tippt.

Mikrofon mit XY-Stellung

Das wohl auffälligste Merkmal des Geräts ist das Mikrofon. Es ist ausklappbar und besteht aus zwei Einzelmodulen. Die Stereomikrofone sind in XY-Stellung angebracht. Das rechts platzierte Mikrofon konzentriert sich auf die von links eintreffenden Schallsignale und das links platzierte auf die Signale von rechts. Die Signale des rechts platzierten aber nach links zeigenden Mikros wandern in den linken Stereokanal und umgekehrt. Bei dieser gelegentlich auch für Orchesteraufnahmen verwendeten Mikrofonierung ergibt sich ein besonders weiträumiges Klangbild, das die genaue Ortbarkeit der einzelnen Schallquellen erlaubt.

Mit einem Winkel von 130 Grad nimmt das Objektiv so ziemlich alles auf, was sich vor der Linse abspielt. (Foto: Mehmet Toprak)

Mit einem Winkel von 130 Grad nimmt das Objektiv so ziemlich alles auf, was sich vor der Linse abspielt. (Foto: Mehmet Toprak)

Die Audioqualität lässt sich in vielen Stufen regeln, von schlichter AAC-Qualität mit 64 KBit/s über das klassische CD-Format im unkomprimierten WAV-Format mit 44,1 kHz/24 Bit bis zu unkomprimiertem WAV-Format mit 96 kHz/24 Bit. Ein Filter für tiefe Frequenzen („Low Cut“) lässt sich zuschalten.

Die Konfiguration wird über Tipptasten am unteren Rand des 2-Zoll-Displays (5,8 Zentimeter) vorgenommen. Die Menüs sind zwar noch englischsprachig und deren Optik nicht gerade schick, doch die Navigation durch die Optionen ist logisch und eingängig strukturiert. Erfahrene Anwender werden das 32-seitige PDF-Handbuch kaum benötigen.

Einschalten und loslegen

Die Bedienung des Zoom Q4 ist simpel und praxisnah. Die manuelle Aussteuerung beispielsweise ist auf drei Stufen beschränkt, die man mit einem Schiebeschalter auf hohe, mittlere oder niedrige Empfindlichkeit stellt. Das mag manchem allzu simpel und schematisch vorkommen, hat aber seinen Sinn. Der Zoom ist kein Mobilrecorder für den Toningenieur, der eine Band aufnimmt und laufend alle Einstellungen einpegelt, sondern ein unkomplizierter Mobilrecorder für die Band, die sich selbst bei den Proben aufnimmt. Man stellt den Q4 auf einen Stuhl, schaltet auf Aufnahme und legt los. Mühsames Justieren an den Audioeinstellungen ist nicht nötig.

Auf der Rückseite finden sich Anschlüsse für USB, externes Mikrofon, Kopfhörer und HDMI. (Foto: Mehmet Toprak)

Auf der Rückseite finden sich Anschlüsse für USB, externes Mikrofon, Kopfhörer und HDMI. (Foto: Mehmet Toprak)

Auch wer beispielsweise ein Interview oder ein Meeting in Bild und Ton festhalten will, benötigt keine komplizierten Menüs mit Dutzenden von Optionen, sondern will das Gerät zu Beginn der Sitzung einschalten und dann einfach laufen lassen können.

Nur den Ton sollte man bei der Aufnahme über die Kopfhörerbuchse kontrollieren, damit die Aufnahme nicht übersteuert, und dann die passende Empfindlichkeit wählen. Mit etwas Erfahrung dürfte auch das unnötig sein. Wer es ganz simpel haben will, stellt auf automatische Aussteuerung.

Video mit Festbrennweite

Der praxisorientierte Ansatz zeigt sich auch beim Videomodul. Der Zoom Q4 arbeitet mit einer Festbrennweite von 35 Millimeter (Kleinbild), das entspricht einem moderaten Weitwinkel. Der Fixfokus stellt alles ab 55 Zentimeter Entfernung scharf. Da genügt es im Prinzip, das Gerät auf das Motiv auszurichten. Den frei dreh- und schwenkbaren Monitor benötigt man dafür gar nicht unbedingt. Dementsprechend lässt sich der kleine 2-Zoll-LCD-Monitor abnehmen. So wird das Gerät noch kompakter und obendrein der Akku geschont.

Der Camcorder beherrscht Full HD (1920 x 1080 Pixel) mit 30 Bildern pro Sekunde. Für längere Aufnahmesessions bei knappem Speicherplatz oder, wenn hohe Auflösung gar nicht gefragt ist, lässt sich die Videoqualität bis auf WVGA (848 x 480 Pixel) herunterregeln.

Die Bildqualität, die das Objektiv und der 1/3-Zoll-Sensor (3 Megapixel) liefern, ist nicht gerade brillant, aber für den Zweck ausreichend. Die Farben wirken vielleicht etwas flau, aber in jedem Fall ausreichend scharf und nicht unnatürlich.

Mit einem Winkel von 130 Grad nimmt das Objektiv so ziemlich alles auf, was sich vor der Linse abspielt. (Foto: Mehmet Toprak)

Mit einem Winkel von 130 Grad nimmt das Objektiv so ziemlich alles auf, was sich vor der Linse abspielt. (Foto: Mehmet Toprak)

Am Audiomodul merkt man die Erfahrung von Zoom als Anbieter von Audiorecorden. Die Aufnahmequalität ist ausgezeichnet. Stimmen kommen klar und lassen sich leicht orten, akustische Instrumente wie Gitarren klingen sauber und natürlich. Natürlich ist der Zoom kein Gerät für die professionelle Audioproduktion. Aber als Aufzeichnungsgerät für Konferenzen oder als Mini-Recorder für Musiker, die ihr Konzert unkompliziert in ansehnlicher Qualität dokumentieren wollen, ist der Zoom der richtige Spielpartner.

Richtcharakteristik nicht einstellbar

Etwas verwunderlich ist allerdings, dass es keine Möglichkeit gibt, die Richtcharakteristik des Mikrofons zu verändern. Die ist passend zum weitwinkeligen Bild ebenfalls sehr weit angelegt, der Aufnahmewinkel beträgt laut Datenblatt 120 Grad. Gerade für Interviews wäre es zweckmäßig, weil man damit Nebengeräusche wirksam ausblenden könnte. Auch bei Aufnahmen von Soloinstrumenten kann dies hilfreich sein, wenn man das Gerät nicht in unmittelbarer Nähe des Musikers aufstellen kann.

So bleibt die Richtcharakteristik des Zoom-Mikrofons fest an die weitwinkelige Brennweite des Videomoduls gekoppelt. Behelfen kann sich der Nutzer hier, wenn er ein externes Mikrofon mit einer anderen Richtcharakteristik anschließt.

Unter Umständen wäre es auch eine sinnvolle Option, Audioaufnahmen ohne Video zuzulassen. Dann könnte man den Zoom Q4 als reinen Audiorecorder nutzen. Situationen, in denen man nur Sound aufnehmen will, und kein Video braucht, gibt es genug. Vielleicht könnte Zoom diese Option sogar durch ein Firmware-Update realisieren.

Als Software-Zugabe bietet Zoom das Programm Handyshare. Damit schneidet der Anwender die Video- und Audiodateien. Einige Soundeffekte sind auch dabei. Schließlich kann man die fertig bearbeiteten Datei direkt aus Handyshare heraus auf Youtube hochladen.

Zusammengeklappt ist der Zoom Q4 außerordentlich kompakt. (Foto: Mehmet Toprak)

Zusammengeklappt ist der Zoom Q4 außerordentlich kompakt. (Foto: Mehmet Toprak)

Fazit: Zweckmäßig und gut

Der Zoom Q4 ist ein zweckmäßig konzipierter Audio-Video-Recorder im Kompaktformat. Neben der guten Aufnahmequalität in Ton und Bild überzeugt das Gerät durch die einfache und praxisorientierte Bedienung und das dreh- und schwenkbare Display. Manche Nutzer werden allerdings die Möglichkeit vermissen, die Richtcharakteristik des Mikrofons anzupassen. Der Straßenpreis von 277 Euro ist angemessen.

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