Amazon-Marketplace: Schadenersatzklage wegen schlechter Bewertung abgewiesen

Die Klage wurde vom Landgericht Augsburg allerdings nur aufgrund eines Formfehlers abgewiesen und der Sachverhalt selbst nicht geklärt. Das wäre in nächster Instanz vor dem Oberlandesgericht möglich.

Das zuständige Landgericht Augsburg hat jetzt in einem Streit um eine negative Bewertung bei Amazon die Schadenersatzklage eines Amazon-Marketplace-Händlers abgewiesen. Die Abweisung der Klage erfolgte jedoch nur aus formalen Gründen, da der Anwalt des Klägers laut Richter Rudolf Weigell einen Beweisantrag zu spät gestellt hatte. Aus diesem Grund verhandelte das Gericht gar nicht erst über die eigentliche Sache, wie die Augsburger Allgemeine Zeitung berichtet.

Amazon

Ende April hatte der Händler den Kunden aus Großaitingen (Kreis Augsburg) wegen einer am 3. Juli 2013 abgegebenen negativen Bewertung auf insgesamt 70.000 Euro Schadenersatz verklagt. Die Summe ergibt sich ihm zufolge aus rund 40.000 Euro entgangenen Umsätzen aufgrund einer Kontosperrung, seinen Anwaltskosten sowie „weiteren Schäden“ in Höhe von geschätzten 20.000 Euro.

Ein Fliegenschutzgitter im Wert von 22,51 Euro war Ausgangspunkt des Streits. Dieses hatte der Kunde Ende Juni 2013 bei dem Amazon-Marketplace-Händler bestellt. Lieferung und Zustellung liefen noch ohne Probleme. Das Zuschneiden des Schutzgitters funktionierte dem Kunden zufolge jedoch nicht wie in der Anleitung beschrieben. Daraufhin nahm er telefonisch Kontakt zu dem Händler auf, um sich zu beschweren. Über den weiteren Verlauf gibt es gegensätzliche Aussagen. Nach Schilderung des Kunden sei der Händler am Telefon „richtig unverschämt“ gewesen und habe keine Hilfe angeboten. Der Händler bestreitet dies und behauptet seinerseits, der Kunde habe einfach nicht begriffen, wie das Schutzgitter anzubringen sei.

Schließlich gab der Käufer auf Amazon seine Bewertung ab, die die Augsburger Allgemeine Zeitung in einem früheren Bericht im Wortlaut zitierte: „Die Lieferung erfolgte schnell. Das war das positive. In der Anleitung steht ganz klar Mann muss den Innenrahmen messen das ist falsch. Damit wird das ganze zu kurz! Die Ware selbst macht guten Stabilen Eindruck, Der Verkäufer nie wieder!“

Der Händler forderte den Kunden daraufhin per Mail auf, die Bewertung zu löschen oder zu ändern. Andernfalls werde er Anzeige erstatten. Diese Drohung nahm der Kunde zum Anlass, den Händler bei Amazon zu melden. Der Onlinehändler sperrte daraufhin dessen Verkäuferkonto mit einem Guthaben von 13.000 Euro.

Nach Erhalt einer Abmahnung samt geforderter Unterlassungserklärung erklärte sich der Käufer schließlich bereit, die Bewertung zu löschen, weigerte sich aber, die geforderten Anwaltskosten in Höhe von 800 Euro zu zahlen. Einem gescheiterten Schlichtungsverfahren folgte im Herbst 2013 schließlich die Schadenersatzklage über 70.000 Euro.

Fraglich in der Sache ist, ob die Bewertung und Beschwerde genau dieses einen Käufers Amazon veranlasst hat, das Verkäuferkonto des Händlers zu sperren. Aufgrund der Abweisung der Klage wegen eines Formfehlers konnte das Landgericht Augsburg hier nicht zur Klärung beitragen.

Der Anwalt des Klägers kündigte an, das Urteil genau zu prüfen und dann über das weitere Vorgehen zu entscheiden. Es spreche aber vieles für den Weg in die nächste Instanz, sagte er der Augsburger Allgemeinen. Dann müsste sich das Oberlandesgericht mit dem Fall befassen.

[Mit Material von Björn Greif, ZDNet.de]

Anja Schmoll-Trautmann
Autor: Anja Schmoll-Trautmann
Redakteurin
Anja Schmoll-Trautmann Anja Schmoll-Trautmann Anja Schmoll-Trautmann

Neueste Kommentare 

Eine Kommentar zu Amazon-Marketplace: Schadenersatzklage wegen schlechter Bewertung abgewiesen

  • Am 2. August 2014 um 09:05 von MMK

    Es wäre so einfach gewesen, der Kunde ist König! Ware austauschen oder Geld zurück!!! Bei diesen Bagatellbeträgen erst recht. Aber es kommt immer häufiger vor, das die Grundregeln, miteinander richtig zu kommunizieren, verletzt werden. Der eine versteht nicht was der andere sagt. Diese Gefahren sind dann noch stärker, wenn man durch Sprachprobleme sich nicht richtig versteht. Der Verkäufer steht immer am Pranger, egal ob er Schuld hat oder nicht. Das schlimmste ist, wenn der Verkäufer den Kunden verärgert, oder noch schlimmer beschimpft. Das der Kunde sich dann bei dem Online System, in diesem Fall den Anbieter des Portals, beschwert ist dann die logische Folge. Für den eigentlichen Verkäufer, der unter diesem Dach seine Waren anbietet, eine in diesem Fall existenzbedrohende Konsequenz.
    Übrigens:
    Hätte der Kunde das gleiche Problem mit einem Laden in seiner Nähe gehabt, könnte er sich höchstens bei der Verbraucherzentrale beschweren, oder mit seinen Nachbarn unterhalten, das der Laden nicht taugt. Eine online Bewertung für den Internethändler wird direkt von allen Interessenten gelesen.

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