Amazon kauft Game-Streaming-Anbieter Twitch

Amazon übernimmt Twitch für umgerechnet rund 735 Millionen Euro und kommt damit Google zuvor, das sich ebenfalls für das Live-Streaming-Videoportal interessierte. Die Übernahme soll noch in diesem Jahr abgewickelt werden.

Das Live-Streaming-Videoportal Twitch wird künftig zu Amazon gehören. Das Online-Versandhaus hat die Übernahme des von Gamern für die Live-Übertragung von Gameplay-Szenen genutzten Portals offiziell in einer Pressemitteilung bekannt geben. Der Preis beträgt 970 Millionen Dollar. Das entspricht rund 735 Millionen Euro und ist damit Amazons bis Dato größter Zukauf. Die Übernahme wollen Amazon und Twitch noch in der zweiten Hälfte des Jahres 2014 abwickeln.

Amazon kauft Game-Streaming-Anbieter Twitch

Einem Bericht von Recode zufolge soll ein Informant die Gründe für die Übernahme verraten haben. Demnach plane Amazon mit Twitch mehr jüngere Zuschauer zu erreichen und in dieser Hinsicht an Netflix sowie Youtube vorbeizuziehen. Das Onlineversandhaus sei vermutlich vor allem am Potenzial für Videowerbung interessiert, da das Live-Streaming-Portal insbesondere junge Männer anspreche und diese eine ebenso attraktive wie schwer zu erreichende Zielgruppe von Käufern sei.

Amazon-CEO Jeff Bezos bezeichnete es als globales Phänomen, Videospiele zu übertragen und zu betrachten. “Twitch hat eine Plattform geschaffen, die viele Millionen Menschen zusammenbringt, die monatlich Milliarden Minuten Spiele ansehen”, erklärte er. Das sei besonders erstaunlich, da Twitch erst seit rund drei Jahren bestehe.

Twitch ging ursprünglich aus der 2007 gegründeten “Lifecasting”-Plattform Justin.tv hervor, die Videofeeds und öffentliche Chaträume kombinierte, sodass Zuschauer die ausgestrahlten Inhalte live kommentieren konnten. Namensgeber Justin Kan sendete in den Anfangstagen mittels einer Kopfkamera über Justin.tv sein komplettes Leben, 24 Stunden pro Tag, sieben Tage die Woche. Daraus entwickelte sich eine Live-Videostreaming-Plattform, auf der die Nutzer auch ihre Videospiele abfilmen und live ins Internet übertragen konnten. Als im Laufe der Jahre das Spiele-Livestreaming immer beliebter wurde, benannte sich das Unternehmen offiziell in Twitch Interactive Inc um.

Neben Amazon war wiederholt auch Google als Käufer der erfolgreichen Streaming-Plattform im Gespräch gewesen, doch die Verhandlungen scheiterten offenbar. “Wir haben Amazon gewählt, weil sie an unsere Community glauben, unsere Wertvorstellungen sowie langfristige Vision teilen – und uns helfen wollen, schneller dahin zu kommen”, schreibt CEO Emmett Shear in einem Brief an die Twitch-Community. “Für uns bleibt fast alles gleich: unser Firmensitz, unsere Mitarbeiter, unsere Marke und vor allem unsere Unabhängigkeit. Aber mit Amazons Unterstützung werden wir über die Mittel verfügen, um ein noch besseres Twitch für euch zu gestalten.”

Amazon ist schon länger im Bereich Videospiele aktiv, wenn auch bislang ohne durchschlagenden Erfolg. Die in diesem Jahr vorgestellte TV-Settop-Box Fire TV dient auch als Spielekonsole, zu der ein optionaler Spielecontroller erhältlich ist. Auch die Übernahme des unabhängigen Spiele-Entwicklers Double Helix Games im Februar 2014 wies darauf hin, dass Amazon sich in Zukunft noch weit stärker bei Videospielen engagieren will.

[Mit Material von Bernd Kling, ZDNet.de]

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Autor: Christian Schartel
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