LG G Watch R im Test: Android Wear im klassischen Uhrendesign

Die LG G Watch R sieht dank des runden Displays, dem Metallgehäuse und den schönen Zifferblätter wie eine klassische Herrenarmbanduhr aus, auch wenn beim Design sicherlich noch Luft nach oben ist. Das Display ist heller als beim Vorgänger, die Leistung ordentlich und die Akkulaufzeit dank OLED-Technologie wieder ein Stück länger geworden. Der Funktionsumfang ist allerdings etwas geringer als bei der Konkurrenz. Eigene Apps hat LG nicht integriert.

LG war neben Samsung der erste Hersteller, der direkt zum Start von Android Wear Ende Juni auch schon mit einer Smartwatch mit Googles neuem Wearable-Betriebssystem aufwarten konnte. Bei der LG G Watch wurde demnach das Augenmerk noch nicht auf das Design, sondern auf die Funktionalität gelegt, um sozusagen zu zeigen, was Android Wear kann. Beim Nachfolger, der G Watch R, hat sich LG nun gänzlich auf das Aussehen der Smartwatch konzentriert.

Während die erste LG G Watch noch wie ein simples, schwarzes und wenig aufregendes Rechteck aussieht, kommt die neue G Watch R mit einem komplett überarbeiten Design. Die Smartwatch bietet ein Echtlederarmband, ein schickes schwarzes Metallgehäuse mit Verwinklungen und ein rundes Display, das die Android-Wear-Watch wie eine richtige Armbanduhr aussehen lässt, die man auch tragen kann, ohne sich dafür schämen zu müssen.

Unter der Haube der LG G Watch R hat sich im Vergleich zum Vorgänger dagegen wenig getan. Die Hardware ist bis auf einige Ausnahmen nahezu identisch geblieben. Und als Betriebssystem kommt wie bei allen anderen Konkurrenten Android Wear zum Einsatz, das eine Verbindung zum Smartphone benötigt, um Benachrichtigungen & Co. anzuzeigen.

LG G Watch R (Bild: CNET).

Die LG G Watch R kostet 269 Euro ist aber noch nicht in allzu großen Stückzahlen im deutschen Handel erhältlich (Bild: CNET).

Preis & Verfügbarkeit

Die LG G Watch R kostet 269 Euro und sollte ab Anfang November im Einzelhandel und bei diversen Online-Shops erhältlich sein. Der Verkaufsstart verzögert sich wohl etwas, auch wenn die Uhr inzwischen schon einige Anbieter auf Lager haben und sie angeblich auch schon in ein paar Saturn-Märkten zum Verkauf steht. Viele Händler geben die Verfügbarkeit aber noch mit „Liefertermin unbekann“t an. Den offiziellen Verkaufsstart hat LG bisher auch noch nicht verkündet.

Design

Ob Smartwatch oder herkömmliche Armbanduhr: das Design spielt eine entscheidende Rolle. Denn eine Uhr wird schließlich nicht nur zum Anzeigen der Zeit am Handgelenk getragen, sondern ist in der Regel auch ein Accessoire oder gar ein Statussymbol – besonders in der Herrenwelt. Dem ist sich natürlich auch LG bewusst und hat deshalb die neue G Watch R so gestaltet, dass sie mit ihrem runden Display und Lederarmband wie eine richtige Armbanduhr aussieht. Nur wer ganz genau hinschaut, sieht, dass es sich bei dem runden Zifferblatt in Wirklichkeit um ein Display handelt.

LG G Watch R (Bild: CNET).

Die LG G Watch R sieht aus wie eine normale Herrenarmbanduhr (Bild: CNET).

Die G Watch R ist allerdings auch nicht die erste Smartwatch mit einem runden Display. Motorola hat mit der Moto 360 ebenfalls eine runde Android-Wear-Watch im Programm, die im Vergleich aber etwas weniger wie eine richtige Uhr aussieht. Welches Aussehen man aber nun besser findet, das ist sicherlich Geschmackssache. Die Anzeige hat LG leicht in das Gehäuse der Uhr versenkt, sodass sie besser vor Kratzern geschützt ist als die der Moto 360. Dafür stößt der Finger beim Wischen stets am Gehäuse an. Bei der Moto 360 kann man einfach nahtlos über den Rand hinauswischen.

LG G Watch R (Bild: CNET).

Bei der G Watch R ist das Display leicht in das Gehäuse versenkt (Bild: CNET).

Um den Bildschirm zieht sich ein 11 Millimeter dicker, schwarzer und abgewinkelter Metallrahmen. Den Rahmen rund um das Display hat LG mit einer weißen Beschriftung versehen. Das verleiht der LG G Watch R noch etwas mehr den Charakter einer traditionellen sportlichen Herrenuhr. An der Seite des Gehäuses sitz der Home-Button, der wie eine Krone aussieht.

LG G Watch R (Bild: CNET).

Der Home-Button führt zurück zum Homescreen oder dimmt die Anzeige beziehungsweise schaltet sie aus (Bild: CNET).

Das Armband ist aus echtem Leder, das allerdings etwas hart und unflexibel ist. Mit der Zeit dürfte es zwar etwas weicher werden, aber an das hochwertigere Horween-Lederarmband der Moto 360 kommt es nicht ganz heran.

LG G Watch R (Bild: Gizmodo.de).

Das Lederarmband der G Watch R ist etwas hart (Bild: Gizmodo.de).

Das Armband hat eine Standardbreite von 22 Millimetern und kann bei der LG G Watch mit einem Uhrenwerkzug (oder Messer) und etwas Fingerspitzengefühl durch passende Armbänder anderer Uhren ausgestaucht werden. Allgemein muss man beim Wechseln des Armbandes vorsichtig sein und aufpassen, dass man den Federstift beim Zusammendrücken nicht verbiegt oder gar abrutscht und sich verletzt.

LG G Watch R (Bild: Gizmodo.de).

Es lässt sich mit dem richtigen Werkzeug durch herkömmliche Armbänder mit einer Breite von 22 Millimetern austauschen (Bild: Gizmodo.de).

LG hat aber auch eigene Armbänder im Angebot – beispielsweise eines in Braun mit weißen Nähten.

LG G Watch R (Bild: CNET).

LG G Watch R mit braunem Lederarmband

Die Rückseite der LG G Watch R besteht aus leicht angerautem Kunststoff. Das Gehäuse ist wie üblich nach der IP67-Zertifizierung gegen Wasser und Staub geschützt. Man kann damit also für 30 Minuten bei einem Meter Tiefe unter Wasser ausharren. Auf der Rückseite sitzten zudem ein Pulsmesser, ein Mikrofon und die Anschlüsse zum Laden. Einen Lautsprecher gibt es wie bei der Konkurrenz nicht.

LG G Watch R (Bild: CNET).

LGs neues Android-Wear-Modell kommt nun auch mit einem Pulsmesser (Bild: CNET).

Insgesamt misst die LG G Watch R 53,6 mal 46,4 mal 11,1 Millimeter (9,7 ohne Display-Rand). Damit ist die G Watch R genauso dick wie die Moto 360 und sicherlich dicker als viele analoge Armbanduhren. Allerdings gibt es auch genügend Uhren, die noch dickere Gehäuse haben. Wer auch sonst eher größere Exemplare am Handgelenk trägt, dürfte auch die G Watch R nicht zu klobig finden. Für Frauen könnte sie aber doch etwas zu groß sein. Am besten probiert man sie vor dem Kauf an. Mit einem Gewicht von 62 Gramm ist sie übrigens etwas schwer als die Moto 360, die nur 49 Gramm auf die Waage bringt.

LG G Watch R (Bild: CNET).

Die LG G Watch R in der Seitenansicht. Das Gehäuse ist mit Display-Rahmen 11 Millimeter dick (Bild: CNET).

Alles in Allem ist das Design und die Verarbeitung der LG G Watch R auf einem hohen Niveau – kein Vergleich zum Vorgänger. Die G Watch R bewegt sich in Richtung der sportlicheren Herrenuhren, während Motorolas Smartwatch auf ein minimalistischeres Aussehen setzt. Was man nun besser findet, das ist zum Großteil Geschmackssache. Ein kleiner Kritikpunkt ist bei der G Watch R der lackierte Metallrahmen, bei dem sich Kratzer deutlicher bemerkbar machen als bei dem silbernen Edelstahlgehäuse der Moto 360, da das silberne Aluminium durchscheint. Und ein Kratzer ist schnell mal passiert.

LG G Watch R (Bild: Gizmodo.de).

Die G Watch R im Vergleich mit einer herkömmlichen Armbanduhr. Der Display-Rahmen ist dann doch noch etwas dicker (Bild: Gizmodo.de).

Wer besonders Wert drauf legt, eine Smartwatch zu tragen, die auch wie eine normale Armbanduhr aussieht, der dürfte eher zur G Watch R tendieren. Aus der Ferne konnte man jedenfalls nicht sofort erkennen, dass es sich hier um keine herkömmliche Armbanduhr handelt. Frauen könnte aber eher das minimalistische Design der Moto 360 ansprechen, wobei diese noch etwas größer ist. Abgesehen von LG und Motorola gibt es zum Glück ja auch noch andere Hersteller wie Asus, die schöne Smartwatch im Programm haben. Die Zenwatch kommt jedenfalls mit einem weniger aggressiven Design, einem schlankeren Gehäuse und schickerem Roségold.

Display & Zifferblätter

Der Nachfolger der LG G Watch R ist mit einem runden 1,3-Zoll-Bildschirm ausgestattet. Statt üblicherweise Glass kommt ein Plastik-Substrat als Material zum Einsatz. Die Auflösung der Anzeige beträgt 320 mal 320 Pixel. Der Screen der G Watch löst mit 280 mal 280 Bildpunkten auf. Die Moto 360 kommt mit einem 1,56-Zoll-Touchscreen mit 320 mal 290 Pixel, der größer, aber nicht ganz so scharf ist.

LG G Watch R (Bild: Gizmodo.de).

Dank der OLED-Technologie verbraucht der Always-On-Mode weniger Strom (Bild: Gizmodo.de).

LG setzt nun nicht mehr auf die LC-, sondern auf die OLED-Technologie. Dies bringt Vorteile hinsichtlich des Stromverbrauchs. Die LG G Watch R verfügt wieder über einen Always-On-Modus, der diesmal aber weniger am Akku zehrt. Das LCD des Vorgängers musste auch im Standby-Zustand stets etwas beleuchtet werden, damit das Zifferblatt zu sehen ist. Das kostet zum einen ordentlich Energie und sorgt zum anderen dafür, dass die eigentlich schwarzen Flächen immer etwas gräulich wirken. Bei der G Watch R kann jeder Pixel einzeln angesteuert werden. Dadurch leuchten im Standby-Modus nur die gewünschten Elemente wie die Zeiger – der Rest bleibt unbeleuchtet und ist damit wirklich schwarz. Das sieht nicht nur besser aus, sondern spart auch noch Energie. Bei Smartwatches sind OLEDs deshalb die bessere Wahl.

LG G Watch R (Bild: CNET).

Bei der LG G Watch R ziert kein unschöner schwarzer Streifen den unteren Displayrand (Bild: CNET).

Die Ablesbarkeit, die wir noch in unserem Test des Vorgängers moniert hatten, hat sich ebenfalls klar verbessert. Das Display der G Watch R ist heller und lässt sich besser aus einem gewissen Blickwinkel ablesen. Zudem ist die Anzeige der LG G Watch R komplett rund. Das bedeutet, dass im Gegensatz zur Moto 360 auch der untere Bereich des Displays genutzt wird. Bei der Smartwatch von Motorola ist ein Stück am unteren Ende des Bildschirms schwarz, da dort der Displaytreiber verbaut ist, um das Display anzusteuern. Außerdem sitzt hier noch ein Umgebungslichtsensor für die automatische Anpassung der Bildschirmhelligkeit. Der schwarze Balken ist zwar kein K.o-Kriterium, das Gesamtbild stört er – gerade bei weißen Zifferblättern – aber doch etwas. Bei der G Watch R werden die Zifferblätter über die komplette Fläche angezeigt, was die Smartwatch wiederum etwas mehr wie eine echte Uhr aussehen lässt.

LG G Watch R (Bild: CNET).

Die LG G Watch R bringt insgesamt 25 verschiedene Zifferblätter mit (Bild: CNET).

Es gibt eine Reihe verschiedener Zifferblätter. Insgesamt sind es 25, wovon 13 im Grunde den Eindruck einer klassischen Uhr vermitteln. Die meisten haben dunkele Hintergründe und halten teilweise zusätzliche Informationen wie die zurückgelegten Schritte, die Höhenmeter, das Datum, die Mondphase, eine zweite Zeitzone, den Akkustand oder einen Kompass bereit- Letzterer musste im Test aber häufiger kalibriert werden. Bei der Auswahl sollte für jeden ein passendes Zifferblatt dabei sein. Individualisierbare Zifferblättern gibt es im Gegensatz zur Moto 360 ab Werk nicht. Allerdings gibt es auch Dritt-Anbieter-Apps wie Mural Watchface, die Individualisierungsmöglichkeiten bieten.

Hardware & Leistung

Abgesehen vom runden OLED-Display, bleibt die weitere Hardware zum Großteil identisch zum Vorgänger. Die G Watch R wird wieder von der 1,2-GHz-Snapdragon-400-Dual-Core-CPU angetrieben, der 512 MByte RAM zu Seite stehen. Der Speicher für Apps und Musik ist wie bisher 4 GByte groß. Der Qualcomm-Prozessor hat genügend Power, um Android Wear weitgehend flüssig laufen zu lassen. Ruckler, Verzögerungen oder ähnliches sind auf der LG G Watch R im Gegensatz zur Moto 360 sehr selten. Nicht ganz flüssig ist beispielsweise der Wechsel zum Bildschirm mit den Zifferblättern oder anschließend wieder zurück zum Homescreen. Bei der Motorola-Uhr, die einem 1-GHz-OMAP-3-Prozessor von Texas Instruments (OMAP3630) ausgestattet ist, machen sich aber auch beim Wegwischen eines Bildschirms oder einer Benachrichtigung vergleichsweise öfter minimale Ruckler bemerkbar.

LG G Watch R (Bild: CNET).

Dank Qualcomms Snapdragon-200-CPU läuft Android Wear auf der G Watch R in den meisten Fällen flüssig (Bild: CNET).

Die Verbindung zum Smartphone klappt wie üblich via Bluetooth 4.0. Im Gegensatz zur Gear S, ist diese auch für die meisten Funktionen noch notwendig. Die Samsung Gear S bietet ein Mobilfunkmodul, das Anrufe, SMS, Benachrichtigungen oder Navigation ohne ein gekoppeltes Smartphone ermöglicht. Das gibt es bei Android Wear noch nicht. WLAN-Verbindungen sind ebenfalls nicht möglich.

Zudem hat die G Watch R wie alle anderen aus dem Android-Lager keinen Lautsprecher. Dieser würde den Funktionsumfang der Uhr jedoch deutlich erweitern. Unter anderem könnte man sie dann als Freisprecheinrichtung verwenden oder als Wecker. Dafür verfügt die LG G Watch R über ein Vibrationsmodul, das meldet, wenn eine Nachricht eingeht. Das gabs aber auch schon beim Vorgänger. LG verbaut bei der G Watch R im Gegensatz zu Motorola nur ein Mikrofon. Die Moto 360 verfügt über zwei und hat damit die Nase bei der Spracherkennung vorne.

LG G Watch R (Bild: CNET).

Die G Watch R dient nun auch als Fitness-Track (Bild: CNET).

Neuheiten gegenüber dem Vorgänger sind der Hardware-Home-Button, ein Pulsmesser und LGs Health-App, dank der sich die Uhr als Fitness-Tracker verwenden lässt. Der funktioniert auch recht zuverlässig – zumindest wenn man den Arm ruhig hält. Während dem Laufen hat er schon mehr Probleme, den Puls zu erfassen. Hier hat es des Öfteren nicht geklappt. Eine eigene App zum Erfassen der Daten gibt es bei LG im Gegensatz zur Moto 360 nicht. Hier kommt Google Fit zum Einsatz. Eine kontinuierliche Messung des Pulses ist ebenfalls nicht möglich. Dafür sollte man beispielsweise zu einem Fitness-Armband von Fitbit oder dem neuen Microsoft Band greifen.

Daneben kommt die G Watch R noch mit einem Barometer, das die Höhe über dem Meeresspiegel bestimmen kann. Damit kann die Uhr auch die zurückgelegten Höhenmeter erfassen. Ein Kompass, ein Gyroskop sowie ein Beschleunigungsmesser sind wie zuvor an Bord. Anstatt eines 6-Achsen- verbaut LG nun aber einen 9-Achsen-Sensor. Ein GPS-Modul hat LG noch nicht integriert.

Android Wear

Alle Android-Uhren laufen mit der gleichen Software: die LG G Watch R, die erste G Watch, die Moto 360 und auch die Samsung Gear Live arbeiten bis auf wenige zusätzliche Funktionen seitens der Hersteller gleich. Googles Wearable-Betriebssystem sieht im Grunde bis auf die individuellen Zifferblätter oder Anpassung an das runde Display auf jeder Uhr gleich aus. LG hat keine eigenen Apps mit auf die Uhr gepackt.

Die zur Kopplung der Smartwatch benötigte Android-Wear-App fürs Smartphone läuft auf Geräten ab Android 4.3. Die Anwendung dient vor allem dazu, die Funktionen des Smartphones respektive Google Now der Uhr zur Verfügung zu stellen. Ausführliche Informationen zur Funktionsweise von Android Wear hält folgender Beitrag bereit.

LG G Watch R (Bild: CNET).

Android Wear zeigt beispielsweise an, wenn ein Anruf eingeht (Bild: CNET).

Inzwischen gibt es auch schon eine Reihe Apps wie die Notizbuch-App Evernote, die Begleitanwendungen für Android Wear mitbringen. Mit Philips Hue-App können Anwender das Licht beispielsweise auch von der Uhr aus an- und ausschalten. Eine Kochbuch-App zeigt Rezepte und Timer während der Zubereitung auf dem kleinen Display am Handgelenk an. Microsoft hat kürzlich auch eine Tastatur für die G Watch R und weitere Modelle vorgestellt, die handschriftliche Eingaben auf Android-Smartwatches erlaubt.

Die Drittanbieter-Apps landen automatisch auf der Smartwatch, sind im Menü aber nur etwas versteckt zu finden, falls man sie nicht per Sprachsteuerung aufrufen möchte. Um eine App über das Menü zu starten, tippen Android-Wear-Nutzer auf das Display, um Google Now zu öffnen, scrollen anschließend bis zum Ende der Liste und wählen den Punkt „Starten“ aus.  Hier finden sich alle installierten Anwendungen wieder.

Android Wear 4.4W2 (Screenshot: Google).

Mit dem jüngsten Update hat Google Android Wear für das Abspielen von Musik gerüstet

Zudem hat Google auch bereits das erste größere Update für sein Wearable-Betriebssystem herausgeben. Nach dem Einspielen der neuen Version, können Nutzer Musik auf die Smartwatch laden und offline ohne gekoppeltes Smartphone anhören. Weiterhin können Smartwatches mit integriertem GPS-Sensor die Fitness-Aktivitäten des Trägers losgelöst vom Mobiltelefon erfassen und aufzeichnen. Das klappt allerdings nur mit der Sony SmartWatch 3, die als einziges Modell mit einem GPS-Modul kommt.

Eine weitere kleinere Verbesserung hilft, Benachrichtigungen zu verbergen, sodass man das komplette Zifferblatt sehen kann. Dies klappt mit einer einfachen Wischgeste nach unten über die Karte. Zur späteren Betrachtung genügt eine Wischgeste vom unteren Bildschirmrand nach oben.

Um Musik über die G Watch R zu hören, müssen Anwender Songs von der Google-Play-Music-App auf die Uhr übertragen. In den Einstellungen der Play-Musik-Anwendung findet sich dafür die Option “In Wear herunterladen”. Sind Smartphone und Smartwatch gekoppelt und der Akku der Uhr mindestens zu 70 Prozent geladen, werden alle Alben oder Playlists automatisch synchronisiert. Verbraucht die Musik mehr Speicherplatz als vorhanden, werden nur die letzten Alben und Wiedergabelisten auf die Uhr geladen. Komplett löschen lässt sich die Musik, indem man die Option “In Wear herunterladen” wieder deaktiviert.

Zum Abspielen ohne gekoppeltes Smartphone muss ein Bluetooth-Kopfhörer mit der G Watch R verbunden werden. Mit dem Tone Infinim hat LG auch ein hochwertiges und stylisches Bluetooth-Headset mit Harman-Kardon-Sound im Programm. Unter dem Punkt “Bluetooth-Geräte suchen” können Anwender über die Einstellungen der Smartwatch dann nach dem Kopfhörer suchen. Gestartet wird die Musikwiedergabe über den Menüpunkt “Starten”. Hier tippt man einfach auf ein Album, eine Playlist oder einen Titel oder wischt von rechts nach links um zufällige Songs abzuspielen.

Akkulaufzeit

Der Akku ist mit einer Kapazität von 410 mAh minimal stärker als bei dem im Juni vorgestellten Modell. Die G Watch kommt mit einem kleineren 400-mAh-Akku. Die Batterie der Moto 360 fasst sogar nur eine Kapazität von 320 mAh. In der Gear Fit sind es 210 mAh, in der Gear 2 und der Gear Live (auch Android Wear) 300 mAh. Die Sony Smartwatch 2 bietet sogar nur 140 mAh und die Pebble nur 130 mAh. Sonys SmartWatch 3 kommt jedoch mit einem stärkeren 420-mAh-Akku.

LG G Watch R (Bild: Gizmodo.de).

Der Akku der G Watch R fasst 410 mAh und sorgt für eine längere Akkulaufzeit (Bild: Gizmodo.de).

In Kombination mit dem stromsparenden OLED-Display kommt die G Watch R – trotz der auf dem Papier eher geringfügig wirkenden Steigerung der Kapazität – auf eine längere Akkulaufzeit. Sicherlich ist es noch keine Revolution, die G Watch R hält aber länger durch als alle Konkurrenten (Sony-Smartwatch-3-Test folgt noch). Mit Always-On-Display hält die Smartwatch bei durchschnittlicher Nutzung zwei volle Tage durch. Wer die Uhr intensiv nutzt und häufig Sprachbefehle erteilt oder Musik hört und das Display auf die maximale Helligkeit gedreht hat, der kommt gut einen Tag über die Runden. Wer sie selten verwendet, die Helligkeit reduziert und zusätzlich auf die dauerhafte Anzeige des Zifferblattes verzichtet, dürfte auch drei Tage schaffen.

Das ist definitiv eine Verbesserung gegenüber dem Vorgänger und auch der Moto 360, die im Grunde jeden Abend an die Steckdose muss – außer man nutzt sie nur selten. Trotzdem kann es nicht schaden die G Watch R jeden Abend zu laden. Bis zu einer Laufzeit von gut einer Woche scheint es aber leider noch ein weiter Weg zu sein. Von den Laufzeiten herkömmlicher Uhren kann man bisher nur träumen.

LG G Watch R (Bild: Gizmodo.de).

Das Ladegerät ist magnetisch (Bild: Gizmodo.de).

 

Aufgeladen wird die G Watch R mit dem mitgelieferten Ladegerät. Es ist wie beim Vorgänger magnetisch, nun aber entsprechend der Uhr rund. Das Aufladen hat von 0 auf 100 Prozent gut 1,5 Stunden gedauert. Im Vergleich zur Moto 360 sitzt die LG G Watch R fest auf dem Ladegerät und kann damit auch in der Schräge – beispielsweise unterwegs im Rucksack mit einem Akkupack – geladen werden. Dafür dient die Moto 360, wenn sie in der Dockingstation liegt, auch als praktische Nachttischuhr. Ein blauer Ring zeigt neben der Uhrzeit dann auch den Ladestand.

Da die Anschlüsse in die G Watch R integriert sind und sie beispielsweise nicht wie die Sony SmartWatch über einen microSD-Anschluss verfügt, muss man das Ladegerät natürlich stets dabei haben, wenn man beispielsweise mal eine Nacht außer Haus schläft.

Fazit:

LG hat mit der G Watch R den richtigen Weg eingeschlagen. Dank des runden Displays, dem optisch ansprechenden Metallgehäuse und den schönen Zifferblätter sieht die Smartwatch – zumindest auf eine gewisse Entfernung – schon wie eine klassische Herrenarmbanduhr aus. Beim Design ist natürlich noch Luft nach oben, aber es ist im Vergleich zum Vorgänger ein großer Schritt in die richtige Richtung. Das Display ist heller als zuvor, die Leistung ordentlich und die Akkulaufzeit dank OLED-Technologie wieder ein Stück länger geworden.

Das Problem ist wie bei der Moto 360 aber nicht die Hardware, sondern Android Wear, das noch eher in den Kinderschuhen steckt und noch keinen allzu großen Funktionsumfang bietet. Benachrichtigungen am Handgelenk oder die Sprachsteuerung sind zwar durchaus praktisch und auch ein Schrittzähler eine nette Funktion, im Endeffekt sind Android-Wear-Watches aber noch eher eine Spielerei, die mit 269 Euro im Fall der G Watch R auch nicht gerade günstig ist. Aber Google arbeitet ja weiterhin an seinem OS und hat beispielsweise Android Wear schon für das Abspielen von Musik gerüstet. Ein Punkt, den es auch noch zu verbessern gilt, sind definitiv die Interaktionsmöglichkeiten mit Drittanbieter-Apps.

Wer schon jetzt eine Smartwatch mit Android Wear an sein Handgelenk schnallen möchte, der bekommt mit der G Watch R das Modell, das einer normalen Armbanduhr am nächsten kommt und das beste Display sowie die längste Akkulaufzeit bietet. In Punkto Design könnten viele aber auch die Moto 360 mit ihrem minimalistischeren Aussehen und höherwertigen Lederarmband bevorzugen. Weitere Testberichte – beispielsweise von der Motorola Moto 360 –  finden Interessierte an folgender Stelle.

[Mit Material von Andrew Hoyle, CNET.com & Matthias Sternkopf, Gizmodo.de]

Autor: Christian Schartel
Christian Schartel Christian Schartel Christian Schartel

Neueste Kommentare 

2 Kommentare zu LG G Watch R im Test: Android Wear im klassischen Uhrendesign

  • Am 22. April 2015 um 14:32 von Patrik-Philip Huber

    Als Uhrmacher hätte ich bei diesem Preis, obwohl ich die gleichen „Mängel“ kritisiere, sogar noch eine bessere Note gegeben. Die Uhr hat potential und ist im Moment eine der besseren Smarten Uhren auf dem Markt…

  • Am 24. Juni 2015 um 22:57 von Fabian

    Im Text steht was vom Snapdragon-400-Prozessor und unter dem 14. Bild ist es ein Snapdragon-200.

Schreib einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *