Canon Powershot SX60 HS: Bridgekamera mit Extrem-Zoom im Test

Canons Powershot SX60 HS beeindruckt mit einem rekordverdächtigen Zoomobjektiv und vielen Optionen für Hobbyfotografen. Der CNET-Praxistest zeigt, ob das Bedienkonzept der Bridgekamera aufgeht – und ob auch die Bildqualität stimmt.

Fortgeschrittene Fotografen rümpfen gerne die Nase über Bridgekameras. Sie betrachten die wuchtigen Digicams eher als Einsteigerkameras für Gelegenheitsknipser, die das riesige Zoomobjektiv mit Profiqualität verwechseln. Dabei hat eine Bridgekamera durchaus ihre Vorteile. Sie liegt ebenso gut in der Hand wie eine Spiegelreflexkamera, bietet fast immer viele Einstellmöglichkeitenm und das verpönte Zoomobjektiv ersetzt immerhin einen ganzen Koffer mit Wechselobjektiven. Ein prima Konzept – solange die Bildqualität stimmt. Unter diesem Aspekt haben wir uns Canons neue Powershot SX60 HS angesehen.

Deren Zoomobjektiv setzt eine neue Rekordmarke. Es liefert einen sagenhaften Brennweitenbereich von 21 bis 1365 Millimeter (entsprechend Kleinbild), was einem 65fach-Zoom entspricht. Das schafft derzeit keine andere Bridgekamera. Nur die DSC-H400 von Sony (63fach-Zoom), die DMC-FZ72 von Panasonic (60fach) und die Nikon Coolpix P600 (60fach) spielen in derselben Liga.

Dickes Zoomobjektiv und reichhaltige Ausstattung zeichnen die Powershot SX60 HS aus. (Foto: Mehmet Toprak)

Dickes Zoomobjektiv und reichhaltige Ausstattung zeichnen die Powershot SX60 HS aus. (Foto: Mehmet Toprak)

Ergänzt wird der optische durch den digitalen Zoom, der Zoomfaktor steigt so 130. Dass mit dem digitalen Zoom auch die Bildqualität rapide abnimmt, sollte dem Nutzer aber klar sein.

Die Lichtstärke des Objektivs, in dem 15 Linsen in 11 Gruppen verbaut sind, ist konstruktionsbedingt nicht besonders hoch. Sie reicht von 1:3,4 bis 6,5. Ein Bildstabilisator mit fünf Achsen versucht Verwacklungen auszugleichen, die bei starken Telebrennweiten nicht zu vermeiden sind.

Das 7,5 Zentimeter große Display ist dreh- und schwenkbar. Dazu gibt es auch einen elektronischen Sucher, der das Bild ausreichend hell und scharf wiedergibt.

Durch das relativ große Gehäuse sind auch die Bedienelemente der Powershot SX60 HS angenehm groß ausgefallen. (Foto: Mehmet Toprak)

Durch das relativ große Gehäuse sind auch die Bedienelemente der Powershot SX60 HS angenehm groß ausgefallen. (Foto: Mehmet Toprak)

Starkes Zoomobjektiv mit Assistenten

Im Praxistest erweist sich das Zoomobjektiv der Powershot als echtes Highlight. Schon verblüffend wie das Objektiv auch sehr weit entfernte Objekt heran holt und dies in vergleichsweise guter Bildqualität.

Im praktischen Einsatz wird man den Rahmen-Assistenten zu schätzen lernen. Hat man ein Motiv im Tele plötzlich verloren, dann hilft ein Druck auf eine Taste am Objektiv. Das Objektiv zoomt zurück und verharrt, solange man die Taste gedrückt hält. Der anfangs anvisierte Nahbereich wird mit einem Rahmen markiert. Hat man das Motiv wieder gefunden, lässt man die Taste los und die Kamera zoomt wieder heran.

Praktisch ist auch der Automatik-Modus bei Gesichtern. Wenn sich eine Person auf die Kamera zu- oder von ihr wegbewegt, passt die Canon die Brennweite kontinuierlich an, so dass das Gesicht immer so groß bleibt, wie es dem anfangs gewählten Bildausschnitt entspricht.

Das Display ist herausklappbar und lässt sich beliebig drehen und schwenken. (Foto: Mehmet Toprak)

Das Display ist herausklappbar und lässt sich beliebig drehen und schwenken. (Foto: Mehmet Toprak)

Bildqualität: Gut, aber nicht Spitze

Die Bildqualität ist insgesamt gut und für Urlaubsfotografen völlig ausreichend. Allerdings macht sich bei genauem Hinsehen gerade im Telebereich ein leichter Schärfeabfall bemerkbar, die Motive wirken dann in den Details und an den Kanten etwas weichgezeichnet. Von einem 1/2,3-Zoll-Bildsensor kann man eben keine Wunder erwarten. Wer aber nicht gerade das Qualitätsniveau einer guten Spiegelreflexkamera erwartet, wird sich daran nicht stören, wenn er es überhaupt bemerkt.

Deutlich spürbar ist dagegen, dass der Autofokus bei Teleaufnahmen Unsicherheiten zeigt und etwas länger zum Scharfstellen braucht, was zum Teil daran liegt, dass der Bildausschnitt im Telebereich stärker wackelt.

Verblüffend ist der große Zoombereich der Powershot. Die Brennweite reicht von 21 bis 1365 Millimeter (entsprechend Kleinbild). (Foto: Mehmet Toprak)

Verblüffend ist der große Zoombereich der Powershot. Die Brennweite reicht von 21 bis 1365 Millimeter (entsprechend Kleinbild). (Foto: Mehmet Toprak)

Optionen für Fortgeschrittene

Bei den zentralen Funktionen Autofokus und Belichtungsmessung wird auch das Bedienkonzept der Digicam deutlich. Für den Einsteiger stehen viele Automatiken zur Verfügung, Fortgeschrittene können sich in den zahlreichen Optionen austoben. Die Powershot SX60 HS bietet fast so viele Wahlmöglichkeiten wie eine Spiegelreflexkamera oder eine hochwertige Systemkamera. Der Nutzer wählt bei Autofokus grundsätzlich zwischen zentraler Spot-AF, mittenbetont oder Gesichtserkennung. Der Fokus wird entweder als Single-Fokus einmal festgelegt oder bei bewegten Objekten ständig nachgeführt.

Das ist aber noch lange nicht alles. Den AF-Rahmen kann man bei Bedarf beliebig verschieben, dazu benutzt man das Wählrad oder die Pfeiltasten. Praktischerweise lässt sich der AF-Rahmen mit dem Rahmen für die Belichtungsmessung koppeln, so dass dann auch gleich die Belichtung an das scharfgestellte Objekt angepasst wird, vorausgesetzt bei der Belichtungsmessung ist der Spot-Modus aktiviert. Die AF-Messwertspeicherung beherrscht die Canon ebenso.

Gegenlichtaufnahme mit Lens-Flare-Effekten.  Im mittenbetonten Messmodus erzielt die Powershot SX60 HS hier die besten Ergebnisse, der Sandhügel lässt noch Details erkennen, (Foto: Mehmet Toprak)

Gegenlichtaufnahme mit Lens-Flare-Effekten. Im mittenbetonten Messmodus erzielt die Powershot SX60 HS hier die besten Ergebnisse, der Sandhügel lässt noch Details erkennen, (Foto: Mehmet Toprak)

Auch die manuelle Einstellung der Schärfe ist möglich. Die Kamera unterstützt den Fotografen hier mit MF-Peaking, dabei werden die Kanten der Objekte farblich hervorgehoben. In Einzelfällen sind auch Fokusreihen sinnvoll. Die Kamera knipst drei Fotos hintereinander, und legt dabei die Schärfe jeweils auf eine andere Position.

Auch bei der Belichtungsmessung zieht die SX60 HS so ziemlich alle Register. Grundsätzlich sind Mehrfeldmessung, mittenbetonte Messung und Spotmessung vorgesehen. Auch die Speicherung des Messwerts ist kein Problem. Daneben macht die Canon unter anderem auch Belichtungsreihen, die Größe der Schritte kann dabei angepasst werden.

Fortgeschrittene Hobbyfotografen werden sich über Features wie die regelbare Rauschunterdrückung oder die Kontrastkorrektur freuen. Wer seine Bilder am PC mit einem Bildbearbeitungsprogramm optimiert und dabei maximale Gestaltungsfreiheit sucht, knipst im RAW-Format, auch das unterstützt die Powershot. Auf Wunsch legt sie die Bilder in zwei Formaten gleichzeitig ab, in JPEG und in RAW.

Reichhaltig ist auch die Auswahl bei den Belichtungsprogrammen. Am einfachsten ist die Programmautomatik, die Blende, Verschlusszeit und ISO-Wert automatisch festlegt. Fortgeschrittene wählen die Blenden- oder die Zeitautomatik oder gleich die manuelle Belichtung. Bevorzugte Einstellungen lassen sich mit dem Moduswahlrad auf C1 und C2 legen und sind dann direkt abrufbar.

Eine Belichtungsreihe mit drei unterschiedlich belichteten Fotos. (Foto: Mehmet Toprak)

Eine Belichtungsreihe mit drei unterschiedlich belichteten Fotos. (Foto: Mehmet Toprak)

Die Funktion Smart Auto will insgesamt 58 typische Aufnahmesituationen erkennen. Daneben gibt es spezielle Szenen-Modi wie Nachtaufnahme, Feuerwerk und eine Reihe von Effektfiltern. Auch die Farbgebung lässt sich in Canons My-Color-Menü einstellen.

Videomodus mit 60 Bildern pro Sekunde

Ehrgeizig zeigt sich die Powershot SX60 HS im Videomodus. Full-HD-Videos dreht sie mit 60 Bildern pro Sekunde, daneben ist auch Zeitlupe mit 120 beziehungsweise 240 Bildern pro Sekunde möglich, allerdings nur mit stark reduzierter Auflösung von 640 x 480 beziehungsweise 320 x 240 Bildpunkten, was die Zeitlupe etwas entwertet.

Die Videos werden im Format MPEG-4 AVC/H.264 gespeichert. Das interne Stereomikrofon liefert recht gute Ergebnisse, zumal sich die Aufnahmen auch manuell aussteuern lassen. Zusätzlich kann man ein externes Mikro über die 3,5-Millimeter-Klinkenbuchse anstellen. Damit könnte man die Kamera durchaus auch für Videoprojekte einsetzen. Beim Videodreh ist auch das frei schwenk- und drehbare Display nützlich.

Im Makromodus kann man Fotos aus einer Entfernungen von weniger als einem Zentimeter knipsen. (Foto: Mehmet Toprak)

Im Makromodus kann man Fotos aus einer Entfernungen von weniger als einem Zentimeter knipsen. (Foto: Mehmet Toprak)

Beim Akku hat Canon nicht an der Qualität gespart. Trotz des stromfressenden Objektivs mit 15 Linsen, hält das kleine Kraftwerk ziemlich lange durch. Lobenswert auch, dass Canon ein Ladegerät beilegt.

Smartphone-App zur Fernsteuerung

Drahtlos-Module mit NFC und Wi-Fi sind ebenfalls an Bord. Die Canon-App „Camera Window“, erhältlich für iOS oder Android, bietet aber nicht besonders viele Funktionen. Man kann Fotos von der Digicam aufs Smartphone oder Tablet übertragen, GPS-Daten zu den Bildern hinzufügen oder die Kamera fernauslösen, das war´s. Weitere Einstellmöglichkeiten, wie sie beispielsweise die Apps von Panasonic oder Fujifilm zur Verfügung stellen, gibt es bei Canon nicht.

Als eine der wenigen Digicams für Hobbyfotografen bietet die Powershot SX60 HS auch einen Anschluss für ein externes Mikrofon. Die Tasten am Objektiv aktivieren Rahmen-Assistenten, die bei extremer Teleeinstellung helfen, das Motiv im Bild zu halten (obere Taste) und den Bildstabilisator auf optimale Leistung stellen (untere Taste). (Foto: Mehmet Toprak)

Als eine der wenigen Digicams für Hobbyfotografen bietet die Powershot SX60 HS auch einen Anschluss für ein externes Mikrofon. Die Tasten am Objektiv aktivieren Rahmen-Assistenten, die bei extremer Teleeinstellung helfen, das Motiv im Bild zu halten (obere Taste) und den Bildstabilisator auf optimale Leistung stellen (untere Taste). (Foto: Mehmet Toprak)

Fazit: Starkes Zoom, viele Optionen

Die Powershot SX60 HS ist eine gelungene Bridgekamera, die durch ein extrem starkes Zoomobjektiv und reichhaltige Ausstattung besticht. Anfänger können sich getrost auf die Automatikmodi verlassen, Fortgeschrittene finden im Bereich Belichtung und Fokus viele Optionen, um das Beste aus jeder Situation herauszuholen. Die Bildqualität ist gemessen an den Ansprüchen von Gelegenheitsfotografen völlig in Ordnung. Der Preis von 529 Euro ist nicht gerade niedrig, in Onlineshops ist die Digicam aber auch schon für circa 450 Euro erhältlich.

Mit der App Camera Window kann der Anwender die Powershot Powershot SX60 HS fernsteuern. (Screen: Mehmet Toprak)

Mit der App Camera Window kann der Anwender die Powershot SX60 HS fernsteuern. (Screen: Mehmet Toprak)

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