Samsung Gear S mit Mobilfunkmodul und Tizen OS im Test

Samsung’s Gear S ist einige der wenigen Smartwatches am Markt, die über eine Mobilfunkmodul verfügt. Anstatt mit Android Wear läuft sie aber mit Tizen OS und ist auch nur zu Samsung-Smartphones kompatibel. Wir haben die knapp über 300 Euro teurere Smartwatch getestet.

Der Traum von einem vollkommenen autarken Gadget fürs Handgelenk, das telefonieren kann, mit allem und jedem in Verbindung steht und als Helfer in allen Lebenslagen dient, scheint tatsächlich wahr geworden zu sein – zumindest auf dem Papier. Normalerweise muss eine Smartwatch stets mit einem in der Nähe befindlichen Telefon gekoppelt werden. Damit ist sie im Grunde eigentlich nichts weiter als ein nettes Smartphone-Zubehör. Inzwischen gibt es aber schon einige wenige Uhren, die mit einem eigenem Mobilfunkmodul aus diesem Schema ausbrechen – oder es zumindest versuchen. Dazu gehört auch Samsungs Gear S. Sie hat ein Mobilfunk-Modul mit eigenem SIM-Karten-Slot und ist Uhr und Telefon zugleich. Die Gear S ist zwar schon lange auf dem Markt, dürfte aber zumindest noch bis Herbst Samsungs eigenständigste Uhr bleiben. Wir haben uns die Gear S angeschaut.

(Foto: CNET).

(Foto: CNET).

Smartwatches könnten tatsächlich bald völlig autark existieren, ohne dass dazu überhaupt noch ein Smartphone erforderlich wäre: als Web-Browser, Musik-Player oder Fitness-Tool. Möglicherweise macht Samsung hier schon mit der für Herbst geplanten Gear A einen weiteren Schritt in diese Richtung. Die Gear S hat dieses Ziel noch nicht ganz erreicht. Sie kann zwar schon überraschend viel, damit die Uhr aber überhaupt funktioniert sowie viele Features tatsächlich genutzt werden können, ist immer noch ein Samsung-Smartphone notwendig. Die Uhr arbeitet mit Samsungs Tizen OS und nicht etwa Android Wear. Der Zugriff auf die üppigere Apps-Auswahl des Google-OS bleibt ihr verwehrt. Um auch als Telefon genutzt werden zu können, muss wie beim Smartphone eine entsprechende SIM-Karte eingelegt werden. In der Testphase musste sich die Gear S in unterschiedlichen Konstellationen bewähren. Sie wurde zunächst mit einem Samsung Smartphone gekoppelt, musste aber dann im Anschluss auch ohne Smartphone in der Nähe zeigen, was sie drauf hat.

(Foto: CNET).

(Foto: CNET).

Design

Die Gear S sieht auf den ersten Blick wie ein mit einem Kunststoff-Armband verschmolzenes kleines Smartphone aus. Sie kommt mit einem imposanten, gebogenen Bildschirm, verchromtem Rand und verfügt über einen kleinen mittig angeordneten Homebutton im unteren Bereich des Displays.

Sie erinnert in gewisser Weise an Samsungs Fitnesstracker Gear Fit. Die Größe mag Geschmackssache sein, aber sie ist tatsächlich sehr groß. Die Maße betragen 24,5 mal 23,8 mal 1 Millimeter. Das Gewicht kommt auf 47,55 Gramm. Das stark gewölbte Display legt sich fast komplett um den oberen Teil des Handgelenks. Aber trotzt ihrer Größe zählt die Gear S zweifelsohne zu den optisch ansprechenderen Smartwatches. wie eine gewöhnlich Armbanduhr sieht sie allerdings nicht aus. Hier gibt es im Anroid-Lager andere Kandidaten, die diesen Punkt erfüllen. Mit dem großen und gewölbten OLED-Touchscreen und den Chromelementen ist sie aber dennoch ein Hingucker. Eine gewisse Ähnlichkeit mit Apples Watch ist nicht von der Hand zu weisen.

(Foto: CNET).

(Foto: CNET).

Das gummiartige sportliche Kunststoffarmband, mit dem das Gear S ausgeliefert wird, ist natürlich nicht so edel wie ein Lederarmband einer Apple Watch. Es lässt sich zwar vom Gear S-Modul trennen und durch ein anderes Band von Samsung ersetzen, Leder steht aber nicht zur Auswahl. Herkömmliche Uhren-Armbänder sind nicht kompatibel. Der Umfang des Armbandes lässt sich unkompliziert über die Spezialschließe verstellen. Um die Größe individuell anzupassen, muss nur der Edelstahlverschluss auf der einen Seite mit dem Dorn im passenden Loch fixiert werden. Das Band samt Uhr schmiegt sich dann an das Gelenk an. Es trägt sich selbst bei kleineren Handgelenken auch erstaunlich gut. Im letzten Loch ist der Umfang in etwa 12 Zentimeter. Mit der weitesten Einstellung darf das Handgelenk auch schon einen Umfang von ca. 21 Zentimeter haben.

(Foto: CNET).

(Foto: CNET).

Die Uhr ist nach IP67 zertifiziert und somit spritzwassergeschützt. Sie kann damit zwar nass werden, kann aber nicht mit unter die Dusche oder zum Schwimmen mitgenommen werden. In dieser Hinsicht verhält es sich mit der Gear S wie auch mit den anderen Gear-Uhren.

Display

Am beeindruckendsten und sicherlich polarisierendsten ist aber zweifelsohne das Display des Gear S. Samsung hat bei Gear S ein 2-Zoll-AMOLED-Display verbaut, das mit 480 mal 360 Pixel auflöst. Der Bildschirm ist größer und die Pixelzahl höher als bei den anderen verfügbaren Smartwatches und auch Gear-Modellen von Samsung. Es ist langgezogen und wirkt wie ein Mini-Smartphone im Porträit-Format.

(Foto: CNET).

(Foto: CNET).

Samsungs OLED-Displays beeindrucken grundsätzlich durch ihre lebendige Darstellung mit satten Farben, was sich auch hier wieder bestätigt.  Der maximale Helligkeitswert ist ebenfalls ordentlich, sodass man Text auch im freien ablesen kann. Überzeugen kann die Anzeige auch mit einer sehr guten Blickwinkelstabillität. Aus jeglichem Winkel ist stets immer alles optimal zu erkennen.

Durch das langgestreckte Display bietet die Gear noch mehr Platz für Apps. Einige Apps sind auf das Format optimiert. Das Hin- und Herwechseln, das Zoomen und die Bedienung insgesamt mit zwei Fingern fühlen sich anfangs etwas ungewohnt an. Es geht auf dem größeren Bildschirm aber noch recht leicht von der Hand. Das lange gekrümmte Display macht auch vertikales Scrollen einfach.

Das Display ist groß genug, sodass sich durchaus ganze Artikel lesen lassen. So kann man sich über die App „News Briefing“ Nachrichten aus vorab auf dem Smartphone ausgewählten News-Kategorien anzeigen lassen. Dabei werden zunächst nur die Schlagzeilen und die entsprechende News-Quelle angzeigt. Wählt man die Schlagzeile aus, erhält man in der nächsten Ebene eine kurze Zusammenfassung der Nachricht. Um die komplette Nachricht zu lesen, genügt ein kurzer Tipp auf das Symbol unter der Nachricht und die News wird sofort automatisch auf dem Smartphone geöffnet.

Einrichtung & Kompatibilität

Die Einrichtung der Gear S ist relativ unkompliziert. Allerdings klappt diese nicht ohne ein Smartphone. Das heißt komplett autark ist die Gear S trotz Mobilfunkmodul & Co. nicht. Für die Inbetriebnahme lädt man den Gear Manager aus dem Google Play Store herunter und wählt die Uhr in der App aus, um sie mit dem Smartphone zu koppeln. Offiziell läuft der Gear Manager nur auf einem Samsung-Gerät, womit die Gear S für Besitzer eines anderen Smartphones generell nicht geeignet ist. Allerdings gibt es seit Anfang des Jahres einen Workaround, sodass sich der Gear-Manager auch auf einem Nexus 5 oder HTC One installieren lässt. Alle Funktionen wie S Health werden dann aber nicht funktionieren. Kompatibel ist die Gear S auch nicht zu allen Samsung-Phones. Ältere Geräte wie das Galaxy S II werden beispielsweise nicht unterstützt. Kompatibel ist sie unter anderem zum Galaxy S5, S4, den Mini-Varianten, dem S3 und S3 Neo, dem Note 4, 3 und 2 LTE, dem Alpha sowie dem Mega 6.3. Eine komplette Liste findet ihr hier.

gear_s_setup

(Screenshot: CNET).

Hardware & Leistung

Die Samsung Gear S wird von einem 1 GHz schnellen Dual-Core-Prozessor angetrieben, dem 512 MByte RAM zur Seite stehen. Die Navigation oder das Scrollen auf Webseiten geht mit der Gear S weitestgehend flüssig von der Hand. Mehr Power könnte der Samsung-Smartwatch aber auch nicht schaden. Denn hier und da wirkt das System doch minimal träge und es machen sich immer wieder ein paar kleinere Ruckler bemerkbar. Insgesamt ist dies aber nicht störend und zu verschmerzen. Der Speicher ist wie bei den meisten Smartwatches 4 GByte groß. Ein Teil wird auch bei der Gear S vom System und den vorinstallierten Apps belegt. Ab Werk findet ihr die Speicheranzeige in den Einstellungen unter „Info zur Gear S“. Es gibt auch eine Dritt-Anbieter-Anwendungen, die noch ein paar mehr sowie detaillierte Systeminformationen bereithält. Von den 4 GByte stehen 2,63 für Daten zur Verfügung.

(Foto: CNET).

(Foto: CNET).

3G-Modul

Das Besondere an der Gear S ist das integrierte Mobilfunkmodul. Dazu hat Samsung auf der Rückseite der Uhr einen Slot verbaut, in den man eine NanoSIM-Karte stecken kann. Am besten holt man sich für die Gear S eine zusätzliche Multicard, sodass man die SIM-Karte nicht ständig umstecken muss und auch dieselbe Nummer hat. Beim Einstecken der SIM-Karte und der Erkennung gab es keinerlei Probleme. Die zwei getesteten NanoSIM-Karten hat die Gear – nachdem wir sie richtig herum in die Halterung des Slots gepackt hatten – anstandslos erkannt. Áuch mit selbst zugeschnittenen Karten hat es geklappt.

Durch das 3G-Modul kann die Samsung-Smartwatch eine direkte Verbindung zum Mobilfunknetz aufbauen und muss nicht mehr mit einem Galaxy-Smartphone gekoppelt werden, um Anrufe entgegen zu nehmen oder zu tätigen sowie sich ins Internet einzuwählen. Die Gear S unterstützt 3G- und 2G-Verbindungen auf den Frequenzen 900/2100 oder 850/1900 respektive 900/1800 oder 850/1900.

(Foto: CNET).

(Foto: CNET).

GPS und WLAN

Integriert ist auch ein GPS-Modul. Dank A-GPS und Glonass funktioniert daher auch die Navigation weitgehend ohne Hilfe des Smartphones. Bei der Software setzt Samsung auf Nokia HERE, dass sich über den Samsung App Store herunterladen lässt. Weiterhin hat Samsung der Gear S auch ein WLAN-Modul spendiert, sodass man sich direkt mit der Uhr ins Heimnetzwerk einklinken kann. Unterstützt werden die Standards 802.11b/g/n – allerdings nur auf dem 2,4-GHz-Band.

Bluetooth ist in Version 4.1 mit an Bord. Die Gear S kommt mit den Profilen A2DP, AVRCP, HFP und HSP zurecht, bietet allerdings kein ANT+-Support. Die USB-Verbindung über das Ladedock erfolgt nach dem Standard 2.0.  An Sensoren sind ein Schrittzähler, ein Beschleunigungsmesser, ein Barometer sowie ein Gyro-, ein geomagnetischer, ein Herzfrequenz-, ein Licht- und ein UV-Sensor integriert. NFC gibt es bei der Gear S nicht.

Im Großen und Ganzen steht die Uhr einem Smartphone in Sachen Ausstattung damit in kaum etwas nach, denn einen Lautsprecher und ein Mikrofon sind auch mit von der Partie. Der Lautsprecher ist für eine Smartwatch recht laut, auch wenn er in dieser Hinsicht nicht an den Mono-Lautsprecher des Galaxy Note 4 oder Note Edge herankommt. Und natürlich klingt er auch nicht so gut und klar, war aber trotzdem ein wenig überraschend. Die Position des Mikrofons ist nicht ganz optimal gewählt. Bei einigen Sprachmemos ist es passiert, dass die Aufnahme sehr leise wurde. Ich vermute, dass ich das Handgelenk unbewusst nach oben angewinkelt und das Mikro dadurch verdeckt habe.

Das einzige, das jemanden wirklich bei der Gear S fehlen könnte, ist eine Kamera. Die gibt es im Gegensatz zur Gear 2 bei der S-Variante nicht.

Tizen & Features

Wie auch schon bei der Gear 2 kommt als Betriebssystem nicht Googles Android Wear, sondern das hauseigene Tizen zum Einsatz.

(Foto: CNET).

(Foto: CNET).

Bedienung

Die Bedienung funktioniert hier wie üblich per Fingerwisch oder alternativ auch mittels Samsungs Sprachassistenten S Voice. Dieser nimmt Kommandos des Nutzers entgegen und ruft per Sprachbefehl auch Dritt-Anbieter-Apps auf. Es lassen sich zudem Kontakte anrufen, das Wetter oder Kalendereinträge abfragen, SMS-Nachrichten diktieren oder eine Suche im Netz nach gewünschten Informationen beauftragen. Das klappt in der Regel auch zuverlässig und recht gut, allerdings dauert es einige Zeit bis S Voice den Befehl verarbeitet und umgesetzt hat. Das dürfte künftig auch noch etwas schneller gehen. Manchmal hat S Voice auch einfach nicht auf den Sprachbefehl reagiert. Dann musste man das Display einmal aus- und wieder einschalten – dann ging es wieder.

(Foto: CNET).

(Foto: CNET).

Mit dem Homebutton auf der Vorderseite wird die Gear S ein- und ausgeschaltet oder aus einer Anwendung heraus der Homescreen aufgerufen. Anschalten lässt sich das Display wie bei Android Wear auch durch das Heben des Arms oder mit einem doppelten Fingertipp auf das Display. Wer vermeiden will, dass das Display ständig unbeabsichtigt angeht, kann dies auch abschalten. Per Sprachbefehl lässt sich die Gear S leider nicht aus dem Schlafmodus aufwecken. Dafür können Anwender wie bei Google Now ein eigenes Kommando für die Aktivierung von S Voice festlegen. Wer also den Sprachassistenten zum Beispiel in Star Trek-manier mit „Computer“ aktiveren möchte, der kann das auch bei Samsung’s Tizen tun. Ein langer Fingertipp auf den Homebutton führt noch zu den Quick-Settings wie Neustarten, Offline-Modus, WLAN oder Mobilfunk.

(Foto: CNET).

(Foto: CNET).

Ein Wisch von oben nach unten über den Homescreen holt Einstellungen für die Helligkeit sowie die Lautstärke auf den Schirm. Zudem lässt sich hier die Uhr schnell auf lautlos stellen. In Apps führt diese Geste stets zum vorherigen Bildschirm zurück. Wischt man vom Homescreen aus nach unten, öffnet sich der App-Drawer mit allen installieren Anwendungen und den Einstellungen. Hier findet man die Wähltasten, das Adressbuch, den Nachrichten- und E-Mail-Eingang, den MP3-Player und so weiter. Bei diesen beiden Gesten muss man ziemlich vom obersten beziehungsweise untersten Rand des Homescreens aus anfangen, sonst passiert nichts. Das ist anfangs etwas gewöhnungsbedürftig.

(Foto: CNET).

(Foto: CNET).

Links vom Homescreen hält Tizen Benachrichtungen bereit, rechts können Anwender bis zu fünf Homescreens mit Anwendungen wie S Health, den Musik-Player, News oder den Kalender anlegen. Ein paar mehr Felder wären aber sicherlich noch wünschenswert.

(Foto: CNET).

(Foto: CNET).

Tippen auf der Uhr – eine echte Herausforderung

Um mit Apps wie dem Opera Web Browser zu arbeiten, der auf der Gear S laufen kann, muss man entweder zur Qwertz-Tastatur oder eben zur Spracherkennung greifen. Das virtuelle Keyboard, das dann aufpoppt ist fast schon winzig. Mit einem Finger auf den kleinen Tasten zu agieren, ist möglich, aber benötigt volle Aufmerksamkeit und jede Menge Präzision. Etwas schwierig ist auf dem vergleichsweise kleinen Smartwatch-Display beispielsweise das Tippen zum Versetzen des Kursors. Die Tastatur verdeckt auch häufig den kompletten Bildschirm, kann aber mit einem Fingerwisch von oben nach unten wieder eingeklappt werden. Zudem ist bei mir des Öfteren der Bug aufgetreten, dass das Keyboard erst nach mehrmaligem Tippen reagiert. Dafür wird man beim Schreiben von Samsungs Schreibhilfe samt Wortvorschlägen unterstützt, die man auf der Uhr erst richtig zu schätzen lernt.

(Foto: CNET).

(Foto: CNET).

Zifferblatt

Das Zifferblatt der Gear S zeigt wie bei Android Wear nicht nur die Zeit an, sondern je Modell auch wahlweise direkt den Akkustand, die getätigten Schritte, die Anzahl der erhaltenen Benachrichtigungen, das Wetter oder das Datum. Über die Einstellungen stehen verschiedene Zifferblätter zur Auswahl. Es sind insgesamt 13 vorinstalliert, wovon allerdings nur drei aufwendiger aussehen. Weitere gibt es noch zum Herunterladen. Besonders schöne habe ich bei einem ersten, kurzen Durchstöbern des Samsung-Stores aber noch nicht entdeckt.

(Foto: CNET).

(Foto: CNET).

Neben dem Ziffernblatt können Gear-S-Besitzer auch ein Wallpaper und beispielsweise ein eigenes Bild als Hintergrund festlegen. Das Zifferblatt verschwindet nach einer einstellbaren Zeit von selbst und das Display geht aus. Wie bereits erwähnt, können Anwender auch den Always-On-Modus aktivieren, sodass die Gear S stets die Uhrzeit anzeigt. Dies verbraucht  aber mehr Strom.

Apps & Benachrichtigungen

Wie sieht es mit den verfügbaren Features und Apps für Samsung’s Gear und sein hauseigenes OS aus? Hier hat Samsung immer noch Nachholbedarf. Es gibt zwar schon eine Reihe Anwendung für die Gear S, die auch die 3G- und GPS-Funktionalität nutzen, aber es fehlen wie schon zum Start noch sehr viele Anwendungen, um die Uhr wirklich ohne Smartphone verwenden zu können. So fehlt beispielsweise immer noch ein Client für Skype. Auch Youtube-Clips kann man beispielsweise nicht anschauen – falls man das überhaupt möchte. Schade, hier hat sich offenbar in den letzten Monaten nicht viel getan.

(Foto: CNET).

(Foto: CNET).

Browser

Mit dem Opera Mini gibt es einen „vollwertigen“ Browser, mit dem man wie gewohnt surfen oder sich über die Webseite bei Facebook einloggen kann. Er lässt sich über den Gear Manager herunterladen. HTML5-Inhalte unterstützt der Opera Mini auf der Gear S allerdings kaum. Auf der Webseite HTML5test.com hat er gerade einmal 41 von 555 Punkten erreicht. Youtube-Videos gehen leider nicht. Seiten mit mobiler Ansicht stellt der Opera auf der Gear S in der Regel soweit gut dar. Bei der Desktop-Ansicht gibt es bei manchen Webauftritten Probleme.

(Foto: CNET).

(Foto: CNET).

Musik Player

Ein einfacher Musik Player, mit dem sich unabhängig vom Smartphone Musik abspielen lässt, ist unter Tizen bereits vorinstalliert. Er hat eine Shuffle- und Repeat-Funktion, unterstützt Playlists und zeigt Infos wie die Tracklänge an. Das dürfte den meisten zum Musikhören ausreichen. Die Verbindung mit einem Bluetooth-Headset ist übrigens ohne Probleme möglich. Ihr könnt wie bei Android Wear auf dem Smartphone gespeicherte Musik auf die Uhr kopieren. Beim Übertragen von Songs gibt es allerdings eine Daten-Beschränkung pro Kopiervorgang. Wer also viele Lieder auf einen Schwung auf die Gear packen will, muss das in mehreren Vorgängen machen.

(Foto: CNET).

(Foto: CNET).

Musik-Streaming-Apps, die unabhängig vom Smartphone arbeiten, habe ich bislang noch nicht entdeckt. Der Streaming-Dienst Deezer, der bereits eine App für die Gear anbietet, lässt sich beispielsweise auch wieder nur von dieser aus auf dem Smartphone bedienen. Die Fernsteuerung des Handys klappt mit dem vorinstallierten Musik Player im Grunde mit jeglicher anderen Media-Anwendung wie Google Play Music, Youtube oder Spotify, die auf dem Smartphone läuft. Unterschiede sind beispielsweise, dass dann keine Cover angezeigt werden. Eigenständige Clients dieser Anwendungen gibt es aber immer noch nicht für die Gear S. Wenn man sich in den Foren umhört, scheint es beispielsweise im Fall von Spotify wohl auch nicht mehr dazu zu kommen.

Theoretisch könntet ihr auch für den Offline-Betrieb auf das Smartphone heruntergeladene Musikstücke von Streaming-Diensten auf die Uhr kopieren, falls ihr die Musik beim Joggen hören wollt. Allerdings kommt man an die Files in den meisten Fällen nur mit Root-Zugriff heran. Ein einfaches Übertagen ist bis dato nicht möglich.

Navigation

Zur Navigation ohne Smartphone gibt es mit Nokia Here bereits eine App für die Gear S. Zum Konfigurieren ist hier kein Smartphone nötig. Anwender können die Offline-Karten direkt aus der Gear-App auf die Uhr laden und sich ohne gekoppeltem Smartphone Weganweisungen auf der Uhr anzeigen lassen. Die Echzeitnavigation klappt wiederum nur mit einem verbunden Galaxy.

(Foto: CNET).

(Foto: CNET).

Bei der Standorterkennung habe ich durchwachsene Erfahrungen gemacht. In Gebäuden findet die Gear S eure Position so gut wie nie, da sie wohl ausschließlich auf GPS setzt und nicht zusätzlich WLAN- oder Mobilfunknetze nutzt. Im Auto hatte ich häufig erst nach mehrmaliger Standortsuche GPS-Emfpang. Im Freien hat die Gear S den Aufenthaltsort aber sofort gefunden. Im Allgemeinen geht die Ortung jedoch mit dem Smartphone besser.

(Foto: CNET).

(Foto: CNET).

Bei der Navigation beschränkt sich Here für die Gear aber sowieso auf die Navigation zu Fuß oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln wie Bahn und Bus. Auf dem Smartphone gehen mit der Here Beta alle Optionen. Ihr könnt eine Route auch dort planen und an die Gear S schicken. Die Option Auto steht dann aber nicht zur Verfügung.

Im Samsung-App-Store findet man allerdings auch eine Navi-Anwendung, die einen Auto-Modus und weitere Features wie Satelliten-Ansicht, Streetview und Verkehrsinformationen bereithält.

Kalender

Per Sprachsteuerung können Gear-Träger Termine im Kalender anlegen. Die vorinstallierte App zeigt dann Einträge vom Google-Kalender an, ist aber auf rund zwei Wochen beschränkt. Wer beispielsweise nachschauen möchte, was in einem Monat ansteht, der muss dann doch wieder das Smartphone aus der Tasche ziehen. Was mir zudem fehlt ist eine Wochen-, Monats- und Jahresübersicht. Man kann nur per Fingerwisch einzelne Tage aufrufen. Will man zum Beispiel wissen, an welchem Tag Weihnachten ist, muss man sich eine andere Kalender-App herunterladen, von denen es aber nur eine Handvoll gibt. Eine umfangreichere Kalender-App, die dann beispielsweise auch Termine von allen Kalendern anzeigt, kostet wiederum Geld.

(Foto: CNET).

(Foto: CNET).

Fitness

Die Fitness-Funktionen der Gear S funktionieren auch ohne Smartphone. S Health zählt eure Schritte, misst euren Puls, überwacht den Schlaf und warnt vor zu langer Sonneneinstrahlung. Mit der Funktion Training könnt ihr dann zwischen den vier Aktivitäten „Laufen“, „Gehen“, „Radfahren“ und „Wandern“ wählen. Dabei zeigt S Health durchgehend euren Puls, den geschätzten Kalorienverbrauch und die Trainingszeit an. Auf Wunsch trackt die App auch die zurückgelegte Strecke samt GPS-Daten für eine Kartenansicht. Ihr könnt zudem ein Trainingsziel festlegen oder den Coaching-Mode aktivieren, sodass euch eine Stimme während dem Sporteln dampf macht. Anschließend hält S Health einige Statistiken zu euren Werten bereit und synchronisiert sich später mit eurem Galaxy-Smartphone. 

(Foto: CNET).

(Foto: CNET).

Getestet habe ich die Gear S beim Radfahren. Soweit hat sie auch alles aufgezeichnet, allerdings war die Pulsmessung nur am Anfang korrekt. Nach einiger Zeit hat sie nur noch zwischen 50 und 60 Herzschlägen pro Minuten angezeigt, obwohl ich ordentlich in die Pedale getreten habe und sicherlich einen höheren Puls hatte. Womöglich lag das an der Bewegung oder am Schweiß, da die Gear S die Herzfrequenz sonst eigentlich ganz gut erfasst hat. 

(Foto: CNET).

(Foto: CNET).

Neben S Health ist noch Nike+ für die Gear S erhältlich. Von den bekannteren Apps habe ich noch Endomondo und Runtastic endeckt.

Anrufe

Das Killer-Feature der Gear S ist ein Mobilfunkmodul, sodass ihr auch ohne gekoppeltem Smartphone Anrufe tätigen oder SMS empfangen könnt.

(Foto: CNET).

(Foto: CNET).

Anrufe könnt ihr wie beim Smartphone über Wähltasten oder wahlweise auch per Sprachbefehl tätigen. Das klappt ohne Probleme auch losgelöst vom Smartphone. Der Empfang war zum Großteil in Ordnung. Im Büro gingen ein paar Anrufe allerdings nicht durch und die Mailbox ran. Zum Sprechen nutzt man entweder den Lautsprecher und das Mikrofon der Gear oder ein Bluetooth-Headset. Es hallt zwar etwas, wenn man sich die Gear oder das Headset nicht direkt an den Mund hält, aber das ist verkraftbar.

(Foto: CNET).

(Foto: CNET).

Während der Gear-Lautsprecher mich bei der Musikwiedergabe mehr überzeugen konnte, ist er beim Telefonieren nicht gar so kräftig. In sehr lauten Umgebungen muss man die Gear schon näher ans Ohr halten, um etwas zu verstehen. Das gängigere Szenario dürfte aber auch die Verwendung eines Headsets sein. Dann ist der Konversationspartner viel lauter und deutlicher zu hören.

Samsung hat der Gear auch eine Anrufweiterleitung spendiert, sodass am Smartphone eingehende Telefonate direkt an die Uhr weitergeleitet werden – sofern sie nicht mit dem Handy verbunden ist und man verschiedene Nummern verwendet. Wird der Anruf dennoch verpasst, geht die Sprachbox ran. Diese lässt sich auch von der Gear S abhören.

SMS & E-Mail

Beim Verschicken von SMS ist die Gear S ebenfalls autark. Ihr könnt also Nachrichten auf der Gear S schreiben und empfangen. Den SMS-Verlauf stellt die Uhr mit Sprechblasen als Verlauf dar. Gruppen-SMS sind allerdings nicht möglich.

(Foto: CNET).

(Foto: CNET).

Wer eine E-Mail ohne Smartphone schreiben oder empfangen will, der wird dann aber erst einmal enttäuscht. Das Smartphone ist nicht nur wie zu erwarten zum Einrichten des E-Mail-Kontos nötig, sondern auch zum Senden und Abrufen der Mails. Ohne Bluetooth-Verbindung geht ärgerlicherweise gar nichts. Moment – zu früh gehatet: Der Gear Manager hält in den Einstellungen die Option „Remote-Verbindung“ bereit, die eine Verbindung zum Galaxy-Phone via Mobilfunk oder WLAN herstellt, falls das Smartphone nicht in Bluetooth-Reichweite ist. Dadurch könnt ihr E-Mails auch eigenständig, ohne das Smartphone dabei zu haben, mit der Gear S versenden und empfangen.

(Foto: CNET).

(Foto: CNET).

Der Gear-E-Mail-Client bietet eine Cc- oder Bcc-Funktion und greift auf die im Smartphone gespeicherten Kontakte zu. Einige Einschränkungen gibt es dabei aber dennoch: Anhänge und Bilder werden nicht unterstützt. Aktuell könnt ihr zum Einrichten des Kontos auf dem Smartphone auch nur die Standard-Samsung-E-Mail-App verwenden. Dritt-Anbieter-Programme werden in Verbindung mit der Gear (noch) nicht unterstützt. Von der G-Mail-App auf eurem Smartphone erhaltet ihr beispielsweise nur Benachrichtigungen. Antworten könnt ihr nativ nicht. Andere als die vorinstallierte E-Mail-App habe ich für die Gear S bisher nicht gefunden.

Zudem ist es laut Samsung-Webseite nur auf dem Galaxy Note 4 oder Galaxy Note Edge möglich, neue E-Mails zu erstellen und gleichzeitig dem Sender sowie allen zusätzlichen Empfängern zu antworten. Das Antworten auf eingehende Nachrichten klappt laut Samsung noch vom Galaxy S5, Galaxy Alpha und Galaxy Mega 2. Allerdings könnt ihr hier nur dem Absender direkt zurückschreiben. Mit einem Note 2 oder Note 3 soll dies aber beispielsweise nicht funktionieren und nur der Empfang von E-Mails möglich sein.

Benachrichtigungen

Benachrichtigungen dürfte für die meisten wohl die am häufigsten verwende Funktion sein. Im Grunde erhaltet ihr von allen kommunikationsrelevanten Apps Benachrichtungen auf der Gear S. Darunter Skype, Facebook Messenger, WhatsApp, G-Mail und so weiter. Allerdings nur, wenn das Smartphone und die Uhr verbunden sind. Dank des Remote-Zugriffs, geht dies aber auch per Verbindung über das Mobilfunk netz, sodass nicht zwingend eine Bluetooth-Verbindung bestehen muss.

(Foto: CNET).

(Foto: CNET).

Auch nach zahlreichen Monaten haben nur wenige Hersteller entsprechende Apps für Tizen entwickelt, sodass Anwender von der Smartwatch aus auch auf die Benachrichtigungen direkt antworten können. Bei E-Mails und SMS klappt das ohne Probleme ab Werk. Für WhatsApp, Hangouts oder Facebook sind Dritt-Anbieter-Anwendungen nötigt, die das Antworten bei einigen der Dienste ermöglichen. Diese sind wieder einmal kostenpflichtig.

(Foto: CNET).

(Foto: CNET).

Hier ist Android Wear schon einen Schritt weiter. Facebook und WhatsApp haben den Support beispielsweise schon offiziell integriert, sodass ihr per Sprachbefehl auch gleich antworten könnt, ohne eine App kaufen zu müssen.

Akku

Die Stromversorgung übernimmt ein 300-mAh-Akku. Mit einer Akkuladung hält die Uhr laut Samsung bei durchschnittlicher Nutzung zwei Tage, im Standby vier Tage lang durch. Aufgeladen wird die Gear S mit Hilfe eines Ladedocks. Praktisch ist, dass man die Ladestation bei der Gear S bei Bedarf auch als Akkupack verwenden kann. Sie lässt sich zu Hause aufladen und unterwegs an die Smartwatch andocken, um sie einmal komplett aufzuladen. Damit kommt die smarte Armbanduhr auf eine Akkulaufzeit von insgesamt rund vier Tage, so Samsung. Das Aufladen dauert von 0 auf 100 Prozent ungefähr 2,5 Stunden.

(Foto: CNET).

(Foto: CNET).

Bei der alltäglichen Nutzung hat die Uhr bei uns ungefähr 1,5 Tage durchgehalten mit gut drei Stunden Screen-on-Time und intensiver Verwendung: das heißt einige Zeit Browsen, ein paar Sprachmemos aufnehmen, etwas Musik hören, zwei bis drei Mal den Puls messen und Apps installieren. In der weiteren Zeit habe ich nur Benachrichtigungen gecheckt oder die Uhrzeit abgerufen. Der Always-on-Mode war dabei ausgeschaltet. Lässt man sich die Uhrzeit dauerhaft anzeigen, geht der Gear S schon deutlich früher der Saft aus.

Beim Musik hören mit einem verbunden Bluetooth-Headset kamen wir auf eine Akkulaufzeit von knapp 3,5 Stunden. Wer während dem Sport seinen Lieblingssongs lauscht und gleichzeitig die S-Health-Aufzeichnung samt durchgehender Pulsmessung aktiviert hat, der saugt den Akku schon in rund 2 Stunden leer. Läuft dann auch noch GPS zum Aufzeichnen der zurückgelegten Wegstrecke, geht es noch schneller. Allein das Fitness-Tracking  samt Streckenerfassung hat den Akku hochgerechnet schon in knapp über 2 Stunden geleert. Für ein Workout dürfte der Akku aber gerade so ausreichen. Danach ist die Uhr aber leer. Wer eine längere Tour plant, der sollte das Ladedock der Gear S und am besten auch noch ein zusätzliches Akkupack dabei haben.

(Foto: CNET).

(Foto: CNET).

Ist der Akku knapp, bietet die Gear S ähnlich wie das Galaxy S5 einen Power-Saving-Mode, mit dem man noch etwas mehr aus der verbleibenden Kapazität rausholen kann. Wird er aktiviert, wechselt die Smartwatch in den Schwarz-Weiß-Modus und beschränkt sich auf die Funktionen Anruf, Nachrichten und Benachrichtigungen. Alle Verbindungen wie WLAN, Bluetooth und GPS werden abgeschaltet. Den Mobilfunk kann man bei Bedarf wieder aktiveren.

Fazit

Die Samsung Gear S ist definitiv nicht für jeden eine Kaufempfehlung. Sie dürfte vielen nicht nur zu groß und zu teuer sein, sondern kann auch nur mit Samsung-Galaxy-Geräten genutzt werden. Kompatibel sind auch nicht alle Smartphones des Elektronikkonzerns. Für die Samsung-Besitzer mit einem kompatiblen Gerät ist die Gear S aber die bisher am besten ausgestattete Smartwatch, dank der man das Smartphone auch durchaus mal zu Hause lassen kann. Komplett ersetzen kann sie das Mobiltelefon aber nicht. Zur Einrichtungen sowie mehreren anderen Funktionen ist immer noch eine Verbindung zum Smartphone nötig.

Samsungs Tizen macht einen guten Gesamteindruck und ähnelt in Sachen Design und Bedienung Googles Android Wear. Wer bisher dachte: Ohje, Tizen, der kann – zumindest was diese Punkte des OS angeht – aufatmen. Schade ist, dass es auch nach mehreren Monaten nun noch keine große Auswahl an Apps für die Gear S gibt, die auch die Standalone-Funktionen der Uhr nutzen.

Wer darauf verzichten kann, die Smartwatch auch ohne Smartphone zum Telefonieren, SMS schreiben oder Navigieren zu verwenden, der kann alternativ auch einen Blick auf die Gear 2 oder die etwas günstigeren Android-Wear-Modelle der Konkurrenz werfen. Gegenüber der Gear 2 hat die Gear S auch einige Nachteile. Sie ist nicht zu herkömmlichen Armbänder kompatibel und kommt ohne Kamera.

Nachfolgend noch das Testvideo unserer Schwesterseite Gizmodo.de:

Christian Schartel
Autor: Christian Schartel
Redakteur
Christian Schartel Christian Schartel Christian Schartel

Neueste Kommentare 

Noch keine Kommentare zu Samsung Gear S mit Mobilfunkmodul und Tizen OS im Test

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *