Fujifilm X30: Retro-Klassiker mit schnellem Autofokus

Die X30 von Fujifilm ist eine Kompaktkamera mit Anspruch. Ein lichtstarkes Objektiv und Fujifilms ungewöhnlicher Bildsensor X-Trans versprechen beste Bildqualität. Der CNET-Test zeigt, ob die Kamera dem hohen Anspruch gerecht wird.

Die Fujifilm X30 zählt zur Klasse der Premium-Kompaktkameras. Digicams also, die größer und schwerer sind als die Immer-dabei-Kamera für die Jackentasche und sich an den engagierten Hobbyfotografen wenden. Die Fujifilm verfügt über ein fest eingebautes Objektiv mit einer größten Blendenöffnung von 2.0 und einen optischen 4fach-Zoom von 7,1 – 28,4 Millimeter (entsprechend 28 – 112 Millimeter Kleinbild). Also ein sehr lichtstarkes Objektiv für Fotografen, die auch bei schlechten Lichtverhältnissen nur ungern den Blitz zuschalten und keine extremen Brennweiten benötigen. Der Bildstabilisator sitzt im Objektiv.

Klassiker: Trotz des etwas altmodisch anmutenden Designs ist die X30 vollgepackt mit anspruchsvollen Hightech-Funktionen. (Foto: Mehmet Toprak)

Klassiker: Trotz des etwas altmodisch anmutenden Designs ist die X30 vollgepackt mit anspruchsvollen Hightech-Funktionen. (Foto: Mehmet Toprak)

Design und Bedienung: Retro-Look, gute Verarbeitung

Von der Optik her ordnet sich die X30 in die Riege der Retro-Kameras ein, wobei das in diesem Fall nicht aufgesetzt wirkt. Man könnte auch sagen, die X30 ist eine klassische Schönheit, vielleicht etwas altmodisch, aber seriös und funktionell. Wer seine fotografischen Anfänge noch in Analogzeiten gemacht hat, wird sich mit der X30 jedenfalls schnell anfreunden.

Nostalgisch stimmt auch die gute Verarbeitung. Alle Bedienelemente wie Einstellräder, Tasten oder Knöpfe sitzen fest und bewegen sich ohne Spiel. Hinzu kommt das feste Magnesiumgehäuse. Das Objektiv ist mit einer dicken silberfarbenen Kunststoffkappe geschützt. Gerade in punkto Verarbeitung erinnert die X30 an die Digicams von Olympus´ Pen-Serie, wobei Letztere als Systemkameras mit Wechselobjektiv konzipiert ist und sehr elegant und filigran daherkommen. Dagegen wirkt die Fujifilm fast klobig.

Premium-Kompaktkamera: Die Fujifilm X30 ist zu groß für die Jackentasche, liegt aber sehr gut in der Hand. (Foto: Mehmet Toprak)

Premium-Kompaktkamera: Die Fujifilm X30 ist zu groß für die Jackentasche, liegt aber sehr gut in der Hand. (Foto: Mehmet Toprak)

Aber gerade, weil die X30 mit Abmessungen von 118,7 x 71,6 x 60,3 Millimeter nicht auf Kompaktheit getrimmt ist, liegt sie sehr gut in der Hand. Das Gewicht (423 Gramm) ist gut ausbalanciert, zumal das Objektiv nicht sehr weit herausragt.

Technik: Hochwertiger Bildsensor

Technisches Herzstück der X30 ist der 2/3 Zoll große Bildsensor (5,6 x 4,2 Millimeter) X-Trans CMOS II. Der X-Trans genießt in der Branche einen guten Ruf. Dessen Farbfilter besteht laut Fujifilm aus „6 x 6 RGB Pixel-Einheiten“, die ein bewusst unregelmäßiges Muster ergeben. Dadurch sollen auch Details und feine Strukturen gestochen scharf aber ohne hässliche Moiré-Effekte wiedergeben werden. Außerdem sind in jeder Pixelreihe alle Farbinformationen für Rot, Grün und Gelb (RGB) enthalten, was eine verbesserte Farbwiedergabe gewährleisten soll.

Wichtig für Profis oder solche, die es werden wollen: Die X30 fotografiert auch im RAW-Format, wahlweise speichert sie Bilder auch doppelt ab, als JPEG- und als RAW-Datei. Diese Kamera will eindeutig in der Oberliga mitspielen.

Dass dies zumindest bei der Bildqualität gelingt, beweisen die ersten Probefotos. Die Bilder überzeugen durch ausgeglichene, eher zurückhaltende Farbgebung, feine Details und gute Schärfe. Insgesamt liegt die Bildqualität irgendwo zwischen Kompaktkamera und guter Spiegelreflexkamera, allerdings näher an Letzterer.

Einschalten: Der Objektivring dient auch als Ein- und Ausschalter der Kamera. (Foto: Mehmet Toprak)

Einschalten: Der Objektivring dient auch als Ein- und Ausschalter der Kamera. (Foto: Mehmet Toprak)

Alltagstest: Gutes Bedienkonzept, viele Funktionen

Das 3-Zoll-Display (7,6 Zentimeter) lässt sich nach oben und unten heraus klappen, das Scharnier ist sehr stabil gearbeitet. Die Digicam verfügt auch über einen elektronischen Sucher mit 2,36 Millionen Pixel. Das Vorgängermodell X20 begnügte sich noch mit einem optischen Sucher. Im Test erweist sich der Sucher als sehr hell und brillant, eine Verzögerung des Bildes ist nicht zu bemerken. Ein Augensensor erkennt, wenn sich das Auge nähert und schaltet dann den Sucher ein, und gleichzeitig das LC-Display aus.

Klares Bedienkonzept: Neben dem Moduswählrad liegt das Belichtungskorrektur-Rad. (Foto: Fujifilm)

Klares Bedienkonzept: Neben dem Moduswählrad liegt das Belichtungskorrektur-Rad. (Foto: Fujifilm)

Die Bedienung bietet eine Menge Analog-Feeling. So wird die Brennweite beispielsweise nicht über ein Hebelchen am Auslöser, sondern über den Zoomring am Objektiv verstellt. Praktisch ist auch der Steuerring am Objektiv. Je nach voreingestelltem Modus lassen sich durch Drehen des Rings Belichtungsparameter wie Blende oder Verschlusszeit direkt verändern. Im manuellen Fokusmodus dient er zum Scharfstellen des Motivs. Mit dem Belichtungskorrektur-Rad auf der rechten Oberseite der Kamera verstellt der Fotograf den Belichtungswert.

Flexibel: Das 7,6 Zentimeter große Display lässt sich oben oder unten herausklappen. (Foto: Mehmet Toprak)

Flexibel: Das 7,6 Zentimeter große Display lässt sich oben oder unten herausklappen. (Foto: Mehmet Toprak)

Daneben bietet die X30 auch in dieser Kameraklasse selbstverständliche Features wie manuelle Belichtung, viele Möglichkeiten, die Belichtung zu verändern sowie diverse Automatikprogramme und Effektfilter.

Ein Druck auf den „Q-Knopf“ holt ein Schnellmenü aufs Display, in dem man häufig benutzte Einstellungen kontrolliert. Hier kann man beispielsweise den ISO-Wert in einem Bereich zwischen 100 und 12.800 einstellen.

Das Menü ist übersichtlich und logisch aufgebaut, mehr als einen Abend zur Einarbeitung sollte man nicht benötigen.

Die Belichtungsmessung arbeitet mit 256 Zonen, wobei die üblichen Optionen wie Spot-, Mehrfeld- und Integralmessung zur Auswahl stehen. Ähnlich auch beim Fokus, hier stehen Einzel-AF, kontinuierliche Scharfstellung für bewegte Objekte und manueller Fokus zur Verfügung. Außerdem kann der Nutzer auch einen einzelnen Punkt festlegen, auf den scharf gestellt werden soll. Im Makromodus stellt die X30 ab einer Entfernung von 1 Zentimeter scharf.

Die Fujifilm X30 ist in Schwarz oder Silber erhältlich. (Foto: Fujifilm)

Die Fujifilm X30 ist in Schwarz oder Silber erhältlich. (Foto: Fujifilm)

Der Hybrid-Autofokus schaltet je nach Motiv zwischen dem schnellen Phasen- und dem genauen Kontrastautofokus um. Dementsprechend ist der schnelle und zuverlässige Autofokus in der Praxis eine der Stärken der Fujifilm. Die kürzeste Verschlusszeit beträgt 1/4000 Sekunde. Serienbilder werden mit maximal 12 Bildern pro Sekunde aufgenommen. Damit gehört die X30 zu den wirklich schnellen Kameras. Gemeinsam mit dem rasanten Autofokus, dem lichtstarken Objektiv und dem elektronischen Sucher bekommt der Fotograf so ein ideales Arbeitsgerät für die Straßenfotografie in die Hand.

Fernauslöser: Die Smartphone-App löst die Kamera über die WLAN-Verbindung aus und erlaubt die Einstellung der Belichtungsparameter. (Foto: Mehmet Toprak)

Fernauslöser: Die Smartphone-App löst die Kamera über die WLAN-Verbindung aus und erlaubt die Einstellung der Belichtungsparameter. (Foto: Mehmet Toprak)

Weitere Features: Fotografieren für Profis

Auch für fortgeschrittene Hobbyfotografen hat die X30 einige interessante Features an Bord. Will man auf Nummer sicher gehen, dass der Schnappschuss auch wirklich brauchbar wird, dann wählt man die Option Belichtungsreihen. Dabei macht die Fujifilm drei Fotos hintereinander, mit jeweils leicht veränderten Werten. Es gibt Belichtungsreihen bei Lichtwerten, Weißabgleich, ISO-Empfindlichkeit und bei der sogenannten Filmsimulation. Letzteres ist eine Spezialität von Fujifilm, dabei wendet man die Farbcharakteristik und den Look bestimmter Kleinbildfilme aus der Analog-Ära auf das Bild an.

Gute Bildqualität: Ein feinzeichnendes, detailscharfes Bild mit ausgeglichener Farbgebung kennzeichnet die X30. (Foto: Mehmet Toprak)

Gute Bildqualität: Ein feinzeichnendes, detailscharfes Bild mit ausgeglichener Farbgebung kennzeichnet die X30. (Foto: Mehmet Toprak)

Interessant ist die Option „Profokus“. Hier macht die Kameraelektronik den Hintergrund der scharfgestellten Motivs unscharf, was beispielsweise bei Portraitaufnahmen sinnvoll sein kann. Beim manuellen Scharfstellen hilft eine Peaking-Funktion, mit der Kontrastumrisse farblich hervorgehoben werden. Auch Parameter wie Farbtemperatur, Rauschreduktion, Schärfe oder Dynamikbereich lassen sich individuell anpassen.

Insgesamt bietet die Fujifilm X30 eine gelungene Kombination aus sinnvollen Einstellmöglichkeiten für ehrgeizige Fotografen und übersichtlicher Bedienung.

Schärfe: Hohe Auflösung und Detailschärfe gehören zu den Vorzügen der Fujifilm X30. (Foto: Mehmet Toprak)

Schärfe: Hohe Auflösung und Detailschärfe gehören zu den Vorzügen der Fujifilm X30. (Foto: Mehmet Toprak)

Video und WLAN: Alles an Bord

Videos dreht die Digicam in Full-HD (1920 x 1080 Pixel) mit 60 Bildern pro Sekunde, wahlweise ist auch eine Bildrate von 50, 30, 25 oder 24 Bildern einstellbar. Zeitlupe ist nicht vorgesehen.

Auch eine Buchse für den Anschluss eines externen Mikrofons ist vorhanden. Damit ist die Kamera auch für kleinere Videoprojekte durchaus geeignet.

Ein WLAN-Modul ist ebenfalls an Bord. Im Praxistest klappte die Verbindung zum Android-Smartphone tadellos. Die App „Fujifilm Camera Remote“ (Android und iOS)bietet nicht nur die Möglichkeit, die X30 fernauszulösen und Bilder auf das Mobilgerät zu übertragen, man kann auch Belichtungsparameter wie Blende oder ISO-Wert anpassen. Darüber hinaus lassen sich die GPS-Geodaten herunterladen und mit den Fotos verknüpfen.

Der Akku wird direkt in der Kamera geladen, die via USB-Kabel an einen Netzadapter angeschlossen wird. Ein externes Ladegerät ist leider nur als Zubehör erhältlich.

Ganz nah: Bei Makroaufnahmen kann man bis auf einen Zentimeter rangehen. (Foto: Mehmet Toprak)

Ganz nah: Bei Makroaufnahmen kann man bis auf einen Zentimeter rangehen. (Foto: Mehmet Toprak)

Fazit: Kameraklassiker mit Hightech-Features

Trotz ihres schlichten Retro-Designs hat die X30 eine Menge zu bieten. Nicht nur die hohe Qualität von Objektiv und Sensor, auch die vielen Optionen für engagierte Fotografen machen aus der X30 eine hochwertige Fotomaschine. Highlights sind der helle elektronische Sucher und der schnelle Autofokus. Der Preis von 549 Euro ist angesichts der robusten, langlebigen Verarbeitung angemessen.

Nicht verlieren: Die dicke Kunststoffkappe schützt das Objektiv der Fujifilm X30. (Foto: Mehmet Toprak)

Nicht verlieren: Die dicke Kunststoffkappe schützt das Objektiv der Fujifilm X30. (Foto: Mehmet Toprak)

 

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